„âeiheiL und Recht!"
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Wiesbaden. Nkittwoöh, 10. Juli
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Die französische Republik.
III.
V Wiesbaden, 9. Juli.
Die Ordnungsparthei, die Parthei der Feinde der Republik, hat über bü Mehrheit in der Assemblee zu verfügen, sie hat den Präsibentenstnhl der Republik inney sie entscheidet über die Besetzung der Ministerien.
Solange es sich bloß darum handelte, gegen den Sozialismus aufzutreten, und die Freiheiten der Ration unbarmherzig niederzutreten, so lange waren die drei anarchistischen Fraktionen der Majorität der Assemblee — die Orleanisten, die Legitimisten, die Bonapartisten — untereinander einig, und diese drei Par- theien wußten sich auch stets mit L. R. Bonaparte zü benehmen.
Jetzt aber entsteht die Frage, wie soll nach Nieder- kämpfung der Freiheit die Despotie organisirt werden? Jetzt fragt es sich, was wollen wir an die Stelle setzen, wenn wir die Republik umgeworfen haben? — und jetzt fahren die bisher schon nur durch die großartigsten Anstrengungen der Burggrafen zu- sammengehaltenkn Feinde der Republik, die sich die „Freunde der Ordnung und Gesellschaft" nennen, nach allen Seiten auseinander, und beginnen mit großer Heftigkeit sich gegenseitig anzufeinden, zu verdächtigen, zu bekämp'en.
Jede der drei „Ordnungspartheien " möchte gerne für sich allein ihr Schäfchen ins Trocke..e bringen; jede möchte gerne allein bei der Restauration ihren Profit machen; jede möchte gerne allein obenhin kommen, und die andern hinter's Licht führen und überlisten. Welch' einen widrigen Anblick gewähren die Machinationen dieser selbstsüchtigen Verrâther, welche fortwährend das erhabene Wort „Ordnung" im Munde führen, und nur darauf denken, ihr Vaterland in die Heilloseste Unordnung zu stürzen, um hernach zuin Vortheil ihres Geldbeutels im Trüben fischen zu können!
Man hat in der letzten Zeit viel von einer Verständigung unter den drei Kronprätendenten-- dem Grafen von Chambord, dem Grafen von Paris und L. R. Bonaparte--zu erzählen gewußt.
Bald hieß es, der todtkranke Erkönig LouiS Philippe habe auf seinem Sterbelager in St. Leonard heftige Gewissensbisse über seinen Thronraub von 1830 empfunden und, durch seinen Beichtvater gedrängt, habe der alte Sünder einen Brief an den Grafen von Chambord geschrieben, in welchem er tiefe Reue darüber ausgesprochen, daß er die Krone der Bourbonen aus den Händen der Pariser Gamin's angenommen habe, und in welchem er erklärt habe, der Zweig der Orleans werde dem ältern Zweig der Bourbons wieder gerne nachstehen.
Bald unterhielt man sich von einem sehr interessanten Vertrag, den die Kronprätendenten unter einander abgeschlossen hätten, und demgemäß der Graf v. Cham bord als Heinrich V. den Thron besteigen und
zugleich, da er kinderlos, den Grafen von Paris Legkinnsien — auch die „junA 'Rechte" oder der
au Kindesstatt annehmen solle, und demzufolge ferner „Miße Berg" genannt — machen sich Vorwürfe, daß
L. R. Bonaparte, mit Geld, mit dem Vizekönig-, sie den Forderungeis der Burggräfen so sclavisch bis- thum Algier, und einer Frau, nämlich der Frau Herzogin Helene von Orleans abgefunden würde. | .... „o..... ......., ___
Welche aberwitzige Erfindung! Welche hirnloW Ache Bürgerms-stergesetz arf die Tagesordnung der Combination! Glaubt man der Graf v. Chambord,' Assemblee gebrächt wurde, sie sind entschlossen, gegen der in den Orleans nur gemeine Kronräuber sieht, das niedezträchtige Preßgesetz mi kämpfen; sie haben und der auf den Schutz der absoluten Mächte rechnet, sich unter der Führung von Laro^hejaqueliu, Leo de Lawerde der Julibynastie irgend eine Concession, sei sie -borde und beLew 'uhu c wm-ausgesprochen, sie würden,
auch noch so gering, machen?
Glaubt man die stolze Herzogin werde sich als' um die Nieder!
gewöhnlichen Kaufpreiß in die Arme eines dummen den Orli und verächtlichen Menschen werfen lassen? f ™
Hält man dafür, der bornirte Neffe, dem stets der p^ Kaiserhut im Kopfe spuckt, werde sich mit einem Mar-^ : schaUsstab begnügen? j __... ^^.. _____x ........7........
das Organ des Herrn von Mon- : englischen Tories" umzugesiaMn » halt nicht -so konse- Mchkoimnen des Hel
Der „Univers", das Organ des Herrn von Mon- : _______
talembert, hat über die Vereinigungsgerüchte, welche. quent am „göttlicheMReiWW
kürzlich in allen Zeitungen auftauchten, und sich ''auf ligen Ludwig", mid möchte so viel wie möglich mit die vielen Besuche, welche Louis Philippe in St. Leo^ der gesummten Ordnungsparthei vereint handeln: allein ttrirh fürih’rh n ftapnrttnnn.il haftp aviinnpfpn war Ptm« sein Einfluß b^i dkNLegitimisten ust sehr gesunken, UNV
narb kürzlich angenommen hatte, gründeten, vor eint»
gen Tagen das gehörige Licht verbreitet.
Ein „Unbekannter", hinter dein man den Grafen Montalembert vermuthet, schreibt über die Reise des Hrn. Thiers nach St. Leonard, und zeigt Herrn Thiers im gehäßigsten Lichte, „wie er Unkraut unter denWaizen der Versöhnung säe und, weit entfernt, den Frieden zwischen den beiden bourbonischen Linien zu predigen, vielmehr den Söhnen Louis Philipps und der Herzogin von Orleans anrathe, fest auf ihrem durch die „Volkswahl" geheiligten Rechte zu beharren, und sich nicht von der Rathgebern und Anhängern des Grafen von Chambord in'S Schlepptau nehmen zu lasten."
Aus dem Brief des „Univers" geht bervor, daß die Ermahnungen des Herrn Thiers gute Früchte getragen haben. Namentlich sollen der Prinz von Joinville', der Vormund des Grafen von Paris, und die Herzogin Helene, bieder „Univers" ercommuniciren will, weil sie eine Ketzerin, eine Protestantin sei, von einer „Versöhnung" durchaus nichts wissen wollen.
Der Burggraf Montalembert häuft in diesem Briefe auf den Burggraf Thiers, der in Betracht der Geschichte von der Herzogin von Berry sich nie mit der ältern Linie einlassen kann, Schmähungen auf Schmähungen.
Seit diesem Briefe des „Univers" steht Thiers mit allen Legitimisten auf gespanntem Fuße. Einer der Führer der letzter» sagte vor Kurzem über Thiers: „Er habe nicht der Richelieu Loms Philippe'S sein können; es sei ihm nicht gelungen, jener L. R. Bona- parte's zu werden und darum wolle er es nun versuchen, den Richelieu des Grafen von Paris zu machen."
Ueber das fernere Verhalten der Legitimisten zu den freiheitsmörderischen Plänen der Burggrafen ist eine förmliche Spaltung unter denselben ausgebrochen.
Die entschiedenen, die feurigen, die thatkräftigen der
fle den Forderungen der Burggräfen zo sclavizch bisher nachgekommen -seien, ^ie haben durch ihre Vereinigung mit der B^gparte^verhindert, daß das schimpf-
Astembleè gebracht wurde, sie sind entschlossen, gegen das niederträchtige Pressgesetz ^u kämpfen; sie haben sich unter der Führn» von LarMejaqueliu, Leo de La- borde und deLabochi^oMln- ausgesprochen, sie würden, ohne-sich an eine Partei zu^ssnoenF da, wo es sich um die RiederlDltung dèr Reuublikäner handle, mit
gen der Orleanisten und ânaparMi pt'btikanèA stimmen/. • ”
' Der alte Legitim Zenchef, B stehen würde seine Parthey
jun* Re-
: rryer, der sich dazu nach demPSchnitt der
sie erklären ihn für einen Abtrünnigen.
Wie entschieden und unbedingt aber die Legitimisten jede Annäherung an die jüngere Dynastie, jede Verbindung mit den Orleanisten von sich zu weisen entschlossen sind, geht namentlich aus einem Artikel hervor, den die „Opinion publique", das Organ des „weißen Bergs" vor Kurzem brachte. Die „Opinion" erklärt die Restauration der Julidynastie für eine sonderbare Täuschung und sagt:
„Die Hoffnung, es würden die Legitimisten, welche 18 Jahre unermüdet gegen eine thatsächliche Einrichtung, die Aussicht auf Erfolg hatte, kämpften, sich auf das abgetakelte Schiff eines Orleanismus aus zweiter Hand flüchten, diese Hoffnung betrachten wir als eine Beleidigung unserer Ehre und unseres Verstandes. So bereit wir sind, die Mitglieder der Familie Heinrich IV. mit gleicher Liebe und gleicher Ehrfurcht zu empfangen, wenn sie in gleicher Liebe um das Haupt ihres Hauses sich schaaren, so gewiß fände uns jeder Versuch in dem vom „Univers" angedeute- ten Sinne zum Kampfe entschlossen. Gott sei Dank, es fließt noch Blut in unsern Adern, es gibt noch Flinten in der Vendëe! Der Tag, wo man Frankreich um die Republik, unter der wir nicht glücklich, doch mit Ehren leben, betrügen wollte, ohne ihm die alte nationale Monarchie wieder zu geben, würde die Eitelkeit dieser Hoffnungen, den Irrthum dieser Berechnungen ans Licht bringen."
Während sich so die Orleanisten und Legitimisten in den Haaren liegen, und schon den Balg vertheilen wollen, ehe sie noch erst den Hasen erlegt haben: glaubt Bonaparte, der pfiffige Jüngling immer kecker mit seinen plumpen Projekten hervortreten zu können.
Der „Constitutionnel" ein bonapartistisches Blatt,
Wohlgeboren und Hochwohlgeboren.
Von
zwei deutschen Dichtern in Paris.
(Herwegh und Dingelstedt.)
(Aus den Gedichten eines Lebendigen.)
II. Hochwohlgeboren.
Justum et teancem propositi virum — f/oratius.
Ein guter Bürger willst du werden? Pfui, Freund! — Ein guter Bürger — du? Das also war dein Ziel auf Erden? Dem stürmten deine Lieder zu?
O, nimm's zurück, das ekle Wort! Wer mag sich so gemein geberden? Nein, nein, mich reißt cs weiter fort: Ich muß Geheimer-Hofrath werden!
Um meine Wiege sah die Amme Schon frühe den Prophetenschciu, Und in mir diese ew'ge Flamme, Sie kann, sie darf nicht Lüge sein. Bleib' du im Thal, wo dir's behagt, Und grase mit den Pöbelheerden, In mir steht fest, was ich gesagt: Ich muß Geheimer-Hofrath werden!
Daß unsere Wege so sich theilen, Glaub' mir, Georg! cs thut mir weh; Du gehst zum Bier: und ich derweilen Zu einem Oberappellativnsgerichtsvicepräsibentcn-Thee.
Du hast erfüllt drin stilles LooS, Das meine liegt noch den Behörden Der dunklen Zukunft schwer im Schooß: Ich muß Geheimer-Hofrath werden!
So Mancher Hal's doch schon erreicht,
Der höher noch als ich gedachte, Der krummer seinen Vers vielleicht Und krummer seinen Rücken machte.
Was Einer kann, das kann auch Ich!--
Und, trotz Gefährden und Beschwerden, Schwör' ich's — St. Huber, höre mich! —, Ich muß Geheimer-Hofrath werden!
Sieh: ein Logis im ersten Stocke, Recht weit und reich mit Maß geheizt, Ein Kreuzchen aus dem schwarzen Rocke, Das sich kokett versteckt und spreizt, Ein Chaischen, ein Livrcechen drauf, Und fährt's auch mit Fiacre-Pserden — Bruder! die Seele geht mir auf: — Ich muß Geheimer-Hofrath werben!
Noch lebt ein Gott: Verdienst zu lohnen, Nock) stcyt manch edles Fürstenhaus; Gott theilt den Fürsten ihre Kronen : Die Fürsten uns die Titel aus. Gewiß, gewiß! ich find' es noch Mein letztes Ziel auf dieser Erben; Wâr'S nur um VoigtcnS Nekrolog: — Ich muß Geheimer-Hofrath werden!
Hofrath Franz Dingelstedt. (NB. Paris, Nov., 1841.!)
Görgey und die Waffeustreckung bei Bilagos.
Vvn Daniel Zrsnyi.
(Fortsetzung und Schluß.)
Görgey war von Natur stolz nnb ehrsüchtig, unzugänglich, frostig, beregnend, uulenksam bis zum Starrsinn. Sein Gemüth, jeder Begeisterung verschlossen, ließ ihn sich auch für tie Sache der Freil-cit seines Vaier- laiitcö nicht begeistern. Er nahm Dienste in der ungarischen Armee, ,um sich eine Carriere zu »bahnen. Der Mangel an Anführern einer-, seine uniäugbaren Talente. seine Energie andererseits machten ihn bemerk, bar. Zum Feldherrn erhoben, erblickte er in sich dcn micntbehrlichcn Mann Ungarns gegen Oesterreich. Kofi suth wollte ihn anfänglich vielleicht zu viel regieren; er