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AreiKeit und Recht!"

Wiesbaden. Dienstag, 28. Mai

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Victor Hugo's Rede gegen die Reform des Wahlgesetzes.

Meine Herren. Die Februarrevolution und ich meinerseits ergreife, da sie besiegt zu sein scheint und verleumdet wird, jede Gelegenheit, ihren hochherzigen schönen (Ljamter zu preisen die Februarrevolution hat zwei herrliche Gedanken gehabt. Der eine, ich rief ihn jüngst ins Gedächtniß, war hinaufzusteigen zu den Gipfeln des Staates und von dort die Todes­strafe zu entführen; der zweite war, die tiefsten Nie­derungen der Gesellschaft auf ihre Höhe zu erheben und darauf die Souveainität zu bauen. Doppelter friedlicher Sieg des Fortschritts, der die Menschheit cinporhob und dem Volke den Boden gab, der zugleich die politische und die soziale Welt mit Licht füllte und beiden ein neues Dasein gab und Festigkeit, der eine durch die Milde, der andere durch die Gleichheit! (Bravo links.)

Meine Herren, der große, deS Staatsmannes wie des Christen würdige Akt, wodurch die Februarrevolu­tion die Gesellschaft bis zu ihren Wurzeln mit ihrem Prinzip durchdrang, war die Einführung des allge­meinen Stimmrechts. Ein ungeheurer, ein Hauptakt, ein großes Ereigniß, das in den totaat ein neues Ele­ment einführte, unwiderruflich, definitiv. Betrachten Sie seine ganze Bedcntung. Gewiß, es war etwas Großes, dâs Recht Aller anzuerkennen, aus der Ge- samiutheit der freien Persönlichkeiten die höchste Autori- tät zu gestalten, alles was von Kasten geblieben war, in die hehre Einheit einer gemeinsamen Souveainität aufzuhebeu-und in alle Felder des alten GesellschaftS- modcllS dasselbe Volk zu vertheilen; gewiß, das war groß. Aber, m. H., im schönsten Lichte erscheint daS allgemeine Stimmrecht in seiner Wirkung auf die Klas- sen, die man bisher die niederen Klassen nannte.

M. H., die wunderbare Seite des allgemeinen Stimmrechts, die mächtige, die politische Seite, die Seite seiner Tiefe war nicht den seltsamen Bann zu heben, der auf dem Wahlrecht lastete, ohne daß man errathen könnte warum; doch das kam von der Weisheit der großen Staatsmänner von ehedem, die auch die großen Männer von heute sind. (Gelächter.) Sie war es nicht, sage ich, den seltsamen Bann zu heben, der auf einem Theil der^ sogenannten Mittel­klasse und selbst der höheren Klasse ruhte; sie war es nicht, dem Manne sein Recht zurückzugeben, der Ad­vokat, Arzt, Schriftsteller, Beamter, Professor, Priester, Richter war und nicht Wähler; dem Manne, der Ge­schworner war und nicht Wähler; der Mitglied des Instituts war und nicht Wähler; der Pair von Frank­reich war und nicht Wähler, ^icüi, die wunderbare Seite, ich wiederhole cs, die Seite seiner Tiefe, die mächtige, politische des allgemeinen Stimmrechts war, in der Schmcrzcnsregion der Gesellschaft, in ihren Un­tiefen das von der Last der sozialen Versagungen ge­

Rückblicke und Erlebnisse von Franz Raveaur.

(AuS derDeutschen Monatschrift" von Kolatschek.)

Die Rheinische Deputation in den Tagen des 17., 18. und 19. März 1848 in Berlin.

(Fortsetzung.)

W ttgenstein, den wir zum Sprecher bestimmt hatten, trug nun dem Könige langsam, ruhig und klar in einer würdevollen Sprache vor, in welchem unbehaglichen Zu­stande sich die Bevölkerung der Rheinprovinz befände, was geschehen müsse, um diesem Zustande ein Ende zu machen und die Gemische» z» lxrlttzigttl. Er überreichte ihin beim Schlüsse seines Vortrags' die Adresse, welche nach unserer Meinung die wesentlichen Punkte der da­maligen Volkswünsche enthielt. Der König schenkte diesem Vorträge ein aufmerksames Gehör, er sah etwas ange­griffen, ja ich möchte sagen, melancholisch aus. Die Rede des v. Wittgenstein beantwortete er in ruhigem festen Tone.Als er/ dies waren seine Worte,bei der Grundsteinlegung zum Kölner Dome in Gegenwart vieler deutscher Fürsten unb des versammelten Volkes jene bekannte Rede gehalten habe, worin er auf die Ein­heit Deutschlands hingewiesen, habe er keine rhetorischen Redeflosken gemacht es seien dieses.keine leeren Phrasen gewesen, er habe die Liebe zu Deutschland mit der Mutter­

beugte, erdrückte Wesen, das bis dahin keine andere Hoffnung gehabt, als die Empörung aufzusuchen, ihm die Hoffnung in einer andern Form zu reichen und ihm zu sagen: Hier, nun schlage dich nicht mehr! (Bewegung.) Es war, demjenigen, der bis jetzt nur seinen Theil an den Leiden gehabt, seinen Theil an der Souveränität zu geben; es war, in die Finsterniß des leiblichen und geistigen Elküds zu dem Unglück­lichen zu dringen, der in seiner äußersten Noth keine Waffe, keinen Schutz, keine Hülfe hatte als die Ge­waltthat, ihm die Gewaltthat zu nehmen und an die Stelle der Gewaltthat das Recht in die Hände zu legen. (Bravo.)

Ja, die große Weisheit dieser Februarrevolution, die das Evangelium der Politik zum Grunde legte und damit das allgemeine Stimmrecht einführte; ihre große Weisheit und zugleich ihre große Gerechtigkeit, das war nicht blos, den Bourgeois und den Proleta­rier in der Ausübung desselben Souveränitätsrechtes zu vermischen und gleichzustellen, das war, in der Nie­dergeschlagenheit, der Verlassenheit, der Verwahrlosung den Mann der Hoffnungslosigkeit zu suchen und ihm zu sagen: Hoffe! den Mann des Zornes zu suchen und ihm zu sagen: Denke! den Bettler, den Vagabun­den, wie man ihn nennt, den Armen, den Dürftigen, wie man ihn nennt, zu suchen und ihn zum Bürger zu weihen! (Langanhaltender Beifall links.)

Sehen Sie, m. H., wie das, was tief innerlich recht ist, auch stets tief politisch ist: daS allgemeine Stimmrecht, das den Leidenden die Wahlzcttcl gibt, nimmt ihnen damit das Gewehr. Es gibt ihnen die Macht, und damit die Ruhe: Alles was den Menschen erhöht, stimmt ihn zum Frieden. (Bewegung.) Das allgemeine Stimmrecht sagt zu Allen, und ich kenne keine bewundernswürdigere Formel deS öffentlichen Friedens: Seid ruhig, ihr seid souverän. (Sensation.) Und es sagt "ferner: Ihr leibet? So erschwert nicht eure Leiden, erschwert nicht die öffentliche Noth durch Empörung. Ihr leidet? So werdet ihr selber von jetzt an dem großen Werk der Zerstörung des Elends arbeiten, durch Männer, die euch angehören, durch Männer; in die ihr eure Seele legt, die gleichsam eure Hand sein werden. Seid ruhig. Dann sagt es zu denen, die sich versucht fühlen könnten, widerspenstig zu sein: Habt ihr gestimmt! Ja. So ist euer Recht zu Ende; wenn das Votum gesprochen, hat die Souveränität gcurtheilt. ES steht keinem Theile zu, das Werk des Ganzen zu nichte und anders zu machen. Ihr seid Burger, ihr seid frei, eure Stunde wird wie« I der kommen, wisset sic abzuwarten. Inzwischen sprecht, 1 schreibt, discutirt, streitet, lehrt, klärt auf, euch selbst I und die Andern. Ihr habt heute die Wahrheit für I cuch, morgen die Svnvcräuität. Ihr seid stark. Wie! Zwei Arten habt ihr, wie ihr handeln könnt; das i Recht des Souveräns und die Rolle des Rebellen. Wollt ihr diese wählen, cs wäre eine Dummheit und ein Verbrechen. (Beifall links.) Das find die Rath-

milch cingesvzcn, und eine cdlc von ganz Deutschland i geachtete Fürstin habe sie ihm vou frühester Jugend an i eingeimpft; wenn man aber verlange, daß er sich au i die Spitze Deutschlands stellen solle, so möge man be­denken, daß er nicht der Erste in Deutschland sei, auch nicht der Dritte, er sei der Zweite; Oesterreich gebühre der Vorrang, und für Alles in der Welt wolle er nicht den Schein auf sich laden, als usurpire er etwas, was ihm rechtlich nicht zustehe; er sei bereits den Wünschen des Volks dadurch zuvorgekommen, daß er einen Fürsten- kvngrcß zusammenberufcu habe, welcher sich über die deutsche Frage und was mit ihr Zusammenhänge, be­sprechen und verständigen solle." Als Hr. v. Wittgen­stein ihm hieraus erwiederte : daß binnen wenigen Tagen ein Parlament zusammen kommen würde, und ob es nicht besser sei, an detyselben Orte den Fürstcnkougreß stattfinden zu lassen, bemerkte der König:Er habe ge­glaubt, die Vorfälle in den kleineren südwestlichen Staaten Deutschlands hätten eine große Aufregung in den Ge­müthern zurückgelassen und es habe ihm nicht rathsam geschienen, den Kongreß nach Frankfurt einzuberufen, weil er dort von Ländern umgeben sei, deren Bewohner im gegenwärtigen Augenblicke noch zu sehr durch die Parteileidenschaften aufgeregt seien: in Dresden oder Potsdam könne ein solcher Kongreß ruhiger und unge­störter berathen und beschließen; er für seine Person habe auch nichts gegen Frankfurt, und begreife nicht, warum man gegen Dresden und Potsdam ein Vorurtheil

schlage, welche das allgemeine Stimmrecht den leiden­den Klassen gibt. (Ja, Ja, zur Linken. Gelächter rechts )

M. H., den Widerwillen zu heben, den Haß zu entwaffnen, die Patrone aus den Händen des Elends zu nehmen, den ungerecht erniedrigten Menschen auf- zurichten, und den kranken Geist zu heilen mit dem Reinsten, was es auf Erden gibt, mit dem Gefühl eines frei geübten Rechts; einem Jeden das Recht der Gewalt zu nehmen, das natürliche und ihm an Statt daS Recht der Souveränität zu geben, das sociale, dem Leiden einen Weg zu zeigen zum Licht und zum Glück; die Möglichkeit zu Revolutionen fern zu halten und der Gesellschaft mahnend die Zeit geben, sich darauf vorzubereiten; die Massen mit jener Kraft der Geduld zu beseelen, die die großen Völker macht: das ist das Werk des allgemeinen Stimmrechts (tiefer Eindruck); das im höchsten Sinne soziale Werk vom Standpunkt des StaateS, das im höchsten Sinne sittliche Werk vom Standpunkte des Individuums.

Nehmt es zu Herzen: auf dieser Erde der Freiheit und Gleichheit athmen alle Menschen dieselbe Luft und dasselbe Recht. (Bewegung.) Es kommt ein Tag im Jahre, wo der, der euch gehorcht, eures Gleichen ist, wo der, der euch dient, Herr mit euch ist, wo jeder Bürger die allgemeine Wage betritt und seine spezifische Schwere fühlt, wo das Kleinste gleichen Gewichts mit dem Größten ist. (Bravo. Gelächter.) Es kommt ein Tag im Jahre, wo der Tagelöhner, der Knecht, der Mann, der die Lasten schleppt, der Mann, der die Steine klopft am Rand der Wege, über den S.nat das Urtheil fällt, die Minister, die Repräsentanten, den Präsidenten der Republik in seine arbeitgchârteten Hände nimmt und sagt: Ich bin die Macht. (Bravo links.) Es kommt ein Tag im Jahre, wo der unscheinbarste Bürger, das Atom der Gesellschaft, Theil nimmt an dem unermeßlichen Leben deS ganzen Landes, wo die engste Brust sich weitet in der großen Luft des öffent­lichen Wesens, wo der Schwächste in sich die G öße der souveränen Nation, der Niedrigste in sich die Seele des Vaterlandes fühlt. (Sehr gut, sehr gut, links. Geräusch und Lachen rechts.) (Schluß, folgt.)

Deutfehis«-.

ft Wiesbaden, 27. $)?ai. Bezüglich des Artikels !?! Wiesbaden" geht uns heute nachstehende Erwie­derung zu: In No. 123 der Freien Zeitung wird das Verhalten des Mcdizinalcollegs in drei Hauptpunkten einer Critik unterzogen. Dem Herrn Correspondenten dieses Blattes diene ad 1 zur Antwort, daß Herr Obermedizinalrath Dr. v. Franc)ne allerdings den Beweis schuldig bleiben wird, wie man den Sitzungen des Collegiums par distance beiwohnen kann, da er den Sitzungen in Person beiwohnen wird; ad 2) der Korrespondent hat seine Nachricht über Herrn

habe." Wittgcustcin antwortete ihm daraus: Majestät! Wenn ich ihnen die Wahrheit sagen soll, bas Volk be. fürchtet von einem Kongresse, in Dresden oder PotStanr abgchalten, bic Reaktion! Diese Worte schienen sichtlich auf den König einen tiefen Ginbrucf zu machen, sie hatten ihn überrascht; er schwieg einen Augenblick gcbankcnrwll still und fuhr dann ruhig in seiner Rede fort:So, so! bas hätte ich nicht geglaubt; er wolle sehen, ob sich jene Abäuterung noch vornehmen ließe, gebe aber zu bevenken, baß er ben deutschen Fürsten nicht befehlen könne, ihm stehe nur zu, sie einzulabeu, und wenn sie seiner Einladung Folge leisteten, dann wolle er uns ver­sprechen, das Talent der Rednergabe, welches ihm von Gott verliehen sei, nach allen seinen Kräften aufzubieten, um die Fürsten zu bestimmen, dem großen Werke der Einigung ihre Beistimmungen zu geben." Als er hier­auf die ihm von Wittgenstein überreichte Adresse flüchtig durchgelesen hatte, sagte er:Meine Herren, ich freue mich, hier Wünsche ausgedrückt zu finden, die ich meinem Volke bereits aus freiem Antriebe gewährt habe *); wären

*) Diese Stelle der königlichen Rede schien uns auf einem Irrthum zu beruhen, da ein königlicher Regieruiigsrath uns we­nige Minuten vorher erzählt hatte, Bodelschwingh sei noch in der Nacht mit dem Könige in Berathang gewesen, das Patent sei früh Morgens von ihm geschrieben worden, und er habe daS Manuscript zwischen 6 und 7 Uhr Morgens naß in die Druckerei gebracht.