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Die „greif Zeitung" erscheint, mit nisnahme des UköntagS, täglich in einem Bogen. - Oer Asonnementüpceiü befragt »icrteljaprig hier in Lsiesvavcn I A. 45 fr„ au», wärt« »ur« vie Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen nn» «ne bei vèr großen Berdreitunz der „Freien Zeitung" stets von wirk, sammt Erfolge. — Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.
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Dre Freude in Berlin über Nassaus Treue.
# Wiesbaden, 31. Mai.
Der OberpostamtSzeitung schreibt man von Berlin Folgendes: „Die von Seiten des Herzogs von Nassau erfolgte Ratifikation der Bestimmungen des Vertreters Nassaus, des Herrn v. Win tzingerode, zu den Be- 'stnmnnngrn des hiesigen Fürstenkongrches hat die Hoff» nungen für die deutsche Union hier in höherem Grave belebt, da man von der Aussicht ausgeht, daß Nagau's treues Festhalten an dem Bündnisse nicht ohne Rückwirkung auf die beiden hessischen Lande bleiben kann. Alle Besorgnisse, welche in Bezug auf Siassau gehegt worden waren, haben sich als durchaus unbegründet erwiesen." Es thut uns leid, die Illusionen der Ober- postamtszeitung zerstören zu müssen. — Wie aus der angezogenen Eorrespondenz klar hervorgeht, hat man also auch in Berlin „Besorgnisse" über Nassau's treues Festhalten an dem Bündnisse bisher gehabt.
Die erfolgte Ratifikation des Herzogs kann diese Besorgnisse nicht als unbegründet hinstellen. Wäre nämlich wirklich eine Union mit Negierung und Vertretung in der Spreestadt zu Stande gekommen, so wäre nach alledem, was hier zu Lande über die Neigungen und Stimmungen des Biebricher Hofes bekannt, die Ratifikation des Herzogs sicher nicht erfolgt.
Die letzten Vorgänge auf dem Berliner Fürstenkongreß haben aber doch Jedermann gezeigt, daß die Union des Herrn Manteuffel, d. h. das plump angelegte Projekt des letzter», die kleineren deutschen Staaten in den großpreußischen Sack zu stecken — eben stets nur ein todtgebornes Kind bleiben wird. Oesterreich hat allen Plänen Preußens in der sog. „deutschen" Frage durch rasche Gegenpläne seit dem März 1848 bis heute — stets ein wirksames Paroli geboten. Nach dem Berliner Fürstenkongreß folgt der Frankfurter Bundestag und bei dem Erscheinen dieses Gespenstes, welches die Zauberformeln der schwarz-gelben Politik wieder aus dem Grabe beschworen, wird die Union, das geliebte Schooßkind der Gothaer, den Weg alles Fleisches wandeln, und in einer lautlosen und sanften Auflösung die himmlische Erlösung finden.
So hat also der Biebricher Hof mit der Ratifikation nicht sein eignes Todesurtheil unterschrieben — (und die wirkliche Ausführung der Pläne des länderhungrigen Manteuffel bringt doch bekanntlich der Selbstständigkeit der kleinen Höfe in Deutschland den Tod); man mag aber wol in Biebrich gewichtige Gründe haben, gegen Preußen's Politik nicht in herausfordernder schroffer Weise a la Mecklenburg-Strelitz auszutreten, und so hat man auch die Ratifikation immerhin gewährt, indem man begreift, daß, da ja eine baldige sanfte Selbstauflösung der Union nicht zu bezweifeln, im Augenblick ein brüsker Abfall vom Bündnisse ein ebenso unkluger als überflüssiger Akt wäre
Die Freude in Berlin über Nassau's Treue beruht nach diesem auf einer fatalen Selbsttäuschung. Die Zukunft wird lehren, daß wir recht hatten, und daß der nassauische Hof schon seit lange ganz entschieden allen Gefallen an dem preußischen Länderhunger verloren hat.
DeutfchlavS.
$ Wiesbaden, 31. Mai. Nach der „Kölnischen" und „Deutschen Zeitung" soll zum Bevollmächtigten Nassaus für den Bundestag in Frankfurt Herr Ministerialrath Bertram, von dem Manche behaupten, er sei ein „Freund der Union", von dem wir aber wissen, daß er ein treuer Diener seines Herrn ist, — ernannt sein. Von dem Erfurter Parlament nach dem Frankfurter Bundestag ist nur ein kleiner Schritt, und Bertram, der die süße Behaglichkeit der Erfurter Par- lamentSsessel gekostet, wird bald gewahr werden, daß doch nichts über die köstliche Ruhe und berauschende Sicherheit der alten Sessel des Hru. von Blitters- dorf geht.
-7- St. Goarshausen, Ende Mai. Die Erzählung eines am 13. b. M. dahier sich ereigneten, unter △ in No. 114 der Freien Zeitung enthaltenen Vorfalles, die Arrestation eines (circa 30jährigen) Metzgerburschen betreffend, bedarf insofern einer wesentlichen Berichtigung: daß dieser Bursche gar kein Demokrat war, folglich in seiner Person ein solcher auch nicht verhaftet worden ist.
§ Von der Lahn, Ende Mai. Die Theilnahme für das Oraniensteiner Volksfest ist in erfreulichem Wachsthum begriffen. Alle Seiten des Volkslebens, welche sich zu äußerer Darstellung eignen, werden auf dem Feste vertreten sein. Als eine Erweiterung der gewöhnlichen Volksfestlichkeiten kann der beabsichtigte großartige Turnertanz angesehe" werden, an welchen sich Fechtübungen im Stoßen und Schlagen anreihen werden. Es wird hierbei auf die Betheiligung manches „alten Burschen" gerechnet. Ein großer Bergmannsauszug soll den Abend des ersten Tages schmü- ckeu. Es sind dem Festausschuß schon bedeutende Geschenke zum Besten des Festes angesagt, über deren Verwendung die nächste Ausschußsitzung verfügen wird. Vielleicht wäre eine Verloosung derselben unter den einzelnen Verbrüderungen das Zweckmäßigste, z. B. der schöne von den Herrn Buderus geschenkte Ofen könnte den Bergleuten überlassen werden, das von den Herrn Wimpf angezeigte Porzellan den Einsendern von Obst und Gemüse. Man hofft ferner, daß der Festausschuß besondere Preise für Leinwand, Stroh- flechterclen und Holzschnitzereien aussetzen werde, um besonders die letzteren Erwerbszweige in den ärmeren Gegenden des Taunus und Westerwaldes zu ermuntern. Eine monatliche Krcuzersammlung für das Fest j in oem Lahngebiet wird dem Festausschuß nicht unbe- ' deutende Mittel liefern. Die Abtheilung des Festaus
schusses für Gewerbe wird es sich zur besonderen Aufgabe machen, die Theilnahme des KrugbâckerlandeS für eine erhöhte Gewerbthätigkeit zu erwecken, um dem traurige» Verfall dieses einst so blühenden Landstriches, wenn auch mit noch beschränkten Kräften, entgegen arbeiten zu helfen. Es ist aber schon viel geschehen, wenn nur Intelligenz und Verbrüverungsgeist erweckt wird. An letzterem fehlt es indessen im Krugbäcker- laude ganz und gar. Auf diesen Gegenstand werden wir zurückkommen. Die nächste Ausschußsitzung findet nicht am ersten, sondern ausnahmsweise am zweiten Sonntag des Monats Juni zu Limburg im deutsche» Hause statt, Nachmittags 2 Uhr.
B. Kambèrg. „Seid einfältig wie die Tauben, aber klug wie die Schlangen!" sprach der große Demokrat, der Prophet von Nazareth. Den letzten Satz hat sich die deutsche Demokratie immer noch nicht gemerkt, und sie hat doch schlimmere Erfahrungen gemacht, als Jesus von Nazareth, der es blos mit Pharisäern, mit keinen Jesuiten zu thun hatte. Das muß die Partei der Nichtjesuiten in Kamberg jetzt wieder zu spät bemerken. Als in jener Gemeinderathsfitzung, über welche wir berichtet, sich die allgemeine Entrüünng des sittlichen Gefühls über die Umtriebe gewisser Herr» und die Ansicht, die Privatschule sei aus den, Schulgebäude zu verweise», aussprach-, da hielt man eine förmliche Abstimmung für überflüssig.
So lange aber die Menschen Leidenschaften, Thorheiten und gewisse „Rücksichten" haben, werden die Söhne Loyola's nicht verzweifeln, wenn ihnen Zeit gelassen wird, „die von Gott verfluchte Natur" in dem Menschen kirchlich zu läutern, für ihre Zwecke zu stimmen. Montag den 27sien wurde nochmals über die Privatschule abgestimmt, und — wie versteinert sahen die freien Mitglieder das Wunder! — eine Kugel Majorität spricht für die Belassung der Privatschule im Schulgebäude. Dieses nachträglich, damit matt nach dieser neuen Abstimmung nicht gar unseren früheren Bericht als unrichtig bezeichnet.
Am Sonntage und Montage zogen starke Cohorte» Wallfahrer nach Walldürn, der Tracht »ach aus den Aemtern Montabauer und Wallmerod mit etwas Zusatz aus dem Amte Hadamar, hierdurch. Auffallend war ein ganz neuer Zusatz in dem Verzeichnlß der Uebel, vor denen Gott bewahren soll. Nach dem Satze: „Vor den Nachstellungen des Teufels", worauf der Chor einfiel: „bewahre uns o Herr!" fuhr ber Borbeter fort: „vor der Freiheit!" und der Chor antwortete: „bewahre uns o Herr!" Die Redemptoristen^ haben gut gewirkt.
U Momdach, 30. Mai 1850. Aus glaubwürdiger Quelle erfahren wir so eben, daß in einer kleinen Residenz ' am Rhein kürzlich, wie dies alljährlich geschah, die Feuerspritze auf gewohnte Art probirt worden ist, und bei dieser Gelegenheit eine vor dem Schlosse stehende Schildwache, welche von dem Schlauchführec
Rückblicke und Erlebnisse von Franz Raveaur.
- ' (Aus der „Deutschen Monatschrist" von Kolatschek.)
Die Rheinische Deputation in den Tagen des 17., 18. und 19. März 1848 in Berlin.
(Fortsetzung.)
Vincke erzählte uns dann weiter, wie der König sich entfernt habe, nach einigen Minuten aber zurückgekehrt sei und ihm auf die Schulter klopfend die Aeußerung gethan: „Mein lieber Vincke, Sie haben wohl geglaubt, in eine rathlose Gesellschaft zu kommen? — Das ist nicht der Fall, wie Sie sehen!" — Diese Aeußerung, sagte Vincke, bestätigte mich eben recht in den, Glauben daß ich mich wirklich in einer rathloscn Gesellschaft befand. Weiter theilte uns Vincke mit: wie zuwider und empörend ihm der Anblick einer wohlbedeckten Tafel gewesen in dem Augenblicke, wo in allen Straßen der Hauptstadt Blut floß und Sturmläuten und Geschützdonner , so wie das Wehklagen der Verwundeten sich vereinigten, um die königliche Tafelmusik zu ersetzen; die Einladung des Königs, einige Erfrischungen zu sich zu nehmen habe er kurzweg abgeschlagen mit der Antwort: „er wäre schon satt!" Vincke erwähnte noch eines Zwischenfalles, der sich in der Abwesenheit des Königs ereignet hatte. Ein Herr , in Civil gekleidet, habe sich ihm genaht und ihn folgendermaßen angeredet: „Sie müssen doch aber gestehen, daß Sie und die Mitglieder des ver
einigten Landtages mit einen großen Theil der Schuld tragen, an dem was jetzt in Berlin geschieht!" — Als hierauf Vmcke diesen Herrn in heftigem Tone zurechtgewiesen, habe der Herr sich bei Seite gemacht und ein General fei vor ihn getreten und habe ihn gefragt: „wie er dazu komme, in den königlichen Gemächern eine so drohende, ungeziemende, herausfordernde Sprache zu führen?" Worauf er geantwortet: „auch in königlichen Gemächern werde er nicht dulden, daß man Mitglieder des vereinigten Landtages beschimpfe!„ Als er sich hierauf nach dem Namen jenes Herrn erkundigen wollte, habe Niemand denselben kennen wollen.
Charakteristisch für die Zustände im Innern des Schlosses mag es immerhin sein, daß dort, wo man noch wenige Stunden vorher mühsam eine Audienz erlangen konnte und dann noch in weißer Kravatte, schwarzem Frack und weißen Glacehandschuhen erscheinen mußte und etiguettmäßig angemeldet wurde, Hr. v. Vincke in Reisestiefeln, weiten Hosen, Ueberrock und Mütze auf das Bereitwilligste von Offizieren, Generalen und Hof- leuten durchgelassen und vom Könige empfangen wurde. — Non den Mitglieder» der rheinischen Deputation waren die Hrn. Heuser, Broix und wenn ich nicht irre, auch Seidlitz noch am Abende des 18. nach Köln abge. fahren. Sie hatten viel Mühe, um bis zum Eisenbahnhofe zu gelangen und fuhren in einem Momente ab, wo der Himmel durch die obenerwähnten Feuersbrünste geröthet war und der Kampf noch allenthalben fortgesetzt wurde. Herr Broix war so gütig, einige Zeilen
von mir, welche ich im Speisesaale des Hotels in aller Eile für meine Freunde in Köln niedergeschrieben hatte, besorgen zu wollen. Nach Mitternacht ließ der Kampf bedeutend nach, eine Menge Civilgefangener wurden unter den Linden vorbei traiisportirt. Von Z it zu Zeit auch Todte und Verwundete vom Militär. Der H rr Oberpräsident der Rheinprovinz Hr. v. Eichmann, brachte beinahe die g^nze Nacht unter den Linden in der Nähe unseres Gasthofes zu. G.'gen 2 Uhr Morgens schien der Kampf nachgelassen zu haben, als die Kämpfer gegenseitig das Feuern eingestellt hatten. Guillaume und ich legten uns nun, um ein wenig auszuruhen, noch so an« gekleidet, wie wir zur Audienz im Schlosse gewesen waren, aufs Bett; allein gegen 3 Uhr Morgens entspann sich wieder eine so lebhafte Kanonade, wie wir sie vorher noch nicht gehört hatten. Dieses heftige Feuer, begleitet von beständigem Sturmläuten, ließ unS nicht ruhen. Kaum auf der Straße angekommen, überzeugten wir uns, daß der Hauptkampf nach der Richtung deS Alexanderplatzes hin stattfinden müsse. Ein mir be- kannter Bildhauer der eben von der Gegend des Schlosses herkam und den die Soldaten nicht weiter passiren lassen wollten, sagte mir, daß am Kölner Rathhause noch weit erbitterter gesümpft würde, als in unserer Nähe, in der Friedrichsstraße. Nach 4 Uhr hörten wir keinen Kanonendonner mehr, Gewehrschüsse nur vereinzelt und schwach bis gegen 6 Uhr Morgens. Die Ermüdung hatte beide Parteien zum Waffenstillstände genöthigt. Die Proklamation ,deS Königs „an meine