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Für die Lehrer!
Ä Wiesbaden, 1. Juli. Seit einiger Zeit bringt die „Nass Allg. Ztg." eine Reihe von Artikeln, welche alle die lobenöwerthe Tendenz haben, den Stand der Volkölehrer in Nassau zu verdächtige» und zu beschimpfen. Ein Aufsatz in No. 137 mit dein Zeichen □ Idstein, klagt „über die Passivität der Regierung gegenüber der offenkundigsten Unterwühlung und Entsittlichung der Jugend durch eine große Anzahl Lehrer;" und bemerkt weiter, nachdem erzählt ist, daß dermalen sechs Lehrer im Criminalgefängnist wegen gemeiner Verbrechen in Haft sich befänden: „Wahrlich, wo solcheThatsachen reden, muß jede Erörterung schweigen." —
In einem Artikel £ vom Taunus in No. 138 heißt es: „Die nassauischen Schulmeister haben Unfug genug gemacht, und es muß einmal Ordnung unter sie kommen, wenn nicht das ganze Volk uu° terwühlt und sittlich und religiös zu Grunde gehen soll;" und weiter unten: „wie ich vernommen habe, soll noch (.außer einigen evangelischen Schulmeistern auf der Aar und einem katholischen Lehrer im Rheingau) eine ziemliche Anzahl anderer unwürdiger Subjekte im Lehrerstand sich befinden."
Ein *j|* Correspondent in Nro 140 beklagt: „die sittliche Verderbtheit, Heuchelei und Verworfenheit, wie sie sich in neuester Zeit bei einer n ich t- geringen Anzahl nassauischer Lehrer tagtäglich zeigt." Aus dem Hofgerichtsbezirk Dillenburg läßt sich die edle Nachbarin neuerdings „einige kleine Beiträge zur Sittengeschichte resp. Krimiualstati- stik des Standes der Volksschullehrer geben", wobei der achtungswcrthe Einsender der zwei neuen Beiträge am Ende herausbringt: „daß gegenwärtig sonach, nur soviel uns bekannt ist, beinahe ein Procc nt der sämmtlichen Schullehrer deS Lande,S schwerer gemeiner Verbrechen aiigeklagt f r i."
Wahrhaftig! wir wissen nicht, ob wir mehr die bodenlose Gemeinheit der Gesinnung, welche in diesen Artikelchen so recht schwarzkothig an die Oberfläche tritt, verabscheuen, oder vielmehr die jammervolle Auffassung der socialen Verhältnisse und die vorgeschlaguie Heilmethode, den angeblichen Krankheitsstoff zu entfernen, bemitleiden sollen.
Unbegreiflich wäre uns aber, wie sich, die „Nass Allg. Ztg." so selbst beflecken mag, daß sie ohne Scham- röthe allen möglichen Schmeisfliegen Zutritt gestattet, wenn wir mls nicht noch zu rechter Zeit erinnerten, daß ja diese „Nassausche Allgemeine Zeitung" daS einzige deutsche Blatt gewesen ist, welches aus den Lugen der Ohm, Gödsche und Compagnie Pfeile gegen die Demokratie zuzisspitzen verstand.
Wir werden die Dinge beim rechten Namen nen- »en: denn um den Beifall der adeligen Salon-Damen
Madame Proudhon.
Pa r iS, Ende Mai. Mit Erstaunen hörte die Frauenwelt von Paris vor einigen Monaten, daß sich P r o u d h o » vcrheirathet habe. Es schien zu unwahrscheinlich;" entweder mußte der Charivari gelogen haben, oder die Nachricht mußte unwahr sein! Wie, der Mann, der nur abgebildet wurde, wie er eben Louis Blanc, Pierre Leroux und Consivcrant mit der Gabel ausspießt, um sie zu verzehren, der Menschenfresser, Häuscrzcrlrümmerer, der Gegner des Eigenthums, der Mann, den man den persönlichen Feind Gottes nennt, mit einem Wort! Proudhon sollte sich oerhejrathet haben! Und noch dazu im Gefängniß und die Tochter eines Eigcnthümcrs, der zugleich Legitimist fehl sollte, wie die Blätter miltheilen; Niemand wollte es Anfangs glauben.
In der That ist auch die Geschichte dieser Heirath für den merkwürdigen Mann bezeichnend genug. Wir theilen sie in der ganzen Einfachheit mit, iy welcher sie uns von einem Freunde Proudhon's erzählt wird. Proudhon lernte seine jetzige Frau kennen, als er Mitglied der konstituircnden Versammlung war. Man begreift diese Bekanntschaft nicht, wenn man nicht weiß, wie unfrei sich Prvudhm auf dem parlamentarischen Boden, mitten unter seinen Gegnern fühlte. In seinen „Geständnissen eines Revolutionärs" hat er seine Gefühle bei Gelcgenl-eit der Besprechung der Junischlacht
und der fein geschuigelteu Diplomaten, welche allemal, wenn man die rechten Namen gebraucht, nach Kau dc Cologne rufen und in Ohnmacht fallen, haben wir niemals gebuhlt, und so werden wir allerdings mit einem nachhaltigen quos ego! unter das käufliche Schreibergkfiukel fahren, „und ihm einmal tüchtig auf die Finger klopfen, damit etwas Furcht in die Bursche fährt."
O Stand, der du in den Augen aller einsichtsvollen Staatsmänner der wichtigste neben dem Nichterstande bist, der du aber trotz dem für deine Verdienste — Verachtung und Beschimpfung, für deine Bemühungen um Hebung und Bildung des „Volkes" — — Hunger und Elend bisher cinzutauschen, verdammt wärest; der du in der gelehrten Industrie dieselbe Rolle erhalten, welche dem Proletariat in der gewerblichen zufiel: der du die Säule bist, auf der die ganze Bildung der Gesellschaft ruht und den man gleichwol elend, elend verderben läßt — sag an, was hast du begangen, daß du so erregt hast den Zorn der verächtlichen, im Finstern schleichenden Denunziantenseelen, daß du so aufgestachelt hast die Wuth derer, die die wahre Bildung unter daS Joch deS Pfaffenthums schmieden, die die Aufklärung deS Geistes mit den schwarzen Künsten der Hölle vernichten möchten?
Welche Frage! Du hast frei werden wollen, wie alle Gedrückten, Beladenenen, als im März 1848 ein freudiger Strahl der Hoffnung in unsere dunkle Nacht der Knechtschaft fiel: daS ist dein ganzes Verbrechen, welches dir aber die schwarzen Kutten und blau-orangen Reaktionäre nie, nie verzeihen werden.
Von der Geduld, „dieser sanften Tochter des grausamsten Vater's, der schmerzerzeugten, milchhcr- zigen, wkichlispelnden Göttin; dieser Beherrscherin der Deutschen, der Esel und der Schildkröten; diese Pflegerin meines armen kranke» Vaterlandes, welches sie wa rtet und "lehret"w a rt é n" — — war den Volksschullehrer» ein nur zu großer Theil zugefallen. Vor dem März wurde keine Klage laut: Die Brust verschloß den ungeheuren Schmerz, und die beladene Seele welkte dahin an innerem Gram.
Als ter März kam, traten die Lehrer zusammen, und betraten lediglich den Weg des Gesetzes, den sie vorher nicht betreten durften und forderten nur eine alte, alte Schuld ein, ohne die bis in'S Ungeheure angewachsenen Zinsen und Zinseszinsen miteinzufordern.
Die schlaue» Herren aber schoben, wie die gerechte Sache des Volks so auch die deS Volkslehrerstands, dessen 3ntreffe stets mit d ein des Volks Hand in Hand gehen wird, auf die lange Bank und lachten über daS guthmüthige Volk der Deutschen, das nichts hatte, als dummes Vertrauen, und bum* mes Vertrauen, und nochmals dummes Vertrauen.
»Zeit gewonnen — Alles gewonnen!" Das war die zanze Politik bis Schüler Meitcrmch's.
Und jeyt^ Jetzt liegen alle Hoffnungen wie deS Volks, so des mit ihm eng befreundeten Standes, zer-
; lebendig geschildert. „Die Erinnerung an die Junitage sagt er dort, wird ewig wie ein Gewissensbiß auf meinem ! Herzen lasten. Ich gestehe es mit Schmerz, bis zum 25. habe ich nichts vorausgeschen, nichts gekannt, nichts erraten. Seit vierzehn Tagen zum Volksvertreter gewählt, war ich in die Nationalversammlung mit ter Furchtsamkeit eines Kindes und mit dem Eifer eines Neulings eingetreten. Unablässig,vou 0 Uhr angejängen den ^ufammenfiuqten in den Bureaus und Komitcs beiwohnend , verließ ich die Versammlung nur des Abends ' erschöpft vor Ernrüdnng. Seitdem ich den Fuß auf den parlamentarische,! Sinai gesetzt hatte, hörte ich auf, in B zichung zu den Massen zu iWu ; 'aus lauter Eifer, mich in die gesetzgeberischen Arbeiten zu stürzen, hatte ich .die laufenden Angelegenheiten ganz auS dem Gesichte verloren. Ich wußte nichts, weder von der Lage der Nationalwerkstätten, »och von der Politik der Regierung, noch von den Intriguen, die sich im Innern der Versammlung kreuzten. Man muß auf dem Jiolir- schcmmel, den man eine Nationalversammlung nennt, gelebt haben, um zu begreifen, wie gerade die Männer, welche von dem Zustande eines Landes am Wenigsten wissen, diejenigen sein können, welche es vertreten. Ich verlegte mich darauf, Alles zu lesen, was das Derthei- lungsbureau den Repräsentanten an Anträgen, Berichten, Broschüren verthrilen läßt, las .auch den „Moniteur" und das „Gesetz-Büllctm". Die Mehrzahl meiner Kollegen auf der Linken und äußersten Linken war in der-
trümmert am Boden; das Vertrauen ist vor dem grin feilten Antliy der Reaktion, die es jetzt durchaus ver schmäht, die Maske des fvguettirenben Liberalismus noch ferner vorzuhalten, weit weit über alle Berge geflohen; die Lage des Vvlkslehrrrstandes ist, wie bie des ganzen Volkes viel schlechter als in der vormärzlichen Zeit. Denn zu den alten Liebeln, die alle alle geblieben, gesellen sieb die neuen Maßregeln, ,cie retteucen Thaten" der rettenden Staatsmänner, gesellen sich der Hohn, ver Schimpf, die Verlänmdung, die aller Orten auf den unglücklichen Stand berabregnen.
Menschen ohne Charakter, ohne Ueberzeugung, ohne Ehre, unterfangen sich, dem Lehrer stand seine „Halbbildung" seine „Sclbstvergöttcrnng" seine „Selvstüber- schäynng" vorzmverfcn.
Die Narren meinen eben immer noch, nur der sei gebildet, der die lateinischen Verba zu konjugiren versteht, und die griechischen Regeln öon â und i«» herstottern kann; sie begreifen nicht, daß das bloße Wissen, ohne das Können, ein eitler Flittertand, eine luftige Seifenblase ist; sie begreifen nicht, daß diese moderne Bildung, auf die die deutschen Professo.cn, die,e Menschen mit den Worteü ohne Thaten — mit so großem Dünkel schauen, nur ein Zerrbild, nur eine heillose Verstümmlung der freien Menschennatur ist Dann kommen die Unverschämten und geben Beiträge zur Criminalfkatifiik des L-Hrerstandes und wollen damit „die Heuchelei, Verworfenheit und sittliche Verderbtheit bei einer nicht g e - ri ug e n A n z ah l nassa ui sch er L e hre r" — darthun.
Ein Dreieck, bekannrlich das Symbol der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, aus dem Hofgerichtöbe- zirk Dillenburg, schämt sich nicht auf die ungenau»stcu Notizen, auf die flachste Statistik hin zu sagen: „so wäre — so viel uns bekannt!! — ein Pro- Cent der sämmtlichen nassauischen Schullehrer schwerer gemeiner Verbrechen angeklagt!"
Vorerst fragen wir Euch; wie könnt Ihr auf bloße AnkHig^n, Besschulvigun gen hin, io abentheuer- liche Schlüsse bauen; wartet dsch erst das Vervikt der Geschwornen ab!
Und dann — selbst angenommen eS seien einige Verbrecher unter den Lehrern, waS beweist daS für die Ehre ober Schande deS ganzen Standes?
O! Ihr Kurzsichtigen, ihr habt uns auf eine Euch sehr unbequeme Fährte geführt! Hat cs nicht schon viele Schufte, Verbrecher der gemeinsten Sorte unter den höchsten Staatsbeamten gegeben? Hat man nicht schon mehr als einem Minister wegen niederträchtiger Verratherei das Haupt vor die Füße gelegt? Sollen wir Euch von ben Schandthaten erzählen, bte sich zu allen Zeiten.Mitglieder des geistlichen Standes haben zu Schulden kommen lassen? Sollen wir Euch das Bild der Scheußlichkeiten aufrollen, die im Laufe von beinahe 2000 Jahren von so vielen Pâ b- stcn, — den heiligen Vätern! — begangen worden sind? Sollen wir Euch vorftihren, wie so manche Vä!« selben Geistesverwirrung, in derselben Unkciintiitß der tâglicken Thatsachen."
In dieser Stimmung ging er eines TageS über den Pont de la Concorde. Er fühlte sich wie ein Gefangener, der daS Unmögliche versuchen will, um sich zu befreien; er wollte rasch ins Leben zurückkehreu, als ob eS die nächste Minute zu spät wäre; blickte um sich, wie nach Rettung unb nahm eine junge Dirne war, die neben ihm über die Brücke ging. Er betrachtete gar nicht ihre Gesichtszüge, sondern schlich ihr, wie von einem Aberglauben getrieben, nach. Das Mädchen, dem er instinktmäßig nachging, war sehr einfach gekleidet unb von regelmäßiger, aber nicht schöner Gesichtsbildung. Proudhon sprach sie, als sie in eine einsame Straße bog , zaghaft an. Einsilbige, kalte Antworten reizten ihn noch mehr; er drang mit Wärme in sie, ihm Gelegenheit zu verschaffen, ihre Bekanntschaft zu machen. Sein heftiges Eindringen und die wunderlich brilogue Manier im Sprechen, welche Proudhon überhaupt eigenthümlich ist, brachte sie so weit, daß sie ihm den Namen ihres Vaters unb ihre Wohnung mittheilte.
Ihr Vater ist ein wohlhabender Handwerker unb wohnt in einer Vorstadt von Paris. Mit allem Eigen« sinn, ber Prvudhonö Charakter eigentlich ist, ruhte er nun nicht, bis er durch irgend einen Vorwand In das Haus ihres Vaters kam. Er kan, immer häufiger hin ohne zu wissen, waS er eigentlich dort wolle und ohne beim Namen gesaunt zu werben. Er gab sich gar nicht