â |(^# WissbadeN. Dienstag, 16 Juli ISSO*
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Die Hoffnungen der europäischen Reaktion.
II. Artikel.
(Siehe No. 158.)
y $om Taunus, im Juli. Die Nothwendigkeit der Unterjochung Frankreichs ist seit der Februar- Revolution der ganzen europäischen Neaktionspartei zu so klarem Bewußtsein gekommen, wie dies früher noch niemals der Fall war. Die frühere Koalition der Könige gegen die französische Republik war mehr aus unmittelbarem Instinkt hervorgegangen, mehr aus wüthendem Zorn über das freche Jakobinervolk, welches das Unerhörte gewagt hatte, einen Herrscher von Gottes Gnaden zu entthronen, und sogar durch ein förmliches richterliches Urtheil zum Tod zu verurtheilen und zu guillotiniren! Es war weniger das Gefühl der eigenen Gefahr, als der glühende Haß gegen das Sanskülottenvolk und das Verlangen, dasselbe für seine Frevel zu bestrafen.
Jetzt ist das Alles ganz anders; jetzt ist es der ReaktionSpartei zum klaren Bewußtsein gekommen, daß das französische Volk der hauptsächlichste Träger eines Prinzips ist, welches seinem Wesen nach propagandistisch!, welterobernd ist, und welches eben deshalb alle Königsthrone gefährdet. Sonst mag der Grundsatz der Nichtintervention im Völkerrecht gelten, aber, wo es sich um Prinzipien kämpfe handelt, um Kämpfe, die durch ein Prinzip hervorgerufen werden, welche selbst durch seine geistige Macht in den Köpfen und Herzen der Menschen beständig inter- venirt, da ist der Reaktion durch die Pflicht der Selbsterhaltung die Intervention geboten. Der römische Staat duldete alle nationalen Religionen; aber als das Christenthum auftrat mit dem Anspruch, nicht eine unter den vielen Religionen, sondern die Religion, die absolute, die Weltreligion zu sein, da änderte sich die Sache, da nahm der römische Staat, der ja selbst in den alten religiösen Vorstellungen wurzelte, sofort eine feindliche Stellung gegen die neue Religion
Ganz ähnlich ist die jetzige Stellung der Herrschaft der Könige „von Gottes Gnaden" gegen die Prinzipien der Demokratie und deren Hauptträgerin, die französische Republik. So lauge die französische Rc- pnblik nicht vom Erdboden vertilgt, so lange der revolutionäre Vulkan nicht gänzlich verstopft ist, ,o lange ist das Königthum in ganz Europa in beständiger Todesgefahr. Darum muß die kräftige Jugend von ganz Europa — und wenn darüber alle Staaten bankerott werden — beständig unter den Waffen gehalten werden, um wenn die Zeit gekommen ist, hervorzubrechen und Frankreich mit Millionen von Streitern zu überfluthen, so daß man vor Bajonetten den Boden der Freiheit nicht mehr sieht. Und wenn dies geschehen, wenn der Riese nie- dergeworfen ist, dann wirb ihm ein Ambos auf die Brust gelegt, Daß er sich nie mehr rühren kann, Frank
reich bekommt eine ständige Besatzung von Kosacken, Kroaten, Pommern u. s. w., ein Heer, das aus vielen । Huuderttausenden besteht, oder — Frankreich wird tranchirt und an verschiedene Herrscher vertheilt — kommt Zeit, kommt Rath, wir gehören nicht zu den Eingeweihten der heiligen Allianz.
Und dann ist „die Gesellschaft gerettet"; dann ist die Zeit des „Unglaubens" und der „Verneinung", die Zeit „des Abfalls von allen göttlichen und menschlichen Gesetzen" , wodurch Europa seit der Reformation in Unruhe und Verwirrung gesetzt worden ist, auf immer vorüber, dann kehrt das Mittelalter mit seiner Unterwerfung unter die Autorität, dann kehrt die alte „(siebe und Treue, gegen die „von Gott verordneten Gewalten" wieder. Die Menschheit ist geheilt, wenn auch durch Feuer und Schwert, geheilt von der langen, gefährlichen „demokratischen Krankheit". Ein jeder Unterthan unterwirft sich wieder schweigend den Befehlen der von Gott eingesetzten Obrigkeit und trägt die Leiden der Erde mit stiller Ergebung in den Willen dieser „zweiten Vorsehung".
Das sind in allgemeinen Umrissen die Hoffnungen der europäischen Reaktion. Die Reaktion kann solche Hoffnungen nur hegen, weil sie den Geist der neueren Zeit nicht als etwas Nothwendiges, sondern als etwas willkürlich Gemachtes, als eint Krankheit ansieht. Und eben deswegen wird sic auch den Kampf gegen diesen Geist wagen, einen Kampf, der an furchtbarer Größe alles übertreffen wird, was bis jetzt die Weltgeschichte gesehen hat. Die Meisten des jetzt lebenden Geschlechtes werden diesen Kampf noch erleben.
Wie dieser Kampf enden werbe, und was von den Hoffnungen, welchen sich die europäische Reaktion jetzt wieder hingibt, zu halten sei, darüber hat schon eine andere Feder in diesen Blättern sich vernehmen lassen.
Deutsches«-.
□ Aus dem Amt Limburg. Vielfach hat man in unsrer Umgegend, und, wie man hört, auch in weiteren Kreisen in Beziehung auf die kirchlichen und religiös-sittlichen Verhältnisse der Gemeinde Dauborn- Eufingen Urtheile laut werden lassen, welche eine völlige Unkenntniß mit den daflgen Verhältnissen im höchsten Grade beurkunden. Als eine in kirchlicher Hinsicht gespaltene, unter sich zerfallene und für religiöse Interessen in vielen Theilen unempfängliche Gemeinde sucht man sie barznstelien.
Ja, in politischer Beziehung bestehen daselbst zwei große, sich einander schroff gegenüberstehende Partheien, die sich mit allen Waffen des Geistes und der Wahrheit unaufhörlich bekämpfen, nur ihre Prinzipien wahrend, ohne sich an Persönlichkeiten zn stören.
Aber in kirchlicher, in religiös-sittlicher Hinsicht da ist es ein Geist, der die Masse durchdringt, da ist es ein Band, die Bruderliebe, das sie Alle umschlingt, da ist es ein Jutresse, für das sie Alle
muthig ciufteheu. Hat doch gerade die neueste Zeit diese kirchliche Einheit der Gemeinde klar an das Licht gestellt. Als nämlich kürzlich die dasige Pfarr- stelle vacant wurde, da waren eS gerade die Führer der beiden politischen Partheien, welche von der Gemeinde dazu ernannt wurden, alS Commission vor Staatsministerium und Kirchenregiment ihre Wünsche zu vertreten; da war es die ganze Gemeinde, welche in Uebereinstimmung ihre Ansicht dahin aussprach, alle gesetzlich erlaubten Mittel anzuwenden, damit dem religiösen Bedürfnisse der Gemeinde Rechnung getragen werde.
Wer faselt und träumt nun deßhalb gerade so viel von Beschneidung der dortigen Pfarr-Revenüen?! Dau» born-Eufingeu will nicht kargen, nicht geizen. Aber mitreben wollte die Gemeinde über ihre heiligsten Ju- tereffen. Und sie hat es wirklich gethan; sie hat es gethan durch ihre ernannte Commission im Namen der ganzen Gemeinde. Offen und unumwunden hat dieselbe vor Staatsministerium und Kirchenbehörde ihre Richtung gezeichnet. Und, schreit man vielleicht gerade deßhalb |o laut auf, weil die Gemeinde wirklich eine bestimmte religiöse Richtung, und zwar eine sehr rationelle , hat. Nennt man bas Gleichgültigkeit und unkirchliches Wesen, fehlt da Sinn für Religiosität und Sittlichkeit?! Ja, wer die Gemeinde mit Nichts, als homiletischem Gummi elasticum zu langweilen, mit Prä» stabiliSmus, Transsubstantiationslehre und Teufelstheorien zu tractiren gedenkt, der wird und kann natürlich hier keinen Boden finden.
Wer aber aus der Umgegend weiß es nicht, wie Glieder dieser Gemeinde schaarenweise die Orte besuchten, wo sie eine tüchtige Predigt zu hören hoffen, wie sie mit Liebe an dem in Staffel verstorbenen Pfarrer Ferdinand Tecklenburg hingen und rote zahlreich bei dessen Reden die Zuhörerräume, nicht mit alten Betschwestern und Schlafbrübern, sondern mit eifrigen Hörern gefüllt waren.
Karlsruhe, 12. Juli. Engelwirth Weißhaar von Lottstetten ist zu achtjähriger, der praktische Arzt Dr. Müller von Aglasterhausen zu sechsjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt. Das Militärgericht in Rastatt hat neuerdings wieder 13 Urtheile gegen flüchtige Soldaten vom ehemaligen 3. Infanterieregiment publizirt, worunter 4 a u f T o d d u r ch E r s ch i e ß e n, die übrige» auf mehrjährige Zuchthaus- und Militärarbeitsstrafe lauten.
Von Staatsrath N e b e n i u S ist eine neue Schrift unter dem Titel: „Baden in seiner Stellung zur deutschen Frage," erschienen.
Meiningen , 9. Juli. So eben ist ein Gesetz erschienen, welches die Besorguige vieler unserer Staatsbürger, daß die Steuern auf die Finanzperiode von 1850—53 vermehrt werden möchten, glücklich hebt. Nach demselben sollen nämlich diese in gleichem Verhältniß, wie bisher, erhoben werden, und daneben
Der Hydepark-Krieg.
(Nat. Ztg.)
London, 4. Juli. Eine hochwichtige Angelegenheit hat gestern beide Häuser beschäftigt — die Wahl der Lage für das ungeheure Gebäude, welches im nächsten Jahre die große Industrieausstellung aufnehmen soll, ^ch sage, hochwichtig — und die fashionable Welt hier würde cs Ihnen sehr übel nehmen, wenn Sie darüber lachten. Die gescheiterte „russische Intrigue", die Rettung des Cabincts, die Baumwvllnvth, ter Tod Sir Robert s, der dänische Friede — was ist das alles gegen die große Frage ob der Hydepark durch einen Riesenbau soll verunstaltet und die Ruhe der Nobility durch einen lebhaften industriellen Verkehr gestört werten ! Es war ein seltsamer Comrast in beiden Häusern: erst die lugubren Accente der Trauerredner, welche ihren offiziellen Schmerz über den Tod — theils allerdings eines Freundes, meist aber eines Feindes oter Nebenbuhlers aushauchten, und dann das Gepolter Lord Broughams und bas Gekreisch des Colonel Sibthvrp über die unerhörte Missethat 9 Bäume im Hydepark zu fällen und den fashivnabtlitcn Stadttheil Londons mit Karren voller Kalk und Ziegeln, mit Arbcitergctümmcl, mit Hämmergeklapp und Sägengeknarr zu belästigen! Ein seltsamer Contrast: vom Premierminister im Unterhause zu erfahren, daß die wich- tichsten Gesetz -Entwürfe bei der vorgerückten Session,
wegen Mangels an Zeit zurückgcstellt werben müssen und die gesetzgebenden Versammlungen eine ganze Sitzung mit unnützem Geschwätz über das Unrecht einer Beschädigung des Hydepark und seiner Anwohner tobten zu sehen.
Aber die Sache ist bochnicht nicht so unwichtig, wie es hiernach scheinen möchte. Die Hydepark - Frage ist ein kleines Fragment der großen politischen Frage. Und Nichts ist charakteristischer, als die Wichtigkeit, mit welcher dieser Gegenstand hier behandelt wird, und worin sich tie hiesigen Zustände auf überraschende Weise ab- spiegeln.
Der Thatbestand ist folgender: Die Industrieausstellung war angckündigt; vie Regierung hatte sich bereit erklärt, derselben allen thunlichen Vorschub zu leisten; hatte eine Commission zu diesem Ende niedcrgesetzt, zu der unter vielen anderen hochangesehenen Personen der Premierminister, einige andere Mitglieder der Regierung, der verstorbene Sir Robert Peel, Lord Stanley gehörten; eine Baucommission wurde erwählt, und sie entschied nach vielen Nachforschungen und Ermittelungen, baß ein solides? Gebäude zur Aufnahme der Ausstellung an der Südseite des Hyde-Park errichtet werden sollte. Dieser Plan wurde von der Commission gebilligt; die Königin gab ihre Einwilligung; die Wahl des Ortes wurde bekannt gemacht; 248 Baupläne, alle aus diese Totalität berechnet, liefen ein; alle V Übereilungen werden getroffen, um daselbst den Bau beginnen zu können; tie Forstbe
hörde gab ihre Genehmigung zur Entfernung einer Gruppe von neun Bäumen; und Alles schien in Ordnung. Während einer langen Zeit widersprach Niemand. Auf einmal aber entstand eine heftige Agitation gegen die Wahl von Hyde-Park. Lord Brougham protestirte gegen diese Wahl im Oberhause, Petitionen gegen die Benutzung des Hyde-Park zur Industrieausstellung liefen ein, die Times predigte Tag für Tag einen ordentlichen Kreuzzug gegen die Hyde-Park-Schänber.
Sie müssen wissen, baß der Hyde- Park einer der größtenjener königlichen Parks ist, welche auf der Westseite Londons liegen. Wenn man von der Themse aus nach Westen geht, so stößt man zuerst auf den Park von S. James; an diesen schließen sich unmittelbar zwei andere Parks, der Green-Park und ker PaUastgartcn, welche eine einzige, nur durch eine Straße getrennte Masse bilden; dann folgt unmittelbar der Hyde - Park und an tiefen reiht sich noch westlicher der Kensington- Garten. Nördlich über dieser Parkreihe, von ihr durch einen Stadttheil getrennt, liegt Regcnth-Park.
Einer der Hauptgründe, welche gegen tie Benutzung des Hyde-Parks angeführt wurden, war der, daß dem londoner Publikum für zwei Jahre (den Ban, die Aust stclluiigszeit und die Abtragung des Gebäudes zusammengerechnet) die Erholung, die so unentbehrliche Erfrischung und Erquickung entzogen werbe, welche ihm einer der größten, bestgelegenen und beliebtesten Parks — dieser