Einzelbild herunterladen
 

^âclheèt nnd iieeht!"

M 120»

Wiesbaden. Donnerstag, 30 Mai

.......

1830.

Die ,> -i t r i c 5 e 11 u tui" mtOctnt, mit ilusnadme des Ho,»tags, Lilli» in einem Logen. Oer Lvonnementspreis beträgt v i e r i e 11 a g r i g gier in W^Sda^u i rt fr aus­wärts Dur» Die Poft vezogen mit verhaltn, ßmäßigem Aufschläge. Jnferate werden bereitwillig ausgenommen und nno bei der großen Äeroreitung derFreien ^rituna" ftetö von wirk, f4mein Erfolge. - Die JnserattonSgedühren betragen für die vieespaltige Pet,t;ei!e 3 Kreuzer. ° "

*f* Gegen den Besitz ober gegen serne Borrechte?

Nicht gegen den Besitz, nur gegen die Borrechle der Reichen streitet bad Hielt"»« Borne

Uebcrall, wo eine neue Idee ihr Banner erhob, wurde sie von dem armen Volke getragen; und überall wurden ihre natürlichen Gegner unter dem Keldgeschrei:das Eigenthum ist in Gefahr!" gegen sie unter die Waffen gerufen. Weil die Armuth Hi» meisten bedarf, darum hat sie am meisten zu fordern; und weil der Besitz am meisten hat, da­rum hat er am meisten zu verlieren. Nichts na­türlicher, als daß die Angst um den Verlust dessen, was sie ihrem Besitze verdanken, die Reichen zu Geg­nern der neuen Idee macht; aber auch nichts seltsamer, als daß eine Masse von Leuten in diesen Weheruf nüt- einstimmen, und diese Angst theilen, die um die Welt nichts zu verlieren haben. Wie mancher Philister, der nicht alle Tage aus Fleischtöpfen ist, schauert zusam­men, wenn er von der Kriegserklärung der Arbeiter an die Kapitalisten hört? Für diese nun wollen wir durchaus kein Wort verlieren:mau muß über das Vorurtheil hinwegschreiteii, wie über Berge". Wir wenden uns vielmehr an diejenigen, welche trotz Be­sitzes mit uns zu gehen entschlossen sind, weil der Mammon noch nicht ihr Herz mit Beschlag belegt, weil sie nicht der Selbstsucht fröhnen, sondern die Liebe, über Mrs schätzend, alS das höchste Glück erkennen; und wir wenden uns an diejenigen unserer natürlichen Gesinnungsgenossen, welchen vielleicht die nöthige Klar­heit hier noch mangelt.

DaS Geld ist in unserer heutigen Gesellschaft an die Stelle des Menschen, d. h. des Rechts getreten, und es hat seine Besitzer zu Herren über Millionen von Sklaven gemacht. Diese Sklaveu-ssm^ s» 9>4W'- fam dem Wink ihrer Gebieter, wie ihre Vorahnen un Alterthum; und wenn auch nicht die Peitsche und die körperliche Züchtigung den-Ungehorsamen trifft, so trifft ihn doch ein viel grausamerer Schmerz: der Hunger, das Elend, die Sorge. Verstoßen, wie ein Geachteter, was bleibt ihm übrig, um sich und die Seinigen vom Hungertode zu erretten, als die willige Annahme all jener höhnischen Bedingungen, um derentwillen er sich ächten ließ? Ueber dem Ruine der Masse thront das große Capital, der herzlose eherne Gott, und aus. den Armen des hungernden Fleißes zieht er seine Nahrung, um fort und fort ins Unermeßliche zu wachsen. Ihr sagt, das Volk arbeite nicht? Niedrige Lästerung : be- trachtet seine triefende Stirne, seine schwieligen Hände, sucht es vergebens bei Tag auf den Gassen , -- und habt dann noch den Muth, uns jene Lästerung ins Ge­sicht zu werfen. Das Volk arbeitet, und dennoch hat es nicht zu leben. Die Arbeit produzirt, aber nicht für die, die sie verrichten. Der Besitz hat um so viel mehr Rechte, je weniger die Arbeit hat. Die Arbeit aber ist eS, für deren Recht wir kämpfen.

Das erste aller Vorrechte des Besitzes ist das Recht der ausschließlichen Gesetzgebung. Hierin haben tau­send Bedrückungen, unter denen der Arbeiter seufzt, ihre Quelle. Wer mag sich wundern, wenn der Be­sitz bei der Schaffung der Gesetze kein anderes Inte­resse kennt, als das der eigenen Erhaltung und Ver­größerung, wenn ihm das Volk nur so viel werth ist, wie eine Maschine, die man grade in dem Zustande erhält, daß sie fortwährend ihre gewohnte Arbeit ver­richtet; wenn er die Idee der Menschlichkeit ins Reich der Fabeln verweist? Damit 'er ungehindert fortbe­stehen könne, bedarf er vor Allem Gesetze, welche die frevelhafte Antastung desselben auf das Empfindlichste bestrafen.Heilig ist das Eigenthum!" Das ist der Kardinalsatz ber bürgerlichen Ordnung, das ist das Dogma, unter welchem der Besitz, der wahre Gott dieser Erde, sich seine Verehrung erzwingt. Ob es der verbrecherische Sinn oder ob es die hungernde Sorge ist, die jenes Gebot außer Acht läßt: es'ist gleichgül­tig. Der Besitz kennt keine Beweggründe; er ist ein schlechterdings unantastbares Heiligthum.

Muß bas Volk es schon hier oft bitter genug beklagen, daß der Besitz allein die Gesetze macht, so wird es noch viel empfindlicher davon getroffen in der Scener- gesetzgebung. Der Besitz rechnet ganz richtig aus, daß alle Steuern ohne Ausnahme unter verschiedenerlei Firmen sich sehr leicht auf bas Volk allein verteilen lassen; er weiß von dem ungeheuern Profite zu erzäh­len der ihm blos aus diesem Manöver jährlich er­wächst. Die Zehnten, Gülten, Frohnden und sonsti­gen Abgaben und Leistungen der Bebauer von Grund und Boden kommen vorzugsweis dem adligen Grund­besitz zu Statten; daneben denen, welche durch eine künstlich auf bas Gemüth bes Menschen berechnete Re­ligion beim Volke vie alte Ordnung moralisch zu be- ^A^g» [..4,..^ -6XJ6w>4f4.MUily. - c -,> - -y1 - v. rum auf Dem Bauer und dem Gewerbsmann.

Die Zölle und Abgaben auf den Verbrauch aus­wärtiger wie einheimischer nothwendiger Lebensbedürf- nisse drücken desgleichen die arme Klasse vcrhältniß- maßig am stärksten. Man könnte sagen: auch der Be­sitz hat das Einkommen besteuert; aber er hat seine niedrigsten Prozentsätze bei den höchsten Einkommen angefangen, und diese fort und fort vermehrt, je mehr sich die Summe des Einkommens vermindert, bis sie zuletzt in ihren höchsten Sätzen diejenigen treffen, welche gerade das wenigste Interesse an der Aufrechthaltung einer solchen ungerechten wenn auch für den Beu­tel des Reichthums durchaus provitabeln Ordnung haben.

Das allgemeine Stimmrecht jft der Sturz dieses wichtigsten aller Vorrechte, deren sich bisher der Besitz zu erfreuen gehabt hat. Aber es ist nicht ge­nug, baß der Arbeiter kaum die Mittel hat, um seine leibliche Existenz zu fristen: ihm ist auch Alles genom­men, was ihm ein Bewußtsein seiner Menschenwürde, seiner Menschenrechte zu verleihen vermag. Nicht nur

das leibliche Brod, auch das geistige fehlt ihm. Dem Neichen steht cs frei, sich alle Schätze des Wis­sens zu erwerben, welche bis zu diesem Tage aufgehäuft sind. Ihm fiept eine Menge von Bildungsschulen offen. Er kann sich seine Lektüre nach Belieben wählen. Der Arme muß von früh Morgens bis spät Abends mit seiner Haube Fleiß auf Erwerb ausgehen. Ueberall verfolgt ihn das physische Bedürfniß; und wenn ihm ein Augenblick Ruhe gegönnt ist zu geistiger Erholung, wer verschafft ihm Gelegenheit, seinen Geist zu pflegen, zu veredeln?

Der uaentgeldliche Unterricht durch alle Grade hindurch, die vielseitige Anlegung öffentlicher der Benutzung freistehender Bibliotheken, Lesezimmer, die ^inentgeldliche Transportirung der Produkte der Presse werden das Vorrecht des Besitzes auf- aus­schließliche Bildung stürzen, und dem Arbeiter bie-wich­tigste Waffe, um sich von der Sklaverei der Vorrechte des Besitzes zu befreien, in die Hand drücken.

Der Besitz ist endlich die Grundlage des bürger­lichen Vertrauens. Er allein setzt in den Stand, Ge­schäfte abznschli^ßcn, er bevingt Den bürgerlichen Kre­dit, er bedingt die Produktion. Alle Wege des Er­werbs stehen dem Besitzenden offen; sein Besitz ver­schafft ihm Geld, und Geld die Dienste der Arbeit. Aber dem Arbeiter bleibt nur übrig, die Dienste auf« zu suchen um Lohn, er kann nichts selbstständig unter­nehmen; erst das bargereichte Geld verleiht ihm die Mittel, seinen Hunger zu stillen. Was kümmert den Bauqueer Der Fleiß, die Geschicklichkeit, was den Kaufmann bas ehrliche Gesicht: sie wissen Beide, daß der Fleiß, Die Geschicklichkeit, Die Ehrlichkeit kein Recht voraushaben. In tausend Fällen ist der Ge­werbsmann, Der Bauer ruinirt, weil Niemand da ist, der ihm eine kleine Summe Geld leiht.

das Vorrecht des Besitzes auf das ausschließliche Ver­trauen im bürgerlichen Verkehr und in der Produk­tion vernichten.

Hier palten wir einstweilen inne. Mit dem Sturze dieser Drei Vorrechte des Besitzes hat die alte Gesell- ichaft ihrem Haltpunkt verloren, und Die Arbeit ist im Begriffe, sich die Herrscherkrone auf's Haupt zu setzen.

Bonapartes Verrath.

Paris, 20. Mai. Unter diesem Datum enthalten dieHamburger Nachrichten" nachstehende interessante Mittheilung über die Stellung Ludwig Napoleons zu England:Das Nachstehende klingt etwas unglaub­lich, romanhaft; doch ist es in der Hauptsache voll­kommen richtig. Ich nenne Ihnen meine Quelle: es ist daS englische Gesanvtschäftshotcl. Man hat dort gegen die Veröffentlichung des Geheimnisses nichts eiiizuwrn- den. Sie erinnern sich, daß der Marquis von Lanbs- downe im Oberhause sagte:Ich weiß, daß der fr an«

Rückblicke und Erlebnisse

von Franz Raveaur.

(AuS derDeutschen Monatschrift" von Kolatschek.)

Die Rheinische Deputation in den Tagen des 17., 18. und 19. März 1848 in Berlin.

(Fortsetzung.)

Diese Rede verfehlte nicht, einen ganz andern Ein­druck auf uns zu machen, als chie des Königs. Wir standen noch einige Minuten erstaunt im Saale und sahen uns verwundert an. Der Oberpräsident v. Eichmann und einige andere Herren in Uniform begleiteten uns zur Treppe. Da die Antwort des Königs ziemlich allgemein gehalten war, und wie ich glaube, noch immerhin einiges Mißtrauen bei den Mitgliedern der Deputation zurück- gelassen hatte, vereinigte man sich auf der Treppe, allen- fallsigen Fragern nur die allgemeine Antwort zu geben, daß wir mit dem Empfange und den Zusicherungen des Königs Ursache hätten, zufrieden zu sein. Einige von uns fuhren direkt nach dem Hotel zurück, Andere machten eine Promenade im Thiergarten ; dort begegneten wir der Prinzessin von Preußen, welche aus ihrem Wagen ausgestiegen war und eine Fußpromenade machte. Welch' ein Unterschied! Heute noch lustwandelte die stolze, reich­gekleidete Frau im königlichen Park, die 24 Stunden später mit aufgelöstem Haare in einem Zimmer des Schlosses auf dem Kanapee lag, umgeben von einigen ermüdeten Generalen und von Soldaten bewacht, die

in nächster Zukunft beseitigt zu sehen. Es mochte un» gefâhr halb 2 Uhr sein, als Wittgenstein, von der Straße kommend, sehr rasch in das Zimmer trat und uns mittheilte, es hätten sich Tausende von Menschen auf dem Schloßplätze versammelt, es schien ihm, daß daß denselben Die Zusicherungen des Königs noch nicht bekannt seien. Er glaube, daß man ein gutes Werk verrichte, wenn zwei Mitglieder der Deputation hinführen und dort einige hundert Exemplare des königlichen Pa­tents vertheilten, er meinte ich und d'Ester paßten am besten hierfür. Wir nahmen seinen Vorschlag an und fuhren in einer Droschke nach dem Schloßplatz. Auf dem Wege dahin begegnete uns Herr Zeller aus Köln, welcher durch Versetzung an den Kassationshof schon einige Monate in Berlin verlebt hatte; derselbe stieg zu unS in die Droschke und wir fuhren, dem Kutscher Eile anempfehlend, nach Dem Schloßplätze.Zuspät" traf auch hier ein, wir kamen in Dem Momente an, wo durch Mißverstândniß die so folgenreichen paar Flinten­schüsse gefallen waren und die Dragoner von der Spree­seite her gegen die Massen anrückten. D'Ester und Zeller waren ausgestiegen, ich fuhr bis in die Mitte des Platzes, das Volk flüchtete sich nach allen Seiten, die Infanterie entwickelte sich au3 dem Schloßportal hervor­dringend , indem sie das Volk vor sich her drängte. Nie werde ich das Geschrei:Verrath! zu den Waffen! sie haben wieder aufS Volk gcscbossen!" und die drohenden Geberden vergessen, die diese Ausrufe begleiteten. Un. ter den Forteilenden bemerkte ich, nach dem Aeußern zu

draußen an der Zimmerthüre von den Strapazen und Anstrengungen ermüdet, auf der bloßen Erbe mit dem Gewehr im Arm ciugeschlafen waren. Gegen Mittag fanden wir uns Alle zusammen im Hotel ein. Wir waren gespannt auf Die gedruckten Verheißungen ; die Minuten wurden uns zu Stunden; endlich gegen 1 Uhr erhielten wir ein Exemplar deS Patents vom 18' März es kam naß aus der Vuchdruckerei; ein Mitglied der Deputation laS dasselbe vor. Mit zurückgehaltcncm Athem hörten wir lautlos und erwarteten, um die Wahr­heit zu sagen, mißtrauisch das Ende, da wir bei den preußischen Aktenstücken, welche nns von Zeit zu Zeit eine Versprechung gebracht, immer gewohnt waren, am Schlüsse eine zweideutige Klausel zu finden, durch welche man die vorhergehenden Paragraphen nöthigenfallö wir­kungslos machen konnte. Als der Vorleser geendet hatte, hörte man mehrseitig die Frage: rift das das Ende?" und als er hierauf antwortete;ja!" rief Wittgenstein aus:Nun Gott sei Dank, ich war beständig bange, es würbe noch eine Klausel kommen für ein Hinterthür- chen!" Unsere Freude sollte aber in etwas getrübt werden, als ein Mitglied der Deputation die Bemerkung machte: auf der anderen Seite des Patents stände auch noch etwas gedruckt. Man kann sich denken, wie die Beschränkungen der freien Presse, welche auf dieser Seite des Patents abgedruckt waren, dem ganzen Patente wieder einen bösen Anstrich gaben. Nichts desto weniger schien die Deputation mit dem erreichten Resultate zu­frieden und hoffte auch die Hemmnisse der Preßfreiheit L