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Königsmorde zu verstricken. Es versteht sich, daß wir uns durch solche Versuche nicht düpiren ließen.

Wünscht die englische Regierung Erkundigungen über uns einzuziehen, so sind wir stets bereit, diesel­ben zu geben. Was sie zu erfahren hoffen kann, in­dem sie Spione nach uns ausschickt, ist uns schwer zu begreifen.

Die heilige Allianz, die sich jetzt unter der Aegide Rußlands wiederherstellt, würde es gar zu gern sehen, wenn England, der einzige Stein des Anstoßes auf ihrem Wege, sich zu einer reaktionären Politik in sei­nem Innern bestimmen ließe. Was würde aus der antirussischen Gesinnung Englands, aus den diploma­tischen Noten und den parlamentarischen Erklärungen seiner Regierung werden, wenn eine Anwendung der Fremdenbill, einzig und allein veranlaßt durch die Rache der heiligen Allianz, deren Mitglied Preußen ist, den Kommentar dazu lieferte?

Wir hoffen, daß es der Regierung der heiligen Allianz nicht gelingen wird, die englische Negierung in einem solchen Maße zu berücken, daß das Mini­sterium des Innern zu Maßregeln griffe, welche Eng­lands lang begründeten Ruhm, für Flüchtlinge aller Parteien und aller Länder das sicherste Asyl zu sein, aufs ernstlichste gefährden würde. Wir verharren u. s. w. London, 15. Juni 1850. 64, Dean-street, Soho-square. Carl Marr, Friedrich Engels, Re­daktoren derNeuen Rheinischen Zeitung von Köln. August Willich, Obrist der Badischen Jusurrektions- armee."

I t a l i e n.

Rom, 6. Juni. Von dem neuen An le he n ist bis jetzt doch noch nichts Bestimmtes zu sagen, und scheint die Sache nicht ganz so leicht von statten zu gehen, wie man anfangs sich geschmeichelt hatte. Ver­muthlich werden auch hier lästige Bedingungen dem heiligen Stuhl gestellt werden. Es hilft aber kein Sträuben, Gelb muß man haben, und bald;die Frage: wie theuer? ist eine blos sekundäre, welche der Wichtigkeit der Hauptfrage: ist es möglich ohne Geld weiter zu kommen? weichen muß. Daß aber in den Gelbregionen ein besseres Wetter gehofft wird, zeigt das Agio, welches von 18 auf 16, und nun von 16 auf 14 Prozent gefallen ist. DK Römer, das heißt die unter ihnen, welche noch Hoffnungen auf bessere Zukunft zu hegen daö Herz haben, warten mit Unge­duld auf den 16. Juni, der die große Bescheerung der Organisation der verschiedenen Consigli, die Verbesse­rungen im Justizverfahren nnd in den Finanzen mit sich bringen soll. Es soll endlich die reaktionäre Part e i sich dazu verstanden haben, theilweife in ^die­se Verbesserungen einzugehen, und seit die französische Regierung fast gänzlich aufgehört hat, den heiligen Vater und dessen Staatssekretär mit ihren Reform- projekten zu quälen, soll nun das völlig Unausweich­bare unter Oesterreichs Einfluß und Lenkung geschehen. Also aus den österreichische» Verordnungen werden die Normen der Provinzial- und Gemeinderäthe sowohl als ders Justizreformen entnommen werden, um dem vorlauten Präsidenten der Republik zu zeigen, welch Gewicht man auf seinen übrigens längst schon bereuten und abgebetenen Brief an Edgar Ney und das darin enthaltene Ansinnen wegen Einführung des Code Na­poleon in den römischen Staaten gelegt hat. (Allg. Z.)

Republik Frankreich

Paris, 18. Juni. Der- Ausweg aus dem durch das Dotations-Gesetz entstandenen Couflikt zwischen

Dänemark.

Kopenhagen, 15. Juni. (K. Z.) Ich theile Jh- nen die fast unglaubliche Nachricht mit, daß die demo­kratische Partei im Ministerium die Entfernung des hier zurückgebliebenen Vertrauensmannes, des Grafen Revcntlow-Farve durchgesetzt hat. Trotz der Proteste der fremden Gesandten mußte er sofort die Stadt verlassen, ohne die Ant­wort auf das Bittschreiben an den König abwarten zu dürfen.

Großbritannien.

London, 15. Juni. Wir beeilen uns, folgendes Schreiben ans der letzten Nummer desNorthern Star" zur Kenntniß unserer Leser zu bringen.

An den Herausgeber des Sun. Die unterzeich­neten in London lebenden deutschen politischen Flücht­linge haben seit einiger Zeit Gelegenheit gehabt, die Aufmerksamkeit zu bewundern, welche ihnen nicht blos von der preußischen Gesandtschaft, sondern auch von der britischen Negierung geschenkt worden ist. Wir würden dies nicht besonders beachtet haben, da es uns schwer fallen möchte, zu begreifen, in welcher Beziehung wir möglicherweise mit dem, was die Fremdenbill Erhaltung des Friedens und der Ruhe dieser Reiche" nennt, in Konflikt gerathen könnten. Aber wir haben in jüngster Zeit in den Zeitungen so viel von Befeh­len gelesen, die dem preußischen Gesandten gegeben worden, auf die Ausweisung der gefährlichsten Flücht­linge aus England zu dringen, und wir sind seit etwa einer Woche von englischen Polizeiagenten so streng überwacht worden, daß wir in der That uns gedrun­gen fühlen, die Angelegenheit öffentlich zur Sprache zu bringen.

Es ist keine Frage, daß die preußische Regierung sich alle Mühe gibt, die Fremdenbill gegen uns in An­wendung bringen zu lassen. Und warum? Weil wir uns in englische Politik einmischen? Es wäre unmög­lich, uns dies zu beweisen. Warum also? Weil die preußische Regierung vorgeben muß, daß der Schuß auf den König in Berlin das Resultat einer weitver­breiteten Verschwörung sei, deren Mittelpunkt in Lon­don zu suchen wäre.

Wir wollen nun die Thatsachen ins Auge faßen. Kann die preußische Regierung leugnen, daß Sefcloge, der Urheber des Attentats, abgesehen davon, daß er notorisch verrückt ist, dem ultra-royalistischen Vereine des Treubunds als Mitglied augehört? Kann sie leug­nen, daß er in die Listen des Vereins sub. Nr. 133 Sektion Nr. 2, Berlin, als Mitglied eingetragen ist? Kann sie leugnen, daß seine Papiere in dem Hause eines Ultraroyalisten, des im Kriegsministerium beschäf­tigten Majors Kunowski deponirt waren?

E s ist wahrhaft lächerlich, Angesichts solcher That­sachen zu behaupten, daß die revolutionäre Parten mit diesem Attentat irgend etwas zu thun habe. Die re­volutionäre Partei hat kein Interesse, den Prinzen von Preußen baldigst zum Thron gelangen zu sehen; es ist das das Jutereße der Ultraroyalisten. Und doch will die preußische Regierung die radikale Opposition für das Attentat bezahlen lassen, wie dies das neue Gesetz "gegen die Preßfreiheit und die Umtriebe der preußi­schen Gesandtschaft in London beweisen. Wir kousta- tiren gleichzeitig/ daß etwa 14 Tage vor dem Attentat Personen, von denen wir die Ueberzeugung haben, daß sie preußische Agenten sind, unter uns erschienen und den Versuch machten, uns in eine Conspiration zum

der National-Versammlung und dem Ministerium ist noch iminer nicht gefunden. Einstweilen sucht man Zeit zu gewinnen, und es scheint nicht, daß der Be­richt des Herrn Flandin so früh, wie gestern behauptet worden war, der National -Versammlung mitgetheilt werden wird. Es heißt, daß die einflußreichsten Mit­glieder der Majorität unterdessen Alles anwenden wol­len, nm den Präsidenten der Republik zu der Zurück­nahme des vorgeschlagenen Dotations-Gesetzes zu be­wegen, unter dem Vorbehalte, daß alsdann nach Ab­lauf einer kurzen Frist die National-Versammlung aus eigenem Antriebe die gesammte verlangte Summe we­nigstens für Ein Mal bewilligen würde. Ob jedoch diese Bemühungen Erfolg haben werden, steht noch sehr zu bezweifeln, um so mehr, als sie, nach den Er­klärungen der meisten Minister zu schließen, eine be­deutende Modifikation des Câbinets nothwendig machen würden. In der Haltung der einzelnen Fraktionen der National-Versammlung ist bis jetzt keine merkliche Aenderung eingetreten. Für das Dotations-Gesetz sind nur die Bonapartisten und ein Theil der ehemaligen orleaniftischen Conservativen; für das Creton'sche Amen­dement, obschon dasselbe von denMinistern mit Energie zurückgewiesen wird, fast alle Legitimisten und die con- stitutionelle Fraktion.

DiePatrie" berichtet, daß Odilon Barrot und Dufaure ausdrücklich erklärt haben, daß sie für dieses Amendement votiren werden, und wir haben allen Grund, diese Mittheilung für richtig zu halten, so wie uns auch versichert wird, daß selbst Berryer, der­jenige der Legitimisten, der in der Regel am meisten Hand in Hand mit der Regierung geht, sich in dem­selben Sinne erklärt hat; mit der ersten Gruppe gegen das Creton'sche Amendement und mit der zweiten Gruppe gegen das Dotations-Gesetz selbst wird die gesammte Linke votiren. Die legitimistischen Blät­ter zeigen sich fortwährend dem Dotations-Gesetz feind­lich, ingem sie vorzugsweise die politische Bedeutung hervorheben, die demselben entweder jetzt zu Grunde liege, oder die man ihm doch in der Folge geben könne. Sie wollen von einer monarchischen Republik eben so wenig wie von der bekanntenrepublikanischen Monarchie" Louis Philipp's etwas wissen.

Sie führen ferner in Bezug auf die Höhe der verlangten Summe wiederholt das Beispiel des ersten Consuls Bonaparte an, der die prunkliebende und verschwenderische Gesellschaft des Directoriums mit 500,000 Franken Gehalt regierte, und rechnen dem Präsidenten der Republik vor, was er im Vergleich hiermit schon jetzt beziehe. DieOpinion pnblique" gibt diesen Betrag im gegenwärtigen Jahre folgender Maßen an: Gehalt 600,000 Franken, Nepräsentations- kosten 600,000 Fr., Unterhaltungskosten des Palastes 340,000 Fr., vom Minister des Innern aus dem Un­terstützungsfonds zu gleichem Zwecke 150,000 Fr., vom KriegS-Minister aus dem Militär-Unterstütznngsfonds zu gleichem Zwecke 150,000 Fr., was im Ganzen 1,840,000 Fr. ausmacht.

Es bestätigt sich, daß der Kriegsminister einen Theil der auf Urlaub entlassenen Militärs wieder zu­rückberufen hat. Diese Maßregel hat jedoch lediglich die Beschwerden der Korps-Befehlshaber wegen der eingetretenen Desorganisation ihrer Truppentheile zur Veranlassung. Die Beurlaubungen sind auf Befehl des Kriegsministers auf die Hälfte beschränkt worden.

DerCorsaire" will wissen, daß die Montagnards

8 Kanonen nach Debreczin schicken, um Kossuth zu be­weisen, daß auch die Russen sterblich seien.

Die Einnahme Hermannstadts" schrieb er an die Regierungwar für uns von unschätzbarem Nutzen; von allen Seiten fallen uns eine Menge Waffen zu, während dem Feinde der Lebensnerv durchschnitten worden ist." . .

Der Lärm, welchen die offiziellen und halboffiziel- len österreichischen Journale über die Gräuelthaten er­hoben, welche die Truppen Bem's in Hermannstadt verübt hätten, sollte wahrscheinlich jede Reflexion über die, Niederlage der Doppeladler übertönen. Es war so Sitte bei den Wiener Blättern, ganz unerhörte Schändlichkeiten von Magyaren 14 Tage hintereinan­der zu erzählen; am 15. erschien endlich in einer Wm- kelspalte die kleingedruckte Wiederlegung. So auch diesmal. Man ließ einen vollen Monat hindurch die Ungarn, Deutschen und Polen in Hermannstadt mor­den und plündern, man ließ wehrlose Weiber auf der Straße mit Kartätschen niederschettern, Kranke in den Betten zerfleischen, Kirchen und Grüfte entweihen, man nahm das Mitgefühl und den Unwillen von ganz Deutschland in Anspruch, um am Ende zu gestehen, daß die Angaben übertrieben worden sind.

Die Wiener Zeitung berichtete später selbst, daß Bem die strengste Disziplin unter seinen Truppen auf­recht hielt und W ersten Räuber zur Meneng' auf dem Marktplätze anftnüpfen ließ. Mehr Beweis in der That nicht dafür, dass Hermannstadt weniger, gclittcu, als Wren^- Raab , ^ombor und sh manche andere Stadt, welche in die Hände der Oester- vriw fiel. I I

Von Hermannstadt aus schickte Bem die beiden folgenden Berichte nach Debreczin, welche den Gang seiner nächsten Operationen am Besten beleuchten und

Glück, die Meldung zu machen, daß ich ein Korps ge­

gen den Rothenthurmpaß gesendet, um, so viel wie möglich, dem Feinde die Kommunikation mit der Wa­lachei abzuschneiden. Dieses Armeekorps konnte jedoch nicht weit vordringen, indem das ganze österreichische Heer in Freck stand, also blos durch einen Bergrücken von dem Engpaß getrennt war und so meine Truppen beim Vorrücken in die Flanke bedroht waren. Ich habe mich indessen dieses Engpasses durch einen Um­weg bemächtigt und ich werde denselben nicht nux be­haupten, sondern zugleich auch den Feind gegen Kron­stadt drängen, von wo er nur mit großer Mühe über die Karpathen würde gehen können für den Fall, daß er sich nach der Walachei flüchten möchte.

Diese Kriegsoperationen werde ich noch heute be- ginuen u. s. wi" Bem.

Hauptquartier Nothenthurm, 16. März.Meine gestrigen Operationen zur Verdrängung der Russen aus dem Rothenthurmer Paffe sind mit so glücklichem Er­folge gekrönt worden, daß wir noch in derselben Nacht um 11 .Uhr .die. Russen aus dieser festen Position ge­worfen .haben. Der 15. März, der Geburtstag der Bölkerfreiheit, konnte wohl nicht würdiger gefeiert wer­den. Heute Nachmittag um 5 Uhr haben die Russen die wildeste Flucht über Hals und Kopf ergriffen. 4 österreichische Generäle, Puchner, Phärsmann, Gräser und Jo'vich, sind mit 3 Kompagnien-nach der Walachei .entflohen.- Don -Rothenthurmer Paß .habe ich selbst -sehr sorgfältig- insplM und solche Anstalten getrof- 'fen, daß' die Russen , hier schwerlich Mr feindlich feivdringesi werdest. .-F Einen andern Theil meinet -Armee habe ich- zur- Verfolgung" der Oesterrercher -aüsgrsändt , welche -nach Aus sage von Kriegsge- 'faügkne'n , entuiuthig't und in Unordnung gegen Kron­stadt sich gewendet. Ihre Hauptmacht ist in Foga, rasch, die Arrieregarde aller hat so eben Freck verlas­sen. Die Brücks" über den Eli hat dèr Feind hinter sich abggebrochen, was die nachtzrückUche- Verfolgung desselben einige Zeit hemmte. Jetzt, nach Wikdecher­

stellung der Brücke, werde ich die Verfolgung mit al­lem Nachdrucke fortsetzen. Ich hoffe, binnen 3 bis 4 Tagen Kronstadt zu nehmen, wodurch die kais. österr. Armee theils vernichtet, theils zerstreut, jedenfalls aber für die innere Ruhe dieses Landes unschädlich gemacht seim wird. Um so leicher wird dann auch die Zurück- führung der einzeln noch auftretenden walachischen Banden zum Gehorsam sein.

Nachschrift. Nach der Einnahme Kronstadts werde ich gleich mit einem Armeekorps nach Ungarn auf­brechen." Bem.

4 Tage später war Kronstadt in seinen Händen. Die Russen flohen durch den Tömöser, die Oesterrei­cher durch den Törzburger Paß in die Walachei, nach offiziellen Berichten 21,000 Mann mit 3000 Pferden und 50 Kanonen, die Russen nicht mitgerechnet.

Somit war Siebenbürgen , mit Ausnahme von Karlsburg in den Händen der Ungarn. Bem hatte das Erstaunlichste, das Unglaublichste geleistet. Mit einer jungen Armee, die kaum vom Exerzierplätze ab- gerückt und niemals bis zur numerischen Höhe des Feindes angewachsen war, hatte er in einem Zeit­räume von dritthalb Monaten fünf feindliche Korps geschlagen und aus dem Lande hinarrsgedrängt, die Gebirge zweimal von Norden bis Süden durchzogen, zwei Hmrptstayte mit Sturm genommen, eine Masse festes Positionen erobert, Kanonen, Waffen und Pferde erbevrer, ubsr 5000; Gefangene gemacht, die Pässe des Landes hon Innen besetzt und dabei eine Aruiee herangklüldet , die such mit. jeder andern in Europa messen konnte. In dem Herzen des rnffischen Kärisisis hat er aber den alten ®ro'K von Neuem an gefacht, und wie.es immer kommen mochte, es war voraus zu sehen / daß Rußland die nächste Gelegenheit ergrei­fen werde, hie Schmach seiner Waffen an Ungarn zu rächen.