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17^, WiesbadLN. Mitrwvel), 31. Juli

Freiherr und Nechl!"

Dle ^r eir Zeitung« erscheint, mit Luöna-â o-s Montage, täglich in einem Äogcu. - Ler aoomienwuuirsio oeiragi v »ert«lj atz klg hier tn WicSdayen I fl. 4g fr. au», wärts durch die Post oezogcn mit verdältnißmäßigem Aufschläge. Juserate werden bereitwillig ausgenommen uns nuo frei der großen Verbreitung dergreltn Zeitung stets von wirk, sameitt Erfolge. Xie ZnserntlonSgedüyren betragen für die vterspalttge Petttzeile 3 Krellzer.

Die russischen Rüstungen.

X Aus Posen vom 25. Juli wird der O.-P.-A.- Ztg. gemeldet:Seit mehreren Tagen rücken wieder unaufhörlich neue Truppen gegen unsere Grenze vor, und die Lager von Lowlcz, Czenstochan und Kirchdorf füllen sich aufs Neue mit Truppen aller Waffen. Wie verlautet, kommen diese Truppen aus den östlichen Gouvernementen des Königsreichs und sind durch neue aus Rußland selbst eingerückle Regimenter aogelöst worden. So hat sich also die Garnison von Polen nicht vermindert, sondern im Gegentheil noch vermehrt, und nachdem nun auch noch in Litthauen bei Wilna ein Armeekorps von angeblich 20,000 Mann zusam­men gezogen ist, kann man mit Recht behaupten, daß drei Viertel aller russischen Streitkräfte an der West- und Südgrenze des Reichs stehen und das letzte Viertel das ganze Innere kaum dürftig be­setzt hält ein hinlänglicher Beweis, baß im In­nern Rußlands Bewegungen, wie die demokratischen Blätter des Westens sie schon so oft prognosticirt ha­ben, durchaus nicht zu besorgen sind. Welche poli­tische Absichten aber das Petersburger Cabmet bei der Concentrirung so ungeheuerer Streitmassen in Polen, und überhaupt in den westlichen Gouvernements des Reichs haben könne, ist aller Welt ein Räthsel, zumal auch die Festungen im Königreich vollständig approvi- siouirt werden."

Zu dieseraller Welt", der jene Rüstungen ein Räthsel sein sollen, gehört die demokratische Presse Deutschlands wenigstens nicht. Wenn der Fabrikant jener Posener Nachrichten den Zusammenhang nicht kennt, so wollen wir ihm sowohl sagen, was er weiß, als was er nicht weiß. Wissen wird er, daß ganz regelmäßig, wenn sich in Preußen, Frankreich oder sonst wo in den Ländern in partibus infidelium kin Element regt, das irgendwie nach neuer Zeit riecht oder wohl gar einen revolutionären Beischmack hat, solcheWauwau"-Artikel, wie der von ihm in Die O.-P.-A.-Z." beförderte aus Posen, die in russischem Ein­flüsse stehenden deutschen u. französischen Blatter füllen, um denjenigen, welchen es gilt,einen heilsamen Wink" zu geben. Was der obige Artikelmachcr aber nicht wissen will, ist, daß ein solcher kritischer Moment jetzt wieder vorhanden ist. Preußen ist noch nicht ganz mit der Zertrümmerung seiner früheren Pläne einver­standen; Preußen traut dem Frieden bei der nackten Wiedereinsetzung des Bundestages noch nicht;Ruß­land will die nackte Restauration mit der rückfichts- losesten Niedertretung aller Lieblingsibeen der westlichen Völker: es will die Theilung Deutschlands im neun­zehnten Jahrhundert, wie es die Theilung Polens im achtzehnten Jahrhundert durchsetzte. Rußland will sich zugleich bei den Händeln Dänemarks mit den überelbischen Herzogthümern die Herrschaft im baltischen Meere sichern und nebenbei für seine Begün­stigung des Dänenkönigs die Abtretung der strategisch

Major von Szvli.

(Fortsetzung und Schluß.)

Kaum lag er hier vierundzwanzig Stunden, als der Schreckensruf ertönte:Kaiserliche Cuirassiere!"

Ein gommanbo kam gerade auf das Gehöft zu ge­sprengt, und es blieb nur so viel Zeit, den Verwundeten mit der Matratze, auf der er lag, in die Vorrathskammer zu tragen, die an das große allgemeine Wohngemach stieß. Dieses war bald darauf von ven Cuirassicren er­füllt, Vie zwar von der Anwesenheit eines verwundeten Magyaren keine Ahnung hatten, aber zu essen und trin­ken verlangten, und dadurch den Pächter und die Seinigen erbeben machten, weil sie mit jedem Augenblick fürchteten, es möchte einem der Reiter einfallen, in die Vorraths- kammcr einzutreten, wo er dann auf den ersten Blick vcn Verwundeten gewahren mußte.

Aber die Gefahr ging glücklich vorüber, und fchon am nächsten Morgen zogen Vie Cuirassiere ab. Aber leicht konnten ähnliche ungebetene Gäste kommen, und die Pachtersfrau, welche die Pflege ihres Landsmanns ausschließlich selbst übernommen hatte, hielt es daher für gerathen, ihn zur größten Sicherheit in den Kuh­stall bringen zu lassen. Hier wurde sein gutes Bett hinter eine Art von Verschlag gestellt, und ohne Verrath war er gegen Entdeckung beinahe vollkommen gesichert.

so wichtigen Insel Bornholm erschleichen. Durch diese Insel hat es die preußische Ostseeküste in Händen. Wäre es nicht möglich, daß der preußischen Regierung endlich ein Licht darüber aufginge, wie schnöd grade sic, welche überall zu gewinnen hoffte, übervortheilt wird? Wäre es nicht möglich, daß in den nordischen Herzog­thümern sich eine Flamme entzündete, an der daS deutsche Eis wieder zum Schmelzen käme? Wäre es nicht möglich, daß den übrigen deutschen Regierungen denn doch der deutschen Schmach zu viel würde und daß Fürsten, welche sogar selbst persönlich in Schles­wig-Holstein kommandirten, einmal ein solches Gefühl ihrer Selbstständigkeit bekämen, daß sie mit ihren Trup­pen den zur Schlachtbank gelieferten nordischen Brüdern zu Hülfe eilten? Wir halten dies Alles nicht für- möglich: wir glauben, daß Deutschland das Stadium seiner tiefsten Erniedrigung gründlich durchmachen müsse! Wir glauben nicht, daß Preußen sich irgendwie der Herzogthümer jetzt noch energisch annehmen wird; wir glauben nicht, daß es sich der ganzen Bundestagsre- stauratiou erwehren wird; wir glauben nicht, daß ein deutscher Fürst den Muth hat, einen kühnen Streich zu wagen, wie weiland in ähnlicher deutscher Noth der Herzog v. Oels; kurz, wir glauben an den vorläufigen voll­kommenen Sieg der Eontrerevolution. Aber wir finden es klug vom Czar, daß er trotz alledem und alledem droht und sich schlagfertig hält; denn es ist noch immer nicht aller Tage Abend. Noch giebt es eine Lergeltung: noch sind die Völker des Westens nicht so entartet, daß sie mit Jubel die Knute küßten; noch sinv die deutschen Stämme, welche das größte Feldherrngenie der Neu­zeit, einen Napoleon, schlugen, nicht so abgeschwächt, daß sie nicht auch den nordischen Koloß mit den be­kannten tönernen Füßen zum Sturze bringen könnten! Auch sind wir noch nicht so schlecht unterrichtet über Rußlands innere Verhältnisse, daß wir dem ersten besten Korrespondenten glaubten, es sei Alles gut und sicher in jenen östlichen Gegenden. Auch dort lebt ein Geist, zwar kein Geist der Freiheit und Aufklärung, aber ein Geist des verbissenen Grimms, ein furchtbarer Geist des Sklaven, der die Kette früher oder später bricht, ein Geist, dem Vas Czarenhaus und die Aristokratie schon Tausende von Leichenhügeln aufgethürmt haben, ein Geist, der sich fast mit jedem Jahre in schauerlichen Brandstiftungen verkündigt und erst in diesen Tagen wieder gezeigt hat, daß der alte Haß noch fort und fortglüht. Der Czar hat Ursache, den Bojaren nicht zu trauen und beide haben zu wenig für, und zuviel gegen den Bauern gethan, als daß sie eine Nacht ruhig schlafen könnten. Ja, wir kennen unsre Schmach und unsre Schwäche; aber wir kennen auch Rußlands Fluch und seine Ohnmacht! Den Fürsten gegenüber ist der Czar allerdings allmächtig; solange die Fürsten­politik auf Europa's Festlande gilt, hat Rußland die Hegemonie. Doch wenn die Völker sich erheben, schrumpft der nordische Niese zum Zwerge zusammen. Sobald der Geist wieder die-Welt durchbraust, ist Der

Der Einfall war sehr gut, denn schon nach wenigen Tagen wurde ein Commanvo CheveauxlcgcrS als Bev- bachtungsposten auf Ven Pachthof gelegt, aber der Ma­jor von S^öll genoß dessen ungeachtet in seinem Kuh­stalle Der sorgfältigsten unb regelmäßigsten Pflege. Bald war ir außer Gefahr und nach sechs Wochen so weit hcrgcstelll, daß man daran denken konnk, ihn wegzu­schaffen, sobald sich dazu eine passende Gelegenheit fin­den würde. Dies besprechend, sagte er scherzend zu seiner Wirthin und Pflegerin:

Wollt Ihr mich nicht als Kuhknecht behalten? Ich weiß so nicht, was ich anfangen soll, wenn ich ge­sund bin."

, Das hörte der nahe Kuhknecht; in seiner Dumm­heit fürchtete er um seinen Dienst zu kommen, ging zu dem Commandeur Der Reiter, zeigte den Verwundeten an, und dieser wurde gefangen genommen und nach Ofen gebracht.

Hier kam er in das Lazareth, denn durch den Trans­port und die Aufregung war er der ärztlichen Pflege noch sehr bedürftig, zumal ein Fieber neue Gefahr brachte. Von hier aus schrieb er an seine Gattin , die in Der Nähe von Lemberg bei ihren Eltern lebte, und ohne nur einen Tag zu säumen, machte die seltene Frau, welche in der Sorge um den geliebten Mann selbst krank zu Bette lag, als sic den Brief erhielt, sich auf den Weg. Mit wahrem Heldenmuthe reiste sie die ungeheure Strecke ganz allein, nur Gott und ihrem Muthe ver­

Ungeist, ist die personifizirte Barbarei gleich dem Ge- spenst.', Denn: Zeit vorüber, wenn die erste Stunde schlagt. Nein, die Fürsten Europas mögen sich fürchten vor den russischen Horden, die Völker Europas fürchten flch so wenig, daß sie den Tag segnen werben, wo ein Nationalkampf sich erhebt zwischen Rußland und Westeuropa. Wir haben den Franzosen einst in ihrer Hauptstadt Gesetze diktirt, Gesetze der Rache, die uns selber schadeten und nur den Dynasten nützten, und wir haben für unsere Verblendung schwer gebüßt; - es wirdeineZeit kommen, wo wir den Plan ausführen wer­den, zu welchem Napoleon zu schwach war: wo wir in den Hauptstädten des Nordens jenen Völkern die Gesetze der Freiheit und Aufklärung geben werden, um welche ihr finsterer Herrscher uns bringen wollte. Das wird keine Restauration sein, die wir ihnen bieten, sondern die Revo­lution im Interesse der Civilisation, ein Niesenfortschritt der Menschheit die Sicherstellung der modernen Kultur und die Begründung des Reiches der Humanität!

Das Aufblühen der freien GeueLnden.

â Jever Leser solcher Blätter, welche der religiö­sen Bewegung unserer Tage eine gebührende Würdi- gung zu Theil werben ließen, kennt Vie Ereignisse, die sich in ven freien Gemeinden des Ovenwal- bes zugetragen haben. Diese Ereignisse sind von der Art, daß sie in einer Zeit fast allgemeiner Rach- und Trostlosigkeit wahrhaftig unsre ernsteste Aufmerksamkeit verdienen.

Der allgemein geliebte Prediger dieser Gcineinden, Katt mann, der mit dem Volke in Freud und Leiv innigst verbunden war und dessen Reden man lauschte wie eines Propheten Stimme, wird seiner Heerde plöB= lich enttüssen-utw von Den Maßregeln des Ministe«-» zan p über die Wogen des atlantischen Meeres gescheucht. Was thun nun die Gemeinden, die verlassenen, was daö. schlichte, von allen Seiten unb mit allen Mitteln pfäffischer Ränke und polizeilicher Chika ne gehetzte mib zum Wanken verleitete Landvolk? Kehren sie etwa in den Schooß derseligmachenven" Rechtgläubigkeit, in den Schooß der großherzoglich hessischen Landeskirche zurück? O nein! sie harren aus, trotz Regierungs­kommissionen und Landgerichten, trotz Oberkonsistorium und Ministerialerlassen! Sie bestatten ihre Todten mit derjenigen Würde und Feier, die ihnen die Polizeige­walt gestattet. Sie lassen ihre Kinder lieber ungetauft heranwachsen, statt sie der sakramentalischen Handlung eines Lanvesgeistlichen zu unterwerfen, oder sie tau­fen sie selbst, was, wie man vernimmt, den Kleinen ganz wohl bekommt. Sie unterrichten ihre Kinder, sie erbauen sich in Zusammenkünften und in ihren Häu- I fern, so gut es eben gehen will, ohne die Polizeigewalt herauszufordern, die wahrhaft erfinderisch geworben ist, ' um das religiöse Leben der freien Gemeinden unter

trauend, und ohne auf die zahlreichen Gefahren zu achten, nach Ofen. Sie kam hier gerade noch zu rechter Zeit an, die Lebensretterin des geliebten Gatten zu werben. Denn dieser war inzwischen vor ein Kriegsgericht gestellt worden , vor dem er, ein wahres Bild des Jammers erschien, beibe Hände verstümmelt, so daß er nicht ein­mal Die Feder halten konnte, um das Protocoll zu un­terzeichnen, beide Arme in der Binde, den ganzen Kopf mit Verbänden emgebüllt, die Augen eingefallen, die Wangen blaß und hohl.

Aber dennoch sahen seine Richter mit Achtung auf ihn, denn der Ruhm seiner heldcnmüthigen Waffenthat erscholl durch das ganze Land, wurde von der nragyarischen Partei laut gepriesen und selbst von den kaiserlichen Truppen offen anerkannt. Denn wenn sie auch in dem Gefangenen den Rebellen sahen, der als Verbrecher ge­richtet werden mußte, so konnten sie in ihrem mili­tärischen Sinne doch nicht umhin, in ihm zugleich den tapfern Offizier zu ehren, der sich durch eine wahrhaft rühmliche That ausgezeichnet hatte, und dies zwar um so mehr, da vielleicht Manche von ihnen sich erinnern mochten, daß der Angeklagte noch vor kurzer Zeit ihr geschätzter und lieber Kamerad gewesen war. Einer der Richter sagte sogar in beinahe komischem Zorne zu ihm:

Hätten Sie für uns das gethan, was Sie thaten, so hätten Sie den Marien-Theresienorden bekommen und jetzt haben Sie die Aussicht auf Den Strang!"