Heißt find Ur Demokratie und dem Socialismus „hohle Theorien" und „Phrasen" vorzuwerfeu. doch nicht umhinkönnen, sich auf die abstraktesten Grundsätze zu berufen. Und in der That sind auch rein praktische Fragen vernünftig nur nach theoretischen Grundsätzen zu entscheiden, wenn, wie in der vorliegenden, die Erfahrungslehre kein zuverlässiges Resultat gewährt.
Um zu einem festen Standpunkte der Entscheidung zu gelangen, ist es vor Allem nöthig, die finanzielle Natur der Zölle zu beseitigen. So lange die Staatskasse derselben noch bedarf, ist es unmöglich, den Streit zwischen Freihandel und Schutzzoll prinzipiell oder auf dem Wege der Erfahrung auszufechten. Zur Zeit ist aber noch kein Staat in der Lage, der Zölle zu entbehren; selbst ein nur theil- weiser "Ersatz durch direkte Besteuerung scheitert an der überall noch bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Unfreiheit. Wo den Zolltarifs die Frage vor- ansteht: wie eine so und so hohe Summe aufgebracht werden sönne? wo also das volkswirtschaftliche Interesse erst in zweiter Linie berathen wird, da sind alle weiteren Fragen schon mehr oder minder verfälscht.
Weiter ist es iwibwcnNg, sich den conereten Staat in seiner doppelten Eigenschaft, als ein selbstständiges Ganze und als Glied einer großen Staafecssamilie zu denken. Diese doppelte Eigenschaft ist ein Naturgesetz in der ganzen sichtbaren Welt, und eS ist unmöglich, sich nach der einen oder anderen Seite zu entziehen. Der Staat, welcher seine Selbsrsländcgtcu seiner Mitgliedschaft opfert, zerfällt, der, welcher umgekehrt verfährt, verfault. Die Macht des Naturgesetzes läßt es zum Aeußcrsten nicht kommen, aber kranken können Staaten in falschen Richtungen lange, sehr lange. Wo i|tjum die Grenzmarke jener Doppelnatur der Staaten 3
Um sie zu finden/kommt eS vor Allem darauf an, festzustellen, wodurch ein Staat als solcher besteht, ob er auf einer ausgeprägten, festgeschloffenen Nationalität, ob er auf nnabweiSlichen Natnrgrenzcn, oder ob er auf einem dvnastischen Fundamente ruht. Danach richtet sich die Naturwüchsigkeit und folglich die Dauer eines StaateS. Die Staaten der Zukunft sind die nationalen, aber sie sind nicht der Endpunkt der menschengesellschaftlichen Entwicklung. Die Juden und die Deutschen scheinen berufen, auch die nationalen Scheidewände zu durchbrechen. Ein freier nationaler oder natürlicher Staat ist im Stande, die Grenzen der eigenen Selbstständigkeit und seiner universellen Angehörigkeit zu bestimmen, also auch die Zoll frage, aber nur ein freier, b. H. ein solcher, in welchem sich die staatlichen oder gesellschaftlichen Interessen identffiziren, und jedes Privilegium verschwunden ist. Ein solcher Staat eriftirt in Europa noch nicht, und darum ist noch kein europäischer Staat im Stande, die Zollfrage richtig zu entscheiden; England schon Irlands und seiner Colonien wegen, Frankreich darum nicht, weil dort die sozialen Verhältnisse in Bewegung sind. In rein dynastischen Staaten mit bloßen Massenvölkern inte- ressirt die Zollfrage nur finanziell; wo die Gesellschaft dem Staate gegenüber rechtlos ist, gibt es keine Volkswirthschaft. Die meisten Staaten Europas sind gemischte, in denen das dynastische mit dem gesellschaftlichen und nationalen Prinzipe im Kampfe liegt: sie sind daher gleichfalls zur Zeit unfähig, die Zollfrage zu entscheiden.
Und mitten in diesem ist ein zweiter, der sociale Krieg, der Krieg innerhalb der Gesellschaft selbst aus-
rothen Meeres beim Durchzug der Israeliten, und daß mitten durch die offene Menschengasse die Geschütze Deins die Oesterreicher reihenweise niedergeworfen hätten, das Alles ist so unverträglich mit den gewöhnlichen und möglichen Schlachtmanövers, baß es als unwahr verworfen werden muß. Große Kolonnen, hinlänglich geschlossen, um Batterien zu maskiren, können schlechterdings nicht vor einer feindlichen Fronte mitten in der Schlacht aufmarschiren, um dann im Angesichte dieser Fronte nach zwei entgegengesetzten Richtungen auseinander zu laufen, um den befreundeten Kugeln Platz zu machen. Die eigenthümliche Weise Bems, seine Geschütze weniger von den Flügeln aus als en front reihenweise gegen den Feind operiren zu lassen, mag zu der Fabel von Piski Veranlassung gegeben haben.
Die Oesterreicher lernten hier die überlegene Taktik ihres Gegners und die Wirkung seines konzentrir- ten Artilleriefeuers zum ersten Male kennen, die Tapferkeit ihrer Sturmkolonnen sank vor dem Feuerincer und Kartätschenhagel in Staub, das Regiment Bianchi wurde zerrissen, niedergeworfen, zerstäubt; Leichen- berge im strengsten Sinne des Wortes bedeckten das Schlachtfeld, und Puchner mußte mit seinen Truppen den Rückweg antreten, der nicht ohne große Verluste ausgeführtwerden konnte. Er zog sich bis Hermannstadt, sein rechter Flügel raubte froh sein, ah Karis^ bürg einen Halt zu finden, denn die tollkühnen Angriffe der Szekler Husaren hatten denselben vom .Haupt- Corps losgerissen. c
Acht Tage vor der Schlacht bei Piski hatten die ersten russischen Kolonnen den Boden Siebenbürgens betreten. 6000 standen in Kronstadt und 4000 in Hermannstadt als Besatzung. Die Generale Lüders und Freitag waren auf die ^rste Einladung bereit, ihre Truppen marschiren zu lassen; eS kann somit kein Zweifel darüber obwalten, daß sie von Petersburg gemessene Instruktion besaßen. Daß die Einladung im
gebrochen. Wenn die Schutzzöllner auf England und Belgien Hinweisen, auf die blühende Industrie und ungeheuren Kapitalkräfte, so zählt die sociale Demokratie die Tausende und abermals Tausende körperlich und geistig verkrüppelter weißer Arbeitssklaven in den Fabrik- unp Bergwerk-Distrikten, und die ins Elend verkauften armen Kinder an den schnarrenden und polternden Maschinen in den feuchten und finstern Erdgängen, wo Geist und Herz in 14stündiger Arbeit jämmerlich dahin schwinden; berechnet den Hungerlohn des „Menschenbruders," und gedenkt der furchtbaren Handelskrisen unseres Jahrhunderts. Es ist eine unumstößliche, erschreckende Wahrheit, daß mit dem industriellen Wachsthumc des Nationa.l- Wohlstandes in unserer Zeit in gleichen: Grade d ie Verarmung überhaupt und das Elend der Handarbeiter insbesondere zunehmend). So lange die im Staate und in der Gesellschaft herrschenden Parteien diese Wahrheit nicht als das Uebel anerkennen, welcher zuerst, zuallererst cntgegcnzutretcn ist; so lange ist es nutzlos, um die Zollfrage zu streiten; so lange die Ursachen dieses Uebels nicht beseitigt sind, so lange hilft uns nicht Schutzzoll, nicht Freihandel. (N.O.Z.)
DeutschlsRK.
* Wiesbaden, 21. Juni. Nach Berechnung des „Coblenzer Tagblatts" soll die Summe, welche von den Herausgebern der Zeitungen und Zeischriften in die Staatskasse als Caution fließen wird, für die Rhein- provinz 334,000 Thaler und für die ganze Monarchie etwa 2% Million betragen. Ziehe man auch für Blätter, die aufhören zu erscheinen und solche, welche in Zukunft nicht mehr täglich ausgegeben werden und also nur die Hälfte der Caution zu stellen haben, zwei Fünftel der Gesammtsumme mit 1 Mill. ab, so restire doch immer noch die sehr bedeutende Summe von 1 % Million.
Hagen, 18. Juni. Die Märkischen Blätter enthalten folgenden Scherz: Aus glaubwürdiger Quelle und aus Kreisen, die immer gut unterrichtet sind, ist uns erzählt worden, daß gewünscht wird, das Wahlgesetz einer abermaligen Reform zu unterwerfen, da man in der jetzigen Zusammensetzung der zweiten Kammer die Sanktion für das Preßgesetz schwerlich erhalten würde. Es sollen danach von jetzt ab kleine gedruckte Zettelchen an den KirHrnthüren vertheilt wertheilt werden, die Jeder, der die Kirche wieder verläßt, erhält und gut aufbewahren muß: denn nur derjenige, der während der dreijährigen Wahlperiode mindestens 52 Quittungen seines Kirchenbesuchs aufzuweisen hat, soll zur Wahl berechtigt sein; gewählt aber können nur solche Personen werden, die wenigstens für jeden Sonn- und Festtag der ganzen Wahlperiode eine Bescheinigung vorzuzeigen im Stande sind. Mit dieser Kammer hofft dann die Reaktion regieren und noch einige neue beschränkende „ergänzende Verordnungen" gegen die Preßfrechheiten durchbringen ju können.
Berlin, 17. Juli. Gestern Abend gegen neun Uhr entwickelte sich im Naiiona^Kaffeehause zu Schöneberg
*) Wir verweisen auf RodbertuS' feciale Briefe (Berlin bei Friedrich Gerhard) und uns Nr. 20. und 21 der Ratibor'schen demokratischen Blätter, wo höchst belehrende Details über die Handelskrisen und die belgischen Ärbeiter-Zustäiide gegeben sind.
Namen der bedrohten âchsenstädte gestellt unb — angenommen wurde, wird hent zu Tage wohl Niemand mehr für etwas Anderes ansehen, als für eine Rück- ! sicht Oesterreichs und Russlands gegenüber den arg- ; wöhnischen Gesichtern der französischen und englischen Diplomatie. Es ist in diesem Momente wahrlich ganz überflüssig, den Beweis zu führen, daß das Wiener Kabinet, trotz aller Protestativnen, schon damals in Unterhandlung getreten war und die Hülfe Rußlands nachgesucht hatte. Daß diese unzureichend war und dem schadenfrohen Europa den Anblick einer russischen Niederlage gönnte, wird der Czar weder Lüders noch Bem jemals verzeihen können. Selbst der Ausgang des Krieges, an dem die kolossalen rnssischen Truppenmassen ihren gebührenden Antheil haben, kann die erste Scharte bei Herrmannstadt nie auswetzen.
Die Nachricht, daß Rußland endlich doch sein Schwert in die Waage geworfen, brachte in Europa die allgemeinste Aufregung hervor. Die Parteien aller Farben waren erschreckt durch die Thatsache der neuen Kaiserallianz, die lange als Ahnung durch die Welt geschlichen; alle Fraktionen bekreuzten sich in grauenhafter Andacht vor dem Heiland der Ordnung; nur die gesalbten Häupter, die in dem Wahne leben, über allen Parteien zu stehen, pilgerten mit frommen, stillen Wünschen dem lang'ersehnten Netter entgegen. Von allen Regierungen Europas fühlte sich blos die englische durch diese Intervention in ihren Iuteressen gefährdet, die Uebrigën vergaßen über den rettenden Moment dst Gefahr der Zukunft; selbst Frankreich dieses Zwittergeschöpf von Republik und Despotie, von FreiheitSliebe und Eitelkeit, von Größe und Lächerlichkeit, von Philanthropie und Egoismus, selbst Frankreich mit seinem republikanischen Wappenschilde und seinem monarchischen Wappenherold, hatte schamhaft lüsterne Sehnsucht nach gewaltsamer Ruhe selbst mit Hulse russischer Todtengräber.
Die kaiserlich österreichischen Generale in Sieben
eine „solenne Keilerei" unter den „wahren Volksvertretern". Ein Soldat vom 2. Garderegiment bot freundlich seine Weiße einem Kameraden vom 9. Regiment zum Trunk an, fand aber bei dem Pommer einen so groben AbweiS, daß diese Kontroverse schnell in eine unartiku- lirte überging. Da gleich mehrere Neuner über den Gardemann bersteten, so fand dieser, nachdem er sich mit dem Rücken an einen Baum gelehnt, die Linke am Säbelgriff, mit der Rechten eine Zeit lang wacker vertheidigt hatte, überhaupt aber nur 3 Gardemänner, wohl aber an 30 Neuner am Orte befanden, sehr bald Unterstützung durch Schöneberger Einwohner. Etwa 10 bis 12 von diesen, mit guten Knitteln bewaffnet, Hieben und trieben nach einem kurzen Standgefechte die 30 Neuner derartig durch Schöneberg gen Berlin in die Flucht, daß sie alsbald von weiterer Berfolgung ab- stehen mußten. Da die Neuner alle mit gezogenen Säbel fochten , so ist eS natürlich, daß es wieder starke Verwundungen abgegeben hat, was auch einen mit einer Dame harmlos Spaziergehenden traf. Die Schöneberger sollen übrigens 7 Säbel und 5 Mützen als Trophäen heimgeführt haben.
Berlin, 17. Jun Ul. Die Zweifel an der Durchführung der Union fangen mehr und mehr an Platz zu greifen, wenn auch die „L. C." versichert, seitens der preußischen Regierung sei das Ultimatum an Oesterreich gestellt, mau befinde sich nicht in der Lage nachzugeben und von diesem Gesichtspunkte aus seien dem preußischen Bcvollmächligtcn in Frankfurt Instruktionen zugesandt, worin selbst die Möglichkeit einer gänzlichen Abbrechung der Verhandlungen und die Abreise derselben vorgesehen werde. Die „Const. Corr." verwahrt die sogenannten Unionsministcr vor dieser Benennung: „Wir bemerken, schreibt sie, daß der Ausdruck „Uni o nsm inister", dessen sich mehrere Blätter rücksichtlich der Herrn von Manteuffel und v. Schleinitz bedienen, u n e i g e n t l i ch ist, und zu Mißverständnissen Anlaß geben kann. Nach dem mit den veröffentlichten Protocvllen des Fürstenkongresses übereinstimmenden Wortlaute der allerhöchsten Ordre vom 7= d. M. haben Se. Mas. der König die gedachten preuß. Minister nur „mit Ansübung der allerhöchstden- selben als provisorischem Vorstände der deutschen Union zustchcnden Befugnisse" , und zwar speziell Herrn von Manteuffel mit den Verfassungs- und GesetzgebungSan» gclegcnheiten, Herrn von Schleinitz aber mit der Vertretung der Unionvangehörigen im Auslande und mit der Herbeiführung der Anerkennung der Union beauftragt. Es leuchtet von selbst ein, daß hierin weder der volle Geschäftskreis, noch folglich die volle Verantwortlichkeit der künftigen Unionsministcr liegt."
Wien, 16. Juni. Die Generalität der österreichischen Armee besteht gegenwärtig aus 7 Feldmarschällen, 23 Fcldzcugmeistern, 115 Feldmarschall - Lieutenants, 147 General-Majors und 200 Pensionisten.
Triest, 15. Juni. Aus Venedig meldet man heute den Ausbruch der Cholera, aber nur in einer Gasse. Man vermuthet daher, daß das schlechte Wasser oder die dürftige Wohnung Veranlassung war. Von acht erkrankten Individuen starben drei. (A. Z.)
Mannheim, 21. Juni. Obergerichts-Advokat Lorenz Brentano, der an der Spitze der badischen Mairevolution gestanden und gegenwärtig in Amerika sich befindet, ist zu lebenslänglichem Zuchthaus verur- theilt.
bürgen dagegen fühlten wieder ein gewisses Selbstbewußtsein unter ihren Waffenröcken, welches ste durch die letzten Begegnungen mit Bem gänzlich cingebüßt hatten. Obrist Urban wagte sich ans seinen Verschanzungen bei Bistriz ins Freie, um den ungarischen Obrist Ritzko und dessen kleine Schaar zu vernichten. Das hat er wohl nicht erreicht, aber 3iitzko wurde aus seiner Stellnng bei Baiersdorf hinausgeworfen und fiel schwer verwundet in die Hände des Feindes (18. Feb.) Urban selbst mußte sich gleich wieder nach Bistriz zu- rückziehen. Dort blieb er so lange, bis Bem ihn in die Bukowina zurücktrieb, von wo aus er mit Malkowski zusehen durfte, wie die letzten Oesterreicher und Russen dem schönen Siebenbürgen den Rücken kehrten.
Zum drittenmale ging nun Bem auf Hermannstadt los und traf bei Megyes (Mediasch) auf die Oesterreicher. Der Kampf dauerte (3. März) vom Morgen bis in die tiefe Nacht und endete mit dem Abzüge der Ungarn. Sie zogen sich nach Maros Vasarhely, die Oesterreicher, ihren Vortheil verfolgend, rasch nach. Wo aber immer österreichische Generäle durch schnelle Manövers glänzen wollten, da haben sie regelmäßig den Kürzeren gezogen. Während sie der Meinung waren , Bem zu verfolgen, rannten sie blos einem Theile seines Korps nach, er selbst halte sich durch einen, meisterhaften ^lgnfennmrffy Moir am Nachunttgg.Pes 3. März voit WegyeS ^lângs des ^üküllöfluffes ' stach Müh- ienbaciy gewendet .und ersMn^vvn Westen kommend, am 11. vor ycvmaiiniuit^
3000 Nüssen nnd 200Ö,Seftèrrcid)er waren daselbst als Besatzung zurnckaelaffen worden, Bem hatte 9000 Mann und hinlängliche Artillerie. Mit diesen erstürmte er die Stadt, nachdem er die Besatzung vergebens zur Uebergabe anfgefordert hatte. Die Gegenwehr der Russen war nicht geeignet, den Hermannstädtern große Achtung vor dem schwarzen Adler einzuflößen. Sie verließen nach knrzcm Kampfe die Stadt in regelloser Flucht; Bem konnte ein paar hundert russische Gefangene und