„Dreiheit und Hrc§t!u
Jè’ 1 ZA. Wiesbaden. DieuStaa, 11 Juni j^^
Du „ j r c i r ZeUung" erscheint, mit ‘tudnabme deS Moiila,,-, täglich in «nein Sogen. - Dee ?lbonnemeniSplti« betrügt v irrträjâ-rig hirr in Wiesbaden I ft 45 fr au«, wârtö durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. - .Inserate werden berettwillig ausgenommen und und bei der großen Lerdreitung der „Freien -iertuna" stets uon wirk. f4mcm Erfolge. — Die JnserationSgedühren betragen für die vierspaltige PetUzeile 3 Kreuzer.
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Die Erklärung der Lyuvde de«tsÄ)katholi- scher und freier protestantischer Gemeinden zu Leipzig und Köthen.
C Wiesbaden, im Juni. Der Volksschriststeller hat einen so ernsten und ^wahrhaft heiligen Bern', besonders in einer Zeit, wo die Voikepartci niederge- treten und jeder Maßregel der finstern Mächte der Reaktion preisgegeben ist, daß er, wenn diese Parthei sich Fehler zu Schulden kommen läßt, ernstlich mit seinem Gewissen zu Rathe gehen muß, ob er reden oder schweigen soll. So erging es uns, als wir die Erklärung „an das deutsche Volk" lasen, welche die 'u Leipzig und Köthen versammelten und an bei- ! den Orten ausgewiesenen Abgeordneten der deutschkatholischen und freien Protestantischen Gemeinden lasen. I Unsere Bedenken waren um so bedeutender, da es sich hier um die Bestrebungen von deutschen Brüdern Han- delt, welche wieder, wie vor der Märzrevolution, un- I ter dem Drucke der ungerechtfertigsten Anordnungen schmachten. Doch die vorliegende Erklärung, die sich au daS ganze „deutsche Volk" wendet, fordert selbst zur Kritik auf, indem sie ausdrücklich sagt: wir wünsche» und begehren scharfe Prüfung von euch" jj. — } Was uns betrifft, so haben wir diese „Prüfung" seit . Langem angestellt und die vorliegende Erklärung einer i großen Anzahl norddeutscher Gemeindevertreter hat. unsere längst gewonnene Ansicht nur bestätigt. So werde denn diese unsere Ansicht hiermit ausgesprochen.
Die auf telegraphischen Befehl der preußischen Regierung erfolgte Ausweisung dieser Versammlung der j freien Gemeinden ist eine That, die uns wenigstens mit einer solchen Indignation erfüllte, daß sie uns den ganzen Tag, &n welchem wir die Nachricht davon lasen, nicht aus dem Sinne fam. Man hätte bei einer solchen seit der Märzrevolution ganz neuen preußischen That, erwarten sollen, daß die von derselben betroffene Versammlung ein Wort der gerechten Entrüstung „an daS deutsche Volk" gerichtet hätte. Wir haben'statt dessen eine Erklärung erhalten, welche einer Enschuldigung ähnlicher sieht, als einer Anklage.
Dieselbe sagt nämlich: „man wird dies (die Sprengung der Versammlung) als thatsächliche Folge der in mehreren Regierungen ausgesprochene Ansicht betrachten müssen, daß die „freie Gemeinde" nur Deckmantel politischer Gemeinschaft sei." Klingt das nicht wie ein Zugeständnis daß die Regierungen in ihrem Rechte gewesen waren, wenn deren Unterstellung, daß die „freie Gemeinde" eine „politische Gemeinschaft" sei, gegründet wäre? Aber, sagt die Erklärung weiter und zwar mit gesperrter Schrift: „nicht politisch ist unser Streben, aber neu ist es, und insofern leicht falsch zu deuten." Also nur eine „falsche Deutung" von Seiten der Regierungen hat diese Ausweisung veranlaßt; die freien Gemeinden sind viel unschuldiger als die Regierungen glauben. Wenn deren „Streben"
Bilder ans dem ungarischen Kriege.
(Fortsetzung.)
Moga halte in dieser Affaire seine Truppen auf eine unverantwortliche Weise blosgeflellt und der Grünt steck der magyarischen Armee wäre verloren gewesen, wenn der Rückzug nicht zur rechten Zeit anbefohlen worden wäre. - /
Bei dieser Gelegenheit zeigte sich die große Begabtheit Kossuth's, der mit dem Scharfblicke begabter Na- tunn aus Tausenden denjenigen herausfand, der würdig war, die Armee fortan zu führen. Gorgey war es, der Kossuth auf die fehlerhafte Taktik Moga's zuerst aufmerksam machte, und daß Alles unrettbar verloren sei, wenn der Rückzug nicht auf's Schleunigste angetreten würde.
Kossuth, obwohl ohne strategische Kenntnisse erfaßte rasch die Richtigkeit von Görgey's Behauptung und dies, mal war es noch nicht zu spät.
Arthur von Görgey, im Jahre 1818 geboren, stammt von adeligen Eltern aus dem gipset Komitate. Bon seiner Mutter erhielt er die Erziehung eines Spartaners. Die Philosophie ihrer Zärtlichkeit bestand in der rück- sichtölosen Abhärtung des kleinen Arthur's. Sie verwendete viel Sorgfalt auf seinen Körper, damit dieser später dem Geiste keine Sorge mache.
wirklich „politisch" wäre, dann freilich hatten sie das Recht gehabt, so zu handeln, wie sic gehandelt haben!
Doch lassen wir bas! Viel wichtiger ist dieses Selbftbekenutniß an und für sich selbst. Wir haben hier eine strikte unzweideutige E klärung von namhaften Vertretern der deutschkatholischen und freien Gemeinden, daß ihr „Streben nicht politisch" sei. Man darf nämlich nicht meinen, politisch sei hier im Gegensatz zu social zu nehmen. Bewahre! Politisch ist hier im allgemeinsten. Sinne des Wortes, im Gegensatz zu „religiös" verstanden; das Politische schließt hier das Sociale mit ein, wie ja auch ohnehin an eine sociale Reform ohne eine vorhergehende politische nicht zu denken ist.
Also „unser Streben ist nicht politisch, sondern religiös!" Wir unsererseits haben dies längst gewußt. Denn es ist wahr, was hier gesagt wird, „diese Gc- meinten führen allenthalben ihr öffentliches Leben; ihre Schriften, ihre Tageblätter sind Jedermann zugänglich, auch ihre Concile und Tagsatzungen können nicht anders, als öffentlich sein; die schärfste Prüfung kann nur von religiöser Bestrebung bei ihnen Zeugniß geben!" Ganz richtig, leider ganz richtig! Man verstehe uns wohl, das Wort „religiös" ist unS kein Anstoß; aber eine Religion, welche sich in Gegensatz zu der Politik setzt, eine Religion, welche daS politische Gebiet auSschließt, ja fast perhorrcscirt, welche also damit dasselbe thut, was die Religion der StaatS- kirchen thut, — eine solche Religion ist nicht die Religion der Zeit! Religion ist dem Menschen nur das, was sein ganzes Wesen ergreift, nur daS, wofür er zu sterben vermag. Die Religion der Gegenwart ist diejenige „Bestrebung", welche seit zwei Jahren ihre Gräber, :hre Märtyrer und ihre Heiligen in Deutschland erhalten hat, — die Religion der Zeit ist die „Politik". Die Menschheit ist eS müde, sich über transscendente Glaubenssätze zu streiten, sie hat eS als ihre Aufgabe erkannt, die Ideen des Geistes im Leben, d. h. in den Staats- und Gesellfchaftscinrich« hingen zu verwirklichen. Dieses Streben ist der tiefste und innerste Trieb der Zeit, ist die Religion unseres Jahrhunderts. Wer die politischen Bestrebungen von sich weist, der geht nicht mehr mit der Zeit, der verläßt die Heerstraße, auf welcher die große Armee des Fortschritts marschirt, der schlägt Seitenwege ein und steht in Gefahr, in die Irre zu gerathen.
Es scheint, daß die norddeutschen freien Gemeinden selbst ein Gefühl von dieser ihrer Stellung zu den Zeitbestrebungen haben. Denn die in Rede stehende Erklärung sagt selbst: „wir bitten euch, deutsche Brüder, euren Blick auf unsere Gemeinden zu richten und zu prüfen, ob ihr nicht hier auch eine Lebensaufgabe findet." Wie bescheiden! Der Naturforscher Lyonnet brachte sein Leben damit hin, die Weidenraupe, an welcher er 4041 Muskeln entdeckte, anatomisch zu untersuchen, das war, wer wird es bestreiten, „auch eine Lebensaufgabe." Aber die freien Gemeinden kön
Das Gymnasium absolvirte er in Ungarn, kam dann nach Tulin in Oestreich , und verließ diese militärische Erziehungsanstalt, nach der Ansicht des Direktors, mit dem Genie und den Fähigkeiten eines vielversprechenden Jünglings. Er trat in. die adeligen ungarische Leibgarde. Zu solcher Stelle gehörte, eben nichts als ein gewisses Älter, Protektion, der Adel und eine gewisse Körperlängt. Die jungen Gardisten wurden vom ungarischen Lande cquipirt, logirt und bezahlt. Außer daß sie bei Parabcu figuriren und einige Vorlesungen anhören mußten, hatten sie nichts zn th 'tt, als müßig zu gehen. Görgey studirte trat später in die Armee als Oberlieutenant (bei Pala- tinalhnsare»), fand aber auch hier kein Feld für seine Thätigkeit. Wieder einsame Studien, wieder jene geistige innere Unruhe — die erste Offenbarung des Ehrgeizes, der keinen Raum zur Selbstentfaltung findet.
Zurückgefetzt, übergangen durch junge Söhne adelicher reicher Häuser, sagte er, mit dem Schicksale und Oesterreich zerfallen, dem Soldatenstande Lebewohl und stürzte sich mit jugendlichem Eifer in die verschlungenen Bahnen der Wissenschaft. Sie sollte ihn aus der Gewöhnlichkeit hinausschnellen, darum wandte er sich der praktischen Sphäre der Naturwissenschaften zu.
Aber der erfinderische Gedanke hält nicht immer Schritt mit dem Genie. Die Wissenschaft fordert von ihren Jüngern Jahre der frömmsten Entsagung, bevor sie ihnen eines ihrer großen Probleme zur Lösung anvertraut. Dem Stürmenden erschließen sich ihre Räthsel
nen, ihrem g inzen seitherigen Auftreten nach, sich nicht damit begnügen, „auch eine Lebensaufgabe" zu haben, sondern sie müssen den Anspruch machen, die Lebens- aufgabe, die absolute Lebensaufgabe unserer Zeit, die Lebensaufgabe, welche die Lebensfrage ist, bei welcher eS sich um Sem oder Nichtsein handelt, zu der ihrigen gemacht zu haben. Es scheint aber, die Ereignisse seit zwei Jahren haben dieselben sehr herab, gestimmt; denn die Erklärung gesteht selbst ein: „die neue politische Bewegung der Völker schien die religiöse zu lähmen." Das „scheint" nicht blos so, sondern es . ist augenscheinlich, und grade das ist der Erfahrungsbeweis , daß die Lebensaufgabe unserer Zeit auf dem politischen Gebiete zu suchen ist.
Ein bedeutendes Resultat der Leipzig-Köthener Versa,mnlung war es übrigens, daß die dentschkatho. lischen und freiprotestantischen Gemeinden sich zu Einer „Religionsgesellschaft freier Gemeinden" vereinigt haben. Das hätte schon längst geschehen sollen! -
Der Welthandel.
Im Laufe der Jahrhunderte haben die Völker oft gewechselt, welche den Welthandel beherrschten. Pyo- nizien, Karthago, Venedig, Genua und die Hanse, Spanien und Portugal, die Niederlande und jetzt England, ergriffen eins nach dem andern den meeresbe- herrschcndeu Dreizack und wurden im Besitz desselben reich und mächtig. Gegenwärtig scheint abermals der Zeitpunkt gekommen zu sein, wo dies Scepter in andere Hände übergeht uuö einer Periode der Abmattung und Ruhe eine große Umwälzung folgen wird.
Die „Times", welche in einer ihrer letzten Nummern über diesen Gegenstand Betrachtungen anstellt, hält^ und gewiß mit Recht, die seit einigen Jahren in Masse begonnene Völkerwanderung nach dem Westen, das plötzliche Auftauchen Californiens aus der Nacht das Bestreben, das Stille Meer nach allen Richtungen zu durchkreuzen, für die drei Hauptvorboten deS Eintretens einer großen Umwälzung.
„Wenn von der neuen Welt gesprochen wird/ sagt dies Blatt unter Anderem, „vergißt man gewöhnlich, daß sich noch eine neue Welt unseren Betrachtungen aufdrängen muß. Das Stille Meer ist voll herrlicher Inseln, die größtenteils von kräftigen, gastfreien Volksstämmen bewohnt werden. Weiter westwärts liegen die großen aber ungastlich sich abschließenden Reiche von China und Japan, der indische Archipel und die britischen Colonien von Australien und Neuseeland. Bis jetzt haben die weite Entfernung und andere Hindernisse die Europäer abgehalten, an beide» Seiten des Stillen Meeres daS ihnen zukommende Uebergcwicht zu erlangen, und doch kann es kein größeres, kein diesem Jahrhundert würdigeres Werk geben. Der atlantische Ocean ist jetzt für Europa, waS das Mittelmeer für die Alten war, und eS bleibt nun
nur selten. Görgky fand auch hier die schnelle Befrie. digung seines Ehrgeizes, die er gehofft hatte, nicht. Da kam die Revolution in Ungarn. ES war nicht schwer den Krieg vorauSzuschen. Als Ungar durfte er sich um eine Stelle bewerben, als Soldat durfte er auf eine bedeutende hoffen. Er meldete sich--
Außer der Erstürmung des Dorfes Mannswerth, wo der vortreffliche Guyon sich seine ersten Lorbeeren holte, war bei der Schwechater Schlacht keine Waffenchat von Bedeutung vorgefallen. Der Rückzug der Garden Land- stürmler war eine heillose Flucht; die? ganze Straße bis Preßburg war mit Schuhen bedeckt, welche die Fliehen- den von sich geworfen hatten; hintendrein marschirten die regulären Truppen in bester Ordnung und verwünschten die Seiglxit ihrer Landöleute, ,die nicht werth feien, daß sie der ungarische Boden trage".
Moga wurde durch Kossuth, der im Namen des Lai», desvertheidigungsausschusses handelte, vom Oberkommando entfernt und Görgey mit der Feldhcrrnwürde begleidet. Die Nation — so schrieb Kossuth an's Reprâscntante»»- Haus — hat mich gewürdigt mit der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten ihr Vertrauen zu schenken. Möge sie auch dem Manne vertrauen, dem ich aus vollem Herzen vertraue, und den ich für würdig erachtet habe, unsere Armee zu befehligen/
Von der Schwechater Schlacht an behielt Görgey das Oberkominando. Der alte Moga stellte sich frei, willig dem österreichischen Kriegsgerichte und wurde nach