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Vie „ i$ r c 11 Bettung" erscheint, mit Äuânahme deö Äkomaq«; U,ja$ in einem Soge». - Oer AbonnrmentSprelS beträgt vierteljährig t>ur in Wl-So^dea i fl. 45 fr., au«» wärtS durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen uns find bei ver großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirk- fimem Erfolge. — Die ZnferationSgedühren betragen für die vterfpaltige Petitzeile 3 Kreuzer.
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Ginladung zum Abonnement.
Mit bem Ende dieses Monats beginnt ein neues Abonnement, auf welches wir die Aufmerksamkeit der Volkspartei, und insbesondere derjenigen in Nassau, lenken wollen. Jetzt, da der demokratischen Partei zur Abwehr der auf sie gelichteten Angriffe und zur Verfechtung ihrer Grundsätze fast nur noch das einzige Mittel der Presse übrig geblieben, gebietet es geradezu die Pflicht der Selbsterhaltuug, daß die Volkspartei die freie Presse, soviel es nur immer möglich ist, unterstützt, und zwar um so mehr, als auf der Seite der Gegner Alles aufgeboten wird, um die freisinnigen Blätter zu Grunde zu richten.
Wir können uns daher wohl der Hoffnung hingeben, daß die Demokraten unseres Landes, deren Vermögensverhältnisse es zulasten, die „Freie Zeitung" nicht bloß lesen, sondern durch Abonnement auch thatkräftig unterstützen werden. — Ganz besonders sollten die Demokraten, ehe sie sich zur Bestellung von halben farblosen Neuigkeitsjournalen, oder gar von reaktionären Tagesblättern entschließen, erst auf die Anschaffung der demokratischen Zeitungen bedacht sein.
Die Verhandlungen der Landstände sowie des Schwurgerichts zu Wiesbaden werden so schnell wie möglich zur Kenntniß der Leser gebracht. Auch die Verhandlungen des Schwurgerichts zu Dillenburg werden wir von nun an ausführlicher mittheilen. Die NedaktivN.
Der Preis der „Freien Zeitung" bleibt der bisherige. Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal beliebe man hier in Wiesbaden in der H. W. R i t t c r'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern, zu machen.
Mehrfachen Wünschen zu begegnen, geben wir den resp. Abonnenten, welche jetzt für das nächste Quartal eintreten, die Nummern dieses Monats vom Tage der Bestellung an unentgeldlich. Die CxpeditivN.
Freihandel oder Schutzzoll?
Seit einer Reihe von Jahren schwebt diese Frage nicht bloß in Preußen und den Zollvereinsstaaten, sondern in ganz Europa, und selbst in der nordamerikanischen Union ist sie lebhaft angeregt worden. Noch ist sie nicht gelöst. Selbst England, welches in der Lösnng volkswirthschaftlicher und finanzieller Fragen den civi- lisirten Staaten vorauszugehen pflegt, ist mit dieser noch beschäftigt, und es läßt sich um so weniger die Entscheidung voraussehen, als England mit den ersten, dem Freihandel gemachte,) Concessionen ohne Zweifel den Zweck verband, den Kontinent zur Reciprocität zu stimmen, und dadurch seiner Industrie vermehrten Absatz zu verschaffen. Ob ihm aber dies gelingen wird, steht sehr in Frage, weil das zur Zeit in Frankreich bestehende Negierungssystem zu wesentlichen Verände-- rungen jeder und so auch der Handelspolitik unfähig ist; weil Belgien erst die Bahn betreten hat, welche England zu verlassen beginnt und anscheinend durch gleiche Erfahrungen gezwungen werden will, sie ebenfalls zu verlassen; weil ferner Rußland aus der englischen Politik keine Veranlassung nehmen kann — es wäre denn auf Kosten der Schleswig-Holsteiner — weitere Conzessionen zu machen, und weil endlich in den Zollvereinsstaaten die den Schutzröllnern günstige Politik des preußischen Ministern zur Geltung zu kommen scheint, Oesterreich aber mit seinen Verbündeten augenscheinlich noch gar nicht in der Lage ist, ein festes System aufzustellen. In den übrigen europäischen Staaten hat sich England entweder schon festgesetzt, oder sie bieten ihm doch nur einen unbedeutenden Markt.
Das Pro und Contra dieser Frage ist in zahlreichen Schriften, Petitionen, Gutachten und Denkschriften verhandelt. Wir können an diesem Orte weder eine Literatur noch ein vollständiges Resume der verschiedenen Ansichten geben; nur das Resultat eines unparteiischen Studiums sprechen wir aus: Weder die
Freihandelsmänner noch die Schutzzöllner haben nur durch ihre Gründe überzeugt, wir sind nur in der Ansicht bestärkt worden, daß die Lösung der Frage nicht zwischen, sondern weit über den streitenden Parteien liegt, nämlich in der politisch-sozialen Frage überhaupt, mit welcher die Völker gegenwärtig — die einen mehr, die anderen weniger — beschäftigt sind. Zu dieser Ansicht führt schon der Umstand, daß eine Vereinigung der streitenden Parteien, trotz aller Vermittelungsversuche, nicht gelungen ist, und sich, jemehr man zur Entscheidung drängt, desto unthunlicher herausstellt. Es ist ein Jnteressenkampf innerhalb der Gesellschaft, deren Zweck doch Die Vereinigung der verschiedenen Interessen sein soll, und ein Kampf von so großer Bedeutung, wie dieser, jedesmal das Zeichen einer falschen Organisation der Gesellschaft selbst. Es ist ferner ein Kampf, bei welchem sich nur eine Minorität des Volkes, Kapitalisten und Unternehmer, bethciligt, obschon die Majorität, die arbeitenden Klassen vorzugsweise von der Entscheidung betroffen wird. Es ist endlich ein Kampf, dessen Entscheidung die Parteien von Regierungen erwarten, welche noch überwiegend von dynastisch-diplomatischen Interessen beherrscht werden, also nicht im Stande sind, vom rein volkswirthschastlichen Standpunkte aus, eine Entscheidung zu treffen.
Die Schutzzöllner oder Anhänger des Industrie- systems gehen im Wesentlichen von der Idee aus, daß der Volkswohlstand durch die Selbsterzeugung einer größtmöglichsten Masse von Genußmitteln, durch in- dustrielle Unabhängigkeit vom Auslande bedingt werde, daß diese Selbsterzeugung aber eine große Ausbreitung industrieller Unternehmungen voraussetze, deren Begründung nur durch den Schutz gegen die Concurrenz des Auslandes, wenigstens so lange möglich sei, bis die einheimische Industrie diese Concurrenz durch eigene Kraft und Vollkommenheit bestehen könne. — Die Freihandelsmänner oder Anhänger des Mercantilsystems erkennen in der natürlichen und productiven Verschiß
denheit der Länder und Völker ein natürliches Gesetz und halten den freien Handel allein für berufen, diese Verschiedenheiten in der Art auszugleichen, daß sich jedes Volk mit dem ihm eigenthümlichen natürlichen und industriellen Productionsmitteln und Kräften die ihm außerdem erforderlichen industriellen Erzeugnisse anderer Völker und Länder eintausche. Beide Systeme haben ihre Autoritäten, ihre Geschichte und ihre Be- Weisstatistik der Gegenwart; aber Geschichte und Statistik bieten dem einen wie dem andern eine ganz gleiche Masse von wahren und Scheingrünben, weil in Wahrheit den Thatsachen und Ziffern in der Regel noch ganz andere Factoren zum Grunde liegen, als die zeitweiligen Grundsätze der Handelspolitik. Nur die eine geschichtliche Tyatsache steht fest: nämlich, daß die ersten Zölle gar nicht zum Schutze der einheimischen Industrie, sondern zu finanziellen Zwecken eingeführt und erst später zu diesem Zwecke mitbenutzt worden sind.
Die Schutzzöllner stellen den Freihandelsmännern vorzüglich entgegen, daß ihr Prinzip eine vollkommene Reciprocität zwischen allen Staaten, also einen Welt- freihandel voraussetze, wenn es eine Wahrheit -sein solle, weil ohne dieses die^reihandelsnation der schutz- zöllnerischen billiger verkaufen und theuerer von ihr laufen müsse. Die Merkantilisten stellen den Industriellen insbesondere entgegen, daß sie künstlich Industriezweige Hervorrufen und durch den Zollschutz die SeldstvervoUkommnung behindern; auch, daß der Vortheil dieser künstlich erzeugten Industrie, wie daS System der Differentialzölle ergebe, nicht dem ganzen Volke, sondern nur wenigen Unternehmern und Capital isten zufaUk, da das Volk, ver Consument im Lande, doch immer mindestens so theuer kaufe als außer Landes.
Wir übergehen die gegenseitigen, von Sophismen und Jncrimiuatiouen erfüllten Repliken, und heben nur noch das Eine hervor, daß die streitenden Parteien, die Männer des Interesses, welche sonst so ge-
Bilder aus dem ungarischen Kriege.
(Fortsetzung und Schluß.)
Dafür hielt der „Rebellenhäuptling" auch große Stücke auf seine Batterien und wenn er seine Kavallerie und Infanterie zuweilen untergeordneten Führern anvcr- traute, sorgte er für seine Stücke immer in eigener Person. Er wies ihnen ihre Stellungen vor der Schlacht an, untersuchte und richtete sie meist eigenhändig, woher er bei seinen deutschen Legionären den Spitznamen des Klavierspielers erhielt.
Im Allgemeinen wurde aber in seinem Korps alles eher gethan als gescherzt. Die stille, ernste, verschlossene Haltung des Generals theilte sich seinen Offizieren mit. Da war jeder ängstlich auf der Hut, um nichts zu überhören, nichts zu vergessen. Denn Bem war streng im Dieüst, unnachsichtig gegen den kleinsten Verstoß. Seitdem er in den ersten Tagen seines Kommando's ein paar junge ungarische Edöflckite hatte erschießen lassen, die ihr Juratenleben im Läger fortseyen wollten und im Vorpostenlager Karten gespielt hatten, beugten sich die Anderen diesem starren eisernen Geiste, welcher dem Feinde gegenüber im Menschen nur den gehorchenden Soldaten erblickte. Daher kam es, daß junge parfümirte Edelleute lieber in anderen Korps Dienste suchten, wo auf ihren Stammbaum mehr Rücksicht genommen wurde und das Lagerleben sich heiterer gestaltete. Wenn Vekey, einer von Bems Adjutanten, nie anders in die Schlacht ritt, als mit neuen weißen Glacechandschuhen, Lackstie-
fcln und silberbcschlagener Reitgerte, so war er deßhalb nicht minder unerschrocken, was die vielfachen Verwundungen des jungen Elegants zur Genüge beweisen.
Nachdem Bem fünf Wochen darauf verwendet hatte, seine Armee zu vervollständigen und zu Organisten, rückte er in den ersten Tagen des Januar, zu gleicher Zeit als die Kaiserlichen in Pesth ihren Einzug hielten, gegen Siebenbürgen vor. Sein erstes Anrènnen war überwältigend; Fcldmarschall- Lieutenant Wordener wurde bis Klausenburg, Oberst Blonski bis in die Bukowina zu- I rückgeworfen, Klausenburg im ersten Anlauf genommen, Blonsky, der vereinigt mit Malkvwsky wieder bis Bistriz vorgedrungen war, zum zweitcnmale in die Bukowina heimgeschickt, Bistriz, Klassenburg, Thorba und das umliegende Gebiet besetzt, zu Waffen- und Sammelplätzen für die Szekler eingerichtet. Zwei österreichische Korps und drei Generale waren binnen wenigen Tagen aus dem Lande hinausgeschlagen, und die Pässe wurden verrammelt, um ihnen die Rückkehr zu ersehn ereil.
Nun wandte er sich gegen Süden in's Sachsenland, wo Puchner und die zu den Waffen gerufene deutsche Bevölkerung ihn erwartete. Was sich ihm von Thorda 1 bis Radnoth und Megycs in den Weg stellte, warf er über den Haufen. In letzterer Stadt hielten die Flüchtigen Stand, um nach einem kurzen aber mörderischen Kampfe bis Hermannstadt zurückzuweichcn. Hier er« wartete ihn Puchner mit seiner gejammten Streitmacht, BemS Truppen griffen an und kämpften von Mopgens bis Mittag um den Besitz der Hauptstadt, die von den
sächsischen Nationalgarden mit Heldenmuth vertheidigt wurde. Bem mußte sich zurückziehen und jeMug fein Hauptquartier in Stolzenburg, zwei Meilen von Her- mannstadt auf.
Am 4. Februar ergriff Puchner die Offensive. Beide Heere trafen bei Salzburg zusammen, und Bem hatte seine Artillerie auf der Hügelreihe postirt; diese schlug alle Angriffe des Feindes zurück, der sich wiederum in den Schutz Hermannstadt's begab. Bem folgte, nahm vor der Stadt zum zweiten Male den Kampf mit dem dreifach überlegenen Feinde auf, und wurde zum zweiten Male mit bedeutendem Verluste zurückgeschlagen.
Er ging dieselbe Straße zurück, machte aber erst in Szasz-Varos Halt, um das kaiserliche wohlbefestigte Schloß Karlsburg nicht im Rücken zu haben. Aber auch hier konnte er sich nicht halten, sondern marschirte bis Deva, nachdem er die Strehlbrücke hinter sich abgebrochen hatte.
An dieser Brücke liegt das Dorf Piski; um Dorf und Brücke kämpften am 9. Februar die Oesterreicher und Ungarn eine der blutigsten Schlachten, die in diesem Feldzuge geschlagen wurden. Nie noch hatten die Kolonnen Puchners mit mehr Ausdauer und Tapferkeit angegriffen, nie noch hatten ihnen die Ungarn, Polen und die deutsche Legion mit so kaltblütiger Todesverachtung gegenübergcstanden. Bem siegte. Was von einer Kriegslist der Ungarn erzählt wird, daß sie an den Feind mit weißen Tüchern herangekommen, dann auseinandergestoben wären, wie die Wellen des