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âeiheit und Hießt!

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Wiesbaden. Dienstag, 21 Mai

1850

DieFreie Zeituna " erscheint, mit üudnabme des Montags, täglich in einem Bogen. - Der Abvnnementâpreis beträgt v lerteljährig hier in Wiesbaden I fl. 45 fr., aus­wärts durch die Post oezogen mit vcrhâltmßmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung der ,-Freien Zeitung" stets von wirt- samein Erfolge. £te JnserativnSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

erfolgte wahrscheinlich auf Oesterreichs Antrag. Den nicht eingetrelenen Staaten ward eine Präklusivfrist gesetzt, nach deren Verlauf, wenn sie nicht erscheinen, sic als an alle Beschlüsse des Plenum gebunden be­trachtet werden sollen.

Mannheim, 17. Mai. Das Gerücht von Errich­tung resp. Beziehung eines Feldlagers Seitens der preußischen und badischen Garnison gewinnt immer I mehr Gewicht, oa der Generalstab bereits die hierzu I nöthigen Bemessungen und Platzabsteckungen in der Gegend von Offenburg vorgenommen haben soll; in Verbindung hiermit soll auch an die Regierungsbezir­ke des Großherzogthums die Weisung ergangen seyn, Verzeichnisse der zur Truppenaufnahme sich eignenden größern Räumlichkei t en anzufertigen.

Vom See, im Mai. Die Missionäre sollen viel Geld mit sich genommen haben. Abgesehen davon, daß die Dispenfationsfünfzehner *) zu vielen hundert Gulden sich ansammelten, so wurden noch wegen an­derer Artikel weitaus größere Geschäfte im Ablaß ge­macht. Gegen das Alpdrücken bezahlte Mancher 50 und 100 fl, und wie man jetzt behauptet, ohne allen Erfolg. Das Drücken kouune da und dort schon wie­der, da, wo es am Gewissen hafte, selbst mit gestei­gerter Heftigkeit. Die Scham hält noch Viele ab ans­zukramen, aber es wird nicht lange mehr anstehen, so wird der Unwille zum Ausbruch kommen, und dann wehe Euch, Ablaßkrämer! wenn Ihr den Betrogenen noch einmal in's Gesicht kommt. In Wien sind die I Jesuiten wieder berufen worden, und was sind unsere Missionäre anders? Aber die Wiener habeu keine Ablaßzettel gekauft, und sind den Jüngern Loyola's auch nicht mit Kreuz und Fahnen entgegen gegangen, sondern sie haben durch massenweisen Austritt aus Der so bedrohten Kirche gegeu die Jesaitenberufung Protest eingelegt. An einem Tage zeichneten 7000 Personen ihren Uebertritt zur freien Kirche des reinen Chri­stenthums. Unsere Gegner sind es überall, die uns auf die Beine helfen müssen. (Sigm. Hochw.)

Breslau, 14. Mai. In einer Sitzung des Stadt­gerichts, in welcher der Antrag des Referenten Koch, den Grafen Oskar von Reichenbach sofort zu entlassen oder doch an das Schwurgericht zu Oppeln zn ver­weisen, zur Berathung kam, wurde beschlossen, dem Anträge des Herrn Koch auf Freilassung des Grafen Reichenbach nicht nachzukommen, da durch die Jnkom- petenzerklärung des Schwurgerichts in der Sache selbst nichts geändert worden sei. Reichenbach bleibt also verhaftet!

Berlin, 16. Mai. Rußland soll, wie ich aus gu­ter Quelle erfahre, auf unverweilte Entwaff­nung des schleswig-holsteinischenRebel-

*) Gegen Bezahlung von 15 kr. wurde Jedermann, klein und groß, auf 3 Jahre vom Beichten suspcndirt.

DessLschiKKlS.

$ Wiesbaden, 18. Mai. ^Assisen vor Hand­lungen. Achtzehnter Prozeß. Schluß.) Nach der Erzählung des Angeklagten und den Aussa­gen der zehn geladenen Zeugen ist folgendes der Her­gang der Sache:

Johann Schneider ging am 10. März l. J. auf den Schnepfenstrich. Einige Jagdgenosten waren schon ' vorausgegangen. Als er am Hause der Jakobine Pis- cator^vorbèikam, einer übel berüchtigten Person, mit welcher er einen Prozeß verloren hatte, hörte er, wie von ihrem Fenster aus gelacht und gesprochen wurde. Diese gibt zwar, übereinstimmend mit ihrem Bruder, an, das Gelächter habe sich auf eine Butterbretzel be­zogen, der Angeklagte war aber der Meinung, und, wie es scheint, mit Recht, daß das Gelächter ihm ge­golten. Er legte seine Flinte an und soll gesagt ha­ben:Mensch ich kriege Dich doch, ehe Dich der Teu­fel holt!" Das Gewehr soll ihm versagt haben, einige Schritte weiter habe er wieder angelegt, es habe aber­mals versagt, bis endlich zum drittenmale, 84 Schritte vom Hause entfernt, die Flinte sich entludund die Ladung, ans Schrot bestehend, angeblich rasselnd wi­der den Fensterladen fuhr. Der Angeklagte gibt es zu, daß er geschossen habe, er habe jedoch nicht die Ab­sicht gehabt, irgend eine Verletzung herbcizuführen, son­dern nur, um sich diese Person vom Leide zu schaffen, einen Schreckschuß gethan. Jakobine Piscator wurde nicht getrosten. Die Zeugen stimmen meistens darin ; überein, daß an dem Orte, wo Schneider geschossen i habe, in der Regel die Flinten losgeschossen würden; daß von da aus unmöglich eine Verletzung der in jenem Hause am Fenster Stehenden hätte ftattfiuden können," und daß aber auch die Richtung der Flinte gar nicht der Art war, daß das Fenster, hätte erreicht werden können. Zeuge Emmel glaubt sogar, daß die ganze Anklage auf Intriguen Seitens der Piscator und der Sauerland beruhe. Der Angeklagte hat wohl seinen Jagdgenossen erzählt, er habe auch nach einer Schnepfe geschossen, sie aber nicht getrosten; er habe damit die Piscator gemeint. Die Zeugen hal­ten dies ab^r für eine reine Prahlerei und den Ange­klagten durchaus eines Mordversuchs nicht fähig.

Die in jeder Hinsicht geschickte und gewandte Ver­theidigung des Herru Prokurators Wilhelmi gun. entzieht sehr bald der Anklage allen Boden, obgleich dieselbe nicht minder geschickt begründet wurde.

Nach nicht langer Berathung verkünden die Ge- schworenen dasNichtschuldig" und erfolgt hierauf die schon mitgetheilte Freisprechung.

Frankfurt, 18. Mai. Die gestrige Sitzung des Plenums der Bundeöversaminlung" beschäftigte sich mit der Abfassung einer Geschäftsordnung und dauerte ziemlich lange. Die Zahl der Bevollmächtigten hat sich nicht vermehrt und die Constituirung alsPlenum"

V Pfingstlied.

Es ist Pfingsten; ja, man höret Noch in allen Zungen künden, Jene frohe Himmelsbotschaft, Die da sehend macht die Blinden.

Und wenn diesen Feuerzungen Andachtsvoll die Menge lauscht, Rufen schnöbe, freche Spötter: .Sehet, sie sind weinberauscht!*

Es ist Pfingsten; noch vor Kurzem Ward zerrissen manches Herz Und die freie Seele mußte Heimwärts fliehen, himmelwärts!

Und wir alle suhlen wieder Jenes heilge Geisteswehen, Das die aufgestiegnen Geister- Senden von des^Himmcls Höhen.

Ja, das Wehn des Feuergeistes Der, trotz Kreuz'gung früh und spät.

Durch die hohe Götterstärke Immer wieder aufersteht.

Der, so oft man ihn auch dränget,

In des sel'gen Himmels Fährte, Immer wieder niedersteiget,: Zu der lieben Muttererde.

Zu der Erde: um die Räume Dieses finsteren Planeten

Zu erhellen, zu durchglühen, Umzuschaffen in ein Eden ;

Um in alle Lebensformen,

Seine Züge einzuweben, Um in alle Menschenwerke

Seine Gottheit einzuleben.

Fr. M.

leilheers " dringen und diese Forderung von Eng­land, wahrscheinlich auch von Frankreich und Oester­reich unterstützt werden. (N.D.Z.)

Berlin, 16. Mai. Bei den gegenwärtig hier ge­pflogenen Berathungen der Abgeordneten des HanteiS- unb Fabrikantenstandes tritt Die Schutzzollpartei mit den maßlosesten Ansprüchen auf, Die Die Vorschläge des Handelsministeriums oft weit hinter sich lassen. Dem Vernehmen nach wird dem hier versammelten Handelscongreß auch ein Gutachten über den mit dem 1. Juli ablaufenden preußisch-belgischen Handelsvertrag abgefordert werden, und es laßt sich nach der Majo­rität der Theilnehmer an dem Congreß ein Votum erwarten, welches sich gegen Die Verlängerung des Ver­trages ausspricht.

Berlin, 16. Mai. DieVoss. 3-" hat zwar noch immer die Beschlüsse des Fürstenkongreßes nicht begrei­fen können trotz aller Mühe, Die sie sich deshalb gege­ben hat; aber zum Glück ist das Begriffsvermögen der guten Tante für Menschenkinder, Die nicht zu den älteren Individuen des anderen Geschlechts" gehören, nicht maßgebend. Der Kongreß ist aus und Die Beschlüsse desselben sind klar für Jedermann, der se­hen will:Aus der Union wird nichts; es lebe der deutsche Bund!" Gestern entwarfen Die Minister der Unionsfürsten" die an Oesterreich zu richtende Note. Kurhessen verwahrte sich dann sowohl gegen das Mün­chener Projekt, als gegen jede Trias für Die Central­gewalt; es will die Leitung Deutschlands nur Oester­reich und Preußen überlaßen wißen, wie zu den Zei­ten des alten Bundes. Heute Mittag richtete der Kö­nig noch einmal eine feierliche Ansprache an seine ho­hen Gäste,die im Hinbick auf erzielte Resultate eine sehr erfreuliche wird sein können", sagt Die Manteuf­fel sch eD. Ref."Denn Die Union ist auf dem Kon­greß bis zu dem Punkte geführt, wo der Fürstenrath und Die Unionsregierung ms Leben treten tonnen!" Ein sehr erfreuliches Resultat!

Uebrigens weiß das Ministerium selber nicht, was werden wird, aus dem sehr einfachen Grunde, weil es das in Frankfurt erfahren soll. Denn auf Die un­umwundene Aufforderung decN. Pr. Z.", doch ein­mal offen darzulegen, was denn nun vom deutschen Bunde noch bestände und was nicht, zieht sich Die D. R." mit der eingestandenermaßen vagen Phrase aus Der Affaire, daß Der Bund seinem materiellen In­halt nach bestehe, aber seiner Organisation nach auf­gehoben sei durch den Beschluß vom 13. Juli 1848. Das heißt: Oesterreich und Preußen werden auch künf­tig die deutschen Angelegenheiten leiten, aber sie haben sich noch nicht völlig über Die Verkeilung der Macht geeinigt; das wird eben in Frankfurt geschehen.(N.D.Z.)

Berlin, 17. Mai. Der aus Kopenhagen zurück­gekehrte General v. Below, Den nach Den Einen seine Mission erfüllt, nach Andern in Kopenhagen Nichts durchgesetzt hätte, ist sofort nach seiner Ankunft zum König beschieden gewesen, um Bericht zu erstatten. Heut hat Hr. v. Below dem Prinzen v. Preußen seine Aufwartung gemacht und ihm gleichfalls Vortrag ge­halten. (Westb. Ztg.)

Schwerin, 12. Mai. Die gute Zeit ist vorüber, wo uns jeder Tag ein Stück Geschichte lieferte. Da­mals, als ich mit unserm jetzigen Finanzminister von Brock auf die Wache zog und mit ihm Die Frage diskutirte: ob Monarchie, ob Republik! damals lebten die Korrespondenten der verschiedensten Blätter herrlich und in Freuden, jetzt werden sie alle Kritiker, ausge­nommen die, welche Bulletins über das Wohlbefinden hoher Personen schreiben, wenn Hochdieselben eine Spa­zierfahrt zu machen geruhten. In Bezug auf Die po­litischen Ereignisse in Mecklenburg kann ich Ihnen nur melden, daß Die letzte Woche ohne alle und jede Stö­rung Der Ruhe und Ordnung vorüber gegangen ist; die nächste verspricht aber etwas mehr Lebendigkeit für die politischen Kreise. Unsere Junker satteln wieder ihre Rozinante und sitzen auf, um mit Dem Ministe­rium eine Lanze zu brechen, weil es ihnen nun einmal nicht vergönnt ist, für dasselbe zu kämpfen. Dieser Kampf, der, wie mich ein Ritter versicherte, ein geisti­ger sein würde, wird durch Die Unthätigkeit des Mi- nifterii hervorgergerufen, welches noch immer zögert, die auferstandenen Herren wieder in Amt und Würde einzusetzen. Der Streit wird aber mn so heftiger ent­brennen müssen, als die Aktionäre des geistigen Or­gans, die armen Ritter desNordd. Corresp." bereits die letzte Rate elngezahlt haben. (Nordd. fr. Pr.)