fasst» soll. Was von einer solchen Reform zu halten sei, wird jeder Vernünftige von selbst erkennen und ich erspare mir daher hier mein Urtheil. Nicht minder beklagenswert!) ist die Unduldsamkeit und Unchristlich- keit des Dorfes Langendernbach. Der an die dasige, für einen evangelischen Lehrgehilfen errichtete Lehr- vicarstelle dirigirte Schulcandidat E...t, ein durchaus tüchtiger und gesitteter Lehrer, wurde seit seinem Antritte an besagte Stelle von den Langendernbachern blos wegen seines evangelischen Bekenntnisses fortwährend angefriudet und war den gröbsten Beleidigungen derselben ausgesetzt. Eine geraume Zeit nach seinem Antritt, in dèr, da die Eltern ihre Kinder in den Unterricht des evangel. Lehrers zu geben, verweigerten, keine Schule gehalten werden konnte, kam der Schulinspektor N R. um den gen. Lehrer in seinen Schuldienst einzüsctzcn; da aber der Bürgermeister von Langendernbach die Schule verschlossen hatte, so erklärte der Hr. Sehulinsvektor, daß die Einsetzung des Lehrers aus diesem Grunde nicht Statt finden könne und ging. Darauf kommt nun ein evangelischer Geistlicher von Hadamar, um die Einsetzung des Lehrers vorzunehmen. Aber kaum ist die Kunde davon ins Dorf gedrungen, so wird die Sturmglocke gezogen, das Volk rottet sich zusammen und jagt den evangel. Pfarrer und Schullehrer mit den ungeschliffensten Beleidigungen zum Dorf hinaus; die Denkmäler der evangelischen Todten auf dem Todtenhofe daselbst werden zerstört und den Kostleuten des verfolgten Lehrers Steine gegen Fenster und Thüre geworfen. In Folge dessen ist Langendernbach 5 Tage lang init 100 Ma nn Soldaten belegt worden, was einiger Maßen die Ruhe hergestellt haben soll. Aber was soll man zu solchen Erlebnissen in unsern Tagen sagen? Welch' Christenthum! Und woher kommt dieser blinde Eifer und diese Verfolgungswuth? Läßt du dich, arincs Volk, so von den in Schafskleidern versteckten Wölfen mißbrauchen ?! 0 sanc^a simplicitas ! —
△ Dillenburg. Die Märzflnth hat sich verlaufen, was Wunder, wenn jetzt wieder allerlei Gewürm am Strande sich breit macht? Wir rechnen dahin namentlich die schwarzen Sendboten des Pietismus, Missionare genannt, die das Volk, nachdem es um seine Freiheiten und Rechte gebracht worden, hinterher gern noch glauben machen möchten, daß sein Streben Teufelswerk gewesen sei und daß es für seine Versündigung Buße thun müsse in Sack und Asche und gottwohlgefälliger Gcistcöbornirthcit.
Unsere Gegend hat neulich das Glück gehabt, einen solchen Gottesmann hier einkehren zu sehen; eine kleine Schilderung seines Auftretens wird Ihren Lesern als Beitrag zur Naturgeschichte des modernen Muckerthums nicht unwillkommen sein.
Die Häupter der hiesigen gottseligen Gemeinde sind ein vom Volkswitz Pfarrer Pappdeckel Genannter und ein Gemeinderath, der seltsame Begriffe von der Gütergemeinschaft hat.
Auf Veranstaltung dieser beiden Gottesmänner fand am 7. d. eine Missionsversammlung auf dem Saale des Nathhauses dahier statt, welcher von dem Gemeinde- vorstand aus christlicher Duldung bewilligt worden war.
Da wir hörten, daß ein fremder Missionar, der uns vor zwei Jahren schon einmal beehrt hatte, auf- treten würde, so fanden wir uns veranlaßt, dahin zu gehen , eincStheils um für unser Seelenheil ja nichts versäumt zu haben, anderntheils um auf alle Falle eine vergnügte Stunde zu erleben, da der drollige Bursche eine gar zu heitere Erinnerung hier zurückgelasscn hatte. Das Nathhaus war besetzt von Hülfsbedürfti- gen beiderlei Geschlechts.
Die Versammlung wurde durch den gedachten Apostel eröffnet und als Zweck derselben dieBildung eines M i s s i o ns v ere i n s im Herzogthum bezeichnet. Bevor man jedoch auf solche heilige Zwecke genauer ein- ginge, sei cs nöthig, in einem Gebete an den lieben Herrgott sich zu wenden. Darin wurde denn nun der
aber der zahleeicken Artillerie Zeit zum Entkommen zu geben. Der Zweck gelang , aber das tapfere Bataillon, das sich bei mehreren Gelegenheiten tapfer ausgezeichnet hatte, wurde beinahe ganz aufgeriebeu. Es hatte gegen 200 lobte und eben so viele Verwundete und Gefangene. Von den sämmtlichen Offizieren blieben nur drei am Leben und der tapfere Führer selbst, Major von Szvll, sank mit sieben Wunden bedeckt auf das bliitgeträngte j Schlachtfeld.
Es war auf dem Rückzüge der ungarischen Armee nach der verlernn H Schlacht bei Schwechat, und nachdem d e Ocsterreicher, anfangs durch die Einnahme Wiens selbst betäubt, wie es schien, zu dem Entschlusse gekommen waren, wieder angriffsweise gegen Ungarn zu verfahren, oder eigentlicher, den Krieg gegen dieses Land offen zu beginnen; denn bis dahin hatte nur der anfangs zum Derrâlher und bald darauf zum lieben und getreuen Bmr erklärten Jellacic die Magyaren bekämpft.
Der Führer der Brigade, zu welcher das genannte Bataillon des ehemaligen Regiments Prinz von Preußen gehörte, hatte gegen den nachdringenden Feind seine Maßregeln so unverantwortlich getroffen, daß sein Corps plötzlich aus dem Marsche überfallen wurde. Dadurch kam namentlich die zahlreiche Artillerie in die größte Gefahr, dem Feinde in die Hände zu fallen, denn sie war nicht kampfbereit, hielt in dicht aufgefahrener Colonne in ungünstigem Terrain, und die feindliche Cavallerie
Segen desselben auf den neuen Verein herabgefleht, ■ daß er gedeihe und durch ihn die lange vermißte „Ruhe und Ordnung" bei uns einkchre.
Sodann wendete er sich an die Versammlung unb sprach ungefähr Folgendes: „Nicht wahr, ihr wolltet ; i glücklich werden, darum habt ihr hier in Nassau wie ' I in Preußen und anderwärts eine Revolution gemacht; : habt gemeint, ihr müßtet Alles über den Haufen wer- ; ■ fen und wenn ihr die Fürsten verjagt hättet, dann
• wäret ihr glücklich? Ich aber frage euch: Habt ihr
1 was erreicht? Seid ihr glücklicher geworden? Nein, : müßt ihr gestehen; darum sage ich euch: Wendet euch ; zum rechten Glauben, nur im Glauben könnt ihr glück- ! lich werden! Wenn ihr Zweifel in meine Worte setzt, so probirt es nur einmal, ich bitte euch darum, ihr : seid dann augenblicklich glücklich. Ach du lieber Herr- | gott," sprach er weiter, „was gibt es noch so viele Men- ; scheu, die nicht im Glauben wandeln , selbst hier in \ Nassau. Aber ihr Dillenburger, was habt ihr ein j Glück, ein Glück, das ich euch nicht genug preisen ' kann. Ich war heute in eurer Kirche und habe mich recht herzlich gefreut; ich war glücklich für euch, zu hören, wie rein euch das Evangelium gepredigt wird. Ihr braucht nur hinzugehen und znzugrcifen, um des Glückes gewiß zu sein. Lieben Dillenburger, ach, geht nur hin, ich bitte, ich beschwöre euch darum; neuntes doch nur um des lieben Herrgottes wegen an, dann seid ihr glücklich! Die Vernunftmenschen sprechen zwar: wir leben rechtlich, was will man mehr von uns? Ach, du lieber Herrgott, wie werden die einstens bestehen! Lieben Freunde! Nur die im Glauben leben, können bestehen und glücklich werden." —
Inzwischen erschien auch Hr. Kaplan B., der von seinem Amtsbruder Pappdeckel durch eine Nebeuthüre auf die Schaubühne geleitet wurde. Wir bedauerten herzlich daß er sein Lob aus solch würdigem Munde nicht selbst gehört hatte, oder sollte er nur aus Bescheidenheit so lange ausgeblieben sein?
Auch wurde uns das Gleichniß vom barmherzigen Samariter gar erbaulich aufgelegt und daraus die fromme Nutzanwendung gezogen, „daß wir alle (hört's, ihr Völker!) unter Räuber und Mörder gefallen seien."
Schließlich bemerkte er noch, daß wegen Gründung ; des inländischen Missionsvereins mit mehreren Geistlichen Rücksprache genommen und deren Mitwirkung zugesagt worden. Zur Ausführung aber sei Geld nö- rhrg, indessen, fügte er beschönigend hinzu: „Wir nehmen nur freiwillige Beiträge an!"
So weit hast du, gutmüthiges, vertrauensseliges i deutsches Volk es aijo gebracht, daß jetzt, wo dein I Glaube an eine bessere Zukunft so bitter getäuscht wor- ; den ist, solche Müßiggänger es wagen dürfen, im Land herum zu ziehen und dir die letzten sauer erworbenen Groschen aus der Tasche zu locken, um Dir dafür frommen Sand in die Augen zu streuen und über Deine eigne Dummheit ins Fäustchen zu lachen.
Frankfurt, 23. Juli. Durch eine Circulardepesche vom 19. Juli zeigt Oesterreich den Einzelstaalen an, daß cs die Bundcsvc r- s a m m l u n g z u s a m in e n be rufe n^w erbe.
* Frankfurt, 26. Juli. Durch Bekanntmachung der General-Postkirection wird gemeldet, daß vom 1. August an auch für Fahrpostsenvungen sowohl bei Packeten, wie bei Geldsendungen eine Portoermäßigung kintritt.
Kassel, 25. Juli. (Fr. I.) So eben, Abends 8s/z Uhr, ist das Schwurgericht zu Ende. Das Verdick der Geschwornen lautete einstimmig dahin, daß in ; der iucrimiuirtkn Stelle keine Beleidigung der kurhessi- schen Negierung enthalten sey. Der Angeklagte (O e t- f e r) wurde sofort freigesproch en und verließ, von seinen Freunden begleitet den Saal.
* Hannover, 23. Juli. Dem Schlüsse der ersten ! Diät des elften Hannöver'schen Landtages gingen heute
war schon ganz in der Nähe, ohne daß die Geschütze abgeproyl uno schußrecht gemacht werden konnten. So blieb ihr nichts übrig, als ihr Heil in einer Flucht zu suchen, während Major von Szäll mit seinem Bataillon (er commandirle zwar das ganze Regiment, hatte aber nur dies eine Bataillon bei sich) wie oben erwähnt/ sich dem Feinde entgcgenwarf, dem sichern Untergang sich weihend.
Die Oesterreicher gaben einige Kartätfchenlagen auf die dichtgcvrängte Masse , ohne sie jedoch zum Wanken zu bringen, mm als die Reihen der Tapfern dadurch hinlänglich gelichtet waren, machten die Cuirassicre einen Angriff auf den znsammengesehmolzenen Rest und drangen in die Mitte des Quarre's ein.
(Fortsetzung folgt.)
Verschiedenes.
# Durch Ordre des Königs von Preußen ist die Gründung von landwirthschaftlichen Erziehungsanstalten auf den drei im rybniker Kreise in Oberschlcsicn pachtlos gewordenen Somänenocnverfen für die oberschlesifchcn Waisen der am Hungertyphus verstorbenen Eltern auf vorläufig zehn Jahre genehmigt. —
noch zwei Sitzungen der 2. Kammer vorher. In der Morgensitzung stellte Oppermann an den Minister des Innern die Anfrage, welches der gegenwärtige Stand der deutschen Flotte sei, ob es in Aussicht stehe, daß die deutsche Flagge von auswärtigen Mächten anerkannt werde, endlich ob die Flotte ein allgemein deutsches Institut bleiben, oder von Preußen (angenommen; werden solle. Stüve bevorwortete, es sei schwer, eine bestimmte Antwort auf diese Frage zu geben. Wegen der Anerkennung der deutschen Flagge von Seiten der fremden Mächte seien von der Bundes-Commission Schritte geschehen; wie weit es damit gediehen, wisse er nicht. Gegen die Änslieforung an Preußen seien die größeren Mächte Deutschlands entschieden, namentlich auch Hannover. Was aber überhaupt aus der Flotte werke, wisse er nicht, daß aber ein Bund wieder hergestellt werke, daneben ein Bundesgericht und eine Vertretung des Volkes beim Bunde würde stets Hannovers Streben sein! — In der Abendsitzung sprach Lang II. noch einmal im Lia men des Landes seine ernsten Hoffnungen für Schleswig-Holstein mit dem Zusatze aus: „Deutschland erwarte, daß Hannover seine Schuldigkeit thue, daß die Regierung ernstlich ihre Pflicht erfülle, daß man Schleswig - Holstein wenigstens große moralische Unterstützung leihe. In das Hoch für Schleswig-Holstein stimmte die Kammer ein; denn „große moralische Unterstütz un- gen" durch Lebehochs kosten bekanntlich nicht viel.
SlbCitbutß, 23. Juli. (W s Z.) Die Ratifikation, unter verschiedenen die Rechte der Hcrzogthümcr wahrenden Vorbehaltens soll, wie wir so eben vernehmen, nun doch erfolgt sein.
Schwerin, 22. Juli. (H. C.) Wegen Aufstellung eines Truppencorps an der mecklenburgischen Grenze ist das preußische Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten mit dem hiesigen Gouvernement bereits vor einiger Zeit in Unterhandlung getreten. Man ist hier auf das bereitwilligste den dort ausgesprochenen Wünschen entgegengefommen, und werden demnach wohl schon im Laufe dieser Woche preußische Truppen auf mcck- leuburgifchem Gebiete eintreffen. Zu Stationsorten hat man vornämlich die der Eifenbahn nahegelegenen Städte mit Umgegend gewählt, nämlich Boitzenburg, Wittenburg und Hagenow. Für letztere Stadt find, wie wir hören, 500 Mann augemelvet worden, für deren Beköstigung täglich 8 Schill, pro Mann ausgesetzt sein sollen. Zu wünschen wäre hierbei nur, daß die Uttterhaltungögelder diesmal prompter als bei dem ersten Durchmarsch preußischer Truppen im Jahr 1848 bezahlt würden.
Leipzig, 24. Juli. (D. A. Z.) Heute Mittag kamen per Eisenbahn gegen 40 bayerische Unter« Offiziere hier durch, welche sich nach Norden begeben, um in die schleswig-holsteinische Armee einzutreten.
Leipzig, 24. Juli. (Horn.) Vorgestern ist die neueste Nummer der „ Vatcrlandsblätter" konsiszirt worden, ebendieselben nebst dem „Leipziger Reibeisen" sind in Preußen von jetzt au verboten.
-* Berlin, 24. Juli. Oesterreichs officielle Antwort auf den Vorschlag der hiesigen Regierung, durch eine Frankfurter Confercn; für das Definitivüm Pro- positionen machen zu lassen, ist erst heute hier cinge- trossen: sie lautet ablehnend, doch in. milder Form. Auch ist heute der erste eigentliche Protest gegen das Abrücken badischer Truppen in preußische Garnisonen eingetroffen: Oesterreich behauptet, Preußen desorgani- sire das 8. Armeecorps. Man ist ai f die Antwort des Ministeriums gespannt. Gegen Hannover bringt, heute die Dtsche. Reform einen heftigen Artikel über dessen „Chikanen" in der Truppcndurchzugsangelegenheit. Als militärifche Centralbrhörde für die Badenser wird hier ein auö 10 badischen Offizieren bestehender Ge- ncralstab gebildet. — Die Erbitterung gegen die Ra- dowitz'sche Politik hat in den konstitutionellen Kreisen
Die Anlegung solcher Eöziehungsanstaltcn sollte in allen Theilen Deutschlands erfolgen. Ein solches Menschen- freundlibks Handeln für die Kinder und Waisen armer Leute wäre ungleich christlicher, als das ewige Heulen der Frommen und Reichen über die Verschlechterung des Proletariats.
^ In P a r i s wurde am 20. Juli zum ersten Male eine neue komische Oper in drei Acten gegeben, ^G i ralda oder die neue Psyche" , Text von Scribe, Musik von Ad. Adam, von welcher die Blätter große Lobeserhebungen machen. Sie soll das Beste fein, was seit langer Zeit in diesem Genre erschienen ist. Das Stück spielt in Galicien; die Fäden der Intrigue sind echt spanisch ver- schürzt; „amour, mystère“ sind die zwei Pole, um die sich Alles dreht. Besonders der zweite Act soll die Perle des Ganzen sein.
Vom December 1848 bis zum 29. Juni b. J. wurde, den amtlichen Berichten zufolge, birect aus Ca- lifornien in New-Aork an Goldstaub und gediegenem Golde kingeführt für 15,850,000 Dollars, wozu noch wenigstens 5 Millionen zu zählen, die über New-Orleans gingen, so daß mit den letzten Sendungen, die sich auch auf mehr als 5 Millionen beliefen, an 13 Millionen auf jedes Jahr kommen. Nicht unbedeutend