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^§ 13S* Wiesbaden. Donnerstag, 13 Juni 1S56.
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Die „ §r e 11 Zeit ung" erscheint, mit 'htönabme bré Wontaja, tâqiich in einem Logen. - Oer AvonnemenUpr.i« beträgt v erriet j<th reg hier in Wiesbaden 1 fi. 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit vcrdältnißmäßigein Aufichtage. - Inserate werden bereitwillig aufgeiiommeii und nuv bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets »on «irl. samem Erfolge. — Die InserationSgebupren betragen für die vierfpaltige Petit, eile 3 «reu,er.
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Mit dem Ende dieses Monats beginnt ein neues Abonnement, auf welches wir die Aufmerksamkeit der Volkspartei, und insbesondere derjenigen in Nassau, lenken wollen. Jetzt, da der demokratischen Partei zur Abwehr der auf sie gerichteten Angriffe und zur Verfechtung ihrer Grundsätze fast nur noch das einzige Mittel der Presse übrig geblieben, gebietet es geradezu die Pflicht der Selbsterhaltung., daß die Volkspartei die freie Presse, soviel es nur immer möglich ist, unterstützt, und zwar um so mehr, als auf der Seite der Gegner Alles aufgeboten wird, um die freisinuigen Blätter zu Grunde zu richten.
Wir können uns daher wohl der Hoffnung hingeben, daß die Demokraten unseres Landes, deren Vermögensverhältnisse es zulasten, die „Freie Zeitung" nicht bloß lesen, sondern durch Abonnement auch thatkräftig unterstützen werden. — Gau; besonders sollten die Demokraten , ehe sie sich zur Bestellung von halben farb« losen Neuigkeitsjournalen, oder gar von reaktionären Tagesblättern entschließen, erst auf die Anschaffung der demokratischen Zeitungen bedacht sein.
Die Verhandlungen der Landstände sowie des Schwurgerichts zu Wiesbaden werden so schnell wie möglich zur Kenntniß der Leser gebracht. Auch die Verhandlungen des Schwurgerichts zu Dillenburg werden wir von nun an ausführlicher mittheilen. ' Die Nedaktion.
Der Preis der „Freien Zeitung" bleibt der bisherige. Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal beliebe man hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern, zu machen.
Mehrfachen Wünschen zu begegnen, geben wir den resp. Abonnenten, welche jetzt für das nächste Quartal ein treten, die Nummern dieses Monats vom Tage der Bestellung an unentgeldlich. Die Expedition.
*t* Die Noth deS Handwerkers — ein Fragezeichen deS Sozialismus.
II.
Wir meinen zunächst die Maschine in jenem von Allen verstandenen Sinn, jenen vom Arbeiter gefurcht teten Talisman in der Hand des Fabrikherrn, die Maschine im Unterschiede von den gewöhnlichen Arbeitswerkzeugen. Es ist hier nicht unsere Sache, die Maschine gegen die brutalen Angriffe in Schutzs zu nehmen, die seit ihrem Bestehen von so vielen Seiten gegen sie gemacht worden sind: uns genügt es, zu wissen, daß die Maschine der menschlichen Arbeit einen großen oft den drückendsten Theil ihrer Arbeit abgcnom- mm hat, um ihre Entdecker als die größten Wohlthä- tcr des Menschengeschlechts zu preisen. Zu dem sind wir Alle so thatsächlich im Genuß der Vortheile einer raschen und billigen Maschinenproduktion, daß wir auch aus diesem Grunde keine Lanze für dieselbe einzulegen nö- hl'g haben. Und dennoch schallt uns sofort das Kriegsgeschrei von zwei feindlichen Armeen entgegen! hier sind es die Arbeiter in den Fabriken, die sich gegen diesen „Moloch mit den femrsprühenden Eingeweiden" erheben, die mitunter in fanatischer Wuth den tod- uud verderbenbringenden Götzen zertrümmert, diejenigen die bisher selber die Maschine bedienten und ihr plötzlich wie ein empörtes Volk feinem Könige, den Gehorsam aufkündigten; dort sind es die friedliche«! Familienväter, die in ihrer stillen häuslichen Bc,chaf- tt'gunq, hinter dem Webstuhl, oder der Handspinn- maschine, die sie bisher ernährte, sich mit einem Male von der Concurrenz der großen Maschine, wie von <iner N eberschwemmurig, überrascht fanden, und die sich nun mit allen Mitteln der Verzweiflung gegen die Räuber ihrer Arbeit, ihres Verdienstes, ihres Brods, ihres Familienglückes zur Wehre setzen. Jenes zu bc- ssprechen liegt außerhalb unserer Aufgabe; dies fällt mitten hinein: wir meinen den Ruin derjenigen Handarbeiten, welche die Konkurrenz mit der Arbeit der Maschine nicht ertragen können. Wer denkt hier mcht an die Weber in Schlesien, an die Spinner un Ra- vensberaischen? Das Schauspiel des Kampfes, den dieselben fortdauernd gegen die Maschine Wren, ist erschütternd: die Tausende von Unglücklichen, die ihm unn Opfer fallen, sie vermögen nicht die Uebrigen ab- »nschrecken, und fast scheint es, als müßten ganze Bevölkerungen unter der Konkurrenz der Maschine, wie unter den Streichen eines gefühllosen Henkers, fallen.
Aber die Maschine hat sich auch fast all der Produkte bemächtigt, zu denen das Roheisen den Stoff lieferte. Und wo sie es nicht allein vermag, da nimmt sie die vorerwähnte Arbeitstheilung zu Hülfe. Die |o* genannten Hütten, die sich mit der Reinigung der Erze beschäftigen, pflegen sehr oft auch mit Werkstätten verbunden zu sein, worin das Roheisen, durch eine geschickte Theilung der verschiedenen Beschäftigungen, also auf eine sehr billige Weise, zu den verschiedenartigsten Instrumenten verarbeitet wird, doppelt billig noch darum weil der Transport des Eisens von dem Ort seiner Bereitung zu den Werkstätten seiner Bearbeitung so zu sagen ohne alle Kosten bewerkstelligt werden kann. Und wie der Kaufmann die Produkte des Schlossers verkauft, so auch die Produkte des Drehers, des Hutmachers, des KnopfmachtrS, und wie viele ließen sich diesen nicht zugesellenl »
Wie der große Kapitalist aber durch die Her- -eischaffung des Arbeitsmaterials und des Lohns für so viele arbeitende Hände den Vortheil der Ar-
beitstheilung allein davon trägt, so auch denjenigen der Maschine: denn wem anders steht sie zu Gebote, als dem, der sie kaufen kann? Diese Beiden bilden aber eine so furchtbare Uebermacht, daß überall, wo sie anwendbar sind, das kleine Kapital von ihnen gleichsam erdrückt werden muß, das kleine Kapital nämlich, das sich in der Verfertigung derselben Produkte angelegt hat. Es wird uns dies Niemand bestreiten, und wir können daher weitergehen in der Aufsuchung der Vortheile des großen Kapitals.
Wir unterschieden schon oben die Maschine von den gewöhnlichen Arbeitswedkzeügen. Und hier trifft den kleinen Kapitalisten ein neuer Nachtheil: indem er nicht immer im Stande ist, mit all den neuen oder verbesserten Werkzeugen zu arbeiten, deren Anschaffung dem großen Kapitalisten ein Leichtes ist. Wir erinnern z. B. an den Unterschied der Hölz- und der eisernen Pressen bei der Bnchvrnckerei, an die vielfachen Instrumente bei Mechanikern, Uhrmachern, Buchbindern, (Vignetten zum Pressen auf die Einbände) Drechslern U. dgl. Um die Bedeutung auch dieses Umstandes zu ermessen, müßte Jemand Kenntniß haben von all den Hülfsgeräthschaften, die bei den mannigfaltigen Gewerben in Anwendung kommen; doch selbst bei ber oberflächlichen Betrachtung, wie sie uns nur gegeben ist, springt der Unterschied in die Augen.
Aber sogar aus seiner örtlichen Lage soll das. große Kapital Nutzen ziehen. Der große Kapitalist sucht die Annehmlichkeiten und die Konsumenten der großen Städte, die Vortheile, welche die Zentren des Verkehrs bieten, die verschiedenartigsten Arbeiter gehen dein sie in Unterhalt setzenden Kapitale nach. Die wechselseitige llnterstützung in den verschiedenen Gewerben ist eine ausgedehntere. Es cristirt hier ein ähnlicher Unterschied zwischen den großen und den kleinen Städten, wie zwischen den letzteren und dein Lande. In den großen Städten finden ferner eine Zusammen- Häufung des mannigfaltigsten Arbeitsmaterials statt, während für die kleinen die Auswahl bei weitein beschränkter ist. Endlich hat die Mode, welche eben von den großen Städten bestimmt wird, eine solche Macht erlangt, daß Jedermann immer vor Allem moderne geschmackvolle Arbeit verlangt. Diese Gründe haben bewirkt, daß eine bedeutende Zahl von reichen Konsumenten der kleineren Städte sich von den kleinen Gewerbtreibenden in den letzteren ab-, und den großen Kapitalisten der großen Städte zugewandt haben, d. h., daß der Kreis der Abnehmer der in den kleineren Städten verfertigten Gewerbserzeugnissen vcr- hältnißmäßig kleiner geworden ist, viel kleiner, weil gerade die besten Konsumenten verloren gegangen sind. (Vergleiche die Abhandlung von Rodbertus über diesen Gegenstand in Nr. 43 und 46 Jahrgang 1849 des Amphitheaters $ur Trierischen Zeitung.) Wir können hier auch der Gewinnste erwähnen, welche der große Kapitalist bei seinen Einkäufen von Rohmaterial macht. Je größer dieselben natürlich sind, desto größer sind die Procente, die ihm sein Verkäufer bewilligt, d. h., desto billiger kann er seine Produkte liefern, oder einen desto größeren Gewinn macht er, bei gleichem Preise derselben mit denen der übrigen Produzenten. Der kleine Kapitalist kaun nie z. B. so viel Leder, Blech re. auf einmal kaufen, daß tym in Folge dessen ein bedeutender Procentensatz zufiele. Daraus griff aber mich weiter hetvor, daß letzterer die dem Preise des Rohmaterials günstigen Perioden nicht benutzen kann. Er pflegt von Messe zu Messe zu kauft», unter den Preisen, wie sie sich gerade festgestellt ha
ben, und wenn das Material einmal unverhältnismäßig hoch im Preise gestiegen ist, so muß er es doch zu diesem hohen Preise kaufen, weil vorn früher gekauften — nichts mehr übrig ist. Dainals aber, als das Leder oder die Wolle oder das Korn sehr billig war, da hat der große Kapitalist sehr viel eingekauft, und hat nun sowohl oie Procente, wie den PretSun- terschied der beiden Perioden vor dem kleinen Kapital isteii voraus.
Diesen! möglichst günstigen An'auf des Arbeits- matcrials entsprechend ist Oie möglichst günstige Verwerthung der Arbeetserzeugnisse. Der kleine Kapitalist ist oft genöthigt, seine Produkte zu einem niedrigen P:eis zu laffen, weil ihm eben der letzte Pfennig aus der Hand gegangen ist; er muß gar oft „losschlagen um jeden Preis." Der große Kapitalist fürchtet nicht, in diese Lage zu kommen; er stellt seine Produkte im Laden aus, und wer ihiu ihren wahren Werth bietet, dem verkauft er sie; sollst aber läßt er's bleiben. Dies schreckt denn auch oft den kleinen Kapitalisten überhaupt davon ab, Produkte auf Ausstellung ja verfertigen. Die Läden der Schuster, Sattler, Schreiner, Uhrmacher, Mechaniker, Messer- und .Instrumentenmacher, Büchfcnmacher, der Buchbinder, soweit sie auch Verfertiger von Papparbeiten, mögen unsere Lesern vergegenwärtigen, was es heißt auf Ausstellung und auf Bestellung arbeiten: sic brauchen daneben nur an die „armen Tenfel" zu denken, Die cs ihr Leben lang nicht zu einem Laden, oder wenn auch, nur zu einem sehr kümmerlichen, bringen.
Noch bleiben uns zwei Vortheile zu schildern übrig, zu denen wir uns das nächste Mal wenden, tuto Die im Zins und im Kredit liegen.
Deutfchla«-.
0 Wiesbaden, 10. Juni. Wer sollte glauben, daß ein so kleiner Keim einer so großen Entwickelung fähig sei! Die drei Zeilen in §. 57 der sog. staatsrechtlichen Zusammenstellung über eine ministerielle provisorische Gesetzgebungsbefugniß, welche auf eine so mystische Weise als Neugeburt in diese Kompilation alter Normen gekommen find, schwellen unter der Hand für uns zu der Bedeutung des famösen §. 103 der Preußischen Verfassung und des §. 184 der todtgebor- nm Erfurter Reichsverfassnng an.
Nachdeiu durch die^Berordnungen über die Polzei- Commissariate in den Städten Wiesbaden und Biebrich der Anfang zur Ausbeutung jener gemacht worden, wird ungeachtet der Zurechtweisung des Ministeriums durch den Strich der Kosten dieser Polizeistellen und dessen Mvtivirüng in der Sitzung der Kammer vom 20. März l. I., so ungestört in tiefem Gesetzgebungsmodus ftrtgefahren, als ob keine Repräsentativ - Verfassung in der Welt wäre. Auch die Rüge in Rro. 103 der „Freien Zeitung", bei Gelegenheit des sog. Gesetzes vom 18. April l. I., wodurch die Rechnungs- kammer restaurirt wurde, hat es nicht verhüten können, daß in Nro. 12 des Verordnungsblattes die in das Civil- und Strafrecht tief eingreifende „Gesetz" überschriebene Bestimmung über den an die Gemeindekaffell zu leistenden Ersatz der ausgezahlten Entschädigungen wegen Feldfreveln, wieder ohne einen Beschluß des Landtags verkündigt stürbe. Die eingeschobenen Worte „vorbehaltlich der Revision dieses Gesetzes auf dein nächsten Landtage" kosten keine Mühe, und, sowie man selbst in dieser Formel die sog. staatsrechtliche Zusam«