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dadurch nur dem großen Unwillen der Nassauischen Aerzte Worte liehen, welche allgemein unter ihnen über das ordnungswidrige Entsagen auf Avanciern herrscht, wie wir es in der letzten Zeit so häufig zu beobachten Gelegenheit hatten.

Von der USbach. Bei der nun bereits über ein Jahr Angeführten neuen Gemeindeordnung, sehen wir die Gemeinde - Verwaltung, durch die zum großen Theil neu eingesetzten Gemeinde-Beamten, welche dem Geiste der Neuzeit huldigen und mit regem Fleiße selbst forschen und prüfen, sehr viele gemeinnützige Ein­richtungen schaffen. Das Jahr 1848, welches soviel Licht verbreitete, sendete auch in diese Regionen seine Hellen Strahlen, erleuchtete manchen dunkeln Kopf und erweckte bei manchem Landbewohner Sinn für Gemein­wohl. Eine Art Familienherrschaft, welche sich im Laufe der Zeit in manchen Gemeinden gebildet, so wie Gevatterschaften, Kaffee- und Tabaksgcsellschaften die manchen Schultheißen umgaben, und die Gemeinden nach ihren Ansichten und ihrem Vortheil leiteten, wur­den vielfach aufgehoben. Die Neuwahlen entfernten manchen eigensinnigen, trägen, egoistischen Schultheisen mit seinen Collegen; dadurch wurde das alte System, jedoch nicht ganz nur theilweise , beseitigt. Es gibt leider noch immer alte und wieder neue Bürgermeister, welche diesem System nachhängen. So finden sich Ge­meinden, gewöhnlich kleinere, wo die Gemeinderaths- Sitzungen, gegen das Gesetz: äußerst selten, unregel­mäßig und geheim bei des Bürgermeisters Ofen abge­halten werden; wo Gemeinverâthe und Bürgermeister als Minorität auf alle mögliche Weise, theils durch List, theils gar durch Grobheit ihren Willen dnrchzu- setzen suchen. Eine solche Verwaltung kann wohl die alten Mängel und Schäden nicht heilen; O e ffe n t I i ch- keit nur allein. Freie, öffentliche Berathungen, wo jeder Gemeindebürgev beiwohnen kann, wo jeder sieht und hört wie die Gemeindeverhältniffe beschaffen sind: nur so kann allgemeine Theilnahme befördert und der Souderinteressen Verfolgung beseitigt werden. Wir wollen Hofen, daß alle Bürger besonders die besser ge­sinnten Gemeinderäthe in solchen Gemeinden, wo das oben bezeichnete Verfahren stattfindet, fest und entschie­den entgegenzuwirken suchen.

Die geheime Krämerei der Gemeinderäthe kann un­möglich ersprießlich einwirken, denn diese erzeugt nur zu leicht Mißtrauen, stumpft die übrigen Bürger zur Theilnahme an jeder gemeinnützigen Unternehmung ab, lähmt alle materielle Kraft; und steuert auf die alten Zustände los.

Frankfurt, 2. Juni. (Die preußi sch en Heer- rüstungen.) Je umfangreicher die Rüstungen Preu­ßens hervortreten, desto lauter stößt die Bornssenpresse, voran die Kölnerin, in die Lobposaune darüber, daß Preußen doch nun endlich Kraft und Muth zu zeigen anfange. Denn die armen Narren bilden ft di wirklich noch im Ernste ein, daß Preußen mit Oesterreich um des Schattendings derUnion" willen Streit beginnen werde, während es doch so eben Arm in Arm mit seinem Bruder im Absolutismus das Jahrhundert, die neu heraufziehende Zeit der Freiheit und Volksherr­lichkeit in dem beabsichtigten Kreuzzug gegen das re­publikanische Frankreich in die Schranken zu fordern sich anschickt. Um dieses Märchen von einem ernst­lichen Zerwürfniß zwischen Preußen und Oesterreich etwas glaubhaft zu machen, erfinden die Berliner- Mitarbeiter des Dumont- Brüggemannischen Blatts in Köln allerlei wundersame Historien. So erzählt einer derselben, der Anlaß zu diesen plötzlichen Rüstungen Preußens soll in Nachrichten aus Wien und Frank­furt, undin einem quasi-offiziellen Toaste gefunden werden, in welchem der österreichische General Heß seine Offiziere mit ihm auf die baldige Wiedererobe­rung Schlesiens zu trinken aufgefordert habe." Was ein solcher Dickschädel eines rheinischen Philisters mit der Schlafhaube auf dem Ohre nicht alles glauben soll und muß!

Weil von den mobil gemachten Armeekorps nur die Garden 28,000 M. mit 96 Kanonen am Nieder­rhein ausgestellt werden , dagegen die andern drei, et­wa 100 120000 M. ihre Stellungen in Schlesien und Sachsen einzunehmen bestimmt sind, so hält sich jener politische Blödsinn daraus zu folgern berechtigt, daß diese kriegerische Manifestation nur auf Oesterreich gemünzt sei; während diese Aufstellungen doch nur in Verbindung mit den österreichischen Armeen in Böhmen und Voralberg bestimmt scheinen, das Mitteltreffen in dem großen Schlachtplan gegen die Franzosen zu bil­den. In diesem Lichte ist auch die Armirung der Fe­stungen in der Provinz Sachsen und Schlesien zu be­trachten, welche für alle Eventualitäten, die Stützpunkte der Heerbrwtgungcn bilden sollen. Denn welch' san­guinische Hoffnungen die kontrerevolntionäre Koalition der neuen heiligen Allianz hinsichtlich eines schnellen Einzugs in Paris auch hegen mag, so ist sie doch si­cherlich vorsichtig genug, auch den möglichen Wechsel- fall in Berathung zu ziehen und im Voraus ihre Vor­kehrungen dafür zu treffen, was sie unserer Ansicht nach diesmal weit nöthiger haben dürfte, als bei ir­gend einer frühern Gelegenheit. Die Rheiulinie selbst ist aber seit Jahr und Tag von Basel bis Wesel der­gestalt besetzt und durch fortdauernde Zuzüge in den letzten Monaten verstärkt worden, die Festungen Mainz, Koblenz, Köln rc. sind längst in einer Weise in Ver- theidigungszustaud gesetzt worden, daß dort vorerst weitere Maßregeln, die endlich doch den über die Ge­fahr einer neuen Invasion völlig blindgewordenen Franzosen noch frühzeitig den Staar stechen könnten, bis dahin »nöthig werden, wo von Warschau aus der Befehl eintrifft, daS ganze Spiel zu demaskircn und offensiv gegen Frankreich zu verfahren. (NDZ.)

Zweibrücken, 27. Mai. (Die Bekämp fer der Anarchie.") Am vergangenen Sonntag sollte auf dem Tivoli ein Bürgerball stattfinden. Da aber die Veranstalter dieser Belustigung das Militär nicht ein­geladen , fand sich dasselbe in großer Anzahl im Ball­lokale ein, trieb die Gäste mit gezogenen Säbeln aus­einander, zertrümmerten Alles: Gläser, Leuchter, Fen­ster; die Fäßchen wurden zum zweiten Stocke Hiuaus- geworfen, nachdem ihnen mehrere Bürger auf diesem Wege voran gestürzt waren. Die Versuche eines zu­fällig anwesenden ObristlieutcuantS, die Ruhe herzu­stellen, waren vergebens, und eS mußte derselbe un­verrichteter Sache zurücktreten. Auf beiden Seiten sielen bedeutende Verwundungen vor. Die ganze Operation war eine planmäßige; denn schon am Mittag wußte man in der ganzen Stadt, was sich am Abend zu- tragen werde..

Die Zahl der in den Tanzsaal cingedrungenen Chc- vanrlcgcrs mochte nahe an Hundert gewesen seyn. Sie zertrümmerten Alles im Hause, so daß die Wirthsleute den andern Tag nicht so viel ganzes Geschirr hatten, um Kaffee zu kochen. Der Schaden soll sich auf tau­send Gulden belaufen. Die sich in der Küche befun­denen Braten, Schinken, Spanferkel rc. wurden von den Helden auf die Säbel gesteckt und trinmphirend davon getragen. Viele anwesende Notabilitäten, wo­runter einige Advokaten, die Staatsprokuratoren Hil­gard und Schmiot, Bürgermeister Stengel, Richter- Bühler rc. waren, flüchteten in ein Zimmer, worin sie sich förmlich mit Tischen und Bänken verbarrika- dirten und gegen die eiudringeudcn Pflastersteine Stühle über die Köpfe hielten. Einige der Herren sind durch Steinwürfe verwundet worden. Notar Schüler und einige Andere sprangen durch die Fenster auf die Straße und entkamen so der Gefahr, niedergehaueu zu werden. In das Zimmer, wo die Wirthin im Wochenbette liegt, wurde mit Kegelkugeln geworfen. Es ist bereits eine Untersuchung eingöleitet, deren Resultat man mit Spannung entgegeufieht.

Berlin, 31. Mai. Der Ober-Bürgermeister Zieg­ler aus Brandenburg wird jetzt steckbrieflich, wegen der gegen ihn schwebenden Anklage, verfolgt.

Berlin, 31. Mai. In Königsberg fand eine ge­richtliche Haussuchung in den Wohnungen des Redak­teurs und Verlegers der Hartung'schen Zeitung nach dem Manuskript eines Leitartikels statt, das der Re­dakteur auszu likfern verweigert hatte, bis ihm der Ge­genstand der Anklage angegeben würde. (N-Z.)

Berlin, 31. Mai. Ueber die Rüstungen Preußens ; vernehmen wir specieller, daß Ordres ergangen sind I zur Armirung und Proviantirung auf ein Jahr von ! Erfurt, Magdeburg, Wittenberg und der schlesischen Festungen, nicht der rheinischen. Im Ganzen sollen in Schlesien und Sachsen circa 100 bis 120,000 Mann in zwei Corps ausgestellt werden mit einem Park von einigen 30 Batterien. Die Gardeartillerie wird theil­weise schon in den nächsten Tagen nach Sachsen gehen.

Berlin, 31. Mai. Gestern fand ein Minister­rath statt, in welchem die wesentlichsten Beschlußnah- meu über die in Bezug auf die Presse zu ergreifenden Maßregeln gefaßt worden.

Posen, 29. Mai. Die zehnte Division, und die dritte Abtheilung des 5ten Artillerie-Regiments werden sofort mobil gemacht und sollen so lautet die vor­läufige Bestimmung an die österreichische Grenze in Schlesien rücken. Zugleich deutet man an, daß die ganze Armee werde mobil gemacht werden, und nur des bedeutenden Pferde-Ankaufes wegen die Ordres nach und nach au die folgenden Corps gelangen wür­den. Uebcreinstimmend hiermit lauten die Nachrichten auS dem Känigrciche Polen, daß die russischen Trup­pen sich auch in den südlichen Gouvernements, wie früher von Warschau und Lowecz gemeldet wurde, con- centrirt haben, und daß man in kürzester Zeit den Befehl zur Ueberschreitung der Grenze erwarte. Auf der gestrigen Parade wurde den Truppen der Befehl ertheilt, sofort die deutsche Cocarde von den Mützen zu nehmen. (K. Z)

Koblenz, 31. Mai. (F. I.) Die Kasernen wer­den für die Reservemannschaften in Bereitschaft gehalten, eine Einberufung derselben hat aber bis jetzt noch nicht stattgefunveu, ebensowenig ist bis heute von einer Armirung der Festung die Rede.

Kiel, 29. Mai. Im Schoße unserer Regierung ist eine wie wir hoffen, folgenreiche Veränderung ein» getreten: Hr. v. Harbou, DepartemeutSchesdes Aus­wärtigen und Hauptvertreter jener unheilvollen Poli­tik der Rücksichten, welche die Herzogthümer immer tiefer in die Fesseln einer übelwollenden oder wenig­stens sehr zweideutigen Diplomatie hat verstricken las­sen, hat seine Entlassung erhalten und ist gestern Abend sofort nach Schleswig zu seiner Familie abgereist. Diese Entlassung scheint darauf hinzudeuten, daß in der Regierung die Partei eines entschiedeneren, selbst­ständigeren Auftretens, welche bisher immer noch in der Minorität geblieben war, nunmehr endlich das Uebergewicht erlangt hat, hoffen wir, daß es noch nicht zu spät sei. Der Departementschef für die Finanzen, Hr. v. Francke ist interimistisch mit der Lei­tung deö auswärtigen Departements beauftragt.

(Nrd. f. Pr.)

Neisse, 28. Mai. Aus zuverlässiger Quelle kann ich mittheilen, daß heute der Befehl zur Armirung der hiesigen Festung eingetroffen ist und ungesäumt mit der Ausführung der dazu nothwendigen Maßregeln - vorgeschritten wird. Gleichzeitig hat die Abtheilung des 6. Artillerieregiments, plötzlich Kontreordre erhal- j teil, und wird diese Uebung hier stattfinden. Es dürfte i wohl demnächst die Mobilmachung des 6. Armeekorps I erfolgen. lSchles. Ztg.

Auch aus Glatz wird unterm 28. Mai gemel- ; det, daß daselbst der Befehl eingetroffen ist, die'ganze ; Festung schleunigst zu armiren.

Breslau, 30. Mai. (N. O. Z.) Die von der i Stadt Breslau an den König abgegangene Deputation i ist zurückgekehrt und ein Mitglied derselben berichtet uns, daß sie zwar nicht vom Könige, aber vom Mf-

Sciten der Bürger beinahe ohne Waffen und Munition angefangen wurde; 2) daß das Militär nur einige we­nige Positionen genommen halte und der größere Theil desselben durch Ermüdung und Mangel an Lebensmitteln ") wenig geeignet war, den Kampf von Neuem aufzuneh­men; 3) daß hingegen durch beständiges Kugelgießen hinter len Barrikaden und durch Erstürmung mehrerer Waffcndcpots , so wie durch das Resultat, zwölf Stun­den lang den Kampf gegen die ganze Garnison bestan­den zu haben, der Muth und die Zuvei sicht der Barri­kadenkämpfer gestählt worden, und daß endlich 4) auch die Barrikaden, welche Schaden gelitten, theilweise aus- gebessert, thcilweise uneinnehmbar gemacht worden wa­ren. Man muß die Soldaten in diesem Zustande gänz­licher Erschlaffung und Niedergeschlagenheit gesehen ha­ben, um sich ein Urtheil hierüber bilden zu können.

Die Unerfahrenheit der Kommandirenden hat sich nie in größerem Maßstabe gezeigt, als während dieses Kampfes. An Erfrischungen für die Mannschaften hatte Niemand gedacht, sie hatten weder Brod noch Wasser und nur diejenigen, welche zufällig in der Nähe des Schlosses sich befanden, oder auf Straßen in der Nähe von Brunnen machten hievon eine Ausnahme. Ebenso erging es den Pferden. Ich sah Garde-Dragvner-Osfiziere, welche unter den Linden sich an Gasthöfen gütlich thaten, während

*) Die wenigen Wagen Brod, welche man ihnen jULsschlckt hatt«, waren in die Hände des Volkes gefallen.' -

ihre Soldaten, die dort unbeschäftigt ausgestellt waren, die ganze Nacht nicht vom Pferde absiyen durften, wo­durch Roß und Reiter unnützer Weise ermüdet und ich möchte sagen, kampfunfähig gemacht wurden. Wahrend des Kampfes noch wurden dreifarbige deutsche Fabneu znsammengrnäht, an eine Stange gebunden und auf teil Barrikaden aufgcpflauzt. In Ermangelung von Kokarden schnitt man solche aus farbigem Papier, welche aus ein­ander geklebt an Hut oder Mütze befestigt wurden. Nachdem der Kampf beendet war, hatten sich einige Literaten im Lokale der Zeltungshalle versammelt und wunderten sich, daß sich keine Männer finden wollten, welche die Revolution ihrem Ende cutgegeuführten, oder doch dem Siege des Volkes wenigstens durch etwas Blei­bendes eine Garantie für die Zukunft zu geben wußten. So stand es am Avend des 19. März. Das Volk schien über den Erfolg zu sehr erstaunt zu sein, als daß eS sich von seinem Jubel erholen könnte. Der Ruf:Es lebe Deutschland! Es lebe die Freiheit!" war allent­halben mit dem Ruf:Es lebe die Schützengilde!" un­termischt. Niemand wußte, was man nun beginnen sollte; daß dieses der Augenblick gewesen wäre, um die Staatsregierung oder den König anzugphen, durch ein schrift­liches Dokument die eroberte Freiheit zu garantiren, fiel Niemanden ein. Das Einzige, was man vom Könige verlangte und was auch sogleich von demselben zugestan- den wurdè, war die augenblickliche Freilassung derjenigen Bürger, welche in der Nacht vom 18. auf den 19. zu

Gefangenen gemacht worden waren. Als die Deputation vom Könige zurückkam und die freudige Nachricht über­brachte: der König habe die Freilassung der Gefangenen befohlen, schienen die Wünsche Aller befriedigt zu sein. Auf dem Schloßplätze stand das Volk in großen Haufen ! und berathschlagte darüber, ob vielleicht noch eine For­derung vergessen worden sei. Einer der Umstehenden ; bemerkte ihnen, daß die Polen MieroslawSky und Ge­nossen auch noch nicht befreit seien! worauf Alles i schrie:Ach ja die Polen, es leben die Polen! Die muß er nun auch frei gehen," und von Neuem raunte man zum Schlosse, um vom Könige auch die Be- i freiung der Polen zu erlangen. Mit der Gezväh- l rung dieser Bitte schienen alle Wünsche des Volkes I befriedigt zu sein. Damals konnte man recht sühlen, ; daß polizeiliche Unterdrückung, Censurzwang, büreaukra- - tische Bevormundung im Stande sind, einen Volksstamm der in gewöhnlicher Schulbildung alle andern überragte, in politischer Beziehung total unwissend und, ich möchte sagen, abgestumpft zu lassen. Ich sprach selbst mit Osfi- I zieren der Schützengilde und mit Berliner Bürgern, die : man mir als ausgezeichnete Kapazitäten bezeichnet hatte ich machte ihnen den Vorschlag, sich einige Punkte sehrist- ; lieh aufzuzèichnen , in denen das Wesentliche der Volks- frcihcit und der Volksrechte enthalten wäre, und dann eine Deputation bestehend aus den tüchtigsten Männern Berlins ; damit an den König abzusenden und ihn zu bestimmen, diese Forderungen durch seine Unterschrift für ihn und