Freit -Ztilung.
„Freiheit und Ncehl!"
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J^o @7(^ Wie baSrn. Samstag, 27. Juli 1S5O.
Die „ftrete 3 et tu aß" crschelni, mit 2luduat>mv d>S Montags, täglich in einem Bugen. Der AdonnemenlSpr.ls bettäßt v ierleljä-rtg hier in Wiesbaden I ft. 45 fr., auswärts durch die Post oezagen mit verbnitmymäyißein Aufschläge. - Zuseraie werden bereitwillig aufgenom.ncu uno find bei der großen Äerdkettung der „freien Zeitung" stets von roirb famem Erfolge. — * t« ZnseraiionsgebÜprm betragen für die vierspalttge Petttzeile 3 Kreuzer.
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i Zum Jahrestage der hoUaudischen Republik.
X Holland ist das Mutterland des modernen europäischen Rcpublikanismuö. Die schweizerischen, italienischen und deutschen Freistaaten dorten dem Mittelalter all und blieben demselben verfallen, weil ihnen das eine wichtige Moment fehlte: das der Gewissensfreiheit , ohne welche keine reine demokratische Form im modernen Sinne That und Wahrheit werden kann. Erst nach dem Siege der Reformation wurde der mo« dorne Staat eine Möglichkeit, erst als der Grund, atz: „Prüfet Alles!" als oberstes Gesetz der Geister pro- tlamirt worden, konnten die Rationen daran denken, sich Verfassungen zu erringen, welche aus dem aufgeklärten Bewußtsein nach den Jeit= und Lanoesbevürf- ,M'N, also aus der freien Individualität des Volkes, geboren wurden. Günstiger als ein anderes Vanö la- gen im löten Jahrhundert die batavischen Provinzen für eine solche Entwicklung. "Richt mit heilige tonn* scht Reich eingekeilt und dadurch von den Wirrnissen di,selben ringsum geknebelt, doch noch immerhin nape genug am Heerde der Relormatiou, sonnten die ihres uralten UnabhängigkeitS - und Freiheitsdranges wegen berühmten batavischen Stämme die neue Gewissens- sreiheit, nach deren Siege in Wittenberg, mit voller Kraft und Herzhaftigkeit zu der ihrigen machen; uno durch ihre Lage am Ozean und die treffliche Verthei- Ligungsfähigkèit des Terrains war den Kühnen zugleich Muth zum Kampfe und Hoffnung auf Sieg selbst gegen einen Herrn geboten, der sich damals den gewaltigste» Herrscher des Erdkreises neunen dürfte. Schon unter Karl V. begann die protestantische Bewegung, welche begünstigt wurde sowohl durch des vielbeschäftigten Kaisers häufige Abwesenheit in fernen Lauven, wie durch die finstere Strenge, womit seine Heuter gegen die Ketzer verfuhren, denen unter seinem Regimente bereits an 100,000 blutige Opfer fielen. Karls Rach- folger, Philipp 11., that das Smuge noch energischer, um in dem erbitterten Volke das religio,e Feuer so zu Muren, daß es hinüber schlug zu polttffchen Freihelts- pläneu. Im Jahre 1579 schlossen die fünf nördlichen Provinzen vie beriihmte II n i o n z u lllrecht, Oie erste aroße Ünabhängigkeitserklärung freier Männer von einem fremden Selbstherrscher in der neueren Geschichte, und am 26. Juli 1581 — cü ist heute der Iahreo- t ß ß I — ward dem Könige von Spanien „als einem Tyrannen" in aller Form der Gehorsam gekündigt und der erste moderne Freistaat gegrünvet, die Republik der vereinigten Fieber lanoc.
Es ist bekannt, welche Rolle in den schweren Um abhängigkeitölämpfen gegen eine kolossale llebermacht jnK$ Proletariat spielte, das unter dem Namen der „Geusen", der Bettler, weltberühmt geworden; eö ist nicht minder bekannt, welche Klugheit, Festigkeit und Hingebung an die Sache der Freiheit der Prinz von Oranien, Wilhelmi., bewährte; eö ist endlich nicht
Die Feuersbrunft in Krakau.
Die „Breslauer Ztg." berichtet aus Krakau, 19. Juli, Gemmerts über die schon erwähnt- F e u e r ü b ru n ,t: Mittags 1 Uhr erscholl Feuerlärm vom Thurm der Marienkirche. In den Mühlen bei der Keupmeza-Straße brach das Feuer auS. Die Univcrsitäts-Gcbäudc waren in Gefahr; schon glimmte es in der Bibliothek, doch gelang cs den Anstrengungen der Studenten, sämmtliche Gebäude zu retten. Da brannte es auf einmal in der grodzker Straße, der wielkvpvlökische Palast geriet!) in Flammen, die Flamme schlug in die Tauben- und Brü- derstraßc, den bischöflichen Palast, die Universitäts-Di ueke- rei, die Uniten-Kirche. ES war unmöglich, dem Feuer Einhalt zu thun. Auch daS Gebäude der Stadthaupt- mannschast gerieth in Brand, ebenso daS Franziscaucr- und Dominicaner-Kloster, der südliche Theil des Ringes. Die Flamme dringt nun auch in die grodzker Straße. Schon brennt der ganze Strich von der Promenade bei der Tauben-, Weichsel- und Franziöcäner-Straße b,ö jur Promenade am kleinen Markte, an der Breiten-Straße. Das Dominicaner. Kloster und die Kirche sind niedcrgc- beamu, eben so die angränzenden Fleischbänke nud die F>anziScane>-Kirche nebst dem Kloster. Die mit Ziegel gedeckten Häuser hielten an vielen Orten den Braud auf. Der Advokat Bogunöki ergriff in seinem Hause, wo eS
minder Thatsache, daß das holländische Volk sich gegen dieses Haus so dankbar bewicö, wie es Völker stccö gegen diejenigen Aristokraten waren, die etwas für dasselbe einzusetzen und zu leisten wagten.
Während gaiiz Europa daS traurigste Bild politischer und religtöser Zerrüttung, Zerfleischung unv Verfolgung bot, während die spanische Monarchie, in deren Reichen die Sonne nicht unterging, an den Bettelstab kam und Philipp II. im Eskurial im schlimmsten Sinne der Bedeutung als „Geuse", alö zahlungüttufahiger Bettler, beerdigt wurde, unv währenv alle Vanbe ringsum verarmten, bot Vie blühende batavische Republik, jetzt die erste See- und Handelsmacht des Westens, allen Verfolgten eine Zufluchtsstätte «nv thürmte sie der Hcreiugebrocheucntn Barbarei des Absolutismus einen mächtigen Wall entgegen. Bald war der Handel von Cavir, Lissabon und Antwerpen nach Amsterdam übergesiedelt; denu^cwig folgen die materiellen Interessen der Freiheit, ewig fliehen sie die verödenden Grenzmarken der Knechtschaft. — Die stolze Slepublik konnte eü mit der ganzen Welt aufnehmen, bis innerer Zwiespalt nach und nach die politische Schwungkraft der Ration lähmte. Der merkantile Sinn artete fortan mehr uno mehr in jene Starrheit und Stumpfheit gegen die höheren Interessen aus, unetugedenk der Thatsache, daff religiöse uno politische Freiheit die Mutter deü RationalwohlstaudeS gewesen war. Je überwiegender der bormrte Materialismus und Merkantilismus wurde, desto stärker ward die Partei bet; reichen Fanatiker für Ruhe und Ordnung, desto schwächer die weiter sehende und höher strebende republikanische Partei. Den herrschsüchtigen Oraniern warb immer mehr Spielraum gelassen und Hand in Hand mit der Ora- nischen Partei ging die Verknöcherung des Kalvinismus bis zu jener steifen Orthodorie, welche nun eben so verfolgungssüchtig wurde, wie der Protestantismus zu Anfänge bruverliebend und dulbfan» gewesen war. Im Jahre 174" war dieser Gang der Dinge so weit gediehen, daff die Republik faktisch zu Grabe getragen wurde. Die orthodoxe Kirche unv das Aristokraten' thuin hatten über Gewissensfreiheit und Demokratie gesiegt: der Prinz von Oranien, Wilhelm IV. ward für alle sieben Provinzen erblicher Statthalter, das heißt Erbkonig, obwohl ohne ve» Ramen. Die Monarchie war fertig und unter ihr sanken Hollands Macht und Herrlichkeit bald so tief, wie sie sich unter dem kühnen Flügelfchlage der Republik gehoben hatten. Die am 16. Mai 1795 von Fremden gemachte und nicht aus dem Volke wiedergeborenen Batavische Republik bewies, daß ver Rationalsinn noch tief in Erstarrung lag. Am 5. Juni 1806 wurde Holland unter LouiS Bonaparte endlich auch rem Rameu nach zu einer Monarchie. Am 9. Juni I8I5 mürbe Holland mit Belgien alö „Königreich der Rjeverlaudk" Wilhelm I. alS souveränem Fürsten zugctheilt. Das Volk ließ Alles mit sich machen, als sei es bis zum politischen Stumpfsinn herabgesuuken.
nicht brannte, einen zehnjährigen, in Lumpen gehüllten Knaben, der auf die Frage: „Wohin willst du t" antwortete: „Ich gehe löschen." Bei ber näheren Untersuchung fand Bogunöki bei demselben Brennmatcrialen. Dcr Junge wurde alsbald der Militärbehörde übergeben. Der commanblrende General, der vom ersten Augenblicke an zu Pferde auf bem Platze war, shll selbst einen Menschen, ber Schwöfelhülzchen, ein Wachslicht uno ein Paket Pulver in Baumwolle gewickelt, in Händen hielt, ergriffen haben. Es wurden noch vier andere verdächtige Personen festgenommen. Alö dies bekannt wurde, begab sich der Bürger Meciszewski, dessen Wohnung gleich Anfangs niederbrauule, mit den Herrn Bogunöki, Lipinski , SkacynSki, Karl Kremer, Katinka und Anderen zum Chef der Gubernial-Commissivn, mit der Bitte, er möge das Standrecht verkünben und jeden auf der frischen That ergriffenen Mordbrenner erschießen lassen. Der Chef des Guberniumö erwiederte : er könne das Stand- recht nicht verkünden lassen; doch da Angeschuldigte da seien, so werbe er den Präses des Tribunals lofort beauftragen , mit den Verhafteten die Untersuchung zu beginnen; er selbst eilte zum commanbil enden General, um sich mit vemsclben über weih re Maßregeln zu vernan- btgen. Die ungeordnete Untersuchung begann alsbald. Um 9 Uhr Abends wurde bei Trommelschlag vom huf. Militär verkündet , daß jeder Bürger ein Licht ans Fenster stellen, die Bürger aber in ihren Häusern wachen sollten; sodann wurden Patrouillen avegesänckl mit dem
Nichts desto weniger war es denen, welche Holland näher kannten, kein Geheimniß, vaß unter dem dicken Eise des starren Indifferentisinus noch hohes Waffer stehe. Wie Ludwig XVIII. kannte „Vater Wilhelm" seine Leute zu gut, als vaß er offene Unbesonnenheiten gewagt hätte. Er wußte die^ politischen Volköklassen, er wußte den unabhängigen Sinn der reichen Krämer, Schiffer und Bauern so zu streicheln und einzulullen unv unter der Hanv gut kaufmännisch vabei so treffliche Geschäfte zu machen, vaß selbst das Jahr 1830 bie Holländer nicht zum Gevächtuiß ihrer alten Frei- heit brachte, souvern nur zum Grimme über die-„undankbaren" Belgier, bie so keck waren, selber Herren in ihren Gauen werden zu wollen. Die Holländer jählten patriotisch ihre Schulven, als das ungeheure Defizit ihnen verrieth, wie theuer bie Monarchie zu stehen komme; aber sie blieben trotz der derben Sprache ihrer Opposilionöblätter so gut inonarchisch-konstitutio- nell, daß an ihnen die Bewegung von 48 gleichfalls fast spurlos vorüber ging. Noch vor einem Jahre Wollten bie MynheerS nichts von ver neuen Demokratie wiffen, so gern sie sich auch rühmten, sie seien freie Manner unv, wenn sie auch sagten unv beschwören: „für König unv Vaterland", bauten sie voch: für Vaterland uno König." Im vorigen Sommer noch schalten sie vie europäischen Revolutionen „Gas. senskanbale" unv schüttelten den Kopf unwillig über — Heinrich von lagern, als einen Wübler, dem man keine Spur von seines diplomatischen Vaters Loyalität anmerke.
Inveffe» ist das schicksalsreiche Jahr 1849 dennoch nicht ganz so spurlos an Holland vorübergegangen, als eö ben Anschein hatte. Die allgemeine Rieverlage des Konstitutionalismus hat auch den Holländern die Augen geöffnet. Eine Reihe neuer Zeitschriften weckte den alten Gemeiusinn. Die Regierung konnte dem Dichter Ferdinand Freiligraih den Eintritt in die Monarchie versagen, doch den modernen Ideen gegenüber hilft keine Grenzpolizei! Langsam, aber gründlich, wie es holländische Art, geht der Umschwung vor sich, und schon bringen unö die neuesten holländischen Blätter eine Rachricht, die allerdings erst ein Anfang, aber ein höchst erfreulicher ist: eine erste Bethätigung der demokratischen Organisation , die wir grade am heutigen Tage nicht blos mit Jubel begrüßen, sonvrrn zugleich unsern deutschen Demokraten zur Rachahmung empfehle». Auf einem zu Amsterdam gehaltenen Eon- greffe von VolkSfreunden ward folgendes Programm der holländischen demokratischen Partei angenommen:
„Programm: 1 ) Verbesserung der Lage dcS Volles durch das Volk.
2) Direkte Wahlen für die 2. Kammer ver Gene- ralstaaten nach bem gleichmäßigen EensuS von 20 fl.
3) Anfrechthaltung des ProvinzialsystemS im politischen Sinne.
4) Förderatio» der nördlichen und südlichen Staa- ■eS^BeSMSflHM!!!H8^!!!,*^M,,^85SeBEe*eggHS*
Befehle, jeden auf frischer That Ertappten zu arretiern und dein Kriegsgericht zu übergeben. Die Buchhandlung Czech ist gleichfalls abgebrannt. Die Garnison ist unter Waff.n; überall Patrouillen und Wachen. Auf den Promenaden, am Ringe, von der Grvdzkcrstraße bis zum Hause zu bem Barany liegen Haufen von Möbeln und anderen Sachen; vaneben die Abgebrannten. Allenthalben stehen Wachen vim Schutze der geretteten Gegen, stäube. Gegen 2 Uhr brach daS Feuer in der Spitalstraße auS. Von Reneni brannte es in der Universität. Die Studenten, unter Leitung des Rektors Majer, vie Professoren Kaczynski, Pol, Krupinski unterdrückten den Brand, eilen sofort nach Wasser in die Rubawa und löschen das Feuer, welches im BartynoivSki schen Hause von Neuem auSbrach. Um 6 Uhr verschwanden die Flammen allmählig. Abgebrannt ist die Tifthlerstraße (Stvlarüka), bie nördliche Theile deö Ringes, mit Ausnahme zweier Häuser, die Weichselstraße, ausgenommen des Theiles am Ringe, und die Annastraße; die Tauben- strauße nebst bem technischen Institut (die Universität ist erhalten unv ein EckhauS); die Brüderstraße mit Ausnahme eines Theiles deS JablonvwSki'schen Hauses; die Grvdzkcrstraße bis zur Josepskirche, mit Ausnahme von vier Häusern von der PvselSkastraße an; die ganze Tisch- lcrstraßk wo das Feuer am furchtbarsten wüthete. Um 9 Uhr war daS Feuer immer noch nicht gelöscht. Herr Karl Kremer hatte die Oberleitung über die Löschanstalten übernommen. Um 11 Uhr bemühte man sich, das