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Freie Zeitung.

Dreiheit nnb Recht!"

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Jg 1 50 Wiesbaden. Dienstag, 4. Juni 1850»

Diegr 1 11 ö 111 uM ß erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Der Adonnememspina drlragl v xrietiahrig hier in LSlesdaven I ft. 45 tr aus. wärtS durch die Post bezogen mit verhaltnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen uns find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirf» samt», Erfolge. Die Jnserationögedühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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Die Solidarität der Völker.

II.

Es fürchtet nun mancher Deutsche, Frankreich möchte sein militärisches Uebergewicht dazu benutzen, um sich zu verg' ößern, um Eroberungen zu machen. Aber W^ts ist thörichter, als diese von der Reaktion absicht­lich genährte Furcht. Denn es ist ein Glaubenssatz der demokratischen Partei, was auch schon aus dem Dog­ma der Bölkersolidarität von selbst folgt, keine Erobe­rungen zu machen, sondern jedes Volk sich selbst re­gieren zn lassen. Aber nur wenn die demokratische Partei (die Sozialisten) in Frankreich ans Ruder kommt, kann überhaupt ein Kampf entstehen.

Rein grade umgekehrt, nur dadurch, daß die Demokratie und damit der Grundsatz der freien Selbstbestimmung der Völker in Europa zur Herr­schaft kommt, können früher eroberte LandeSthetle wieder zurückgegeben, nur dadurch kann auch der fran­zösische Elsaß wieder zu Deutschland kommen; gegen­wärtig aber danken die Elsässer bestens für die Ehre, zu Deutschland, dem Spott der Welt, zu gehören. Nur wenn alle Völker frei werden, werden sie sich ihren naturgemäßen Grenzen nach abrunden.

Doch wer uns nicht glaubt, und immer noch den alten Traum von französischen Eroberungskriegen träumt, der wird doch demjenigen glauben, der gewiß einprat- tischer Mann" war und den tiefsten Einblick in die europäischen Völkerverhältnisse befaß, der wird doch Napoleon und seinem vielgenannten Ausspruche glauben.In 50 Jahren", sagt der große Praktiker und Feind allerIdeologen", wird Europarussisch" ctcr _ französisch? o nein oderrcpublckamsch ' ! Nur der Despotismus, nur Rußland macht Eroberungen^ aber Frankreich macht nur republika- utf _ Nur Despoten haben ein Interesse daran, dckHeâj welche von ihnen geschoren wird, zu ver­größern; aber die Völker haben nicht das mindeste Interesse dabei, ihr Blut jur Eroberungen zu ver­gießen. , . , . , ,

' Nein sobald die Prophezeiung Napoleons rm letzte­ren Sinne sich erfüllt haben wird, wird es keine Erobe­rungskriege in Europa wenigstens mehr geben. Denn das Prinzip der Völkerfolidariiat erfordert auch, daß die befreiten und nach ihrer naturgemäßen Ausdehnung abaeqrenzten Völker sich für ewige Zeiten verbunden, und für deu ganzen Bund eine oberste Regierung, so­wie ein Schiedsgericht einsctzen. Die oberste Bundes­behörde wird die obersten Prinzipien für alle Volker des Bundes, z. B. das allgemeine Stimmrecht fest« setzen und über deren Aufrechterhaltung wachen, sodaß, sobald ein solches Prinzip in einem Lance verletzt wurde, dasselbe durch eine gemeinsame Intervention aller üb­rigen Staaten des Bundes sofort wieder hecgestellt würde grade so wie jetzt die königlichen Regierun­gen Europas für die Durchführung und Anfrechterhal- tung ihrer absolutistischen Grundsätze in ganz Europa

Rückblicke und Erlebnisse von Franz Raveaur.

(AuS derDeutschen Monatschrift" von Kolatschek.)

Die Rheinische Deputation in den Tagen des 17., 18. und 19. März 1848 in Berlin.

(Fortsetzung.)

Dom Prinzen v. Preußen und Herrn v. Bodel- schwingh wußte man den Aufenthalt nicht. Der König selbst war gezwungen worden , den gefallenen Barri­kadenkämpfern durch Hutabziehen seine Ehrfurcht zu bezeichnen, ja sogar die kranke Königin mußte sich zusammen raffen, um auf den Wunsch des Volkes zu erscheinen. Eine Freundin der Prinzessin von Preußen, die Schwä­gerin des Hrn. v. Wittgenstein, Frau Deichmann ans Köln, war von dort gekommen, um der Prinzessin ihre Aufwartung zu machen; sie kam in dem Augenblicke als die Niedergeschlagenheit in der königlichen Familie den höchsten Grad erreicht hatte. Herr Clässen, welcher sie in Potsdam getroffen hatte, begleitete sie, sie hatten Mühe, durch die Volkshaufen, bewaffnete Studenten und Leute von der Schützengilde bis zu dem Zimmer zu gelangen, in welchem sich der Ueberrest der könig­lichen Familie im desolatesten Zustande befand. Von den nicht abgelösten Militärschildwachen lagen einige schlafend mit dem Gewehr im Arm auf dem Boden. Daß unter

gemeinsame Sorge tragen. Streitigkeiten aber, die et­wa zwischen zwei Völkern entstünden, würden durch das gemeinsame Schiedsgericht geschlichtet, dessen Ur- theilssprüchen sich zu unterwerfen jedes einzelne Volk von allen andern nöthigenfallS gezwungen würde.

Wir sahen nach der Besiegung Napoleons eine s. g. Heilige Allianz entstehen, die aber eine höllische Allianz war, da sie sichs zur Aufgabe machte, Alles, was gut und wahr, was frei und groß war, zu ver­folgen und zu vernichten. Wir werden dereinst eine wahrhaft heilige Allianz entstehen sehen, die Allianz der befreiten Völker Europa'sl

Doch lassen wir dafür die Zukunft sorgen! Blei­ben wir in der Gegenwart! Sorgen wir vor Allem dafür, daß wir nicht russisch werden. Hierzu gibts aber nur Einen Weg, nämlich, daß wir auf unsere Fahne schreiben:

Verbrüderung der Demokraten aller Nationen!

Solidarität der Völker!

Deutschland.

^ Wiesbaden. Lehrer Mann in Biebrich ist ab- gcseßt; ein Sergeant der Biebricher Garnison ist, wie uns ein glaubwürdiger Bürger von Biebrich erzählte, ohne Weiteres entlassen, wegen seiner nicht mit dem Militarstande vertraglichen Gesinnungen. Ah! iyr liebenswürdigen Herren Eonserbativen! ihr schafft ja prächtig für das Wachsen unserer Partei. Wir rufen Euch unausgesetzt zu: Vorwärts! Vorwärts! auf vie­ler Bahn! Wir haben heute den rettenden Toateu gegenüber nur ein ohnmächtiges Zähneknirschen: aber! aber!. wir fragen Euch selbst: Glaubt Ihr nicht auch, daß nach der Ebbe wieder die Fluch, unb zwar eine sehr hohe, kommen werde?!

* Wiesbaden, 3. Juni. Nachstehendes Schreiben derfreien NeUglonsgefeuschaft" zu Straßburg an das Conctl der freien Kirche zu Leipzig wird um? Heute abschriftlich mitgetheilt , und wir beeilen uns, dies in­teressante Aktenstück in weiteren Kreisen bekannt zu machen:

Liebe Brüder!

Als die erste Gemeinde der freien Kirche in Frank­reich, entbieten wir den versammelten Abgeordneten der freien Kirche in Deutschland unseren Bruoergruß, wo­mit wir zugleich den Gruß des edelsten Theiles un­serer Nation auszusprechen gedenken und anzeigen, daß wir in Eure freie religiöse Gemeinschaft und Euren Bruderbund getreten sind.

Mit freudiger Brust haben wir die Lehren der freien Kirche vernommen die uns von unserem Freund und Bruder Johannes Ronge verkündet wurden, und und wir geloben , nach seinem Wort mit Kraft und Ausdauer dahin zu streben, daß ein schönes Band der Eintracht, des Friedens und der Bru­

solchen Umständen das Zusammentreffen dieser beiden Frauen und die Umarmung derselben für die Umstehen­den ein herzzerreißendes Schauspiel war, läßt sich leicht denken. Alle Anwesenden waren beständig in banger Erwartung der Dinge, die noch kommen würden und Clässen erzählte mir, wie ihm in jenem Augenblicke, das Schicksal Ludwigs XVI. vorgeschwebt hätte. Er erzählte ferner, daß er nie den Moment vergessen werde, in welchem draußen urplötzlich ein Schuß gefallen sei; das Zusammenschrecken der Anwesenden habe einen tiefen Ein­druck auf ihn gemacht und er selbst habe das Schlimmste befürchtet. Eingezogene Erkundigungen hätten aber dar­gethan, daß dieser Schuß zufällig losgegangen oder ein Frcubenschuß gewesen sei, wodurch die Anwesenden wie­der etwas mehr Fassung gewonnen hätten. In den Zimmern der Prinzessin nach dem Lustgarten zu, befanden sich überall Verwundete; die Bürgerwehr war mittler­weile aus dem Zeughause mit Waffen versehen worden und theilte den Postendienst mit dem wenigen Militär, welches in Berlin zurückgeblieben war. Gegen Abend, nachdem man kurz vorher bei einem Handschuhhändler unter den Linden, der des Polenverraths beschuldigt war, eine ähnliche Szene wiederholt hatte, wie am Nachmit­tage bei dem obenerwähnten Major, fing die Stadt an, eine heitere Physiognomie zu gewinnen. Wo sich nur ein Mann von der Schützengilde oder ein bewaffneter Student er­blicken ließ, ertönten Lebehochs! Das Volk jubelte in allen Straßen über den Sieg, den es errungen, die Er­

derliebe zwischen den beiden benachbarten Rationen geschlossen werde. Lange genug haben sich diese beiden hochbegabten Na­tionen tiefe Wunden geschlagen, des Ehr­geizes einiger Familien wegen; jetzt ist die Zeit gekommen, wo die Völker mündig ge­worden, und nun soll von keiner Erobe­rung, d. h. keinemRaube mehr die Rede sein. Wir wollen als freie Brudervölker mit einander unser eigenes Wohl und das der anderen Völker fördern durch unsere Kraft.

Lange schon hatten wir gehört vom Beginn der zweiten Reformation in Dentschland, aber bei der all­gemeinen Richtung unserer Bevölkerung auf die poli­tische Freiheit und bei der strengen Abgeschlossenheit unserer Gränzen war es uns nicht möglich gewesen, uns näher mit dem Wesen und den Ideen der freien Kirche bekannt zu machen. Seit aber der JesuitismuS durch seine Intriguen unsere Ration so schwer gekränkt, und wir müssen es gestehen namentlich durch die Eroberung Roms beschämt hat und alle unsere Freiheiten zu rauben droht, sind Millionen erwacht und geneigt, der Reformation Gehör zu leihen.

Zwar haben wir gegenwärtig noch harte Kämpfe aber wohl bald reißen die Saiten, die so fest angezo- gen sind, und unsere religiöse Befreiung wird allgemein werden.

Bei dieser Gelegenheit können wir, im Hinblick auf unsere kirchlichen Zustände und unsere relig ö e Ent­wickelung überhaupt, nicht unerwähnt lassen, daß Frank­reich die Anregung zur religiösen Freiheit abermals von Deutschland erwarten muß und erwartet.

Möge daher das edle deutsche Volk erkennen, daß seine höchste und schönste geschichtliche Aufgabe in der Lösung der religiösen Frage liegt, und möge es dte Reformation, schon wegen der Nachbarvölker, die dazu weniger geschichtliche Errungenschaften haben, heilig halten und mit Energie durchführen.

Andere Völker haben andere geschichtliche Aufgaben zu lösen. Wir haben, nach zwei harten Revolutionen, die traurige Erfahrung gemacht, daß die Hierarchie, die sich im ersten Sturme fügsam und für die Freiheit zeigte, hinterlistig uns täuschte und nun wollen wir uns frei machen, um so, auf immer, ihr Joch zu bre­chen. Wir werden es vermögen, im innigen Bruder- bande mit Euch!

Gruß und Handschlag den deutschen Brüdern!

!?! Wiesbaden. Wir gestehen gerne, dieGesnnd« heitsverhältniffe des Herrn Dr. Bertrand nicht so genau gekannt zu haben, als sie ein Artikelaus dem Rheingau" uns vorführt, und erkennen deshalb die BilligkeitSrücksichten an, welche das Ministerium zur Belassung genannten Arztes im Rheingau bewogen ha­be». Dieß kann uns jedoch nicht hindern, Alles das, was wir in 3. gesagt haben und die Person de sHrn. Bertrand nicht betrifft, aufrecht zu erhalten, da wir

bitterung des vorhergehenden Tages hatte der allgemeinen Freude weichen müssen. In den meisten Straßen wurden bereits Anstalten zu einer großartigen Beleuchtung ge­troffen, an vielen Fenstern von Privatwohnungen er­blickten wir Büchsen oder Teller ausgestellt mit der Ueber- schrift:für die Verwundeten oder für die Wittwen und Waisen der Gefallenen."'

Wir halten uns die größte Mühe gegeben, nachzu­forschen, ob bei dem Barrikadenkämpfe sich Führer ge­zeigt und ob dieser Kampf überhaupt vielleicht vorbereitet gewesen, allein wir fanden hievon nirgends eine Spur. Jm Gegentheil versicherten uns viele, welche sich an dem Kampfe betheiligt, daß die Barrikaden anfangs ohne al­len Plan entstanden seien, daß erst während des Kamp­fes daran gedacht worden sei, daß die Kämpfer der ver­schiedenen Barrikaden unter sich jn Verbindung stehen müßten, daß die Schützengilde am 18. Nachmittags um 3 Uhr noch unentschieden gewesen, ob sie sich auf die Seite des Volks oder des Militärs schlagen solle, daß die Arbeiter der Borsig'schen Fabrik sich noch später erst am Kampfe betheiligt hätten und daß, sich noch im­mer keine Führer fänden, um ihnen zu rathen, was es nun zu thun und zu lassen habe.Ob das Militär, wenn es am Morgen deS 19. den Kampf erneuert hätte siegreich gewesen wäre oder nicht, will ich dahingestellt sein lassen. Man muß gestehen, daß der Glaube an ei­nen Sieg des Militärs auf sehr lockere Motive gegrün­det war, wenn man bedenkt, 1) daß der Kampf von