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Freit Zeitung.

Freiheit und Recht!

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^^ 17S» Wiesbaden. Freitag 2«. Juli 185

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Sozialismus, Communismus und Aristo- krateuthum.

I

W In jedem einzelnen Menschen tritt uns zweier­lei entgegen, der Mensch und die Menschheit. Die Eigenschaften, die er mit allen andern Menschen gemein hat, welche zum Wesen des Menschen gehö­ren, machen ihn zum Gliede einer Gattung, zum Mit- gliede der Menschheit; andere Eigenschaften, die ihn von allen seinen Mitmenschen unterscheiden, stempeln ihn zum Individuum, zum bestimmt abgegrenzteu Ein­zelwesen innerhalb seiner Gattung. Jeder Mensch ioll in bestimmter Form das allgemein Menschliche reprasen- tiren. In scharfen Umrissen, in bestimmter kraft- und saftvoller Weise das allgemein Menschliche darzusteUeu und aus sich herauszubilden, ist die Bestimmung jedes einzelnen Menschen und derselbe kann daher fußlig verlangen, daß eine Gesellschaft ihn umgebe, so einge­richtet, daß ihm die Erreichung dieses Zieles möglich ist. Denn der Einzelne, auf sich angewieien, ist uiu fähig, den Zweck seines Daseins zu erfüllen. Wie alles Einzelne in der Natur, und wäre es noch |O kräftig und blühend, augenblicklich absterben müßte, wenn das allgemeine Naturleben, wenn Licht und Luft sich von ihm abwendeten: so bleiben die im menschlichen Individuum schlummernden Keime unentwickelt, wenn nicht die Gesellschaft mit ihren Kräften und Mitteln es pflegend und bildend umgibt. Der Pflanzensaamen empfängt sich entfaltet und entwickelt aus den Muller- Händen der Natur, und stellt sich dann mit allen sei­nen Kräften und Säften dem allgemeinen Naturleben zur Verfügung, dient durch sein Leben wie durch sein Sterben den Zwecken des Allgemeinen, des Ganzen.

So empfange auch der Mensch sein eigen Selbst, seine volle, entfaltete und entwickelte Individualität ans der Hand der Gesellschaft, halte es dann aber für heilige Pflicht, mit allen so erworbenen Mitteln und Kräften der Gesellschaft, dem Allgemeinen zu dienen. Die Gesellschaft versündigt sich am Individuum, wenn sie ihm die Gelegenheit zu seiner naturgemäßen Entwick­lung versagt, das Individuum aber versündigt sich an der Gesellschaft, wenn es sich vom Allgemeinen ab- spent und mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften und Mitteln nur dem Eigennutz, dem Egoismus stöhnt. Die Verpflichtung der Gcselljchafl gegen den einzelnen Menschen und die des einzelnen Menschen gegen Die Gesellschaft so aufzustellen, daß dabei weder Geielljchaft noch Individuum in ihrer Wesenheit und naturgemä­ßen Bedeutung verletzt werden: das ist das Streben der Sozialisten.

Am Individuum erfreut uns die Fülle, die Kraft nur dann, wenn sie im Dienste der Gesellschaft steht, und die Gesellschaft entspricht nur dann ihrem Berufe, wenn sie kräftige Individuen hegt und pflegt. Die Gesellschaft soll nicht statt des Individuums, arbeiten, sie soll dasselbe im möglichst hohen Grade arbeits­

fähig machen, d. h. die Entwickelung aller seiner Arbeitskräfte gestatten und begünstigen. Die Gesell­schaft soll nur da ergänzend, helfend eingreisen, wo die Erreichung eines des Menschen wie der Mensch­heit würdigen Zieles der Einzelkraft unmöglich ist. Der Einzelne soll sich nicht schwach der Gesellschaft hingeben, sich nicht sentimental ins Allgemeine auf­lösen, sondern sich unter allen Umständen als kräfti­ges Einzelwesen behaupten, um dem Allgemeinen auch wirklich etwas Anständiges bieten zu können, um dann bei jeder Gelegenheit als kräftiges Werkzeug im Dienste der Gesellschaft zu stehen. Freihe'it ist da, wo das menschliche Individuum sich ungehindert ent­wickeln und bewegen kann, so lange bei diesem Ent­wickeln und Bewegen die Gattung, die Menschheit in ihrem Sein und Wesen nicht gefährdet ist; Gleich­heit ist da, wo alle Glieder der Gattung den gleichen Bedingungen des Lebens und des Bewegens unter­worfen sind, soweit das Recht der Individualität nicht gefährdet ist; wo das Allgemeine jedes Einzelne mit gleicher Liebe umfaßt, und so jedem die Gelegen­heit zur Entwickelung und Bethätigung seiner Indivi­dualität bietet; Brüderlichkeit herrscht da, wo jeder im Dienste aller seiner Mitmenschen, nämlich der Gesellschaft steht, die alle ihre Glieder mit glei­cher Liebe hegt und pflegt.

Freiheit garantirt das Recht des Individuums, verbürgt die Berechtigung und lebendige Geltend­machung dessen, was der einzelne Mensch Eigenthüm­liches, von allen Gliedern seiner Gattung ihn Unter­scheidendes, an und in sich trägt. Die Freiheit aber geht nicht ins Maßlose, sie findet ihre natürliche Schranke an der Gleichheit. Die Brüderlichkeit ist das Band, der Nerv, welcher alle Einzelnen in der Weise zu einem lebendigen Ganzen, zur Gattung, zur Menschheit verbindet, daß die Bethätigung jedes Glie­des allen andern zu Gute kommt; daß ein Glied, in­dem es lebt, den andern Leben spendet und das eine nicht leben kann ohne den andern Leben zu spenden.

Zwei, vom Socialismus nach beiden Seiten hin bis ins Ernem alurrenoe Erscheinungen sind das Aristokrateuthum und der Communismus. Das Ari st o traten th uin macht den Vollgenuß der allgemeinen Mittel und Kräfte nicht allen Menschen, sondern nur denjenigen zugänglich, die eine bestimmte Abstammung oder eine bestimmte Größe des Besitzes nachzuweise« im Stande sind. Wo die Aristokratie herrschend ist, hängen die Mittel zur Ausbildung von Bedingungen ab, die nur die Aristokraten zu erfüllen vermögen: ausschließlich in den Händen der durch Be­sitz oder Abstammung Ausgezeichneten liegt das Recht der Gesetzgebung. Den Census rechtfertigt der Ari­stokrat, indem er sagt, zur Gesetzgebung sei Bildung nöthig und deren Erringung hange ja durchweg vom Geld ab. Daß aber die Bildung durchweg vom Geld abhäugt, ist eben ein Werk der gesetzgebenden Aristokratie! Der Aristokrat hält thatsächlich nur die

durch Nebendinge, wie Besitz, Art der Absta sich unterscheidenden Persönlichkeiten für Mensch ihnen räumt er die menschlichen Gesellschafsreck nur sie läßt er die allgemeinen Mittel genieße, übrigen Menschen enterbt er ihrer Gesellscha und betrachtet sie wie Thiere und andere Na lediglich als Mittel für seine Sonverzwca Aristokratenthum ist die Gesellscha menschliche Gattung, den Gelüsten E ner aufgeopfert. Nirgends tritt uns bar Menschliche in saft- und kraftvollen Individual entgegen, ihr Aufblühen ist allenthalben gehemmt, durch Ueberfälle, dort durch Mangel. In der Ar stokratie beutet eine Menschenklasse die andere aus und das, was sich in Folge die- ser Ausbeutung bei den einzelnen Gliedern der herrschenden Klasse ansammelt, wird Eigenthum von ihr genannt.

Der Communismus bildet das andere Ertrem. Wo dieser herrscht, da ist das Individuelle der Gattung, der Gesellschaft aufgeopfert. Im hastigen Streben, die im Aristokrateuthum den Ge­lüsten Einzelner preisgegebene und hingeopferte mensch­liche Gesellschaft zu retten, schüttet er daS Kind mit dem Bade aus, und tritt das Recht des Individuums mit Füßen. Die Freiheit besteht bei ihm darin, daß alle Menschen eine se l b stg e sch m ied e te Kette tragen; die Gleichheit darin, daß alle die eine Kette schlep­pen, und das Band der Brüderlichkeit ist eben dann die eine, sie alle umschlingende Fessel. Die Einheit wird zur Einförmigkeit. Gleich, d. h. gleich­förmig will der Communist alle Menschen haben und da durch Bildung die Gleichförmigkeit nicht er­zielt werden kann, (weil eben Bilden nichts anderes heißt, als Individualitäten entwickeln) so schafft er die Gilbung gänzlich ab und nimmt sich den niedr'igst- stehenden Menschen zum Modell. Persönliches Eigen­thum ist im Communismus abgeschafft, aller Besitz fließt in eine Kasse und aus dieser werden die mensch­lichen Bedürfnisse, soweit sie der Communismus aner­kennt, für Alle in gleicher Weise bestritten. So ver­nichtet der Communismus alles individuelle Leben und Streben, einer Gesellschaft willen, die dann doch nichts anderes ist, als eine Anzahl unglücklicher Geschöpfe, die berufen waren, Menschen zu werden, die es aber nicht sind, weil in jedem Einzelnen die Menschheit abgetödtet worden ist. Communismus und Aristokra­tenthum, obwohl Ertreme in ihren Bestrebungen, sind völlig identisch in ihre» Folgen: beide entmenschen die Gesellschaft in ihren einzelnen Glie­dern. Feindlich gegen beide tritt als einzig möglicher Retter der Gesellschaft der So c i a l i s m u s auf. Der Socialismus vernichtet weder das Individuum um der Gesellschaft willen, noch die GescUutzaft nm des Jndi« Viduums willen. Er unterscheidet streng zwischen einer öffentlichen Sphäre, in der alle GeseUschaftsglieder gleich sind, und einem Privatkreise, in welchem der

Die amerikanischeBiene".

(Schluß.)

Nehmt Amerika diesen Geist des alten Deutsch- thums, und sein Wohlstand verschwindet. In seiner Kraft einher schreiten, sich auf sich verlassen, und nur von se i n e s G l c i ch e u e t w a s e r w a r t e u, nichts von der Regierung fordern, seinem Nachbar helfen und sich von ihm helfen lassen das ist das große Geheimniß; das sind diese ganz englischen Gewohnheiten, welche Amerika zu ihrer höchsten Spitze treibt. Daher die allgemeine Hoffnung, der allgemeine Gewcrbflciß, der brennende Wunsch) das Geschlecht fortschrciten zu lassen. Eine stolze und mit- 'uidc ll b.rlieferung, welche Regierung der Gesellschaft sich selbst geworden ist, löst sich auf in Regierung rvvmz durch die Provinz, der Gemeinde durch die ,de, jeder Gruppe durch sich selbst, endlich des cu durch den Menschen. Der wahre Wahlspruch einigten Staaten ist nicht: Jeder für sich! der uch der Zerstörung, ssondern: Jeder durch sich und Andern schöpferischer und mitfühlender Wahl. Nichts erzeugt ein größeres Erstaunen und Aer- 'ge nicht im amerikanischen, sondern desgleichen im dänischen, schottischen Bauern, als zu hören, 1 alten romanischen Ländern eine ei n hcit- gi bt, welche es auf sich nimmt,

statt aller Welt zu handeln, Schulen leitet, die ; Geistlichkeit bezahlt , Brücken baut, Theater unterhält, I Salz verkauft, Hospitäler errichtet u. s. w. Dieser ger- ' manische Bauer wundert sich noch mehr, wenn er ver« nimmt, Dav, sobald die Regierung einmal ihre Hülfe entzöge, Jeder sich unmittelbar empören würde. Er ver» steht nichts von den zwei Gewohnheiten, die auf uns lasten, die Wuth: regiert werden zu wollen, verbunden mit der, die Hand zu beißen, welche regiert.

Diese Ueberlieferung der Freiheit in der Einheit, Der Ordnung in der Unabhängigkeit bedarf st hier Gesetze, um sich in Amerika zu erhalten. Der Fabrikherr hat die Freiheit, seine Arbeiter zu beschäftigen oder fortzn- febiefen; der Arbeiter, den Lohn anzunehmen oder die Arbeit zu verweigern ; der Capitalist, sein Geld zu brauchen, wie er will; der Ackerbauer und Kaufmann», ihren Ge­winn zu capitalisiren. Der Staat, das Gesetz mischen sich auf keine Weise ein; das sittliche Gesetz , die innere Triebfeder liegt in den Ebarakteren. Keine erzwungene und theoretische Association, sondern eine thatsächliche und gewvhnheitliche Sympathie, ein stetes angel-sächsisches Cludwesen, miverwüstlich , wie Die Sitten, welches das ganze Land regiert und ohne welches Die Regierung des Volkes durch sich selbst nur ein Hirngespinst wäre. Man verbindet sich überall und frei, um sich gegenseitig zu helfen: das ist eine alte Stammesregierung.

Verschiedenes.

# Die kürzlich erschienene Schrift Henri Ro berts überdie Wohnungen der arbeitende Klasen" hat der Präsident der Republik Frankreick übersetzen und an alle Präfekten vertheilen lasse' Der Moniteur bemerkt bei dieser Gelegenheit:J^ mann weiß, daß eine Wohnung reinlich, gut crle gegen die Feuchtigkeit geschützt und luftig se- Die Aerzte und Statistiker haben constatirt, Bevölkerung, die sich Dem verlängerten Einfluß tziger , dunkler, feuchter und geschloffener W aussetzt, physisch und moralisch entartet, t allen Leiden der Scropheln und der Schwin urtheilt ist; daß sie bald der nöthigen Ener gelt, um diese Leiden zu bekämpfen, u auch weit weniger, als eine kräftige und völkerung, den Verführungen des Last- Versuchungen des Verbrechens widersteht, und Gefängnisse gewinnen dabei an K die Armee an Landes-Bertheidigern un Production an Arbeitern verliert. Die des FortSschritts werden mcht zaudern, Heits-Comite's einen Platz einzunehr dauerhaftesten und wirklichsten Dien^ Sie werden sich der im Dorfe Ca einem der elendsten in England,