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Freiheit und Neeht!"

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jg 1S4» Wiesbaden. Dienstag, « August 18^0.

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D« R r r 11 Zeitung" erscheint, mit LuSnadme deS Montags, täglich in einem Bogen. üer Abonnemenisprns betragt v »erletia^rig hier in ÄleSdaden I 8. 45 tr aus. wärt« durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen uns fhw bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets »so mirs, jomem Erfolge. - Lte ZnserationSgebühren betragen für die vierfpalttg» Petttzetl» 3 «reu,er.

Schleswigs Wiedervergeltung.

X Die Politik ist kein Kinderspiel! Sammlungen für einzelne Opfer der Gewaltthat oder der Verhältnisse siiö> in allen politischen Ländern von jeher üblich ge­wesen; Sammlungen zur Organisation, Befestigung der , Partei, zur Hebung der Presse n. s. w. wurden in den 1 Tagen des Kampfes überall und von allen Par­teien als Ehrensache und Pflicht der Selbsterhaltung betrachtet; aber es gehörte der ganze Romanticismus, die ganze burschikose Großthuerei , der Kolossale politi- sche Unverstand der Gagern und Genossen dazu, durch ' Beiträge von Privaten eine deutsche Flotte bauen zn I wollen. Kam« thörichter , als dies Beginnen, ist der kindische Enthustasmlis derer, welche sich einbilden, mit Kreuzern und Groschen, ja mit Zeichnungen von 100 und von 1000 Gulden den Krieg gegen Dänemark führen zn können. Deutschland hat im Verhältniß zn seiner Größe allerduigs noch wenig gethan : die Reichen, welche als Konstitutionelle viel zahlen sollten, drücken sich hier wie immer,, so gut sie tonnen, und das Volk in Masse ist nicht so beschränkt mehr, als die Gothaer sich einbilden. Möge man geben, was man kann, um Kranke zu heilen und die Hinterbliebenen zu unter­stützen; aber was zum Kriegführen gehört, lerne man aus Zahlen! Die Köln. Ztg., welche für das Sam­meln den Mund so voll nahm, gesteht bereits zn, daß nlle Beiträge nur Tropfen im Meere sind und ihrer Natur nach bleiben müssen. Ihr wird aus Kiel ge­schrieben:Können die Vereine es nicht dahin bringen, daß monatlich mindestens 200,000 Thlr. für die Herzogthümer aufgebracht werden, so verlieren sie jeden Einfluß auf eine Entscheidung. Die Löhnung der gemeinen Soldaten beträgt allein monatlich fast 200,000 Thlr., dazu kommen die Gage der Officiere, die Peu- iwuen für die Verwundeten und Hinterbliebenen der Gefangenen, die Erhaltung und Herbeischassnng des Kriegsmaterials, der kleinen Flotte u. s. w." Unter den obwaltenden Verhältnißen ist aus Schleswig selbst durchaus weder Geldunterstützung noch sonstige Bei­hülfe zu hoffen. Die Herzogthümer sind zwar reich, aber die Rüstungen haben viel gekostet, man führt nun schon seit drei Jahren Krieg und hat ein Heer von 40,000 Mann ins Feld gestellt; man hat in derselben Zeit seine Produkte schwer oder gar nicht verwerthen können, da der Handel überhaupt stockte und hier der Absatz noch so grenzenlos erschwert, ja fast unmöglich gemacht wurde. Das sind schwere materielle Hin­dernisse. Dazu kommen andere wo möglich noch ver­derblichere! Die Armee leidet noch immer am Man­gel tüchtiger Officiere; aber Polen und Ungarn stellt die Statthalterschaft unter keiner Bedingung an und sogar mit den deutschen ist sie so wählerisch, daß nur Officiere und Uuterofficiere, welche gute Zeugnisse haben, (d. h. an denen kein Verdacht demokratischer Gesinnung klebt!) Anstellung erhalten. Daß die Für­

sten ohne Ausnahme ihren Officieren den Urlaub, ja fast überall sogar den Abschied verweigern, wenn sie nach Schleswig-Holstein gehen wollen, ist nicht mehr zu leugnen. Es ist deshalb alles Mögliche, wenn am 30. Juli dennoch bereits 60 neue deutsche Officiere in Kiel angelangt waren.

Aber was sind 60 Offizieremit guten Attesten", da es Thatsache, daß die Armee nur sehr wenige tüch­tige Offiziere zählt, daß von den vorhandenen 160 bei Id­stedt kampfunfähig wurden und ohnehin schon dort die Of­fiziere sehr dünn gesäet waren. Der Umstand, daß die Dä­nen in jedem Bataillon 14 Scharfschützen haben, die blos auf die Offiziere schießen, wird auch nicht grade geeignet sein, diegutattestirteu" Offiziere zum Feld- zuge zu verführen. Doch diese Schwierigkeiten sind immer noch klein gegen den Umstand, daß die Führung des Krieges in der Statthalterschaft in den Händen notorischer politischer Dummköpfe oder hohler Doktri­närs liegt, und an der Spitze der Armee ein Mann steht, der zwar vortrefflich zu den Eisele und Beiscle in Kiel paßt, aber ein sehr zweideutiger politischer Charakter und jedenfalls ein sehr mittelmäßiger Feldherr ist. Für un­ser wiederholt ausgesprochenes Mißtrauen gegen dieses beschränkten, zopfreichen Generals Talent erhalten wir jetzt in den Blättern der verschiedensten Farben Be­stätigungen. So wird der R. Pr. Ztg. geschrieben: Unter den Offizieren der, jEckernsörver Garnison war in der Nacht vorn 25sten zum 26sten über Willi- sen's Taktik nicht gerade eine sehr günstige Stimmung bemerkbar. Allgemein frug man sich, warum er denn das Organisiren einer Reserve, was doch dringend nöthig gewesen, und was der Schlacht einen anderen Ansgang zn geben vermocht hätte, ganz unterlaßen habe. In der That ging die Schlacht von Idstedt aus drei Gründen verloren, von denen der erste Mangel an Reserve, der zweite die schlechte Organisation der schleswig-holsteinischen (Kavallerie gewesen. Diese hat nie mit der dänischen sich zu messen vermocht, Willisen aber hat ste noch reducirt, weil er meint, daß Caval- lerie im großen Kriege nichts nütze und nur zu Pa­trouillendienst zu brauchen sei. Als nun in dem Au­genblicke , in welchem die Schlacht auf der kritischen Höhe stand, seinem Centruin (wie man sagt durch Mißverständniß) die Munition ansging, ließ er, nach­dem sein Bajonettenangriff mißlungen und die Dänen teilt Centrum mit der blanken Waffe zu Leibe gingen, seine zwei Schwadronen Dragoner dem vorrückenden Feind in die Flanke fallen ein Manöver, das nutz­los war, weil zwei Schwadronen die starke dänische Sturmcolonne eben so wenig aufhalten konnten, wie ein Hemmschuh eine Lokomotive. Wären zehn Schwa­dronen vorhanden gewesen, die sich bei dem außeror­dentlichen Pferdereichthu«» Holsteins sehr leicht hätten aufbringen lassen, so wäre der Ausgang der Schlacht wahrscheinlich ein anderer gewesen. Der dritte Fehler war endlich der, daß man in der Position von Id­stedt überhaupt eine große Schlacht annahm. Die

Stellung ist g: t, und gegen ein numerisch schwächere- Corps also ;. B. gegen das von Schleppegrell, welches den Schleswig-Holsteinern anfänglich allein gegenüber stand konnte man nichts Besseres thun, als sich auf die Seen stützen, die den Rücken decken. Mit der ganzen dänischen Macht aber hätte man sich auf tiefem Terrain was als offenes Haideland der dänischen (Kavallerie den weitesten Spielraum bot in keinen Eutscheidungskampf entlassen sollen. DaS tigent.iche deutsche Schleswig, was zwischen Schley und Eider liegt, ist mit dichten, jetzt im Blätterschmuck prangenden Hecken schachbrettartig durchzogen hier also wäre für holsteinische Truppen das Feld des Sie- ges gewesen."

Doch was wußte Willisen davor«? Selbst nicht einmal das hat dieser große Feldherr gemerkt, daß die Schlacht noch gar nicht verloren war, oder doch durch einen kühnen Streich, wie von der Tann wollte, wiederauf der Stelle die Scharte ansgcwctzt werden konnte. Wende man dagegen nicht ein, daß die Schleswig- Holsteiuer zu eiuwft gewesen seien! Sie mußten noch im ersten Feuer wieder zum Los brechen gebracht werden, wenn uocrhaupt von der Erhaltung des Herzogthums Schleswig die Rede sein sollte. Und um dieses han­delte es sich ja doch! Sobald die Dänen sich in Schleswig und Eckernförde festgesetzt, gehörte ein enor­mer Kraftaufwand 311 ihrer Vertreibung, das wußte jedes Kind! Eben so bekannt war es, daß dies Vcr- phanzen grade die a te Kriegssitte der Dänen ist, die hinter Wall und Riegel und an Bord ihrer Schiffe eine doppelte Tapferkeit entwickeln. Es galt daher, sie nicht dazu kommen zu lassen; es galt, den Feind zum Rückzüge zu zwingen oder sich in dieser ersten entscheidenden Schlacht bis auf den letzten Mann zu schlagen. So allein war Schleswig zu retten, so die Sache zu einem rühmlichen und raschen Ende zu fit fr» ren. Dem^Füvften nttEuukN lange Kriege führen, weil sie das Zeug dazu haben, die nöthige Dosis Herzlosigkeit; Völker müssen rasch 311 einer Entschei­dung ich reiten oder ihre Sache ist verloren. Man denke an Italien, an Wien, an Baden! In den nor­dischen Herzogthümer» wird es schwerlich anders gehen; man wird in einer neuen Schlacht vielleicht Holstein retten, doch Schleswig wieder zu erobern wird schwer­lich gelingen: der Moment ist bei Idstedt verpaßt! ist traurig, daß dem so ist; aber besser wir ma­chen unS keine Illusionen, besser, wir blicken dem Schlimmsten ruhig ins Gesicht, als daß wir uns mit den Gagern's wieder blauen Dunst vormachen. Ge­neral von Radowitz hat dem Edlen, der übrigens gar nicht bei dem Könige von Preußen war, sondern nur mit Schleinitz konferirte, natürlich ohne irgend wel­chen Erfolg die Wahrheit sehr unumwunden ge­sagt. Als von der Unionsfrage die Rede war, bemerkte der preußische Diplomat, wie das Corresp. -Bureau ! und dieO-P-A-Z." gleichzeitig berichten, zu Herrn 1 Heinrich v. Gagern:wolle man nicht, daß die vor

E Die evangelische Kirche zu Wiesbaden.

Der furchtbare Brand, der am Nachmittag des 27. Juli die evangelische Kirche, das älteste und bedeutsamste Gebäude dieser Stadt, in weniger als drei Stunden in Schutt mit Asche gelegt hat, ist eins der vcrhäuguiß- vollsten Ereignisse, die seit lange unsere Stadt heimge- sucht haben. Die allgemeine und tiefgreifende Theilnahme, welche dieses Unglück unter Einheimischen und Fremden hervorgerufen hat, wird einem großen Theil der Leser d. Bl. die anspruchlose Mittheilung einiger geschichtlichen Nachrichten über das Kirchengebäude nicht unwill­kommen erscheinen lassen. Da, soviel wir wissen, eine genauere Untersuchung und ausführlichere Beschrei­bung der Kirche und ihrer Denkmäler vorbereitet wird, so dürfen wir uns hier auf eine Zusammenstellung der Hauptthatsachen beschränken.

Die Nachrichten, welche sich aus den Zeiten des Mittelalters über den fraglichen Kirchenbau vorfinden, sind leider nur höchst unvollständig vorhanden, weil durch den im Jahre 1547 Montag nach Misericord. Domini ausgebrvcheum Brand, der die ganze Stadt (oder, wie Urkunden sagen: das gantze Stättlein und uf den Bädern) bis auf das Schloß und höchstens 20 Wohn­häuser in Asche gelegt hat, |tie meisten älteren Ur­kunden vernichtet worden sind. Die ursprünglich auf dieser Stelle vorhanden gewesene Knelie oder Kapelle, die dem H. Mauritius geweiht war, mag im Laufe des

15. Jahrhunderts baufällig oder für die Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung nicht mehr ausreichend gewesen sein, was sich um so leichter begreift, da die Gemeinde sich nach allkirchlichem Brauch nur gleicher Erde ver­sammelte , indem bekanntlich erst ter Geschmacklosig­keit des 17. und 18. Jahrh. Vorbehalten blieb, durch i Treppenanlagen, Gerüste und Holzstellagen aller Art [ das Innere der Kircheugebäude zu verunstalte».

Gewiß ist, daß im Jahr 1488 der Grundstein zu einem neuen, größeren Kircheugebäude gelegt wurde, und dieser Stein hat sich mit seiner Juschn t durch allen Wechsel der Zeiten hindurch erhalten und ist an der Außenseite der nördlichen Langseite eingemauert, noch heute unversehrt zu sehen. Auch dieser Bau mag durch den furchtbaren Biand von 1547, der die Kirche, die Thürme der Ringmauer und sogar die massiven Stadt« thore verzehrte, zum großen Theil zerstört worden fein; doch machen innere Gründe eS wahrscheinlich, daß die noch stehenden Umfassungsmauern des Chores, sowie die beiden untersten Stockwerke deS Thurmes in ihren we­sentlichen Theilen noch aus dem Ende des 15. Jahrh, herrühren. ES mag jedoch noch dahin gestellt bleiben, ob daS Schiff der Kirche damals noch in herkömmlicher Weise durch eine doppelte Pfeilerstellung in drei Lang­schiffe abgetheilt und mit Kreuzgurten überwölbt worden ist, indem eine Constrnction von solcher Solidität, (wie I sie sich erst in diesen Tagen an dem untersten Thurm- 1 gewölbe, tat die ganze Wucht des eiubrechenken Glocken-

stuhles unerschüttert auszuhalten vermochte, so meister­haft bewährt hat) ohne Zweifel dem in teni Brande von 1547 zerstörten Dachstuhl den nöthige«« Widerstand ge­leistet und eine raschere Wiederherstellung des ganzen Gebäu­des möglich gemacht haben würde, als solche in der That geschehen ist. Denn erst 14 Jahre nach dem Brand (1561) konnte der neue Bau unter Dach ge­bracht werten, und mit der inneren Einrichtung und äußeren Vollendung mag es kümmerlich genug herge- gangen sein, da ein zweiter furchtbarer Brand, (aut« gebrochen d. 12. Juni 1561) außer einer Masse von Scheuern und Ställen wiederum 53 Wohngebäude in Asche legte. Die weiteren Zeitläufte, insbesondere die schweren Drangsale des dreißigjährigen Krieges, in dessen Verlauf die Kirche mehrmals auSgeplündert wurde und für den gottesdienstlichen Gebrauch vier Jahre lang (von 1644 bis 48) zwischen den Katholischen und Lutherischen getheilt blieb, von wo 164415 in 13 Monaten kein Kind getauft wurde, wo Sträucher und Hecken den Markplay bedeckten, in denen Hasen und Rebhühner nisteten, diese fürchterlichen Zustände sollen hier nur vorübergehend erwähnt werden, um begreiflich zu machen, daß bedeutende bauliche Aenderungen damals wie im ganzen Verlauf des 17. Jahrh, mit der Kirche nicht vorgenom- men Worten sein mögen. Erst unter dem Fürsten Georg August 16881721 der durch Errichtung des neuen Schlosses und durch Anlage neuer Straßen um Auf­nahme der Stadt sich so bedeutende Verdienste erworben,