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^o 172♦ WiesbadcR. Dienstag, 23. Juli 1S5O.

Dic K r e t r Zeitung« erscheint, mit AuSnadme h«d MontazS, täglich in einem Bogen. Der AbonnementSpreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 R. 45 kr_ au». Wärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. jnser.m rv.cvni bereitwillig ausgenommen uns ftao bei der grossen Beedreitung derZreien Zeitung« stets »ob wirk­samem Erfolge. £ t< InscrattonSgednhren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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(X) Schleswig-Hol st ei«.

So weit wären wir also gekommen! Die deut­schen Herzogthümer ohne Rettung, wir wiederholen es: ohne die geringste Aussicht aus Rettung durch den Machtspruch der Majorität der Peutarchie, nämlich Frankreich, England und Rußland, dem Dänenkönig verkauft; die deutschenGroßmächte" daß sich Gott erbarm über diegroße" Macht diesergroßen" Mächte!! in tiefster Demuth vor dem Ausspruch der genannten 3 Staaten winselnd und sich krümmend; und um das Maß der Schande bis zum Ueberlau- fcn voll zu machen, die Gothaer, dieConstltutionelleu, diese feigen Worthelden, diese modernen Bettler (Geusen) des alten Arndt, im Begriff, für eine Sache, welche sie selbst entehrt haben, für das verrathene Volk an der Eider einige Kreuzer und einige Leiu- wandlappen mit jämmerlicher Miene zusammeuzu- Lctteln!

Im September 1846 erklärte der nur scheinbar- todte Bundestag dem damaligen bekanntenoffenen" Brief des winzigen JnseWnigs gegenüber, daß die Rechte der Herzogthümer unzweifelhaft seien und nicht gekrankt werden dürften.

Im März 1848 schrieb der König von Preußen eigenhändig nachstehenden Brief an den Herzog von Augustenburg:

Durch!. Herzog! Auf Ew. Durchlaucht Schreiben ^om heutigen Tage in Betreff des bedrohlichen Zu­andes in den Herzogthümer» Schleswig-Holstein er­eile ich Ihnen Folgendes:

Ich habe mich der Wahrung der deutschen Sache : die Tage der Gefahr unterzogen, nicht um die chte Anderer zu nsurpiren, sonderu um das Beste- ide nach Außen und im Innern nach Kräften zu ,«alten.

,Zu diesem bestehenden Rechte rechne ich dasjenige, bet' Herzogthümer Schleswig-Holstein, rvelchcs in den bfc Rechte des Königs von Dänemark in keiner Weise verletzenden Sätzen ausgesprochen ist:

1) daß die Herzogthümer selbstständige Staaten sind,

2) daß sie fest mit einander verbundene Staaten sind,

3) daß der Mau nöstamm in den Herzog- thümern herrscht.

In diesem Sinne habe ich mich bereits in dem Bundes­tage erklärt, und bei diesem bestehenden Rcchtsverhält- uiß bin ich bereit, in Betracht des Bundes be- schlusstS vom 17. Sept. 1846 dieHerzogthümer Schleswig-Holstein gegen etwaige Uebergriffe und An­griffe mit den geeignetsten Mitteln zu schützen.

Ich hoffe übrigens, daß der Rationalität der Her- zogthümer keine ernstliche Gefahr droht, und bin ent­gegengesetzten Falls der festen Zuversicht, daß meine deutschen Bundesgenossen gleich mir zum Schutze der­selben herbcitilkii werden.

Mit aufrichtiger Freundschaft verbleibe Ew. Durch­laucht freundw.Uiger Vetter. Berlin, 24. März 184«.

Friedrich Wilhelm."

Am 4. April 1848 ertheilte ein Beschluß der Buu- desvcrfamnUung an Preußens Regierung den Auftrag, im Namen Deutschlands die verbrieften Rechte der Herzogthümer gegen alle Angriffe und mit allen Mit­teln zu schützen.

' Am 13. April aceeptirte Preußen das erhaltene Mandat und erklärte wörtlich:es unterziehe sich mit Freuden diesem Mandate und es sei entschlossen, das- felbe im Vereine mit seinen Bundesgenossen seinem ganzen Umfang nach auszu führen."

Was hierauf folgte, ist Euch wohl noch in frischer Erinnerung: eine Kriegführung der Deutschen, die an Erbärmlichkeit kaum ihres Gleichen in der Geschichte hat; ein großer Aufwand von Verheißungen und kein reeller Gewinn; ein bedeutender Einsatz an Menschen­leben, und H-b und Gut, und kein, gar kein Ersatz; es folgte: die schmähliche Convention von Malmö, sodann der 2te schimpfliche Waffenstillstand vom 10. Juli 1849, der sogenannteBerliner"; und schließ­lich der famoseBerliner" Frieeenstraklat vom 2. Juli; es folgte die Beherrschung aller deutschen. Häfen an der Nord- uno Ostsee durch eine Handvoll Männer von Seeland und Fünen; und endlich der Ueberfall bei Fredericia, ein unauslöschlicher Schand­fleck in der deutschen Geschichte: da ohne Zweifel.' bei jener Mordnacht, jener 2tcn Bartholomäusnacht, der schwärzeste Verrath die Hand im Spiele gehabt hat.

Deutschland hat 11,600 Ouadratmeilcn, Dänemark 2800, wenn man nämlich noch Holstein und Lauen- burg, Island und die Färöer Insel hinzuzählt; Deutsch­land hat 40, Dänemark noch keine 3 Millionen Ein­wohner. Deutschland ist gegen Dänemark ein Riese; Dänemark gegen Deutschland ein Zwerg. Der Zwerg hat den Stiften gehäufelt, geneckt, gefoppt, geohrfeigt nach allen Richtungen' hms der Niese hat die Eyika- nen und Schläge mit dummem Gesichte und englischer Geduld Eingenommen, und verläßt am Ende den Kampfplatz gedemüthigt, als der Spott aller Welt, I verachtet, recht tief verachtet von allen Rationen dies- seits und jenseits des atlantischen Oceans, für welche die Wörter Ehre und Treue kein leeres Wortge­klingel geworden sind.

Wer hat Schleswig-Holstein verrathen, wer hat Deutschland so herabgewürdigt, daß der Deutsche wahr­haftig im Ausland , sich vcrläugncn .muß, wenn er nicht Erniedrigung und beschämende Geringschätzung gewär­tigen will?

Die Antwort muß eine doppelte sein: Zunächst ist Deutschland in Schleswig-Holstein verrathen worden durch die Diplomatie, welche im Dienste des Absolu­tismus steht, welche den Kampf in Schleswig-Holstein von Anfang au für eine fluchwürdige Rebellion hielt, für eine Auflehnung gegen die legitime Autorität des Laudesvaters, für einen Verstoß gegen dasgöttliche"

Recht der Könige; die Diplomatie, welche vor keinem Mittel, keinem Verrath, keiner Schandthat zurnckbebt, um ihre fluchwürdigen , selbstsüchtigen Zwecke zu ver­folgen; die Diplomatie, welche kein Vaterland hat, und die Völker nur für große Schaafheerden ansieht, die zu nichts weiter da seien, als um zum Vortheil einer kleinen Zahl von Menschen tüchtig geschoren zu wer­den. Die deutsche Diplomatie mit allem was drum und dran hängt, ist nicht nur verrätherisch und ohne Rücksicht für die Würde des deutschen Volks: sie ist auch feige, und wenn man ihr die Wahl stellt, die eigene Ehre oder Aemter, Titel , Geld unv Pfründen cinzubüßen, so wird sie mit der größten Seelenruhe stets die Ehre preist geben. Die deutsche Diplomatie hat nicht bloß in der schleswig-holsteinischen Affaire die deutsche Ration gedemüthigt, sie ist auch selbst sehr gedemüthigt vom Schauplatz abgetreten.

Von dieser hohen Diplomatie und ihren Begünsti­gern und Protektoren war kein anderes Auftreten in der Sache der Herzogthümer von Anbeginn zu erwar­ten ; diese Diplomaten, und die Leute für deren Ge­lüste sie kämpfen, verfolgen ihren Vortheil, und dieser Vortheil steht ewig mit dem Heile des Volks in schnur­geradem Widerspruch.

Diesen Widerspruch offen darzulegen, war die Auf­gabe aller derer, welchen wirklich die Ehre der Ration am Herzen lag. Die Herren Liberalen, die professo­renhaften Phrasenmacher, die Deserteure der PaulS- kilche, die feigen Unterthäuigkeits-Kuechte von Gotha, die konstitutionellen Worthelden von Erfurt: diese Men­schen haben aber, statt jenen Widerspruch aufzudecken, ihn vielmehr geleugnet, verhüllt, vertuscht; sie haben ihn noch verabredet, als er in dem Waffenstillstand von Malmö sejbst dem blödsinnigsten Auge klar wer­den mußte.

Diese Gothaer sind also die weiteren Verräther und zwar größere, als die Diplomaten; denn die erste­ren haben das Gegentheil von dem gethan, was sie versprochen haben; die Diplomaten aber haben nichts versprochen.

DieseMänner" von Gotha, die Stcdtmann, P a g e n st e ch e r, Soiron, Ba sserman«, Fallati, Math« uns ihre Genossen, haben dies Unglück SchleS- wig-Holsteins auf dem Gewissen, und sie dürfen nie glauben, wie' wurden ihre Schuld vergessen, und sie nicht einst zur Rechenschaft ziehen für all das umsonst ver­gossene Blut der nordischen Brüder, weil sie jetzt mit jammervoller Gebärde in dem deutschen Reiche für Schles­wig-Holstein um Gottcswlllen einige Pfennige zusam- mc»te>en.

Wir begreifen überhaupt gar nicht, was die paar Thaler unsren Brüdern an der Eider helfen sollen. -

Wie halten die fchleswig-holstenustl-e Sache für so verloren wie die badifchc: Prenhcn und O sterreich wer­den sich den Befehlen der Gees machte fügen und die Großmächte sine in Bezug auf Schleswig einer Meinung.

Das kleine Land kann nicht den verbündeten Groß-

Bictor Siuwd Rede über die Preß- . freiheit.

(Schluß.)

Meine Herren! Bedenken Sie, wohin dieses Gesetz führt: Alles, was Kunst und Wissenschaft, Philosophie und Politik, Königreiche, die Republiken werden , Nationen, die zu großen Familien werden wollen, Natur- und Glaubcnümenschen, Genies und Massen, alles geht heut­zutage zusammen, nach dcinsclbcu Ziele, auf demselben Wege, mit derselben immer steigenden Schnelligkeit, mit einer Art von furchtbarer Harmonie, welche Gottes ge­waltigen Einfluß bekundet. (Bewegung.)

Die Bewegung im 19. Jahrhundert, in unserem großen 19. Jahrhundert, ist nicht nur die Eines Volkes, sondern die Bewegung aller Völker! Frankreich geht voran, und ihm folgen die Nationen! Uns ruft die Vorsehung: Vorwärts! zu und sie weiß, wohin wir gehen! (Beifall,)

Wir gehen aus der alten Welt in eine neue!

Wissen sic auch, was sie thun, die sich einbildcn, die Menschheit in ihrem Gauge aufzuhalten und der Zivilisation den Weg zu versperren? Wissen sie, welche Katastrophe sie herbeisühren können, welche schreckliche Verwirrung sie bereiten, wenn sie mitten in der wunder­bar herrlichen Bewegung der Geister, welche die Mensch­heit ergriffen, gerade wenn der nngeure, majestätische Zug mit voller Kraft daherbraust, wie Missethäter, wie erbärmliche Elende kommen und solche Gesetze in die

Räder der Presse, dieser furchtbaren Lokomotive des Welt- geistes, werfen? (Rauschender Beifall.)

Geben Sie, meine Herren, uns nicht das Schau­spiel eines Kampfes der Gesetze gegen die Ideen! (Bei­fall.)

Meine Herrn! Ich weiß, man sagt Ihnen von allen Seiten: die sittliche Ordnung sei gestört, die Gesellschaft sei gefährdet. Man sucht überall nach dem Uebelthäter. Wer hat daS gethan? Wo ist der Schuldige? Wen muß man strafen?

Die Partei der Furcht es gibt eine solche in Europa und in Frankreich in Europa sagt: ES ist Frankreich! In Frankreich sagt sie: ES ist Paris! In Paris sagt sie: ES ist die Presse! Der Ruhige, der Be- obaMter, der Denker sagt: Der Schuldige ist nicht die Presse, nicht Paris und nicht Frankreich! Der Schuldige ist der menschliche Geist!! (Bewegung.)

Der menschliche Geist macht die Volker zn dem, waS sie sind; der menschliche Geist forscht, prüft, überlegt, zweifelt, widerspricht, ergründet seit Erschaffung der Welt und verfolgt ohne Unterlaß die Lösung deS großen großen Problems, womit der Schöpfer den Menschen betraut hat; der menschliche Gcist, nnanfhöilich verfolgt, bekämpft, unterdrückt und nifbergetreten, verschwindet nur, um wieder zu erscheinen, und nimmt nach und nach von Jahrhundert zu Jahrhundert die Gestalt aller großen Agitatoren an {

Der menschliche Geist hieß Johannes Huß und starb

nicht auf dem Scheiterhaufen zu Konstanz; er hieß Luther und erschütterte die Orthodoxie, er hieß Voltaire und erschütterte daS Königthum. (Beifall und Bewegung.)

Der menschliche Geist hat, so lange es eine Geschitck-e gibt, die Gesellschaften und die Regierungen nach einem der Vernunft immer mehr entsprechenden Gesetze umge. paltet; der menschliche Geist war Theokratie, Aristo, kratie, Monarchie und jetzt die Demokratie) (Beifall.)

Der menschliche Geist war Babylon , Tyrus, Jeru­salem, Athen, Rom und jcyt Paris; er war der Reihe nach und manchmal zu gleicher Zeit: Irrthum, ^Täuschung, Ketzerei, Schisma und Wahrheit. Der menscisiiche Geist ist der große Lehrer der Völker, der im Ganzen immer dem Guten, Schönen und Wahren sich nähert, die Massen anfklärt, die Herzen veredelt, den Sinn des Volks dem Rechte und den Sinn des Mensci>en Gott zuwendet! (Stürmischer Beifall.)

Noch Einmal bedenken Sie, waS Sie thun! Wenn Sie die Presse zerstört haben, so ist Paris noch übrig. Wenn Sie Frankreich zerstört haben, so bleibt Ihnen noch ctiraS zu vernichten übrig: der menschliche Geist! (Beifall.)

Die große Partei der Furcht hat sich eine ungeheure Aufgabe gestellt, zu deren Lösung der Muth von Helden nicht aUSreichtc! (Heiterkeit. Beifall.) Hätte sie auch die Presse bis auf daS letzte Journal, Paris bis zum letzten Pflastersteine, Frankreich bis zum letzten Dorfe vernichtet cs wäre nichts damit gethan ! (Bewegung.)