'ftiu. Aber auch das Bolt darf sich nicht selbst aufge- den. Der Gemeinderath hat für Aufrecht Haltung der Gesetze in der Gemeinde zu sorgen, darf keine Gesetzlosigkeit aufkommen lassen. Wenn also in einer Gemeinde Nichtberechtigte eine Vervummungsanstalt gründen, so dulde es der (Z-meinderath nicht, verlange vom Unternehmer erst das Zeugniß seines EramenS, wo solches fehlt, fordere er die Kinder in die öffentliche Schule — und strafe die Versäumnisse ohne Rücksicht auf den Besuch solcher gesetzwidrigen Privatschulen.
Deutschland.
$ Wiesbaden, 25. Mai. Der Proceß „Künstler" hat sein erstes Stadium durchlaufen. Heute wurde dem Redakteur der „Freien Zeitung" auf dem Justizamt eröffnet, daß er in Gemäßheit Beschlusses des letztern wegen „Verspottung" des Caplans Künstler durch den in Nro. 181 der „Fr. Ztg." vom I. 1849 aufgenommenen Artikel Q Die;, 25. Juli, zu 15 fl. Strafe und zur Tragung der Untersuchungskosten, die 15 ff. 24 fr. betragen, verurteilt sei. Wer sich die Mühe nehmen will den genannten Artikel zu lesen, wird leicht finden, was das Herzogliche Justizamt zu Wiesbaden eigentlich unter der sog. Preßfreiheit versteht, und sich mit uns überzeugt halten müßen, daß, wenn die Nassauischen Richter den Artikel „0 Diez", der des Kaplan Künstler mit keiner Sylbe Erwähnung thut, für strafbar halten, die unschuldigste Kritik der öffentlichen Wirksamkeit eines Dieners des Volks — zu den reinen Unmöglichkeiten gehört. Der Redakteur der „Freien Zeitung" kann übrigens nicht annehmen, daß alle Richter Rassau's die Ansicht des Justizamts zu Wiesbaden über die Grenzen der Zulässigkeit der Kritik öffentlicher Amtsthätigkeit theilen und er hat deshalb gegen das amtliche Erkenntniß Appellation an das Herz. Hof- und Appellationsgericht zu Wiesbaden ergriffen. — Ueber den weitern Verlauf des Processes werden wir unsern Lesern Mittheilung zu machen nicht verfehlen.
• ?! Wiesbaden. Man war bisher der Meinung, das jetzige Medicinalcolleg werde den starken Zopf, der dem nassauischen Medicinalwesen noch im Nacken hängt, wenigstens etwas kürzen, wenn auch nicht ganz abschneiden; allein folgende Erfahrungen lehren, daß Jenes zur Vornahme einer solchen Operation entweder den Willen oder die Kraft nicht hat.
1) Es ist schon so häufig gerügt worden, daß der Regierungsreferent in Medicinalairgelegenheiten 4 Mo- Rate des Jahres sein Amt verlaßend in weiter Ferne als Badearzt funktionire; es ist die Unzulässigkeit einer solch doppelten Stellung in diesen Blättern schon gründlich beleuchtet worden, so daß es keiner weiteren Ausführung mehr bedarf, obgleich man bei einem bureau- kratischen Medicinalreferenten noch leichter als bei dem jetzigen Vorsitzenden des Medicinalcollegs diesen Mißstand übersehen konnte. Trotzdem ist Herr v. Franqu^ vor einigen Tagen wieder von hiernach dem Emser Eldorado abgereist, wird jedoch der Welt den Beweis schuldig bleiben, daß man Collegialfitzun- gen auch par distance abhalten könne.
2) Es ist allgemein anerkannt, daß die Stelle eines Badearztes mit der eines angestellten Landarztes unverträglich ist, da Jener im Sommer die praxis aurea der praxis cuprea sicherlich vorziehen wird; noch anerkannter ist es, daß eine solche Stelle mit der eines Physikatsarztes durchaus nicht zu vereinbaren sei, zumal wenn das Bad mehrere Stunden vom Amtssitz entfernt ist; trotzdem überträgt das Ministerium, wie eine gute Quelle berichtet, dem Herrn Medicinalrath Rückert die Badearztstelle in Schlangenbad, so daß dem Amte Eltville während des ganzen SommerS bei gerichtlichen Fällen nur ein Medicinalaccessist zu Gebote steht, da der Assistent, was später noch berührt werden wird, in Oesterich wohnt.
3) EsWIschoit mizähligemal Klage geführt worden, daß diejenigen Medicinalaccessisten, die eine gute Stelle inne haben, auf derselben mit Beibehaltung der Anciennität verbleiben dürfen, statt ordnungsmäßig auf eine offenstehende Assistentenstelle vorzurücken und ruhig abwarten bis die ihres Ortes oder Amtes frei wird, um sich alsdann ganz behaglich in derselben niederzulassen. Es wird dadurch eine wahre Aristokratie unter den Medizinern gebildet, und es bleibt dein plebejischen Arzte nichts anders übrig, als von schlechten Accesfistenstcllen, wie Kemel, Wehen, Rennerod, Usingen und wie die Orte alle heißen, die auf das ärztliche Ohr einen ganz eigenthümlichen Reiz ausüben, auf schlechte AssistcntcnsteUen, wie Marienberg u. s. w., vorzurücke», um hier denselben Kampf mit Noth und Entbehrung zu beginnen, dem er dort entgehen wollte, und die Aussicht, endlich eine Familie begründen zu können, in immer weitre Entfernung gerückt zu sehen.
Diese Verhältnisse hat die Presse schon vielfach beleuchtet ; trotz alledem und alledem wird Herr Accesfift Bertrand *), der andre ihm als jünger» Assistenten zukommende schlechtere Stellen ausgeschlagen, jetzt nach Kniesilngs Tode sogleich Assistent im Amte Eltville, mit Belassung au seinem bisherigen Wohnorte Oestrich, obgleich man auf diese Weise den sub. 2 gerügten Uebelstand ums doppelte vermehrt. Wie dies Verfahren mit der Gerechtigkeit, welche man A l l_e n in gleichem Grade zu Theil soll werden lassen, in Einklang zu bringen sei, das möge sich Jeder selbst beantworte»!
Wir aber fragen, ob man denn in den höheren Regionen gar nicht gewillt ist, von den vielen Miß- ständen, über welche die öffentliche Meinung schon längst den Stab gebrochen, auch nur einige für die Zukunft abzustellen, und dadurch der vox populi ein ganz kleines Zugeständnis zu machen?
%* Montabaur, den 3. Mai. Heute versammelten sich dahier auf dem Rathhaus die Mitglieder des mit dem Limburger Central-Handwerkerverein in Verbindung stehenden Local -Gewerbevereins und es wurde unter dem Vorsitz des Procurators Verflas- sen aus Limburg und dem des Herrn Kaufmann Flügel aus Montabaur von der Versammlung die Vorfrage für die Gewerbordnung in Berathung genommen, ob dieser die Zunftverfassung Gewerbfrciheit, freiwillige oder nothwendige Innung zu Grund gelegt werden solle. Man verwarf die Zunft mit ihren starren, den Zeitverhältnissen nicht mehr anpassenden Formen, die Gewerbsreiheit als die Verfolgerin des Handwerks und Beschützerin der Pfuscherei des Kapitals und der Fabrik, sowie Nährerin des verderblichen Egoismus unter den Handwerkern selbst, dagegen erkannte man unter dem Schutz der nothwendigen Innung (einer ausgebildeten Association) die Möglichkeit der Vertretung der gewerblichen Gesammt-Interessen, der Selbst-Regierung des Gewerbstandes in der Corporation durch Gewerbegericht, Gewerberath u. s. w. die Möglichkeit des Schutzes gegen die Wucht des Ka- pitals und der Fabriken und des Emporkommens des Handwerks zu den Ehren der Kunst durch stetes Ringen nach geistiger und moralischer Ausbildung und technischer Tüchtigkeit. Einstweilen wünschte bis zu dem Erlassen eines solchen Gewerbegesetzes die Versammlung die Einführung der freiwilligen Innung unter dem Vorsitz des Limburger Centralhandwerkervereins und betrachtete hierhin gehörig: die Errichtung von Lesevereinen, Bezirksbibliotheken für das Gewerbewesen, Vorlesungen mit Bezugnahme auf die Realwissenschaften für den Gewerbstand; die Errichtung von Modellsammlungen, Gewerbezeitungen u. s. W. die Errichtung von Verkaufs- oder Gewerbehallen in allen erheblichen
*) Anm. Verf. verwahrt sich ausdrücklich gegen persönliche Angriffe; Herr Bertrand ist ihm zu wohl als wissenschaftlicher, gediegener Mann bekannt, als daß er ihm nicht alles Gute wünschen sollte; allein dies kann von dem entschiedenen Kampfe gegen ein Prinzip nicht abhalten.
Städten, worin nur Handwerkserzeugnisse gegen feste Preise verkauft werden um das Publikum von den schlechten Fabrikwaaren zu entwöhnen und für die solidere Arbeit zu gewinnen, zugleich die Handwerker zur technische» Ausbildung heranzuziehen und ihnen eine Vorschußkasse bereit zu stellen; die Fundirung von Vorschußkassen, Behufs der Anschaffung von Handwerksmaterialien, die Errichtung von Kranken- und Sterbekassen als reine Rentenanstalten (nicht Unter- stützungscassen oder Armenanstalten) der Arbeits- oder Beschwerdebureaus in jeder Stadt, der Arbeiteraffo- ciatidnen zur Uebernahme großer Arbriten, theilweise mit den Vortheilen der Fabrik um dieser eine stichhaltige Concurrenz zu bilden, der Vereine zum Schutz der vaterländischen Arbeit, welche das Handwerk gegen die Fabrik zn begünstigen suchen. Das von dem Vorsitzenden verlesene motivirte Gutachten des Vorstands des Centralhandwerkervereins zu Limburg im Betreff der Einführung der freiwilligen und nothwendigen Innung wurde von der Versammlung als annnehmbar befunden. Diese stimmte bei der Berathung über die Steuerfrage für die Einführung der Einkommensteuer und es wurde beschlossen in der nächsten Zusammenkunft einen von dem Vorstand des Centralhandwerkervereins in Limburg abgefaßten Entwurf einer Gewerb- Verordnung in Berathung zu nehmen, weil er den Interessen des Handwerksstandes Nassaus entspreche und erst nach genauer Einsammlung der Materialien durch die Handwerker selbst in Arbeit genommen und von diesen auf Generalversammlungen hinreichend geprüft worden sei.
Frankfurt, 20. Mai. Dem Vernehmen würde eine Vermehrung der Besatzung Frankfurts bevorstehen. Die diesfälligen Verhandlungen sollen ihrem Abschlusse nahe sei». Es würde diese Maßnahme in Ausführung gebracht werden, sobald die Einrichtung der erforderliche» Räumlichkeiten vollendet wäre. Ebenso würden mehrere der zunächst um Frankfurt gelegenen größern Orte, wie Hanau Offenbach, Höchst, Friedberg Langen, starke Besatzungen erhalten. Die Stellung Frank- furts als des Sitzes der deutschen Zentralbehörde soll für alle Eventualitäten gesichert werden. Die Besa- tzungen würden auS Truppenkorps der größern deutschen Staaten zusammengesetzt sein.
Frankfurt, 24. Mai. In der heutigen Sitzung der s. g. „gesetzgebenden Versammlung" wurde bei der wiederholten Abstimmung über die Anträge der Kommission in Betreff des Anschlusses der Stadt Frankfurt an das Berliner Bündniß, nach Verwerfung deS Antrags der Minderheit des Ausschusses mit 46 gegen 41 Stimmen, eine motivirte Tagesordnung des Dr. Goldschmitt mit 54 gegen 33 Stimmen angenommen, wonach die Versammlung bcm Senat die Erwartung ausspricht, er werde, wenn eine die Freiheit und Einheit Deutschlands begründende Verfassung zu Stande gekommen und die neue Unionsregierung eingesetzt sei, der Versammlung neue Vorlagen machen.
Frankfurt, 24. Mai. Generallieutenant v. Peucker ist, sicherem Vernehmen snach, definitiv zum Bevollmächtigten bei dem hiesigen Congresse ernannt. —
Kassel, 23. März. Hier erhält sich ein Gerücht, der Kurfürst gehe damit um, das Ministerium Hassenpflug zu entlassen und eS werden schon einzelne neue Minister bezeichnet; namentlich wird Regierungsrath v. Winzingcroda als demnächstsger Vorstand des Innern genannt. (F. I.)
Neckarsulm. Preußische Soldaten haben bei Böttingen am Neckar bewaffnet die Gränze verletzt und sich in Streit mit Böttinger Einwohnern eingelassen. Es ist deshalb eine Untersuchung angeordnet. (Beob.)
Leipzig, 19. Mai. Ein bedauerlicher Fall jhat sich vorgestern Nacht hier zugetragen. Ein Soldat, der in Folge der Maiereignisse in der Kaserne gefangen saß und dem Vernehmen nach zu 15 Jahren
schon mehrere Abende in das Volk einhanen müssen, ob. schon man nicht sagen könne, daß dasselbe eigentliche Excesse begangen habe, die Leute wüßten selbst nicht, was sie wollten; sie stellten sich in großen Haufen hin und nöthigten dadurch das Militär, von den Waffen Gebrauch zu machen! Der Minister glaubte, daß drei Deputirte hingereicht hätten, die Mission zu übernehmen; als ich ihm hierauf bemerkte, es wäre auch im Gemeinderath Anfangs die Ansicht vorherrschend gewesen, daß eine kleinere Deputation dem Zwecke entspreche; ich sei es gewesen, der den Vorschlag gemacht habe, zwölf Mitglieder zu ernennen, damit das Volk in der Vertretung aller Ansichten und Parteien eine größere Beruhigung fände; dies sei denn auch vom Gemeinvcrath adoptirt worden , und der Minister dürfe versichert sein, daß in den Personen, welche die Deputation bildeten, die Ansichten und Meinungen aller Stände und Parteien vertreten seien. Nach dieser Auseinandersetzung fragte mich der Minister: Wie heißen Sie? Raveaux! antwortete ich. Ach so! erwiederte der Minister mit zurückgewor- senem Kopfe und fuhr dann fort: der König würde aber nicht mehr wie drei Mitglieder der Deputation zur Audienz zulassen: worauf ihm Michels entgegnete! dann ' reisen wir Alle zusammen nach Köln zurück; denn wir sind gekommen um alle zwölf vereinigt dem Könige die Wünsche des Volks vorzutragen. Nun, wir wollen sehen ob es sich machen läßt, erwiederte hierauf der Minister. Mie lange gedenken Sie hier zu bleiben? Doch gewiß
acht Tage? Weil ich nicht weiß, ob Seine Majestät, welche jetzt, wie sie leicht denken können, sehr mit Ge- . schaffen überhäuft sind, Ihnen in kürzester Zeit Audieuz ! ertheilen wird. Hr. v. Wittgenstein schnitt dieses Bedenken durch die kurze Antwort ab: wir können nur 24 Stunden hier bleiben, das Volk harrt auf unsere Zurückkunft und mit jeder Stunde Verzug wächst die Größe der Gefahr! Nun, nun, wir wollen sehen ob eS sich machen läßt, aber ich versichere Sie, meine Herren, der König ist seit einigen Tagen in so gereizter Stimmung, daß ich mit Furcht dem Augenblick entgegen gehe, in welchem ich ihm diese Mittheilung machen muß; ich mache Sie darauf aufmerksam, damit Sie bei der Audienz in der Wahl Ihrer Worte Rücksicht darauf nehmen. Wittgenstein antwortete ihm, daß er gewohnt sei, seine Worte so zu wählen, daß sie für Niemand etwas Verletzendes hätten, er dürfe über diesen Punkt beruhiget sein. Auf seine Frage: Wann sind Sie von Köln abgereist? wurde ihm die Antwort: gestern! Za! rief er aus: die Eisenbahnen die Eisenbahnen! Sie lassen einem kaum Zeit, zur Besinnung zu kommen; das drängt Alles und eilt Alles! Und es will doch geschehen sein, und daS Mobilmachen und alle zu ergreifender Maßregeln kosten Geld nnd immer Geld! DaS hört aber auch einmal auf, und was dann? — Er schien plötzlich darüber zu erschrecken, daß er sich hatte so gehen lassen, brach mitten in seiner Rede ab und versprach, Alles zu thun , was in seinen Kräften stände, damit wir unsern Zweck erreichten.
Während dieser Unterredung hatte der Diener den Fürsten Lichnowsky gemeldet, welchen wir, als wir unS ver. abschiedeten, im Vorzimmer bemerkten.
Gleich bei der Rückkehr in unsern Gasthof, wo wir uns über die stattgefundene Unterrednna unterhielten, sprachen sich alle Mitglieder der Deputation dahin aus, daß eine große Verwirrung im Ministerium und bei Hofe herrschen müsse *). Wittgenstein, der dem Minister eine Abschrift der Adresse an den König mitgetheilt hatte, war mit uns der Ansicht, daß unsere Deputation nicht auf Schwierigkeiten stoßen würde. In Berlin selbst hatte sich daS Gerücht verbreitet: die Rheinprovinz drohe mit Abfall von Preußen, wenn der König den Wünschen und Forderungen der rheinischen Deputation die Gewährung versagen würde. Dieses Gerücht hatte sogar den Weg biS in'S königliche Schloß gefunden. DaS Hotel Meinhardt, in welchem wir logirten, war ziemlich besetzt, und so kam eS, daS Guillaume und ich, die wir in einem Zimmer Parterre logiren mußten, nicht gewahr wurden, daß bereits am 18. in der Frühstunde der Deputation die Mittheilung gemacht wurde: sie habe um 10 Uhr Audienz beim Könige. Als wir daher ungefähr um tiefe Zeit unö in'S Freie begeben wollten, begegnete uns Stupp in der Thüre und verwunderte sich, daß wir
*) Die Wiener Erhebung und die Zugeständnisse des Kaisers von ^Oesterreich waren dem Hofe und d«m Ministerium bereits bekannt.