Freie Zeitung.
„âeißeil und NeehL!"
„4# U7* Wiesbaden. Wountag 1». Mai 1830»
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Westerwälder Antwort mif die v. Eck'sche Arbeit.
P^- Vom Westerwald. Indem ich mir Vorbehalte, auf die Einzelnheiten des v. Eck'schen Aufsatzes näher einzugehen, werde ich heute den Inhalt Desselben nur im A sl g e in eine» beleuchten. Durch die Vorbemerkungen Der Redaktion sind die Angriffe des Hrn. V. Eck auf einzelne Die Vergangenheit der Domäne betreffende Stellen ins rechte Licht gesetzt und durch die Wefferwälder Artikel selbst beseitigt, mit Ausnahme des Druckfehlers, für dessen Berichtigung wir Hrn. V Eck danken. Wir werden übrigens über diese Punkte das Ausführliche nachbringen. — Zunächst muß bemerkt werden, daß Der v. Eck'sche Angriff sich in der That nur auf einen sehr kleinen Bestandtheil unserer Darstellung, nämlich auf den Artikel 111 bezieht, in welchem wir ausführten, daß für die Zukunft die Do- mänenerträge eher kleiner als größer werden dürften. Wir haben nicht, wie Hr. V. Eck behauptet, willkürlich die Summe von 700,000 fl. als wahrscheinlichen jährlichen Reinertrag für die Zukunft angenommen, es ist diese Annahme vielmehr in unsern Artikeln volle ständig begründet, und da von Der Nachhaltigkeit dieser Annahme die ganze in Rede stehende Frage abhängt, so werden wir im Folgenden noch ausführlicher auf diesen Punkt eingehen. — Die Verwaltung der Domäne kann in zweifacher Weise geführt werden. Einmal so, daß man das Volk- und Landesinteresse dabei ganz außer Acht läßt, ja auf Kosten des Landes hohe Erträge erzielt und zu Gunsten der eigene.» Kaffe als Feind Der Privatindustric auftritt. Die Domäntn- verwaltnng kann aber auch in einer Die Volks- und Landesinteressen berücksichtigenden Weise geführt werden, so, daß sie der Privatindustrie hülfrrich unter die Arme greift. Bei ersterer Vcrwaltungsweise wird in der Domänenkasse ein viel bedeutenderer Ertrag erscheinen, als bei Der anderen Vcrwaltungöart; diese letztere läßt aber allenthalben die wohlthätigsten Ein- flüsse auf Volks- nub Landesinteressen zurück. Was diese letztgeschilverte Verwaltungsweise weniger Der Domänenkaffe zuführt, das erscheint reichlich im Säckel einzelner Gemeinde, einzelner Bürger. Vor dem März wurden die Domänen in ersterer Art verwaltet Es ist z. B. vorgekommeu, daß den Gemeinden das Fällen von Holz untersagt wurde, damit die Domäne als zeitweilige Inhaberin des Holzmonopoles zu Gunsten ihrer Kasse frei und unumschränkt manövriren konnte. — Im Sinne der Märzforderung aber liegt es, daß fortan die Domäncnverwaltnng in einer, die VolkS- und Landesinteressen fördernden Weise geführt werden müsse. Kommt man dieser Forderung gewissenhaft nach, so werden Gemeinden und Bürger allenvärtS das Wohlthätige der neuen Verwaltungsart fühlen, in der Kasse aber wird, in Vergleich zu vormärzlichen Jahrgängen, eine bedeutende Lücke entstehen. — Will man daher das Hereinbrechen der vormärzlichen Ver
waltungsweise vermeiden, so darf man für die Zukunft in der Domänenkasse nicht die Ertragssumme früherer Jahre erwarten, und daher auch nicht Lasten auf die Domänenkasse wälzen, die nur durch solche bedeutende Erträge zu decken sind. Wir sind, in Berücksichtigung dieser im Verwaltungsprinzip eingetretenen, hoffentlich auch andauernden Veränderung, und, indem wir die letzten 2 Jahre als Maßstab angenommen haben, zu der Summe von 700,000 ff. gekommen, die sich allenfalls als Domänenertrag für die nächste Zukunft erwarten lasse. Und die letzten zwei Jahre konnten wir füglich als Maßstab annehmen, da alles das, was außer der Veränderung im Verwaltungsprinzip noch zur Veränderung des Domänenertrags beigetragen hat, auch noch in der nächsten Zukunft fortwirken wird. So sind wir zu 700,000 fl. als wahrscheinlichem jährlichem Domänenertrag für die nächste Zukunft gekommen, und Jeder, der den Grundsätzen der gesunden Vernunft huldigt, wird in diesem Falle kaum anders kalkuliren können. Und wenn nun unsere Zukunfts- befürchtungcn, die doch so gegründet sind, sich nicht verwirklichen sollten, was hätte eine ans diesen Befürchtungen hervorgegangene Civilliste dann für Folgen? Nur wohlthätige für das Land, das in seiner jetzigen Erschöpfung recht gut solches vertragen könnte.- Wenn aber die Civilliste den Znkunftphanta« fien des Hrn. v. Eck gemäß festgestellt wird, und es w id}en sich unsere Befürchtungen geltend, dann wird das Land die Folgen dieser reizenden Zukunftsbeleuch- tung schwer empfinden müssen.
Macht man geltend: es lägen Rechtsansprüche des Herzogs vor, die unter allen Umständen berücksichtigt werden müssen, so entgegnen wir hierauf: es hat uns noch Niemand die Nothwendigkeit einer Civilliste von gerade 300,000 ff. aus diesen Rechtsansprüchen abgeleitet und es mußte dies doch die erste Arbeit des Ministeriums sein, wenn man in dieser Weise die Civil- listensumme für die Zukunft conftruiren wollte. Ein Volksvertreter aber sollte unter Den genannten Umständen eher eine glückliche Zukunft des Volks wirklich herbeiführen helfen, als durch die Annahme eines für die Zukunft sich höher stellenden Domänenertrags zur höchst wahrscheinlichen Verschlimmerung der Finanzzustände des Landes beitragen. —
Wie Herr von Eck für die Zukunft einen Domänenertrag von 900,000 fl. herausrechnet, das bring ich trotz aller Anstrengung nicht rund, das ist mir zu eckig. Daß der vormärzliche Durchschnittsertrag von 900,000fl. in Folge der Veränderung des Verwaltungsprinzipes nur mit einem bedeutenden Abzug auf die Zukunft übertragen werden kann, ist schon bemerkt worden. Wenn nun aber Hr. v. Eck auch noch auf einem zweiten Weg zu seiner Summe gelangt, indem er den Werth der Domänenprodukte veranschlagt und es dabei immer dem Ermessen des sachverständigen Bürgers und Landmanns überläßt, ob die der Berechnung zu Grunde gelegten Preise sich in Zukunft erhöhen oder erniedern
werden: so liegt in dieser Berechnungsweise so viel Schwankendes, daß das Resultat schon darum völlig werthlos sein muß.
Herr v. E ck hätte sich ja mit einem ähnlichen Re» chenerempel auch vor das Jahr 1848 hinstellen können, er hätte vielleicht auf diese Weise, wegen des hohen Preises mehrere Domänen-Produkte, damals eine über 900,000 fl. hinausgehende Summe herausgebracht;—• die rauhe Wirklichkeit hat aber doch nur ungefähr 700,000 fl als Domänenertrag geliefert.
(Schluß folgt.)
Asfisenverhandlungen zu Wiesbaden.
Siebenzehnter Prozeß.
Anklage gegen Peter Traband von Nied und Johann Joseph Noll von Sindlingen, wegen ausgezeichneten Diebstahls.
$ Wiesbaden, 17. Mai. Präsident: Herr Hofgerichtsrath Trepka; Staatsanwalt: Herr StaatS- prokurator- Substitut Flach; Vertheidiger: die Herren Prokuratoren Großmann und Leisler sen.
Die Anklage geht dahin, daß Peter Traband von Nied, 23 Japre alt, Taglöhner, nach erfolgter Verabredung mit Johann Joseph Noll aus Sindlingen, 28 Jahre alt, Maurer, in der Nacht vom 22. auf Den 23. December 1849 in das von der Wittwe des Anton Kord ei zu Hattersheim und anderen Personen bewohnte Gebäude durch ein Fenster eingestiegen ist, und daß hierauf Beide von einer Anzahl Weißzeug im Werthe von beiläufig 25 Gulden ohne Einwilligung Der Eigenthümer desselben in der Abficht, diese Gegenstände rechtswidrig zu gewinnen, dergestalt, daß solche Peter Traband tun vor jenem Fenster stehenden Johann Joseph Noll reichte, Besitz ergriffen haben.
Traband ist des Verbrechens vollkommen geständig und führt an, wie er nur der Verführte des Noll sei, Der ihn mit großer Mühe für die Ausfüb- rung des Diebstahls gewonnen habe. Noll dagigea läugnet hartnäckig und gibt an, daß Traband ihn nur aus Feindschaft mit in die Sache verwickelt habe. Die 20 geladenen Zeugen lassen übrigens wenig Zweifel, daß Noll ebenso schuldig ist, wie Traband.
Die Begründung der Anklage, die Vertheidigung, Replik und Duplik, und das Stefüme des Präsidenten nehmen nur kurze Zeit in Anspruch. Nach einer Berathung von nur 10 Minuten erkennen die Geschwornen das „Schuldig" über beide Angeklagte.
Johann Joseph Noll wird zu einer Zuchthausstrafe von 3 Jahren mit den üblichen Verschärfungen wegen des Rückfalls, Peter Traband zu einer Cor- rectionshausstrafe von 2 Jahren und beide zu den Untersuchungskosten verurtheilt.
Psing st Hymne.
(Von Hermann Rollett.)
Komm, Heiliger Geist!
Flamme nieder in feurigen Zungen, —
Sturmgetragen, funkensprühend, — Küsse die Menschheit heiß auf die Stirn! Und willst du nicht glühend vom Himmel steigen.
So flamme aus sprühendem Sângermund,
So blitze lodernd
Aus blanker Scheide mutiger Kämpfer
Als siegerringendes, Lichtendes Schwert!
Komm, komm,
Heiliger Geist!
Zn feurigen Zungen flamme nieder, Entzünde die Menschheit, erleuchte die Welt!
Sieh! deine Priester wollen verzagen, Die singenden, ringenden Kämpfer der Freiheit, — Deine flehenden Sänger, Heiliger Geist!
Komm, o komm!
Wir singen und ringen mit feurigen Zungen, Wir flehen in heißen Gesängen dich an!
Komm! und berühre
Der langen Finsterniß eisernen Sarg
Mit deines Lebens befreiendem Stral.
Die Fessel springt, —
Und dein Hauch wird erwecken
Der Freiheit lebendig begrabenen Leib.
Komm, v tommi
Laß nicht vergebens
Gejängc schallen!
Laß nicht umsonst
Die Flammen lodern,
Die uns verglühen, Doch nimmer erleuchten die finstere Welt.
Laß uns nicht, zagend, Den Glauben verlieren An deines Erscheinens Nahenden Tag!
Laß nicht geschehen,
Daß, wenn verglommen die feurigen Zungen Unserer flammenden Liederglut, Wir uns im heiligen Zorn umgürten Mit der Verzweiflung blitzendem Schwert!
Laß nicht geschehen, heiliger Geist, Daß, wenn verklungen die feurigen Lieder, Wir in das Dunkel — als feurige Zunge, — Schwingen müssen
Das feurige Schwert!
Komm, o komm, Du heiliger Geist! Du Geist des Lebens — du Gottesgeist! Aus jedem Walde
Weht deine Wahrheit, Aus jedem Sterne Strahlt deine Klarheit, AuS jeder Blume duftet dein Hauch! Und warum glänzt dein himmlisches Feuer Nur aus dem Auge der Menschheit nicht?!
O komm, o komm!
ES darben die Reichen so wie die Armen Am Brod des Lebens — Wenn du nicht kommst!
Komm, o komm du heiliger Geist!