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Freit Zeitung.

Freiheit und Nceht!"

â 177» Wiesbaden. Sonntag, 28. Juli 18$O.

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DieRr etr Zeitung" erscheint, mit ^uSNLymr V.s L'tontagS, täglich in einem Bogen. - Oer AdonnementSxrels beträgt vierteljasrig hier in Wiesbaden t fl. 45 h au«, wärtö durch die Post bezogen mit verpältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Aerdrnwng derFreien Zeitung" stets »on wirk­samem Erfolge. Die JnserattonSgedüpren betragen für die vierspaltig- Petitzeile 3 Kreuzer.

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Die geheimen Gesellschaften und der So­zialismus in Frankreich.

X Die Polizei hat in Paris zrvölf Mitglieder einer geheimen Gesellschaft in der Rue wt.-Victor ver­haftet, welche sich alsNemesis, Gesellschaft der Men­schenrechte" konstituirt hatten,um den Fortschritt der Reaktion aufzuhalten, durch alle möglichen Mittel das Prinzip der Demokratie durchznsetzen und die Conse­quenzen einer wahren Republik zu sichern." Dies sind die Hauptpunkte in den sonst durchaus unbedeutenden Statuten, welche das Journal des Debats mittheilt, während die Gazette des Tribunaur der Sache nur einige Zeilen widmet. Natürlich kommt dieser Fang dem bekannten Herrn Carlier sehr gelegen, um den Schüchternen der Nationalversammlung Angst zu ma­chen und sie dadurch wieder an die Politik des Elysee zu ketten. Geheime Gesellschaften sind in den roma­nischen Ländern gewöhnliche Erscheinungen, sobald das Assoziationswesen beschränkt wird: sie wiederholen sich mit einer Regelmäßigkeit, wie Ebbe und Fluth. Die Regierungen aller Systeme haben diese geheimen Ge­sellschaften trefflich auszubeuten verstanden, namentlich während der Reaktion unter Louis Philippe. Wir bezwei­feln nicht, daß es zur Zeit mehr als eine ähnliche Gesell­schaft wie dieseNemesis" in Frankreich gibt; es läßt sich sogar mit Gewißheit Vorhersagen, daß, wenn die Verlegenheit im Elysee und die Bedeutung der offenen, nicht zu verhaftenden sozialistischen Propaganda wie bisher sich entwickelt, Herr Carlier zwischen hier und acht Tagen mit neuen Verhaftungen undschrecklichen Ent­hüllungen" aufwarten wird; wir machen aber zugleich auch darauf aufmerksam, daß Niemand diese Aus­wüchse der politischen Aufregung und diese alten Thor­heiten französischer Wichtigthuerei und Gimpelei mit schärferen Ausdrücken getadelt und in den Augen aller wahren Freunde des Fortschritts gebrandmarkt hat als grade Proudhon, der große L-ozialist, der Frankreichs Zukunft in starker Hand zu wahren und zu retten versteht. Die Proudhon',che Partei ist so entschieden gegen alle nutzlose Gehennbündneret hohler Schwätzer, ja nicht selten notorischer Betrüger und Polizeiagenten, daß sie sich mit Stolz den SozlaUs- mus des offenen Tages nennen und solche Ver­haftungen sozialistischer Maraudeurs als.eine Säuberung ihrer Partei betrachten darf. .

Der Umstand eben, daß der sozlalisti,che Republt- kanismus seit der Februarrevolution der Verschwörerelen nicht mehr bedarf, ist das schlagendste Zeichen seines gewissen Sieges. Herr Carlier würde glücklich sein, wenn es ihm gelänge, Proudhon zur Betheiligung an Tollheiten, wie eine solcheNemesis", zu treiben. Die Lehren Proudhon's aber sind in und durch sich selbst Nemesis genug gegen ihre Feinde und Verächter, als daß sie solcher Kindereien bedürften. Es gilt, ganz Frankreich von der einzigen Möglichkeit, um von dem Ne- volutionsfieber zu genesen, zu überzeugen, es gilt, den

Sozialismus des offenen Tages als dieses Rettungs- mittel zu zeigen; es gilt, die Majorität der Nation dafür durch nüchterne Belehrung und praktische Vor­schläge zu gewinnen: dies gewonnen, ist Alles gewon­nen. Denn in Frankreich konnte das Volk sich zwar in der Wahl seiner Staatslenker irren, doch das Volk ist souverän und der Irrthum nicht ewig. Das ist die Bedeutung der geheimen Gesellschaften im republikani­schen Frankreich; das die Stellung Carliers und das Verhalten Proudhons zu denselben. Mit Carlier'schen Mitteln fängt man Ratten und Mäuse; aber Löwen sind bekanntlich zu stolz und groß für die Fallen der Kammerjäger.

Der neue Präsident der Bereinigten Staaten.

X Durch Zacharias Taylors plötzliches Absterben ist ein Mann an die Spitze des allgewaltigen nord- amerikanischen Freistaats gelangt, der erst drei und vierzig Jahre alt ist und im eigentlichen Sinne des Wortes von der Pike an gedient hat. Millard Fillmore, geboren am 7. Januar 1807, ist der Sohn eines nichts weniger als wohlhabenden Farmers im Staate New-Jork. Der Sohn konnte den gegebenen Verhältnissen gemäß nur eine kärgliche Schulbildung erhalten und trat bei einem Tuchmacher in die Lehre. Als Tuchmacherslehrling wurde er mit dem Richter- Wood bekannt, der ihm zuredete, einen Beruf zu wählen, worin er für seine Talente und Streb­samkeit ein geeigneteres Feld fände. Fillmore wurde hierauf Schreiber bei dem Richter Woov^ und erwarb sich in den zwei Jahren solche Kenntnisse als Rechtskundiger und Landmesser zugleich, daß er zu Buffalo ein Law Office errichten konnte. Dies Ge­schäft scheint dem jungen Mann jedoch weniger Er­werb, als Vertrauen eingebrache zu haben; denn er schlug sich eine Zeit lang mit Unterrichtgeben durch, bis er 1829 von der Grafschaft Erie zum Abgeord­neten ins Repräsentantenhaus des Staates New-Jork gewählt wurde. Hier entwickelte sich sein politisches Talent bald so, daß bei den Abstimmungen sein Votum in der Regel den Ausschlag gab. Im Jahre 1832 ward er zum ersten Male in den Congreß gewählt, wo er sich gleichfalls in Kurzem Geltung verschaffte.

Im Jahre 1844 war er Whig-Kandidat für die Gouverneurstelle von Newyork, blieb aber in der Mino­rität. Achfflich wie Tyler, der Nachfolger des im Amte 1840 gestorbenen Harrison, durch ein Kompro­miß Kandidat geworden war, wurde Fillmore von den Whigs von Newyork, der Clay-Partei, gehalten, nachdem die größere Popularität den alten Zacharias Henry Clay in den Hintergrung gedrängt hatte. Daß der jetzige Präsident seinen Vorgänger an staatsmän­nischem Talent weit übertrifft, ist allbekannt; aber von der Politik, welche er einschlagen wird, weiß man noch nichts Gewisses. Eine Hinneigung zur Zollerhöhung befüchtet man. Dagegen wird er als Henry Clay's

Freund die Kompromiß-Bill unterstützen, welche durch den Widerwillen des gewesenen Kabinets, das, we wir bereits meldeten, nach Taylors Tode sich sogleich zurückzog, sehr bedroht war. Fillmore gilt für einen ehrenhaften Charakter, und verfassungstreuen Staats­mann, der ein echter Sohn des Feistaats ist, in dem es ihm möglich wurde, sichjdurch eigene Energie und Be­gabung in so kurzer Zeit eine so glänzende Laufbahn zu eröffnen.

Deutschland.

Biebrich. Die rettende That derKölner Dampfschifffahrtsgesellschaft", in Kastel eine Landungs­brücke zu gründen, hat bei uns Aufregung, Versamm­lungen, Deputationen hervorgerufen. Es sind allerlei Vorschläge aufgetaucht, wie man an der genannten Gesellschaft Revanche nehmen könne.

Wenn das Ministerium auf den Vorschlagdie Kölner Schiffe in Caub visitiren zu lassen," als einer gehässigen auf der Zersplitterung Deutschlands beruhen, den Maßregeln nicht entgegen will, so können wir unsererseits mit ruhigem Gewissen versichern, daß wir sowohl, an der Zersplitterung Deutschlands als auch an den nassauischen Eisenbahnkalamitäteii, welche eben der rettenden That der Kölner Gesellschaft Erchlgc si­chern, unschuldig sind. Die Regierung ist aber gerade jetzt sowohl sich als dem Lande schuldig, frühere Dro- Hungen gegenüber der Taunus-Eisenbahnverwaltung zu verwirklichen. Hat sie ja doch schon vor genaue­rer Zeit diesem Verwaltungsrath gegenüber ausgespro­chen , daß sie alte Zwangsmaßregeln in Bewegung setzen werde, wenn bis zum Oktober 1849 nach Bleb- nch nicht per Dampf gefahren werden könne. Wir schreiben jetzt Juli 1850 und die armen Thiere keuchen noch immer die Biebricher Zweigbahn auf und ab: die Eisenbahnpferde, nämlich, die indeß noch lauge nicht die beklagenswerthesteii Geschöpfe in Betreff die­ser Elsenbahngeschlchte sind. Sache des Publikums ist es aber, die Düsseldorfer Gesellschaft in jeder Weise zu protegiren, damit diese sich nicht in Bälde ge­zwungen sieht, den Kölnern nachzuziehen.

0 Aus der Grafschaft Westerburg. Obgleich Bildung und Sittlichkeit unaufhörlich auf ihrer Sieges- bahn voranschreiten, so ist eS jedoch auch nicht zu ver­kennen, daß ihrem Fortschritte fortwährend Hindernisse in den Weg gelegt werden und daß derselbe (der Fort­schritt) manchfach angeteinect wird. Einen neuen Be­leg zu dieser Wahrheit liefern uns die beklagenswerthen Ereignisse in unsern Nachbarsörtern Gemünden und Langendernbach. Den Lesern Ihres werthen BlatteS wird es bereits durch einen früher in demselben erschie­nenen Artikel bekannt sein, daß, in Folge der geist- nno vernunftreichen (?) Reden des Caplans Brunn aus Sterten sich in Gemünden eine alt-lutherische Ge­meiner gebildet hat, die in fortwährendem Zuwachse begriffen sein und jetzt alle Bürger des Dorfes um-

Doktrinärs.

1.

Feierlich mit Svnntagsstimme

Lehret der Professor heute:

Gänzlich todt ist unsre Erde

Gebet Acht, wie ich es teilte.*

M e n sch ist dèr Monarch der Schöpfung, Pflanzen, Thiere haben L.bcn, Um auf ihm herumzntretcn

Ist das Erdreich uns gegeben."

Ja, die untern Schichten" sagt er, Sind vom Geiste ganz veilassn, Und mit diesem Weltsysteme

Will ich leben und erblassen."

11.

Kopfschüttelnd entfernten die Hörer Sich aus des Gelehrten Bereich, Sie dachten: der Urquell des Lebens Sei eben das erdige Reich.

Sie sangen beim funkelnden Weine

Im traulichen Kncipkämmcrlcin: Wer f urig dies Leben entsendet, Kann wahrlich so leblos nicht fein."

Und als sie versuchten zu gehen, Sog. mächtig die Erde sie an, Sie küßten die gütige Mutter Im traulich phantastischen Wahn.

Sie flehten:O Erde eröffne Die Arme und führe uns hin Zum mütterlich feurigen Herzen, Daß ewig dem Nektar uns rinn'".

Ihr Flehen, es wurde erhöhtet: Die Erde that krachend sich auf, Verschlang ihre trunkenen Söhne Im wilden, erbebenden Lauf.

Wie Alles nun wankte und stürzte Vom Staube bis zum Diadem, Da rief der gelehrte Professor: O Himmel, o Gott mein System!" 111.

Doch weil er die Erbe versäumtet

Von seinem Katheder herab, So muß er nun wandeln auf Erden, So darf er nicht ruhen im Grab.

In jeder von unseren Kammern Geht um dieses Schaltengespenst, Und wehe! beherrschet hin Odem Die Welt, die dein Innres tu nennst.

Es werden dann blaß die Gedanken, Bie Blumen verlernen das Blüh'n, Das Meer der Gefühle gerinnet Zusammen zur starren Doctrin.

Hut dieses Gespennst ist sehr eitel, Weiß nicht, was Bescheidenheit heißt, Es nennt sich in seiner Verblendung Den ächten germanischen Geist.

Doch wenn in teil unteren Schichten, Sich gährend die Masse bewegt, Dann fliehet entsetzt es von dannen, Vom Boden, der donneritd sich regt.

Friedrich Manu.

Major von Szell.

Unter die glänzendsten Waffenthaten des uugarischen Freheitskriegeö gehört die des 5. Bataillons vom ehe­maligen kaiserlichen Infanterieregiment Prinz von Preu­ßen unter dem Major von Szell, im December 1848 bei Kapolna (irre ich nicht, am 16 ). Nicht durch den glückgekronten Erfolg ist die Waffenchat ausgezeichnet, wohl aber durch die heldenmüthige Aufopferung eines kleinen Häufleins, ta> kein zahlreich überlegenen Feinde tapfer Stand lsselt, um den übrigen Corps, namentlich