Mit ZtilMT
„Freiheit und Zieehl,
I s. —■■.■-,.— :-■-^-.:- —— ••: --.-- 1 ”" ' ^L-“JL ■'■ ■ '-——■--■■■■■■■'« j.»»*« ,< ■ ■„■■—■■■,_— „ „ „ ■■ ■ , ..., _■ j_ , „„,. ■. ■ ■— _
£ 174» Wiesbaden. Donnerstag, 25 Juli ISS
Di, „ ^ r c t e Zeit unq " erscheint, mit ^aünabme ves AtontazS, täglich in einem Bogen. — Der AdonnementSpreiS betragt vrerleljäyrig Pier in Wiesbaden I <1. 45 fi wârfs? durch die Post bezogen mit verbaitmßmâtzigem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen uno sind bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets so samem Erfolge. — Die ZnserationSgebüpren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.
- ——— --- ------- ■ • • ----^ ' ----- , .^^^-^—^-^-^ ^ .*■•»=, - »»-.-rnm-M«i«ni.rl .e.» in ....... ' ^i«rerew*«;ia«mTrIr.«^^
Das spezifische Preußenthnm.
X Nur zu oft hat man in den letzten Jahren den -Mnnern, welche im Rathe des Königs von Preußen sitzen, oder an der Spitze feines „herrlichen" Kriegs- heereS stehen, zu viel Ehre erwiesen; nur zu oft hat man in freilich gerechtem Zorne Personen getadelt, die vielleicht, obwohl aus andern und nicht selten den entgegengesetzten Gründen, noch weniger mit dem Gange der Dinge zufrieden waren. Der Irrthum lag darin, daß man hinter jenen vielgenannten Namen Männer mit freien Entschlüssen und eigener Ueberzeugung suchte, kecke Absolutisten, welche ihren Willen durch List oder Gewalt zum Gesetz und Staatszweck zu erheben verstünden, während diese Staatsgewaltigen doch nur Figuranten, nur Träger eines fremden Willens, nur Maschinisten waren, deren ganze Größe und Brauchbarkeit darsn bestand, daß sie nichts als große Nullen hinter einem Zähler, genannt spezifisches Preußenthum, bedeuteten. Welcher Politiker glaubt heute noch, daß diese Pfuel und Brandenburg, diese Manteuffel und v. d. Heydt, diese Wrangel u. s.w. dieZauberer seien, die in kritischen Momenten, in Stürmen und Gefahren das rechte Wort, die entscheidende That vom Himmel der Idee herabzuholen verstanden? Herr v. Ravowitz vielleicht — und auch er nur vielleicht — ist ein origineller Kopf, ein Jveenmensch: ihm wird deshalb von keiner Partei vollkommen getraut. Auch König Friedrich Wilhelm IV. hat Anflüge von eigenen Ideen und grade deshalb so gut wie keinen Einfluß auf die preußische Politik gehabt, oder wenn ausnahmsweise einmal, doch regelmäßig nur einen hemmenden, einen Einfluß, der sogleich wieder von seinen Räthen gebrochen wurde und gebrochen werden mußte. Denn die Verhältnisse sind größer als die Menschen, und in Staaten, in denen die Politik der gegebenen Verhältnisse als höchste Norm gilt, haben nur diejenigen nachhaltige Bedeutung, welche sich zu Trägern dieses Bestehenden machen und weder rechts noch links sehen, sondern blindlings ihrer Nase folgen bis sie — auf ter Nase liegen. — In absolutistischen Conserva- tivstaaten ist die Autorität, ist das Staatsdogma Alles, der Staatsbeamte als Mensch nichts. In solchen Conservativstaaten haben die Träger der Gewalt demgemäß stets etwas Typisches, das mit größeren oder kleineren Variationen zu allen Zeiten und unter allen Verhältnissen wiederkehrt, wie bei den Priestern in der I römischen Kirche, bei den Bonzen im Buddhismus. ' Der Prinz von Preußen z. B. bedeutet nur etwas in der preußischen Politik, seit er in sich den systemischen . Eigensinn der Hohenzollern nach dem Muster des gu- j ten Königs, des alten Fritz und des alten Friedrich Wilhelm II. ausgebildet hat und vertritt. Diese Richtung kam auf der Flucht nach England in ihm zum Durchbruch. Wrangel ist ein Stück Blücher für Gott, König und Vaterland, bis zur Karikatur; daher seine
Wirkung! Pfuel wollte ein kleiner Hardenberg werden; es gelang ihm nicht recht, er wurde daher bald beseitigt. Brandenburg repräsentirte das preußische Zuuker- thum mit seiner Hingebung an das alte Märkerthuin, und Manteuffels Größe beruht nicht in seinem Verstände, nicht in seiner Consequenz, nicht in seiner fast cynischen Verhöhnung alles dessen, was ihm Neuerung heißt, sondern in der Fähigkeit, die alte preußische Politik durch Dick und Dünn, mit List und Gewalt nolens volens wieder zur Vormacht zu erheben. Diese steife Festigkeit ist das Zeichen, in welchem er zu siegen hofft. Er kennt keine Rücksichten, als die im „alten System" liegenden, und verachtet deshalb von ganzem Herzen die konstitutionellen Schwätzer, deren ganzè Politik in Rücksichten besteht, im Drehen im Kreise nach dem Chamisso'schen Liede: „Er dreht sich rechts, er dreht sich links, der Zopf, der hängt ihm hinten!" Manteuffel und seine Freunde drehen sich nicht, sie stehen und halten daher Allem so lange tapfer Stand,:.bis der Stärkere einmal wieder über sie kommt, die einzige Macht, welche sie fürchten und deshalb bis zum Terrorismus verfolgen, die Demokratie, vor der, sobald sie organisrt ist, kein Entrinnen ist. Daß die europäische Demokratie sich nicht organisire, daß sie nicht wieder zu Athem komme, ist die Hauptaufgabe der altpreußischen Politik nach deren negativer Seite. Die deutsche Demokratie ist die ©inpeit- Deuschlands. Preußen darf diese Einheit nicht wollen oder es hört auf, Preußen zu sein. Der alte Staat konnte im März 1848 sich der Einheitsidee nicht erwehren, weil er ideell damals apfgehört hatte, Preußen zu sein. Er mußte A sagen; er konnte sich ohne Wortbruch des B-Sagens nicht entschlafen ; aber in dem Momente, wo das alte Preußen sich wieder aus der Betäubung aufrichtete, mußte es Schritt vor Schritt durch Recht und Unrupt <per fas et nefas) zurückagiren zur absoluten Staatsraison, die seine einzige Vernunft ist. Um die Freiheitsidee zu vernichten, galt es, die wirklichen Träger derselben zu zersprengen, die Demokraten. Gleichzeitig bot es den konstitutionellen Schwätzern Gelegenheit, sich selbst zu richten und zu vernichten. Jene erste Aufgabe hat Wrangel mit Manteuffel, diese zweite Manteuffel mit Rädowitz gelöst — soweit sich Unmöglichkeiten für den Augenblick scheinbar ermöglichen lassen! Denn weltgeschichtliche Ideen sind nur zurückzudrängen, doch nicht zu verdrängen; die Armeen der Zukunft kann man wohl einmal schlagen, doch nicht erschlagen. Oder ist das nächste Stadium der Volkssonveräuität, ist die Demokratie etwa keine solche ewige Idee? Nur Neulinge in der Politik, nur Unwissende in der preußischen Geschichte, nur verblendete Doktrinärs konnten sich daher wundern, als durch die Ablehnung der Verfassung vom 28. März und der Kaiserkrone das deutsche Einigungswerk vernichtet wurde. Daß der König von Preußen in seiner christlich-germanischen Romantik gern deutscher Kaiser geworden wäre, ist weltbekannt; ihn daran zu
verhindern, daß der Schwerpunkt der preuß Monarchie, und mit ihr der Schwerpunkt De lands, verrückt und dadurch die Revolution bes würde, war Sache der weiter blickenden preußis Staatskünstler. Diesen Wendepunkt begriff Ma teuffel, und darin besteht seine schicksalsschwam Amtsthätigkeit für Deutschland. Ob es, vom St' punkte der höheren Politik aus betrachtet, war, den Hohenzollern eine deutsche Zukunft zu Nichten, während ihnen die preußische Zukunft tä prekärer wird, war eine Frage, die weder ManU noch einer der übrigen preußischen Minister sich ste geschweige denn beantworten konnte. Hätten jene M ner dies vermocht, hätten sie den Gedanken fassen kö, uen, daß die Welt noch steyen würde, wenn Preuße- nicht mehr als dfiS alte spezifische Preußen bestehe, wären sie keine Staatsmaschinisten, keine bloßen N Menschen, so wären sie Staatsmänner im englii Stirne des Wortes gewesen, Männer, die etwas ge und etwas vergessen haben, politische Jdeenmenfcher Träger moderner Tendenzen, kurz Demokratei Robert Peel z. B., der trotz seines Torysmus ein kratischer Herz hatte, als alle unsere „liberg'en lutionsininister" zusammen. Daß jene Mann Preisen nur retteten, um es einer desto raSÄ Veriâhtung entgegen zu treiben, daß sie Deutfi. die Gefahr einer konstitutionellen Kaiserrèichswirthj ersparten, darin besteht vom preußischen Standpr. aus betrachtet, ihre Größe und darin besteht, vom Sta punkte der Geschichte aus gewürdigt, ihre unbezahlbc Bornirtheit. Denn auf dieser Kurzsichtigkeit beruht ihre segensreiche Mission für die demokra ische Durchbildung der ganzen Ration, für die schönere Wiedergeburt Deutschlands, für das einstige, durch sie zur fatalistischen Nothwendigkeit gewordene Zustandekommen eines deutschen Freistaats nach dem Stufet Kein Oestreich, kein Preußen, und weder eine absolute noch eine konstitutionelle, noch überhaupt eine deutsche Monarchie!
'ItffifenvcrOaubimigca zu Wiesbaden.
Siebenter Prozeß.
Anklage gegen CatharineHäuser von Holzhausen a. d. H., wegen Kind es inords.
$ Wiesbaden, 24. Juli. Präsident: Hr. Ober* appellationögerichtsratp L a n g ha n s; Staatsanwalt: Hr. Staatsprocurator St e t ch in ann; Vertheidiger : Hr. Prokurator Wilhelmy sen.
Da die gestern begonnenen und heute beendigten Verhandlungen, wie es im Gesetze für derartige Fälle vorgeschrieben ist, bei verschlossenen Thüren stattfanden, so können wir über den Fall selbst nichts mittheilen.
Die Angeklagte wird für schuldig befunden und zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie behauptet indessen immer noch, daß sie unschuldig sei.
Die amerikanische „Biene".
# Mit den sozialen Reformideen der Neuzeit wird
• wie mit dem schriftlichen und mündlichen Ver- 'cd)tfad)fn, mit der Preßfreiheit und ähn- asbedingungen der Neuzeit: sie brachen sich yin, schweren Kämpfen endlich Bahn, sic wur- . tsachen, und die Welt steht trotz aller Befürch- ,.n der Stabilitätsmenschen immer noch! Sogar die sonst nichts weniger als sozialistische „Revue deS deux Mondes" wittert Morgenluft. In derselben befindet sich ein Aufsatz von dem geistreichen Gesichtsproscssor 'n College de France zu Paris, P h i l a r è t e Chaslc s, r „die Amerikaner und die Zukunft A m c r i- ', worin über den amerikanischen Instinkt in Be- r Grundbedingungen des modernen Staatswesens Einleitung gesagt wird:
> den Grenzen von Arkansas oder Illinois sieht es schönen Sonntags eine Familie ankommen, zes Mobiliar in einem von einem kleinen Pferde Wagen besteht. Der Vater wählt den Ort fiyeö. Hier ist Rasen, grüne Eichen ein ß. Aber wie es an stellen? Die Werkzeuge N, um sein Blockhaus zu seiner Bequemlichkeit zu auchte Zeit, mehrere Arbeiter uno viel Geld, "einen und der Einigen Arm. Die alten ohner der nahen Wälder, die fett lange ta" '"eii und das Land kennen, eilen
herbei , die neuen Ankömmlinge zu begrüßen, — nicht zu begrüßen allein, auch ihnen zu helfen. Keine Aufsehen erregende Vorbereitungen, kein Lärm, keine eitlen Phrasen! Die Zeit ist kostbar, man macht keine langen Reden. Man begnügt sich mit der einfachsten Sache von der Welt, man ahmt die Bienen nach (the bees); man arbeitet in Gemeinschaft, zum Vortheil des Neu- Angekommenen. Diese wirkliche und thatkräftige Brüderlichkeit hat bald ihre Früchte getragen. Der Eichenstamm fällt, er wird fistgerollt, gerichtet; das Haus erhebt sich. Die Scheune bedarf eines Daches; sechszig Arme tragen dazu bei. Der Wohnsitz ist fertig. Ist die Ernte gekommen, so handelt es sich darum, das Korn ans der Tenne zu dreschen. Die Gefährten eilen nochmals herbei; die Arbeit einer Woche ist in Einem Tage vollendet; was dem einsamen Arbeiter Monate gekostet hätte, ist in Einem Augenblicke geschehen. Der neue Ansiedler wird den anderen wiedergeben, was er von ihnen erhalten; und kommen wiederum neue, so werden die alten gegen die letzteren eben so verfahren. Man borgt des Nachbars Pferd, und gibt es zurück; man leiht seinen Pflug und fordert ihn zurück; Jeder hilft A l l e n, und das Elend trifft Niemand. Die Amerikaner nennen dies Cic Ve rsa m in l u ng der Biene (the gathering of the bee).
Diese Gewohnheiten bilden das fuilnbe Leben, d. h. ten wesentlichen Grund des Abens in Amerika. Sie wirken zuerst in Gemeinschaft von fünf oder sechs Block
häusern. Um eine Kirche aus Stämmen zu bauen, bil- —- det sich eine neue Biene. Alle Welt, Quäker, Arm nianer, Methodisten, Katholiken legen Hand an's Wer Diese Kanzeln aus dem gröbsten gehauenen Holze n>i den von nomadischen Predigern, welche die Wüste dur' ziehen, bestiegen. Die Gemeinschaft ist übero ohne daß irgendwo die Freiheit d a r u n t leidet. In allen Kreisen des bürgerlichen Lebens wfi holt sich die Arbeit der Biene. Man verbinde» um eine Brücke wiederherzustellen, eine Fâhr- schaffen, ein Schulhaus zu gründen, eine Land- bauen , einen Wald zu lichten. Die Steuer i nicht die mindeste Schwierigkeit; Jeder weiß, e Brücken und Landstraße, und daß er sie bezah
Wo soll sich der Gerichtshof erheben und aus Mitteln? Neue Beweggründe zu freiwilliger A
— oder vielmehr berathender Versammlur nehmen alle Familienväter daran Theil , man die Zahl der Stimmenden beschränken, steht eine Repräsentantenkammer im klein« die für das Wohl der Gemeinde sorgt. Nisse vermehren sich. Die Wilddiebe stehle schleppen das Vieh fort, die Indianer zünde, an; eine Miliz wird nothwendig, und sie bi Versicherung gegen Feuersgefahr wird uner das macht sich allmälig, mit Ordnung und Weise. Es ist immer die Biene. E Regierung; denn Jeder ist