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Berlin, 25. Mai. Wie theuer ist die Volksver- tretung! riefen die konservativen Blätter nach Auseinandertreibung der Nationalversammlungen. Nun, der Fürsten-Congreß hat 8 Tage gedauert er war also kurz und bündig; jetzt kommt die Rechnung. Er hat (nach der BreslauerZZeitung vom 24. Mai) in runder Summe circa 300,000 Thlr. gekostet.

DieAbendpost" erzählt wieder gräuliche Sol- datengcschichtcn. Bei einer, die auf dem ©panbauer Berg vorfiel, war ein Offizier gegenwärtig. Derselbe strich, ordinär lachend, seinen Bart und äußerte mit jenem Jargon, der diesem Stande eigenthümlich ist: Famos! Die Kerls müssen doch alle nach unserer Pfeife tanzen! Der Sieg ist überall unser!"

Berlin, 27. Mai. Gestern wurde Kinkels Gattin hier gesehen. Sie war nach Spandau geeilt, um sich über die Behandlung des unglücklichen Mannes Gewiß­heit zu verschaffen. Der ZuchthanStirektor in Spandau hat es aber nicht gestattet, ihren Gatten zu sprechen, er hat ihr nur die Versicherung gegeben, daß das Hast­lokal eher eine Stube, als eine Zelle zu nennen sei, daß Kinkel hinreichend satt zu essen erhalte und in einem Gauge spazieren gehen dürfe, in welchem frische Luft sei. Weitere Auskunft hat die arme Frau nicht erhalten können. Hierauf ist sie zum Jnstizmiuistcr gegangen und hat diesem Vorstellungen gemacht, nament(id) her- vorgehobe«, daß cs keinem Zweifel unterliege, Laß Kin­kels jetzige Lebensweise einer langsamen Tödtung gleich- stehe. Hr. Simons antwortete:Das kann wohl sein, aber ein Mann, der so schwere Ver­brechen begangen hat, muß auch so bestraft werden." Ob Frau Kinkel noch hier ist, weiß ich nickt. Man versichert mich, Hinkeldey habe Weisung erhalten, sie auSzuwciscn. Daß die Reaktion das Attentat gegen dcn'König nur als Vorwand betrachtet um die Presse zu unterdrücken, hat dieDutsche Re­form" selbst cingcstandcn. Sie sagt, daß auch ohne das Attentat die bevorstehenden Maßregeln verhängt worden wären. ES sind Vorschläge in dieser Richtung vor 14 Tagen im Verwaltungs rath gemacht und in vertraulicher Weise die Meinung der Herrn Bevollmächtigten sondirt worden. (Westd. Z.)

Köln, 30. Mai. Heute wurde bei der Parole be­kannt gemacht, daß auch das 8. Armeekorps seine Re­serven einziehen werde, daß das 7. Armeekorps an die böhmische, das 8. an die französische Gränze rücken soll. (W. Z)

Koblenz, 29. Mai. Heute Morgen ist auf tele­graphischem Wege die Ordre zur sofortigen Mobilma­chung der 3. Abtheilung «.Bataillon) des_ hiesigen Ar- tillerieregiments eingetroffen. Es betrifft dieß drei Fuß- und eine reitende Batterie nebst zwei Munitions- colonnen, welche vermuthlich in die Nähe der fran­zösischen Gränze rücken werden.

Münster, 29. Mai. Höchst unerwartet erhält so eben die hiesige Artillerie die Ordre zur Mobilmachung. Es wurden sogleich Commando's zur Empfangnahme der Geschütze und sonstigen Ausrüstungsgegenstände nach Wesel und in die Landgemeinden zur Aushebung und Einbringung der Pferd? abgesendet und die Reservisten einberufèn. Dem Vernehmen nach soll die Artillerie schon in 8 Tagen zur österreichischen Gränze abmar- schiren. Wie cs heißt, soll auch das ganze achte Ar­meecorps mobil gemacht werden. (K. Z.)

Bockwa (bei Zwickau) , 27. Mai. Gestern fand hier bei dem Gastwirth Christoph Falke ein furchtbarer Soldatentumult statt, bei welchem nicht nur die Wirth­schaft völlig verwüstet wurde und mehrere Einwohner, wie der Gemeiudevorstand Kästner, thätliche Mißhand­lungen erlitten, sondern auch ein Arbeiter der Devrient- schen Fabrik, Müller, unweit des Reinhold'schen Gutes unter den Händen wüthender Soldaten unverschuldet seinen Tod fand. Der Erstochene wurde seiner Uhr- beraubt aufgefunden.

Karlsruhe, 30. Mai. Das so eben ausgegebene Regierungsblatt bringt die abermalige Verlängerung des Kriegszustandes und des Standrechts auf weitere Wochen. Wie ich soeben höre, soll es heute früh ungefähr zur nämlichen Zeit, als der Brand zu Au ausbrach, auch in dem benachbarten Wolfahrtsweiher gebrannt haben. An beiden Orten wurde jedoch das Feuer bald wieder gelöscht.

Karlsruhe, 30. Mai. Heute früh wird unsere Stadt in Allarm gesetzt durch die Nachricht, daß in dem Dorfe Au, eine Viertelstunde seitab von der Straße zwischen hier und Durlach gelegen, eine Feu- ersbrunst ausgebrochen sei. Spritzen und Mannschaft sind sofort dorthin abgegangen. Bei dem gestrigen Braude in Durlach hielten sich die badischen Pionire besonders wacker. Man spricht davon, daß ein preu­ßischer Offizier durch einen brennenden Balken schwer­verletzt worden sei.

Mannheim, 30. Mai. Die Redaction des hier erscheinendenBadischen Merkurs" zeigt heute Folgen­des an:Die von uns angekündigte Hieve Victor Hu- go's in der französischen Deputirtenkammer gegen das Wahlreformgesetz konnte die Censur-Erlaubniß nicht erhalten, was wir mit höherer Genehmigung hiermit veröffentlichen."

München, 24. Mai. DieN. M. Z." meldet: Die k. sächsische Regierung hat unterm 25. Mai ihren förmlichen Rücktritt von dem Berliner Bündmssc vom 26. Mai nach Berlin erklärt.

München, 28. Mai. Wie wir soben hören, soll der König die vom Kriegsminister v. Lüder erbetene Enthebung von seinem Ministerposten genehmigt und an dessen Stelle den gegenwärtigen Stadtkommandan­ten der Haupt- und Residenzstadt München besignirt haben. (N. K)

München, 29. Mai. Der vorgestern früh um 4 Uhr durch 2 Polizeikommissarc verhaftete Prediger der hiesigen deutschkatholischen Gemeinde, Hr. Schell, ist bereits heute Morgens wieder aus der Frohnfeste ent­laßen worden. (N.C.)

Wien, 25. Maü Von den ehemaligen ungarischen Generalen fielen durch Henkershand oder starben im Kerker: Generallieutenant und Landescommandirender Kiß; Stadtcommandanten Schwelbel von Pesth und Szegcdin, Török von Komorn; Corpscommandanten: Graf Vecsay, Damjanich, Aulich Nagy Sandor, Lcn- key, Kuezich, Pöltenberg, Deyewsy, Leiningen, Kmety, Lazar; Waffeninspector Lahner; die Obersten: Ascher­mann, Pulöky, Binessy, Graf Paul Esterhazy, Or- may und Korponay. Wir halten diese Liste nicht für vollständig, eben so wenig als eine zweite, welche die zu schwerer Haft Verurtheilten enthält. (Spiegel.)

Wien, 26. Mai. Ein Wiener Brief vom 24. Mai (in der N. Münchn. Zkg.) sagt:Was die deutsche Frage anlangt, so glaube ich Ihnen mit Be­stimmtheit melden zu können, daß Oesterreich entschlos­sen ist, gleichwie seine Vorschläge für das neu zu bil­dende Provisorium durchaus auf der Grundlage der Münchener Ucbcreinkunft beruhen, so auch in Betreff des künftigen Desinitivums an jener Grundlage in al­lem Wesentliche«: festzuhalten.,,

Schleswig, 26. Mai. Nach hier eingegangenen Nachrichten ist der schwedische commanbirenbe General der neutralen Truppen der bestimmten Ansicht, daß er sowohl als die k, preußischen Truppen nur bis im Junimonat in dein Herzogthum Schleswig verweilen würden.

Berlin, 30. Mai. Wie man uns mittheilt, würde Preußen ein Corps von 50 bis 60,000 Mann zwi­schen Erfurt und Torgau, und ein gleich starkes Corps an der böhmisch - schlesischen Gränze aufstellcu. Die Befehle zur Mobilmachung des Garde-Corps sind schon gestern ausgefertigt worden. Dasselbe wird auf den Kriegsfuß gebracht und erhält dadurch die Stärke von 22,800 Mann Infanterie und 3750 Mann Caval- lerie.

Erfurt, 29. Mai. Gestern ist der Befehl von Berlin hier eingetroffen, unsere Stadt und Festung in Kriegszustand zu versetzen.

Köln, 31. Mai. Wir erfahren über die befohlene Mobilmachung der Artillerie noch folgendes Genaueres: Es werden von jedem Artillerie-Regiment 4 Batterieen und 1 Colonne mobil, mithin in Summa 36 Batte­rieen und 9 Colonnen; vorn 7. Regiment wird die erste Abtheilung und voin 8. die dritte Abtheilung mobil; hier in Köln wird die Colonne 41 mobil ge­macht. (K.Z.)

Breslau, 29. Mai. Heute Abend gegen 10 Uhr ist das Verdickt der Geschwornen gegen die Maiange­klagten ergangen; gegen etwa 40 ist das Schuldig ausgesprochen. Schlehan, Semrau, Klose, Elsner sind wegen Erregung von Aufruhr, resp. Versuchs dazu für schuldig erklärt. Stein ist dagegen für nicht­schuldig erachtet.

Polen.

Krakau, 20. Mai. Ueber die vielfach erwähnten Gerüchte von großen Truppenbewegungen im Innern Polens und der Besetzung der Gränzen vernehmen wir aus ganz sicherer Quelle, daß sowohl an der ga­lizisch-polnischen als preußisch-polnischen Gränze sich gar kein Militär befindet, hingegen umfaßt das in der vier Meilen langen Ebene, .zwischen Lowicz und Sochoczow errichtete Lager 80,000 bis 100,000 Mann, welche aus Theilen des 2. (Rüdiger) und 4. (Paniu- tin) Corps zusammengesetzt sind. (Lloyd.)

Warschau, 28. Mai. Czar Nikolaus ist eingetrof- fen, und wie bekannt, wird der Prinz von Preußen ihn begrüßen und Sonstiges mit ihm besprechen. Au­ßerdem aber ist der preußische Gesandte am Wiener Hofe, Graf Bernstorf, der russische Gesandte, Graf Mevem, und der österreichische Minister Schwarzenberg dorthin abgereist, so daß mit Sicherheit recht interes­santen Resultaten entgegengesehen werden darf.

Schweden.

Die öffentliche Aufmerksamkeit ist wiederum vorwie­gend auf die Verfassungsreform in Schweden hingelenkt. Am 22. Juli wird in Ocrebro wieder eine allgemeine Versammlung von Abgeordneten der Reformgesel l- schaften stattfinden, und überall im Lande ist man mit Wahl der Deputirten beschäftigt. Die bisherigen Wahlen find demköniglichen Projekt", d. h. der Regierungsvorlage an den Reichstag in Betreff der Wahlreform, feindlich ausgefallen.Afterbladet", das meistgelesene schwedische Tageblatt, das die ge­mäßigte Demokratie vertritt, erklärt sich auf das ent­schiedenste gegen das Projekt, da zufolge desselbenes der Repräsentation nicht möglich gemacht wird, gegen den überwiegenden Einfluß der Hofpartei, der Büreau- kratie und der Ständemacht, die unaufhörlich darauf ausgehen, zur Erreichung ihrer partikulären Zwecke die Regierung vorznschieben, ein Gegengewicht auS> znüben.

Republik Frankreich

Paris, 30. Mai, Abends 8 Uhr. Die National- Versammlung ist heute mit der Berathung des Wahl- ceform-Gesetzes weit vorgerückt. Die Artikel 4 bis 8, letzterer die Kategorien der wegen Verurtheilungen voin Wahlrecht auszuschließenden Personen enthaltend, wur­den angenommen. Die Annahme des ganzen Ge­setzes ist mithin unzweifelhaft. Wie verlautet, will die Bergpartei sich an der Haupt-Abstimmung nicht be­theiligen und einen Protest einlegen. m

Die Regierung setzt die Departements durch tele­graphische Deveschen fortwährend voin Gange der Dis­kussion des Wahlreform-Gesetzes und vom Zustande der Hauptstadt in Kenntniß.

Der Vice - Präsident der Republik hatte gestern Abend eine lange Unterredung mit dein Präsidenten Napoleon. Lord Normanby nnd viele Engländer wohn­ten der Abend-Gesellschaft im Elysee bei.

Heute Vormittags waren viele hiesige Gesandten bei dem preußischen Gesandten versammelt.

DiePatrie" meldet die Abberufung des russischen Gesandten von London, je nach Befinden des hiesigen russischen Gesandten.

In der Vorstadt St. Martin soll die Polices eine Pulver-Fabrik entdeckt und7.fünfzkg Individuen ver­haftet haben.

DerNational" läugnet, daß General Cavaignac eine Conferenz mit Girardin gehabt habe. Des letzte­ren Candivatur im Niederrhein-Departement findet bei der Partei desNational" heftigen Widerstand. Der National" will nichts von einem Candivaten wissen, der nicht die Republick über Alles stellt.

Die Nachrichten aus den südlichen Departements lauten noch fortwährend sehr beunruhigend, ^t Lyon soll bei einer Haussuchung der Plan einer ba^ ganze südliche Frankreich umfassenden Verschwörung entdeckt worden sein.

Die beunruhigenden Nachrichten über die Zustände Piemonts sollen die Zusammenziehung einer neuen Alpen-Armee veranlassen.

Die Fonds-Course sind an heutPw Börse bedeu­tend gestiegen. (K. Z.)

Schweiz.

Das Luzerner Volksblatt bringt das Gesammtrö- sultat der neuesten Volkszählung in der Schweiz, so wie es selbes aus den Zeitungen zusammenzustellcu im Stande war. Danach beläuft sich die Bevölkerung der Schweiz auf 2,365,286 Seelen. Die Rangord­nung der schweizerischen Städte nach der Volkszählung ist folgende: Genf hat 29,108 (resp. 37,724) Ein­wohner; Bern 27,475; Basel 27,270; Lausanne circa 18,000; Zürich 17,040; Neuenburg. 12,846; La-Chaur- de-Fonds 12,638; St. Gallen 11,229; Luzern 10,088; Freiburg 9065; Herisau 8387; Schaffhausen 7700; Solothurn 5370; Winterthur 5341.

Italien.

Von der italienischen Grenze, 28. Mai. Von Rom vernimmt man, daß hinsichtlich des Papstes die sonderbarsten Gerüchte gehen. Einmal sagt man, er habe einen Fluchtversuch gemacht und sey auf der Flucht in Bauernkleidung festgenommen worden; ein anderesmal, er sey in Mönchskleidung arretirt worden. Heute sagt man wieder, daß die französischen Sol­daten, ermüdet durch diese Fluchtversuche, ihn schon seit mehreren Abenden in seinem Zimmer cingcschlossen hielten, und daß ein Oberst, mit dein Schlüssel in der Tasche (con la chiave in tasca) beständig ange- kleidet in seinem Vorzimmer schlafe.Was auch iin- mer Wahres oder Unwahres an all' diesen Gerüchten seyn mag," meint derRepublicano della Svizzera itaIiana,Lso beweisen sie wenigstens zur Genüge, daß der Papst seinen heiligen Stuhl nicht mehr so bequem wie chedein findet, und daß die offen zu Tage liegende Mißstimmung des Volkes, sowie die Ungewißheit der nächsten Ereignisse in Eu­ropa, welche sich vorberciten, seine Träume stören" (gli turbano i sonni). (F.J.)

Amerika

Washington, 13. Mai. Heute hat Hr. Clay im Senate unter einem ganz ungewöhnlichen Zuflusse von Zuhörern aller Clagen seinen Vortrag über die Be­schlüge des Dreizehner-Comite's gehalten. Im Allge­meinen wurde derselbe sowohl von den Ultras des Nordens wie des Südens sehr kalt ausgenommen; doch sind die Gemäßigten der Meinung, er werde durchge­hen, indem er bei allen Gemäßigten des Nordens wie ' des Südens Unterstützung finden wird. Unser Cabiuet ; sträubt sich noch immer gegen seinen Fall; es hat sogar wieder ein neues Organ gewonnen, aber selbst halbofficielle Journale sprechen sich dahin aus, daß ; es genöthigt sein werde, feine Entlassung einzureichen.

New Aork, 13. Mai. Das beabsichtigte Unter- ; Nehmen gegen Cuba bietet den neuesten Stoff der po« I litischen Unterhaltung. Vier RegimenterPioneers j of Liberty sind schvn, zu diesem Einfalle gebildet, mit völliger Munition nach dein Sammelplätze abge- ; segelt, und der General en chef, Kopez, mit seinem Stabe wird erster Tage auf einem von dazu gernie- - theten Dampfschiffe von New-Orleans abgehen.

In St. Louis ist in der setzten Woche die Cholera wieder mit ziemlicher Heftigkeit ausgc« brochen. (K. Ztg.)