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^ ZI Wiesbaden. Mittwoch 3. Juni IS5O.

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Tie^r nt Zeit ung" erscheint, mit .'tuSnahme des MontagS, täglich in einem Bogen. Ler Avoniienienispreis betragt »ierttli4»rig biet in WieSdaven I fi. 4J tr^ au*- wärt* durch die Post bezogen mit ver-ättnißmäßigem Aufschläge. - Znserute werden bereitwillig ausgenommen uno nn» bei der großen Berbreitung derFreien Zeitung" ketS »on wirf« farnem Erfolge. Die Jnserationogebü-ren betragen für die vierspaltige Petit,eile 3 Kreuzer.

Wir wollen nur Unpartheilichkeit.

Wv Vom TauunS. Die zwei größten Despoten der Welt sind das AUetnrechtpaben und AUeinseellg- mache«. Weltlicher Absolutismus, Priestervespottomus und priesterliche Alleingewalt haben Europa fast Jahr- taufende in Dummheit und Elend versenkt gehalten. Auch noch heutzutage ist der weltliche und geistliche Adolutismus in Deutschland nicht gebrochen, beide er­heben ihr Haupt wiederum sehr kühn, wohl kühner, wie in der vormärzlichen Zeit, eifrigst darauf hmsteu- ernd, jede Selbstständigkeit, jede Freiheit in polnischen und kirchlichen Verhältnissen zu vernichten!

Die Maßregeln, welche der weltliche und geistliche Absolutismus, die Reaktion und das Pfaffentum in ganz Europa offen oder versteckt zur Erreichung ihres Zieles ergreifen, sind bekannt.

Warum hebt man in Oestreich gegenüber der ka­tholischen Kirche, faktisch letztre immer noch als Staats­kirche betrachtend, das Placet regium auf? lediglich zur einseitigen Verstärkung der Macht des betreffenden Elerus mit Lenachtheiligung der übrigen GlaubenS- bckcnntniffe! Wir haben weiter als einen traurigen Beleg für die Richtigkeit unserer voran,geschickten Be- Hauplung die polizeilichen Verfolgungen der frelchrift- lichen und deutschkatholischen Gemeinden, die verschie­denartigsten Plackereien derselben z. B. in Preußen, Sachsen und Baiern, die willkürlichsten Ausweisungen und Maßregelungen der Prediger solcher Gemeinden in Staaten der sogenannten deutschen Union und Nicht- union, kurz die verschiedenartigsten Beispiele von In- toleranz u. drgl. aufzuführen. Wir müssen auch aus Nassau tadelnd erwähnen, daß man durch den Kreiö- beamten in Limburg einen Prediger. der freien Ge­meinde, Rieger, hat ausweisen lassen, obgleich das schnurstracks den bekanntlich in Nassau geltenden Gruud- rechten Art. 1. 8 133 Art. V. §. 147 (Reichöverfas- sung) und Tit. 11. 8.28 der Kreisverwaltungsordnung entgegen ist; wir müssen unter anderm als direkten Gegenbeweis einer humanen und toleranten Gesinnung die Thatsache, die sich in Idstein zugetragen hat, an­führen, wornach die betreffenden Mitglieder des Kir- chenvorstands der dasigen beutschkatholischen Gemeinde die eingeräumte Mitbenutzung der evangelischen Kirche wieder entzogen.

Stellt man der Austvelsung des Predigers Rieger den Umstand gegenüber, daß man die Liguorianer in Limburg ungehindert hat predigen lassen, ohne ihnen Schwierigkeit in den Weg zu legen, oder sie gar auszuweisen, so vermißt man in beiden Fällen Consequenz. Wir sind weit entfernt, eine Aus­weisung der Liguorianer, Einschreiten gegen Jesuiten u. drgl. zu verlangen; die mögen ihr Wesen treiben, man mag laufen und wallfahrten zum Trierischen Rock, noch Waldürn, nach Kevelar und wohin man will, man mag Prozessionen machen, wohin man will. Das

verlangen wir aber und das in vollem Einklang mit dem Gesetz, daß man auch die freien christlichen und deutschkatholischen Gemeinden ?c. ebensogut wie die Herren Jesuiten rc. ruhig und unbehindert ihren Weg gehen laßt, und daß man gerecht und unparteiisch auch gegen andere Prediger und anders Lehrende ist und letztere ebensogut wie die Liguorianer auftreten laßt. Seinen» falls befördern ungerechtfertigte Maßregeln der ange­gebenen Art die Religiosität, viel eher bringen sie Er­bitterung unter allen ehrlich und vernünftig Denkenden hervor.

Merkt euch das, ihr politischen und religiösen Dun­kelmänner: Der Mensch soll zu einem vernünftigen, reifen und freien Menschen gebildet, aber nicht blrud und dumm gemacht werden.

O nur die Welt nicht blind gemacht!" sagtPrutz in seinem Moritz von Sachsen.

Darum, wie die größte politische Freiheit, so auch vollständige Freiheit in allem, was über das Sinnen- weltliche hinausgeht; jeder sage frei und ohne Furcht, was er glaubt; keiner erfreue sich blos der Duldung, sondern jeder des anerkannten Rechts, zu denken, zu sagen und zu bekennen, wie und was sein Wesen mit sich bringt. Das Jahr 1848, in welchem volle Religions­freiheit, also nicht blos des Denkens und Glaubens, sondern auch des Aussprechens dem Volke zugesichert wurde, läßt sich nicht aus dem Gedächtniß des Volkes vernichten. Das merkt euch, ihr Jesuiten, Dunkel­männer, Ketzerrichter und Mucker! Das Volk in sei­nem Kern weiß, was es von euch zu halten hat! Ehre dagegen jedem humanen und toleranten Geistlichen!

Der Pauperismus und der freie Haudel.

Die englische Regierung hat in Folge der Klagen der SchutzzoUner, daß durch die Ävop/irung des Frei- Handelssysiems die Verarmung des Landes furchtbare Fortschritte mache, nach amtlichen Ermittelungen die Zahl der Armen zusammenstellen lassen, welche im Mo­nat Februar der Jahre 1847, 1848, 1849 und 1850 in England und Wales aus öffentlichen Mitteln Un­terstützung empfingen.

Dieselbe betrug

1847 . . . 908,000 1849 . . . 943,000 1848 . . . 993,000 1850 . . . 890,000 also augenblicklich 103,000 weniger als vor 2 Jahren. Hierzu kommt, daß im Jahre 1848 147,000 Personen beim Eisenbahnbau beschäftigt waren, gegenwärtig nur 45,000 oder 102,000 weniger. Im Ganzen sind also abgesehen von dec seit jenem Zeitpunkt stattgehad» len Vermehrung der Bevölkerung, die unter dem alten System den Armenhäusern eine Vermehrung ihrer un­glücklichen Bewohnerschaft lieferte 205,000 Per­sonen mehr befähigt, ihren Unterhalt zu erwerben, an­statt ihren Mitbürgern zur Last zu fallen, und sie sind das durch die Erlaubniß, ihre Bedürfnisse dort einzu­

kaufen, wo dieselben am billigsten zu erhalten sind, und ihre Arbeit da zu verwerthen, wo sie am höchsten bezahlt wird. Die sonst gedarbt haben, können sich jetzt sättigen; 1,269,000 Qrs. Getreide sind in den letzten 6 Monaten mehr eonsumirt als in derselben Periode des vorigen Jahres. Und Angesichts solcher Thatsachen wagen die Schutzzöllner denen mit dem Monopol die Möglichkeit entrissen ist, sich ohne An­strengung auf Kosten der Gesamintheit zu bereichern zu behaupten, das Volk gehe, wenn das alte Schutz­system nicht schleunigst wieder eingeführt werde, mit schnellen Schritten dem Untergang entgegen. (O.-Z.)

Deutschland.

-f- Wiesbaden, 1. Juni 1850. Zur zweiten Ausstellung Nassauischer Gewerbe-Erzeugnisse, welche in den schon im Jahr 1846 zu diesem Zwecke benutzten Räumen des hiesigen Theaters veranstaltet und dem Publikum im Anfänge des Monats Juli d. I. geöffnet wird, sind bereits sehr zahlreiche Anmeldungen einge­laufen, wie es bei dein lebendigen Interesse, welches die neu entstandenen Localgewerbvereine für die Sache gezeigt haben, nicht anders zu erwarten war. Unter den vielen ausgezeichneten Gegenständen, welche die diesjährige Ausstellung bilden werden, sind besonders die Prooucte der Hüttenwerke und Gießereien, dec Tuch- und Lederfabriken, verschiedene Maichinen neuer Eonstruction und Erfindung, das rohe Product und die Gewebe der hiesigen Filanda neben einer großen Zahl von Arbeiten inländischer Handwerker namhaft zu machen, welche sich durch Solidität, Geschmack und reiche Ausstattung auszeichuen.

Die sämmtlichen Rheindampfschifffahrtsgesellschaften und der Verwaltungsrach dec Taunusbahn haben sich mit gewohnter Liberalität zuin freien Transport der einzyfendenven Gegenstände verstanden.

Das zur ersten Ausstellung angeschaffte Mobiliar ist noch vorhanden, wodurch der Commission eine nam­hafte Kostenersparniß ermöglicht wird.

Da die diesjährige Ausstellung mit dem Höhepunkt der in diesem Jahre aller Wahricheinlichkeit nach wie­der sehr befriedigenden Badesaison zufammentrifft, uuv von nicht wenigen Fremden besucht werden dürfte, welche durch die Feste auf dem Neroberg und die Ent­hüllungsfeier der Marmorgruppe auf dem Kochbrun­nenplatze hierher gezogen werden, so werden die Zweck- der ElnsteUer, Empfehlung und Absatz ihrer Erzcug-- ntye, gewiß in erwünschtem Maaße erreicht werden.

Die AuSsteUungs - Commission hat es sich überdies zur besonderen Ausgabe gestellt, möglichst viele ausge­stellte Gegenstände zu der im September d. I. vorzu- nehmenden Verloosung anzukaufe», und damit den zum Theil nicht unbegründeten Tadel zu vermeiden, welcher über die mit der ersten Gewerbeausstellung, verbunden gewesene Verloosung vielfältig ausgesprochen wurde.

Rückblicke und Erlebnisse von Franz Raveaur.

(AuS herDeutschen Monatschrift" von Kolatschek.)

Die Rheinische Deputation in den Tagen des 17., 18. und 19. März 1848 in Berlin.

(Fortsetzung und Schluß.)

In Hannover stießen unsere Tags vorher abgereisten Kollegen zu uns; wir beeilten uns, ihnen das Resultat des Kampfes in kurzen Worten mitzutheilen. Ueberall, wo wir hinkamen, verbreiteten unsere Nachrichten Freude urd Jubel, aber ebenso überrascht wurden wir durch die Neuigkeiten, welche uns in den Städten und Län­dern mitgetheilt wurden, die wir passirten. Als wir gegen Münden wieder auf preußischem Boden angckom- men waren, mußte d'Ester häufig aus dem Wagen he­raus Reden an die Versammelten halten, in welchen er das Geschichtliche der letzten Tage mittheilte, weil es nicht möglich war, alle einzelnen Fragen zu beantwor­ten. Diese Reden wurden häufig mit donnerndem Bei­fall unterbrochen und steigerten den Enthusiasmus der Umstehenden. Wir nahmen alle möglichen Ausbrüche der Freude wahr. Da man der rheinischen Deputation einen Theil des glücklichen Erfolges in Betreff der Zu­geständnisse des Königs zuschrieb, so [war unsere Rück­fahrt nach Köln ein wahrer Triumphzug geworden und

dem Hoch für die Freiheit schloß sich gewöhnlich ein Lebehoch auf die Deputation an. In Düsselvorf hatten am Abend unserer Ankunft bei einer Belcuchilmg De­monstrationen gegen diejenigen stattgefunden, welche zu beleuchten vergaßen. Noch ehe wir nach Köln kamen, wurde uns erzählt, daß ein ungeheurer Zug von Bür­gern sich an jenem Tage des 20. auf einem öffentlichen Platze versammelt hätten und von dort aus nach dem Dom gezogen seien, um die Spitze desselben mit einer deutschen Fahne zu zieren. Die Mitglieder der rheini­schen Deputation, Broix und Häuser, welche am Abend des 18. März Berlin verlassen halten und am 19. in Köln angekommen waren, halten dem Volke gesagt: der König sei auf alle unsere Forderungen eingegangen, den Barrikadenkampf hatten sie aber auffallender Weise ver­schwiegen. Die Kölner Bürger waren entzückt über diese Neuigkeiten, die sich in weniger als einer halben Stunde durch ganz Köln verbreitet hatten, und schickten sich an, noch in derselben Nacht Freudendemonstrationen zu ver­anstalten. ' Bald sollten jedoch die Ausbrücke der Freude gedämpft werden; denn Broix hatte seinem Versprechen gemäß den Brief, welchen ich ihm mitgegeben, meinen Freunden in der Restauration Romberg überbracht.

Man kann sich denken, welche Sensation in der freu­dig bewegten Gesellschaft das laute Ablesen meines Brie­fes, der von Verwundeten, Todten, Gewehrsalven, Kano­nenschüssen, Feuerlärm und dem wahrscheinlichen Siege des Volkes sprach, hervorbringen mußte. Keiner wollte

seinen Ohren trauen; jeder wollte selbst sehen, ob e« meine Handschrift sei, und als sie am Ende alle darüber «mverstanden waren, daß der Brief wirklich von mir sei, beschlossen sie alsbald, Einer solle diesen Brief vorlesen, jeder Anwesende ihn nicderschreiben und dann sogleich in alle öffentlichen Lokale der Stadt eilen, um die Anwesen­den ebenfalls mit dem Inhalte bekannt zu machen. Hatten die Neuigkeiten von Broix und Häuser schnell die Runde in der Stadt gemacht, so ging das Bekanntwerden dieses Briefes noch weit rascher von Stätten. In den Restau­rationen uud sonstigen Versammlungslokalen ging es die ganze Nacht lebendig her, Alles war gespannt auf den andern Morgen nnd die Hoffnung auf den Sieg des Volkes er­hielt noch dadurch eine Bestärkung, daß keine tele­graphische Depesche bekannt gemacht wurde; allein schon während des Tags war, man weiß nicht, auf ivelche Weise, der Ausgang des Kampfes bekannt geworden und die deutsche Fahne auf dem Dom aufgepflanzt wor­den. Unsere Ankunft bestätigte den Sieg des Volkes, und so dachte man nur daran, die Folgen dieses Sieges so rasch wie möglich zu verwirklichen. Die Bürgerschaft trat sogleich zusammen, um eine Bürgerwehr zu bilden. Es wurden sofort Kompagnien und Bataillone formirt, allein es gebrach an Waffen. ES war uns bekannt, daß im Zeughause Ueberfluß von Gewehren vorhanden sei. Herr v- Wittgenstein, der zum ersten Komman- danten der Bürgerwehr ernannt war, verfügte sich mit mir, der ich die Stelle des zweiten Kommandanten be-