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^ LL?K. Wiesbaden. Sonntag, 2. Juni g^W.
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Die Solidarität der Volker.
O- 0 Von der La Hit, Ende Mai. Durch die bit« leren A rf i prunken oer lebten zwei Jahre ist es jedem Men ch n der einiges 'NachvenkM ober nur politische» Instinkt bellet, klar uno unzweifelhaft geworben, daß die europäischen Völker nur dann frei werden können, wenn sie einander gegenseitig Beistand leisten. Man nennt dieses Verhältniß bekanntlich die Solidarität der Völker. Die Ssiwarilât der Völker ist zum Wlaubenéactifel, zum poliüscheü Dogma der Demokratie geworden. Diejenigen, die nicht sehen wollen, die "Reaktionäre, die Gothaer, die Bürokraten und Pfaffen schreien freilich darüber Zeter, wobei es sich sehr komisch ausnimmt, wenn die letzteren, obgleich sie das christliche Pflichtgebot der Bruderliebe, wonach Jeder seinem Nächsten in der Noth helfen soll, beständig im Munde führen, dennoch die Anwendung dieses Gebotes auf das Verhältniß ganzer Völker zu einander perhorresziren. Diese christlich-germanischen Logiker, welche alles Unheil in der Welt aus dem Mangel an „Liebe und Treue" heAeiten, schreien über Verrath, wenn ein Demokrat ihnen sagt, man müsse auch andere Völker lieben, man müsse auch z. B. die Franzosen nicht als Feinde, sondern als Freunde betrachten. Doch all' ihr Deklamiern hilft nichts mehr! Das Volk bliest nach Frankreich und die Reaktion blickt ebenfalls dorthin, aber mit Angst und Zittern!
Mancher Kurzsichtige meint zwar, eine solche Solidarität der Völker sei nicht möglich, weil ihre Interessen zu widerstreitend seien. Aber besteht denn nicht schon wirklich eine so ausgedehnte Solidarität, — die Solidarität der königlichen Regierungen? Die Könige Europas und die es werden wollen sind solidarisch mit einander verbunden, um die Revolution niederzuhalten. Als der Beherrscher des Kirchenstaats mit der Revolution allein nicht fertig werden konnte, da leistete ihm der Kaiser-Aspirant Napoleon brüderlichen Beistand; als die Kraft der österreichischen Heere an dem Hcldenmuthe Ungarns zerschellt war, da erbot sich der Kaiser von Miß land zu freundnachbarlicher Dienstleistung. Und wäre Görgcy's Verrath nicht den Russen zu Hilfe gekommen, so hätten wir auch noch preußische Heerschaaren gegen die Magyaren marschiren sehen, wie wir dieselben nach Sachsen, Baden und Hamburg marschiren sahen. Wer aber meint, dies sei blos in Zeiten der Gefahr so, eine eigentliche solidarische Verbindung könne man daraus noch nicht folgern, der blicke doch auf die Furstenkongreffe , der betrachte den immerwährenden diplomatischen Verkehr zwischen allen europäischen Höfen, der erwäge, daß von keiner königlichen Regierung eine Maßregel von irgend welcher Bedeutung ohne vorhergegangene Berathung mit allen andern Regierungen ergriffen wird. Und wem auch das noch nicht die Augen öffnet, wer immer noch geneigt ist, den absichtlich ausgespreiigtcn Gerüchten
von ernstlichen Zerwürfnissen zwischen einzelnen Regierungen öd er gar an die Möglichkeit eines Krieges zwischen Denselben zu glauben, oer lasse sich doch durch die eigenen Aussprüche und Erklärungen cer königlichen Regierungen velehren, weirpe dieselben schon so oft von Der Hohe lpres VelbstgesUhleS herab gegeben haben. Ober ist eö nicht von den Manifesten der heiligen Allianz an bis auf Die letzten Ukase des Selbstherrschers aller Reußen hundertmal feierlich erklärt worden , daß die „Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung" in Europa der haupstachlichste Zweck aller Regierungen fei? Ja diese Kette, welche zur Zeit der heiligen Allianz noch lockerer war, sodaß damals Baiern wirklich einmal nahe daran war, auf seine Faust um die Vergrößerung seines Gebiets Krieg anzufangen, ist jetzt so fest um alle Hofe geschlungen, daß nicht wohl mehr ein.Ring in derselben durchbrochen werden kann. Denn gesetzt ein einzelner Herrscher wollte sich emancipiern oder aus Sonderliiteresse einen Krieg beginnen, so würden sofort alle anderen sich gegen ihn vereinigen und ihn mit leichter Mühe zur Räson bringen, es müßte denn der Fall emtreten, daß ein solcher die Demokratie zu Hilse riefe, was aber bekanntlich keiner thut.
Ist somit schon zwischen den königlichen Regierungen das solidarische Verhältniß ganz unzweifelhaft, wie viel natürlicher und nothwendiger ist ein solches Verhältniß zwischen Volköregierungen, da die Interessen des Volkes überall Dieselben sind. Ja man kann sich das Zustandekommen demokratischer Regierungen in den europäischen Staaten gar nicht anders denken, als daß dieselben sofort zu Schutz und Trutz sich auf'ö Engste verbünden. Schon die Befreiung der Völker selbst kann nur durch gemeinsame Anstrengungen geschehen. Ein einzelnes Volk ist nicht mehr im Stande, sich zu befreien, entweder werden alle frei, oder alle in die Nacht der Knechtschaft und der Barbarei gestürzt, — wie Napoleon sagte, Europa wird entweder russisch oder republikanisch. Ihn jedoch das Werk der Völkerbefreiung zu vollbringen, wird Ein Volk den Anfang machen. Es muß dies aber ein Volksein, welches im Stande ist, wenigstens eine Zeit lang es allein mit der ganzen Macht der solidarisch verbundenen Regierungen von ganz Europa aufzunehmen. Es gibt nur ein Volk, welches dazu tut Stand ist — das Französische. — Das französische Volk hat dies bereits dnrch die That bewiesen. In der ersten französischen Revolution, wo die Heere aller Fürsten Europa's gegen Frankreich marf dorten, um Die Republik zu stürzen und das Volk für die Hinrichtung seines Königs zu züchtigen, sagte der Na- tionalkonveut zu Paris, allen Völkern, die sich befreien wollten, Hülfe und Freundschaft zu. Diese feierliche Erklärung des Konvents, dieser großartigsten Ver- sammlung, welche jemals die Weltgeschichte gesehen hat, blieb jedoch erfolglos; kein Volk erhob sich, um sich mit dem französischen zu verbinden. Alle Völker
Europas ließen sich wie Heerden Vieh in den Kampf gegen Die Freiheit treiben, indem man ihnen sagte, diese Franzoieu mit ihrem Konvent seien eine „Horde von Räubern und Mördern". Die Dummheit und der Wahnwitz war damals in Deutschland so groß und so gefährlich, daß unser großer Philosoph Fichte sein berühmtes Buch „Zur Berichtigung der Urtheile des Publikums über die französische Revolution" nicht unter seinem Xiamen herauszugeben wagte. Und trotz alledem wurde daS gesammte gegen Frankreich verbündete monarchische Europa von den jungen Heldenjchaa- reu der französischen Republik besiegt. Und daß das französische Volk dies vermag, das ist's, was wir ton« statiren wollten.
Das ist die weltgeschichtliche Stellung Frmikreichs, und das ist's, weshalb so mancher Kronenträger auf seinem Throne zittert, sobald'zu Paris ein Pflasterstein sich hebt.
Detttfehla«».
o Wiesbaden. Das Kreisamt in Limburg hat einen Aufruf in der „Nass. Allg. Ztg." erlassen, worin es zur Unterstützung der unglücklichen Kirberger auffordert; der „Freien Zeitung" jedoch diesen Aufruf zur Aufnahme nicht zugesandt. Das Kreisamt in Limburg hat es wol unter seiner Würde erachtet, ein demokratisches Journal um einen Dienst anzugehen, und sich wol sorgsam vor der entferntesten Berührung mit der Demokratie bewahren wollen. Wir finden es aber sehr traurig, wenn man bei einem großen Unglück, das von allen warmen Menschenherzen in allen Par- theien tief mitempfunden wird, nicht auf einige Augenblicke den vorhandenen Partheigroll vergessen kann. Vor allen Dingen mußte das Kreisamt zu Limburg dafür Sorge tragen, daß sein Aufruf so weit als Giöglich in Nassau verbreitet würde, und deshalb durfte ^es seine Appellation an die Mildherzigkeit einem in 'Nassau sehr verbreiteten und mehr als die „Nass. Allg. Ztg." gelesenen Blatte nicht voreuthalten.
Es durfte diese Appellation der „Freien Zeitung" nicht vorenthallen im Interesse der nothleiveu- den Kirberger selbst. Oder meint etwa das mehrgenannte Kreisamt, die Leser der „Fr. Ztg.", d. h. die Demokraten, hätten kein Mitgefühl für ihre notp* leidenden Brüder? Oder meint etwa das K.-eiSamt diese Demokraten bestünden zum größten Theil auS armen Leuten, die doch nichts zahlen könnten?
- Nun, es ist wahr, die Demokraten zählen ihre meisten Anhänger unter dem leidenden, darbenden, hungernden Volke, dem Volke, das die Saften trägt, dem Volke, das sein ganzes Lebm zwischen Hunger und Entbehrung theilt und dem die elende Verläum- dung sogar die karg gezählten Lichtpunkte einer seltenen Freude anzuschwärzen sucht; dies Volk kann wenig geben:—aber der vom Munde abgesparte Groschen Lt armen Wittwe wiegt doch hundertmal schwerer als die
Rückblicke unb Erlebnisse von Franz Raveaur.
(AuS der „Deutschen Monatschrist" von Kolatschek.)
Die Rheinische Deputation in den Tagen des 17., 18. und 19. März 1848 in Berlin.
(Fortsetzung.)
Nachdem am Morgen des 19. März auch unsere Kollegen Wittgenstein, Böcker, Guillaume und Michels nach Hannover abgereist waren, und Herr Dr. Clässen nach Potsdam, waren nur noch Stupp, d'Ester, Beckers und ich in Berlin zurückgeblieben. Wir konnten uns nicht entschließen nach der Hcimath abzureisen, bevor dieses blutige Drama sein Ende erreicht hatte. Beckers begleitete mich durch alle Straßen Berlins, ich muß gestehen, daß ich an ihm, dem ältern Kollegen, weit mehr Ausdauer, Beharrlichkeit und Interesse für die Sache des Volkes gefunden hatte, als bei manchem andern meiner jüngern Kollegen. Da die Proklamation „an meine lieben Berliner* nicht den Erfolg hatte, daß die Barrikadenkämpfer die Barrikaden verließen oder gar wegräumten, so hatte man bei Hof auf andere Mittel finnnen müssen, der Erneuerung des Kampfes zuvorzukommen. Ohngefähr gegen 10 Uhr Morgens sahen wir an einer Barrikade der Friedrichsstraße einen Adjutanten zu Pferde, der mit einem weißen Schnupftuche winkte;
man ließ ihn ungestört bis dicht vor die Barrikade kommen, derselbe richtete dann folgente Worte au die Leute, welche die Barrikade besetzt hielten. „Bürger, der Kampf ist beendet, der König hat den Befehl gegeben, daß alle Truppen sich zurückziehen sollen und erwartet nun auch von Euch, daß Ihr alle Feindseligkeiten einstellen werdet.« Erst sah die Menge noch einige Minuten lautlos zu; als aber derselbe Osfizier den vor der Barrikade ausgestellten Truppen den Befehl zum Rückzug ertheilte, da erscholl ein Hurrah, das nicht enden wollte, man umarmte sich, einige ließen den König leben, andere die Freiheit. Man begleitete die Soldaten, kurz Alles war vergessen und vergeben, nur einige Wenige blieben auf den Barrikaden, indem sie mißtrauisch sagten: „Die sollen uns keene Wippchen machen*. Wir sahen später, wie Barrikaden freiwillig abgetragen, andere sahen wir wieder, welche von den Kämpfern auf das Hartnäckigste bewacht wurden, s. z. B. die große Barrikade jenseits des Alexanderplatzes, welche noch Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr komplett im Vertheidigungszustand war, so wie denn überhaupt in diesem Stadttheile der Widerstand am hartnäckigsten war. Fast in allen Straßen begegneten wir Leichen, die man auf einem Brette oder einer Bahre ins Schloß trug. Auf unsere Frage: „Wo- hin man jene Leute brächte?* wurde uns die Antwort: „Ins Schloß! Er muß sie sehen!* Am Kölner Rathhause befand sich ein Leiterwagen, auf den eben die im Rathhause befindlichen Leiche» aufgeladen wurden. H^er
zeigte sich wieder der empfängliche Charakter der Berliner, indem man aus allen umliegenden Fenstern Leintücher, Spitzen, Bänder und Blumen herabwarf und in ! weniger als einer Viertelstunde war der Proletarier-Leiterwagen aus dem Stegreife sinnreicher und würdiger ausgeschmückt, als ein mit Krone und Szepter verzierter Katafalk; auch dieser Wagen fuhr nach dem Schlosse. ; Immer wieder hörten wir den Ausruf: „Er soll mit eigenen Augen sehen, was er für Ultimi angerichtet, hat er die Lebenden nicht respektirt, so soll er sie im Tode achten lernen!* Das Kölner Rathhaus trug bedeutende Spuren des nächtlichen Kampfes. Während die Todten aufgeladen wurden, bewegten sich zur Raihhausthüre hinein und hinaus Leute, denen man die Strapazen des nächtlichen Kampfes ansehen konnte. Auch in den Fenstern gewahrten wir viele dieser Männer, die düstern Blickes dem Wagen nachsahen, der vielleicht theure Freunde oder Verwandte zur Ruhestätte brachte. Duer der Breitenstraße gegenüber befand sich ein Kaffeehaus, wenn ich nicht irre, Café heureuse, welches wohl am meisten durch das Feuer gelitten hatte; auch nicht eine einzige Scheibe dieses Halises war ganz geblieben. Die Kugelschäden hatten dieses Haus dem Gesichte eines Menschen ähnlich gemacht, der stark die Blattern gehabt. In der Breitenstraße selbst sahen wir einen Brunnen, in dessen Holz sich eine Kanonenkugel verfangen hätte; mehrere Menschen waren beschäftigt, dieselbe mit eisernen Instrumenten herauszunehmen, was aber dadurch ver-