Einzelbild herunterladen
 

^âeiheit und Neeht!"

^ . 'l . .. - .^ .-'.------. -» .- -.---»!"-'!".........» " " ' 'n ........ ...... '-"- I .................. II^W» )i| I I"" I .^R^^^B^^. IHHU I ! ! l|lj jiii .QM M

â' 1^7, Wiesbaden. Mittwoch, 17 Juli iSfSO.

_^--- - - .....- /--... .- - - - .- . . .1 r . ' ' '. ' J-.--.. - , : ---g---:»"J.I-^.-:-.-^ --- - ----

Dit r c 1 1 Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Der AbonnementSpreiS betragt vierteljährig hier in Wiesbaden t ff. 45 fr aus. wärtd dnrP vie Poft bezogen mit vcrhäituißmäßlgem Aufschläge. - Znsermc werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Äerbreitung dergreitii Zeit« ng" stets von roirf» sa uem Erfolge. Die Znserationögedlihren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

N Wiesbaden, 16. Juli. Am gestrigen Tage, an dem die Assisen für das 3tc Quartal ihren Anfang nahmen, hielt der Präsident O-AyG.-R. Langhans folgende

Eröffuilngsrcde.

Bei dem Beginne unserer Sitzungen heiße ich vor Allem die Herrn Geschwornen, welche die Pflicht der Ausübung der Strafrechtspflege gemeinschaftlich mit dem Gerichte zu theilen berufen sind, freundlich will­kommen.

Die Schwelle, welche uns in diesem Theile der Rechtspflege von dem früheren System trennt, ist über- -schritten. Ein neues, uns bisher fremdes Gebiet, das Gebiet der Oeffentlichkeit, haben wir betreten. Bei dem steten Eintreten neuer Mitglieder in die Rei­hen der Geschwornen wenige Worte über diese neue -Einrichtung.

Unter den mamchfachcn Vorzügen des mündlichen Verfahrens gebührt der Trennung der verschiedenen, früher in einer Hand vereinigten sich theilweise sogar mehr oder lveuigcr widerstrebenden Funktionen der Scheidung der Anklage von der UrtheilSfäUnng eine der ersten Stellen.

Die Staatsanwaltschaft, indem sie die Anklage über­nimmt, gewährleistet die unpartheiliche und würdige Stellung" des Gerichtshofs. Ihren Standpunkt stets richtig erkennend, und ihr Ziel würdig verfolgend, hat -sie gleich redlichen Beruf, wie das Gericht selbst, des- fen wesentlichen Bestandtheil sie daher auch nach dem -Gesetze bildet, den hochwichtigen Beruf, über die Ruhe und Sicherheit der Gesellschaft zr wachen, den Rechtsfrieden überall zu bewahren und Störungen des­selben durch Veranlassung des strafrechtlichen Verfah- qeuè gegen die Urheber nach Möglichkeit zu beseitigen, eins der'andern Seite aber auch eine kräftige und warme Beschützerin der Unschuld zu sein, deren Verurtheilung eine Störung der Rechtsordnung, eine gleich schwere Wunde für die Gesammtheit, wie für den Betrogenen, sogar im Widerspruch mit dem eigenen Amte, das stets nnd überall zur Aufrechthaltung des NechtSzustandes .und zur Heilung solcher Wunden verpflichtet, bilden tvürdk.

Auch die Rechtsprechung selbst ist getheilt, verschie­denen Collegien hingewiesen, und so durch aUieittge Prüfung möglichst für die Sicherheit des vor Gericht -Gestellten gesorgt.

Der Auklagcscnat, ein Collegium geuluer, rechts- kundiger Männer, prüft und erkennt auf die Vorunter­suchung, ob ein Verbrechen verübt worden sei und ob genügende Anzeigen und Beweise vorliegen, den Ver­dächtigen förmlich vor Gericht zu stillen.

Nach vollendeter Hauptuuterfuchung in diesen Räu­men ist selbst die Urtheilsfällung von neuem getrennt. Die Beurtheilung der Handlung und ihrer Beschaffen­heit, völlig abgesehen von ihrer Strafbarkeit, ist den Geschwornen überwiesen, während die Prüfung, ob

diese Handlung ein Verbrechen bilde oder nicht, und ob überhaupt eine Strafe und welche zu erkennen sei, dem Assisenhofc ausschließenv anheimfäUt. Die Ge­schwornen stellen das Thatsächliche fest, das Gericht unterstellt die Thatsache dem Gesetze.

An diesen höchst ehrenvollen Beruf der Geschwo­renen knüpfen sich aber auch sehr ernste und schwere Pflichten. Schon bei dem ersten Rufe zu diesem Ehren­amte , werden sich gewissenhafte und redliche Männer sagen und bei dessen Ausübung stets recht lebhaft ver­gegenwärtigen, daß in jedem Augenblicke, die wichtig­sten Rechte, die höchsten Güter des Lebens in ihre Hände gelegt sind, daß auf der einen Seite vie Frei­heit, die Ehre, der Wohlstand, überhaupt vie künftige selbstständige Eristenz des Beschuldigten, mehr over nunter selbst das Lebensglück seiner Angehörigen, von ihrem Ausspruche abhängt; auf der unteren Seite aber auch das Wohl und die Sicherheit der Staatsgesell­schaft, und die Gerechtigkeit, welche der Verletzte und die Sciuigcn in nicht minder hohem Grave als ter Beschädiget- anzusprechen haben, sehr schwer und ge­wichtvoll in die Wagschale fallen. Für das eine, wie für das andere entscheidet ihr gewissenhafter Wahrspruch.

Gründe haben sie für diesen ihren Ausspruch öffent­lich nicht auzuführen. Diese zur Besonnenheit und Vorsicht dringend auffordernde Form ist ihnen erlassen, ihre innerste, durch keinerlei Beweisregeln beengte und gefesselte Ueberzeugung genügt. Ein hohes Vertrauen, was das Gejetz Ihnen schenkt! Darum wird aber der einsichtsvolle und pflichtgetreue Geschwo­rene sich selbst nicht minder mit gewissenhafter Strenge, gründliche Rechenschaft von (eurem Urtheile abforvern, und gerade in jenem ihm geschenkten Vertrauen wird er die lebhafteste und stärkste Aufforderung fluten, stets öffentlich zu zeigen, daß cs bei ihm solcher For­men nicht bedarf, daß auch ohne sie der Rechtszustand in seinen Händen nicht gefährdet ist. Er wird eifrigst sich bestreben, ein warmer Freund des Rechts, der Sitt­lichkeit, eine feste Stütze des öffentlichen Wohls zu sein, und in jedem Augenblicke erwägen, von welch' unend­licher Wichtigkeit sein Beispiel, wie das eines jeden zum Richteramt Berufenen, in dem Gerichts­saale, wie außerhalb desselben, für alle Verhältnisse sein muß.

Stets werden gewissenhafte Geschworne mit allen Kräften bemüht sein, das Wahre und Rechte nach sorg­fältigster Abwägung aller Gründe für und wider zu erkennen und das auf diese Weise Gefundene ohne alle Nkbenrücksichten, welcher Art sie auch sein mögen, un- gescheut und unbeirrt auszusprechen. Sie werden sich gegen Irrthum, gegen Scheingründe, gegen Borurtheile jeder Art rüsten und waffnen, die Einwirkungen der Zuneigung, wie der Abneigung, des Mitleidens, wie der Entrüstung, der Einschüchterung, wie der Verfüh­rung gleich entschieken und fest zurückweisen, und immer trachten, die Grundeigenschaften des Richters, wahre Herzensgüte neben Entschiedenheit und WcklenSfestigkeit

gleich fern von übertriebener Härte, wie von weicher Schwache in sich zu vereinigen.

So nur kann das Schwurgericht seinen erhabenen Beruf vollständig und würdig erfüllen. Genaue Be­obachtung der Gesetze und strenge Rechtlichkeit werden die junge Anstalt schützen und schirmen immerdar, während Abweichung von der Bahn des Rechts stets an den Rand des Abgrunds führt, noch zu allen Zei­ten das Grab aller wahren bürgerlichen Freiheiten ge­worden ist, sowie jede Einrichtung in dem Leben, so­bald sie zu ihrem Zwecke widerstrebenden Mitteln greift, vermöge innerer Nothwendigkeit in der sittlichen, wie in der äußeren Welt sich selbst zerstört.

Mit der Mündlichkeit im Strafverfahren ist uns unserer Stammväter uralt ehrwürdiger Brauch und Sitte wieder geworden. Möge sie stets, mit ihr aber zugleich der Ahnen Biedersinn und unerschütterliche Treue, die sich schon in grauer Vorzeit den unser Va­terland stets hochehrenden Namen:die deutsche" er­worben hat, in allen Kreisen mehr und mehr erstarken, um nie und nimmer zu schwinden.

Asstfenverhaudlutitze» zu Wiesbaden.

Erster Prozeß.

Anklage gegen Peter Münch von Edders­heim und dessen Ehefrau, wegen Meineids und Betrugs.

(Schluß.)

^ Wiesbaden, 15. Mai. Bei der Anklagemotivi- rung hebt der Staatsanwalt ganz besonders" die Gc- fährlichkeit des Meineids hervor, der in neuerer Zeit so sehr überhand nehme, daß von 50 Untersuchungs- gefangenen 25 allein des Meineids angeklagt seien und außerdem noch 16 andere, die unverhaftet sind.

Den Grund dieses Verbrechens mögen wir nicht so kurzweg, wie es so oft geschieht, der überhandiiehmen- deu sogenanntenIrreligiosität" zuschieiben, wir glau­ben ihn ganz anderswo zu fluten und werden auch darauf zurückkommen , wenn alle die Meineidsprozesse abgeurtheilt sein werden.

Die Angeklagte, Cath. M ü n ch, stellt das Verbre­chen selbst nicht in Abrede, sie hat jedoch alle mögliche Eutschuldigungsgründe, sie sagt, sie habe unwissend einen Fehler begangen, wenn sie Sachen znrückbehalteu habe, damit sie sich wieder hätte einrichten können; Vieles, habe sie auch geglaubt, dürfe man ihr nicht entziehen, deshalb hätte sie es auch nicht für nöthig gehalten, es anzugcbcu, sei überdies auch in ihrem Hause sehr feucht gewesen, deshalb habe sie den Klei­derschrank und das Weißzeug in einem andern Hause vor dein Verderben schützen wollen, das Porzellain Habesie wegen des vielen Rauchs, das Zinn, weil es im Winter nicht gebraucht worden sei, hinweggethan. Sw habe auch einiges verliehen gehabt, wie sie denn auch geglaubt habe, daß man erhaltene Geschenke

Der Hydepark-Krieg. ,

(Schluß.)

Man habe kein Recht, sagt Lord Brougham, dort so vielen Hunderten vonrespectablen" Leuten, vie sich angckaust haben für 50,000 L. und mehr, die schwere Grundrente zahlen und die eine freie Aussicht mit er- kanft haben, einen wahren,babylonischen Thurm" vor die Nase hinzubauen, ein Mon,trnm, das 30 Acres bc= Deckt, wie es seit dem Bau der ägyptischen Pyramiden nicht ausgedacht worden ist, und mit einer Kuppel gro­ßer, als die v.« der S. Paulskirche. Und Oberst Sib- thorp fügt teil rührenden Ing hinzu, daß ein Herr, ter 110 V. Grundrente bezahlt, Abends vor dem Schlafen- gehen alis seinem Fenster die schöne Gruppe von Bäu­men bewllnvcrt habe, und als er Morgens (vermuthlich nm 12 Uhr) wieder aufstand, sei sie verschwunden ge­wesen. Fließet, ihr Thränen! Aber Sie müssen Lord Brougham noch weiter hören, es lohnt der Mühe. Er schildert, wie die Straßen bedeckt mit versperrt sein wer­den mit unzähligen Karren, welche Ziegel nnd Kalk her- <infd)kppcn, mit schweren, schauderhaften Wagen, beladen mit riesigen Balken, Eisenstangen nnd anderen Lasten, wie all das Lastfuhrwerk die Wege zerfurchen und un­gangbar machen werde, welch ein unsinniges Getümmel es sein werde, Geschrei, Gerumpel, Gepolter, Hochge- thürmte, ungethünic Packful>rwerke, Mißgestalten, Alles zusammen widrig und gräuelhaft für Alig und Ohr zl,- gle.ch.

Das Zweite, wovor die vornehme Welt zurückfchau- dert, ist der Zusammenfluß von unfashjonabelm Volk, von Roture, von P^ck, von Gesindel. Und das ist das Schrecklichste der Schrecken. Sich diese unsaubere Welt so auf den Hals rücken zu sehen, sich in so nahe Be­rührung mit ihr versetzt zu finden! Was könnte es für einen delikaten, aristokratischen Sinn Empörenderes ge­ben, als so etwas nur zu denken! Kein Wunder, daß die stärksten Ausdrücke des Abscheues umhcrgeschlcudcrt werten, daß das Attentat der Kanaille auf den Spazier- garten der adeligen Welt einunerhörtes Unrecht", eine empörende Gewaltthat" , eineVerhöhnung des Pu­blikums", eineunerträgliche Verunreinigung öffentlicher Plätze", eineSchmach und Schande" genannt wird. Das Bild von dem Men scheu ströme, der hereinbrcchcn würde, wie eS Lord Brougham vor dem Oberhause ent­rollte, ist ordentlich herzbrechend.Alle Neugierigen," rief er auS,alle Tagediebe, die Hcrumlaufen, wo cS was zu sehen gibt, alle Müßiggänger, alle Faullcnzer, Alle, welche mit oder ohne ihre Schuld dienst- und brot= lvö sind, alle Vagabunden von London mit die Pv- lizciregister geben 70 bis 80,000 Erwcrbtvse an alle diese und die Erwerblosen aus der Nachbarschaft und tem Schwesterlande obenein; dann die ArbcitSlcutc von S. Gilcö und von der Ostseite der Stadt von West- mole, Svuthwark, Depiforth, Greenwich, tiefe ganze BcvölkerungSklassc scyr respectabel zweifelsohne in ihrem Stande aber sie alle, alle werden sie nach beut Hydepark laufen, um He neu mit Damen zu scheiss und

Prinzen und Prinzessinnen und königliche und ändere höchste und hohe Herrschaften. Und dann die Massen von außerhalb, die herbeiströmen weiten. Und etliche gute Exemplare von Socialisten werten auch nicht feh­len, so von ter rothen Sorte Lcnte, die darauf ausge­hen, die Masse aufzuwikgctii." Genug, außer dem Wi­drigen dieser Zufammcnhäufimg von Menschen erblickt Lord Brougham auch Gefährliches darin, und meint, man werte die Polizeikräfte um allermindestens 2000 Mann verstärken müssen, die eingeübt, bekleidet werten müßten, und das würde allein an 100,000 g. kosten.

Aber es ist nicht allein die Scheu vor dem Tumalt, der Widerwille gegen irgend eine nähere Berührung mit tenVagabunden", die Furcht vor Störungen der übli­chen Promenade und vor Belciciguiigen der an Parfüms gewohnten Sinne, eS ist nicht dicS nur, was der vor­nehmen Welt das Eindringen der Industrieausstellung in ten fashivnablcn LicblingSpark so widrig, souner­träglich" macht; unerträglicher ist ihr das Einbrechen des bürgerlichen Interesses, der Industrie, des Cominer- zeS, tiefer ganzen, ihr so bitter verhaßten und, je mäch. tiger sie heranwächst, nur um so verhaßteren Welt, in tav abgefvndcrte, bisher |o reinlich erhaltene innerste Heiligthum der aristokratischen Kaste von London. Die Times" hat sich Herbcigelassen, auch diesem Gefühle Worte zu leihen. Sie, die vor neun Monaten noch von der gerechte» Verdrängung des aristokratischen Pomps durch die glänzendere uno wohlthätigere Pracht der Jn- tirfiriefcbmifkHung sprach, rümpft jetzt die Nase über