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Auch die Stenern, sowohl direkte als indirekte, ja so­gar die Hundötare, werden, natürlich ohne ständische Bewilligung, noch nach dem alten Steuerfuße erhoben und es wurde deren Fortbezug im ersten preußischen Negierungsblatte dekretirt. Alle Reskripte und Dekrete der königlichen Negierung in Sigmaringen finden ihre Gegenzeichnung von unserm vormaligen Minister von Sällwürk. (N-Z.)

Kassel, 16. Mai. In der heutigen Sitzung der Stânde-Versammlnng stellte Hr. Oetker eine Interpella­tion , betreffend die bei dem Strafgericht zu Greifswalds gegen den Ministerpräsidenten Hassenpflug anhängige Un­tersuchung. Der Landeokommissär beantwortete die von Hrn. v. Schenk vor der Vertagung gestellte Interpella­tion wegen der am 24. Fcbr. d. J. erfolgten Einziehung der Beurlaubten dahin, daß diese Maßregel gegen einen etwaigen bei der Jahresfeier des 24. Fcbr. durch die Umsturzpartei von Frankreich ausgehenden veranlaßten Anstoß gerichtet gewesen sei. (Kass. Z.)

Griechenland.

Nach derTimes", deren Angaben in dieser An- gelcgenbcit jedoch mit Vorficht aufzunehmen sind, soll der plötzliche und besonders der französischen Regie­rung unerwartete Ausgang der griechischen Frage durch folgenden Umstand zu erklären sein. Man erinnert sich, daß am 20. April Lörd Palmerston und Drouyn de Lhuys beziehungsweise an Wyse und Baron Gros neue Instruktionen befördern ließen, die sehr milder Natur und für Griechenland verhältnißmäßig günstig gewesen sein sollen. Nun langte der französische Kou­rier zu rechter Zeit bei Gros an, dem er seine De­peschen übergab; die engl. Botschaft erreichte aber Wyse aus einer bis jetzt unerklärten Ursachen erst volle 48 Stun­den später, wobei dieTimes" bemerkt, daß dies in dieser Angelegenheit schon öfter vorgekommen. Aller­dings theilte Groß seine Instruktionen unverzüglich Wyse mit; doch dieser wollte und durfte darauf kein Gewicht legen und handelte demgemäß nach den frü­heren strengeren Vorschriften, die zu dem bereits be­richteten, für Griechenland viel härteren Ausgang führ­ten. - Drouyn de Lhuys hat nun, wie der Pariser Korrespondent der Times wissen will, von der fran­zösischen Regierung den Auftrag erhalten, eine Erklä­rung des Vorganges von Lord Palmerston zu ver­langen und demselben anzuzeigen, daß Alles, was in Folge des verspäteten Eintreffens der neuen Instruk­tionen von Wyse vorgenommen ist, als null und nich­tig betrachtet und daß die Unterhandlung von neuem begonnen werden müsse.

Großbritannien.

Loudon, 15. Mai. Die Schutzzöllner treten mit ihren Plänen zur Wiederherstellung der alten Handels- Politik immer offener hervor. In der gestrigen Sitzung des Hauses der Gemeinen stellte Grantley Berkeley den Antrag, daß das Haus als Comite die auf Ein­fuhr ausländischen Getreides bezüglichen Gesetze in Be­tracht ziehen möge.

An der langen Debatte, welche dieser Antrag veran­laßte, nahmen unter Anderen der Schatzkanzler, Disr raeli und Cobden Theil. Die Motion hatte das Schicksal, mit 298 gegen 184 Stimmen verworfen zu werden.

I t a l i e ».

DerConcordia" vom 11. Mai zufolge sind in den piemontcsischen Orten Cassolo, Trometto und Mor­tara Unruhen ausgesprochen, als deren Veranlassung die Aufhebung der geistlichen Privilegien angegeben wirb. Wie demCorriere Mercanüle" aus M a i- lan d vom 7. Mai berichtet wird, waren für die lom- bardisch-venetianische freiwillige Anleihe kaum zwei Millionen Fr. gezeichnet worden. Man hat die freiwillige Anleihe deßhalb in eine Zwangs-Anleihe verwandelt. Zwanzig Millionen sollen von Capitalis- ten, Banquiers u. s. w., zwanzig Millionen von Grundbesitzern und die gleiche Summe von Gewerb- treibenden aufgebracht werden. Drei neue Forts sollen in Mailand errichtet werden; inLaveno ist ein Fort im Bau begriffen. Wie derConstituziale" meldet, wird der Großherzog von Toscana nächstens nach Wien abreisen.

Skepublik Frankreich

Paris, 12. Mai.Deutschland, das.durch Auf­stände und parlamentarische Anarchie so tief erschüttert war, kehrt aUmählig und beinahe ohne Lärm noch Schwierigkeit zur friedlichen Ordnung zurück. Die Versammlung zu Erfurt, der letzte Versuch des Geistes der Einheit, der in Deutschland nichts anders ist als der Geist der Revolution, ist in seiner Ohnmacht hin­geschwunden , nachdem er selbst von seinen preußischen Urhebern aufgegeben war. Oesterreich, das die Starke und den Sieg verkörpert, spricht fortan eine Sprache, de­ren Gewicht unverkennbar ist. Der Frieden in Deutschland ist also gesichert."

Was soll das heißen? Hass derNapoleon" von heute, aus dem wir dieses tiefkundige Urtheil über Deütschland entnehmen, aus der Schule geplaudert? Sind wir nicht mehr gut Freund mit demKabinette von Berlin?" Wie, derNapoleon", der durch seinen ersten Aufsatz zum Hundertsten Male beweist, daß er vns,Organ des Ekysee ist (denn wer anders möchte

solche kaiserliche Albernheiten in die Welt schicken?) derNapoleon" sagt Preußen anzügliche Redensarten, verspottet dessen Ohnmacht, und rühmt Oesterreich, dasdie Stärke und den Sieg verkörpert?!" Oester­reich ,das bereits jetzt eine unwiderstehlich gewichtige Sprache spricht" und dadurch den Frieden Deutschlands sichert! Also wohl im Widerspruch mit Preußen, das diesen Frieden etwa nicht will?

Ich will mich nicht weiter in diesen freundnach- barlichen Gruß mischen, den der Präsident Bonaparte seinen Alliirten in Berlin sendet und der wahrschein­lich berechnet ist, dem an seinen Poften rückkehrenden Gesandten Persigny als Geleitbrief und Einführung zu dienen. Wer kann eine so tiefsinnige Politik er­gründen !

Das also hat derNapoleon" auch entdeckt, daß in Deut sch land der Geist der Einheit und der Geist der Revolution eins und dasselbe sind! Darin ist er­gänz derselben Meinung mit den Herren v. Metter­nich, Blittersdorff, Arnim, Rädowitz, Windischgrätz und Schwarzenberg, wie diese andererseits hierin gerade denken wie die deutsche Demokratie. Wahrscheinlich also wird derNapoleon" und sein Schutzherr, die aus dem Willen der Demokratie hervorgegangen sind, sich an die Gesinnung der Demokratie anschließen und für die deutsche Einheit Wünsche darbringen? Gehor­samster Diener; das war gut für die Zeit vor der Wahl des 10. Dezember. Heute zählt Bonaparte sich zu der großen Familie der Regenten und Herrscher, zur Schule der Monarchisten, und hat in Betreff der deutschen Einheit dieselben kleinlichen, armseligen An- lichten , die den Staatsmännern der untergegangenen Monarchie eigen waren.

Die Provmzialblätter fangen an sich über das Wahl­gesetz in sehr energischer Weise zu äußern. Paris ist ruhig. Sollte es aber jemals zum Kampfe kommen, so läßt Alles vermuthen, daß er in schneller Entzün­dung die Departements ergreifen werde.

Auch die englische Presse spricht sich in tadelnden Worten über das namenlose Machwerk der Reaktion ans. In der hiesigen Bourgeoisie gährt es im Stillen; kommt sie über die erste Furcht vor einem neuen Kampfe hinweg so wird sie in neuer Dankbarkeit sich der Demokratie zuwenden und laut die Stimme des Vorwurfes gegen eine Regierung und eine Majorität erheben, die alles moralischen und rechtlichen Sinnes baar sind. (N-Z.)

Paris, 15. Mai. (Mz. Ztg.) Carlier scheint â tout prix entschloßen zu sein, sein Wort, wir wollen eine Emeute haben und werden sie haben, wahr zu machen und die contrerevolutionären Blätter unterstützen ihn darin aus allen Kräften. Jede Maus wird zum Elephanten, jedes Sandkorn zu einem Berg unter ihren Händen. So wurde, während schon die angebliche Insurrektion in Creuzot allgemein als ein gewöhn­licher Arbeiterzwist gekannt war, in diesen Blättern mit sichtlicher Uebertreibung ein Heer von 7 8000 Insurgenten erfunden, welches schon eine Stadt eingenommen hätte. So gibt sich das Bulletin de Paris alle Mühe, die allaruurendsteu Gerüchte zu verbreiten, um die größtmöglichste Aufregung hervor- ziirufen. Nach ihm wären die Pläne der zukünftigen Insurgenten so entsetzlich, so schrecklich, daß die Bar­barei der Beduinen und der Wilden der andern He­misphäre davor erschrecken würden. Brandlegung wäre das Signal, die Einfälle in die Wohnungen die ersten Feindseligkeiten und die allgemeine Zerstörung von Paris ihr Zweck. Die Barrieren sollten geschlossen werden und das Werk des Meuchelmords und der Anarchie, der Fusillade und des Todes würden im Schooße von Paris erfüllt werden. Es genügt, diese wenigen Zeilen anzuführen, um die wahnsinnigen und verrückten Mährchen zu schildern, mit welchen dieOrd­nungsblätter" Schrecken und Angst zu erregen bemüht sind. Aber, fährt das Bulletin fort, die Regierung weiß Alles, sie verfolgt, sie erspäht alle Schritte, alle Beschlüsse, sie könnte die Hand auf alle diese Organi­satoren des Bürgerkriegs legen, noch bevor sie im Stande wären, zu handeln. Die Polizei kennt ihre Namen und Parole, sie weiß, daß dieser zum Gene­ral der Barrikadenarmee, jener zu einem andern Kom­mando bestimmt ist, daß ein anderer der Polizeimi­nister der Emeute ist u. s. w. u. s. w. Wie lächerlich, dies wissen zu wollen, und so verbrecherische Menschen frei herumlaufen zu lassen, wie verbrecherisch, wenn durch eine zu späte Razzia der Polizei auf diese Rothen der Bürgerkrieg doch auöbrechen könnte! Sie werden wohl an diesen Proben reaktionären Scharfsinns genug haben, und ich beeile mich, Ihnen die neueste Gewalt­that von Baroche, unerhörter als alle vorhergehenden, mitzutheilen. Sie wissen, daß die Voir du peuple das einflußreichste Blatt der entschiedenen Partei ist, daß es eben so furchtlos als geistreich jedem Angriff der Gewalt auf die Rechte des Volks entgegentrat und daß man deßhalb seit 1% Monaten neun Beschlag­nahmen eintreten ließ, um das Blatt zu muntren und sein Fortbestehen unmöglich zu machen. Es gelang nicht; trotzdem daß Proudhon, der Leiter desselben, im. Gefängnisse sitzt, trotzdem daß alle Chikanen, alle Will­kürlichkeiten gegen dasselbe losgelassen wurden, blieb es seinem vorgesteckten Ziele treu, die Sache des Volks bis zum letzten Augenblicke zu verfechten. In dieser Verlegenheit schreckte Carlier vor dem Aeußersten nicht zurück. Gesterq Abend wurde dem Drucker der Voir du peuple, Mr.. Boul«, zugleich Drucker der Repu- blique und der Estafette, eine Ordre vom Ministerium

des Innern zugestellt, wonach ihm die Concession als Buchdrucker entzogen wird. Die Pressen wurden ver- ,regelt, so daß keins der drei Blätter erscheinen kann, bevor sie nicht eine andere Druckerei gefunden haben, was man höchst wahrscheinlich durch unübersteigliche Hindernisse zu verhüten wissen wird. Das Gesetz, worauf sich der Minister bezieht, um diese brutale Handlung zu rechtfertigen, stammt aus dem Jahre 1814! Wenn er wenigstens schamlos genug gewesen wäre, die That nicht noch heuchlerisch als auf gesetz­lichem Wege geschehen darstcllen zu wollen. So weiß man nicht, was größer ist, die Willkür oder die Un­verschämtheit, mit der man unter der Republique Ge­setze von 1814 zur Beschönigung von Gewaltstreichen herbeiziehen will. Die demokratischen Journale ver­öffentlichen heute folgenden Briefihrer Kollegen": Eine unerhörte That ist diesen Abend in unserer Druk- kerci geschehen. Durch Befehl des Mr. Baroche vom heutigen Datum ist und bleibt die Concession des Mr. Boul6, Drucker der Republique, Estafette und Voir du peuple, zurückgezogen. Um 7'4 Uhr, in dem Augenblicke^ als die Blätter gesetzt waren, hat sich ein Kommissär der Polizei in unserer Druckerei einge­funden und die Preßen versiegelt. Alle drei Journale können deshalb morgen nicht erscheinen. So versteht die Regierung, die Zerstörungen zu bezahlen, welche auf ihr Anstiften am 13. Juni 1849 in unserer Druk- ferci begangen wurden. Wir überlassen es der öffent­lichen Meinung, die Maßregel zu beurtheilen, welche gegen uns genommen worden ist. Die Redaktion der Estafette, Republique und Voir du peuple."

In einer gestrigen Assifensitzung wurde der Gerant der Voir du Peuple zu 9000 Fr. Strafe und 2 Jahren Gefängniß verurtheilt. Alle Journale sprechen sich heute einmütig und entrüstet über die oben erwähnte Gewaltthat Baroche's aus. Wenn etwas im Stande ist, eine Emeute hervorzurufen, so ist es ein solches Verfahren. Behält das Volk seine Zurückhaltung noch eine Zeitlang, so ist es wahrlich zu bewundern. Die Vergeltung wird nicht ausbleiben.

Paris, 16. Mai. Abends 8 Uhr. In der heu­tigen Sitzung der National-Versammlung verkündete der Minister des Auswärtigen, daß der franzö­sische Gesandte von London abberufen sei weil die Antwort auf die über Wyse's Ultimatum in der griechischen Angelegenheit geforderten Erklärungen nicht der Art waren, wie mit Recht erwartet worden.

Frankreich forderte die Aufrechthaltung deS lon­doner, Vertrags-Entwurfs. In dem Abberufungs- Schreiben, welches Lord Palmerston mitgetheilt wurde, wird als Grund dieser Maßnahme angeführt, daß die bestimmten Versprechungen in Betreff der guten Dienste Frankreichs nicht gepalten wurden. Der Mi­nister legte die betreffenden Aktenstücke auf das Bu­reau der National-Versammlung nieder.

Der französische Gesandte zu London, Hr. Drouyn de L'huys, wurde bereits in der heutigen Sitzung der National-Versammlung bemerkt.

v Pans ist ruhig, die Garnison wird fortwährend

Die Course der Renten, welche gleich nach der gestrigen Börse nicht unbedeutend wichen, sanken im Laufe der heutigen Börse, namentlich in Folge der öffiziellen Verkündigung der Abberufung des französi­schen Gesandten von London noch mehr; die 5pCt. Rente nach der Börse bis auf 85 Fr. 70 C. (K. Z)

Straßburg, 15. Mai. (K. 3 ) Es unterliegt nun keinem Zweifel mehr, daß die im Elsaß be­findlichen Regimenter vollständig auf d'en Kriegsfuß gesetzt werden und neue Trup­pen -Verstärkungen bei uns eintreffen. Da es in unserer Stadt an einer hinlänglichen Zahl von Casernen fehlt und man die Einquartierungen bei den Bürgern vermeidet, so werden die umliegenden Ort­schaften auf der Linie zwischen hier und Weissenburg Besatzungen erhalten. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Regierung im Hinblick auf die große Militär­macht, welche sie sowohl in Paris, als auch im Süden und im südöstlichen Frankreich auf den Beinen hält, zu einer neuen Aushebung ihre Zuflucht nehmen muß. Die Bevölkerung wie das Militär glaubt an Krieg, ohne sich sagen zu können, gegen wen.

Amerika.

Neiv-Iork, 1. Mai. (K. Z.) Die unausbleib­liche Cabinets-Krisis ist da. Taylor wird seine Lieb­linge, ich will nicht sagen: Günstlinge, nicht mehr halten können. Er selbst ist ein braver Mann, aber ein schlechter Diplomat, und außer seinem Premier, Clayton, der, wenn auch ein mittelmäßiger Staats­mann, doch ein gewandter Advokat ist, sind die übri­gen Mitglieder des Cabinets nicht der Rede werth. Taylor's Stellung ist keine sonderlich angenehme; denn Senat und Haus sind vorwiegend demokratisch, und die Administration stößt bei jedem Schritte auf Hin­dernisse. Im diplomatischen Verkehr mit England hat sich der Präsident wegen der Moskito-Küste und Nica­ragua zu unserer Zufriedenheit dnrchgearbpitet, in Be­zug auf Cuba werden ihm aber die Demokraten einen heißen Brei einrühren, an welchem sich der Alte sicher­lich verbrennt. Sie ahnen Liu in, in wie hohem Grade unsere auswärtige Politik, besonders mit England, ver­wickelt ist.

Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.