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r~ Wien, 12. Mai. Die religiöse Aufregung der Gemüther wird durch immer neue Thatsachen un­terhalten, die eine nach der andern gemeldet werden und mehr und mehr die mittelalterlichen Zustande auf­decken, welche im Kaiserstaate noch bestehen. Zwar folgte dem Hirtenbriefe des Erzbischofs Milde von Wien bereits ein zweiter, welcher von dem Fürstbischof von Senkau ausgeht, ebenfalls beschwigtigender Ten­denz. Aber gleichzeitig wird berichtet, daß das Brün­ner Konsistorium in einer Kurrende vor den Tendenzen j der ZeitschriftMorawske Nowiny" in kirchlichen Angelegenheiten streng gewarnt hat. Dieses von den ' mährischen Landständen unterstützte Blatt redigirt der in Mähren sehr bekannte slavische Dichter Mathäus Klacel, Augustinermönch und früher Professor der Phi­losophie in der Fakultät zn Brünn. Und was ist der : Grund jener Warnung des Konsistoriums? Klacel hat ; die Uebersetzung eines Kirchen-Gesangs aus dem La­teinischen in das Slavische beantragt! Sollte man sich nicht in das sechzehnte Jahrhundert zurückversetzt glauben, in die Zeit, wo die Uebersetzung der Bibel als ein Werk des Satans von der Kirche gt brandmarkt wurde? Aber dies Prinzip der Stabilität, das zum! katholischen oder papstischen Kirchendogma geworden, | ist in geistlichen Dingen kein anderes, als das der > Legitimität in politischen Dingen, und wie der konsti­tutionelle Absolutismus eine büreaukratische Hierarchie zu seiner Stütze braucht, so bedarf der kirchliche Abso. lutismus einer hierarchischen Büreaukratie, der das Schema über Inhalt und Wesen geht. Eben deshalb holten sie auch die Jesuiten wieder in daS Land. Beide schließen jetzt ihren Bund gegen die menschliche Natur, die ihre Freiheit in den Gebiete des Lebens wie­der zu erringen trachtet; beide werden einander bekämpfen, wenn es ihnen wieder einmal gelungen sein sollte, jede Regung der Natur in den Menschen, sei sie politisch, national oder individuell zu unterdrü­cken. Die Hohen geben den Ton an, die Schaar der Kleinen folgt, und die aufgerüttelten religiösen Nei- bungen pflanzen sich in verschiedenen Kreisen des Vol­kes fort. Schon jetzt beginnt man von gewisser Seite her mit Vorbereitungen zu einer im September in Linz abzuhaltenden General-Versammlung aller ka­tholischen Vereine Oesterreichs. Gleichzeitig hören wir von Judenverfolgungen in Straßwitz, Trebitsch und Jglau kurz man ist drauf und dran, einen Fana­tismus anzustacheln, der vielleicht Ableiter sein soll -für die politische Verstimmung. Hoffentlich wird je­doch der gesunde Sinn im Volke genugsam überwie­gen, um das Spiel zu durchschauen und selbst von augenblicklichen Irrthümern , zu denen man es zu ver­leiten sucht, zurückzukommen. Dem Vernehmen nach wird die Kaserne am Rennwege einen beträchtlichen Zusatzban erhalten, woraus man den Schluß zieht, -die Hauptstadt werde dauernd durch eine verstärkte Garnison besetzt bleiben. (Nat. Ztg.)

Ratibor, 24. April. Ein romantischer Vorfall hat sich in voriger Woche in einer hiesigen Schwurge- richtssitzung ereignet. Ein wegen Straßenraubes vor die Assisen gestelltes Frauenzimmer fiel bei Anhörung des freisprechenden Urtels vor Freude nicht etwa kn Ohnmacht, sondern ihrem Vertheidiger, einem jun­gen Manne von ernstem, gesetztem Wesen und mili­tärischem Anstande, um den Hals, zur schallenden Belustigung des zahlreich versammelten Publikums.

(N. O. Z.)

Breslau, 13. Mai. Heute haben die Verhand­lungen des Maiprozesses vor dem Schwurgericht be­gonnen. Ziemlich zahlreiche Gruppen auf dem Ritter­platz vor dem Appellationsgerichts.Gebäude und ziem­lich starke Militärabtheilungen vor und in demselben zbigten, daß sowohl die Bevölkerung als die Behörden dem heute zur Verhandlung kommenden Prozesse wider Robert Schlehan und Mitschuldige wegen Aufruhrs große Bedeutung beimessen. (N-Z.)

Königsberg, 10. Mai. Schon wieder hat die Mutterkirche den Abfall einer Schaarungetreue Kin­der" zu beklagen. In dem Dorfe Szillen bei Tilsit find eine Menge Familien unter feierlicher Erklärung ihrer Beweggründe, Anschauungen und Bedenken aus der evangelischen Landeskirche ausgeschieden, um sich der freien evangelischen Gemeinde anzuschließen. Die­ser zum ersten Male bei einer Landgemeinde unserer Provinz vorgekommene Schritt ist nicht ohne große Be­deutung, weil er sehr leicht Beisall und Nachahmung unter den mit dem Kirchenregimente nicht mehr zufrie­denen Landleuten finden kann. (N-.Z.)

Berlin, 10. Mai. . Die Kreuzzeitung wird von Tag zu Tag übermüthiger. Gestern lenkte sie den schelmisch-blinzelnven Blick des Zuschauers in die Um­gegend von Bremen. Man höre:Es ist bekannt, sagt sie, daß sich in der deutschen Flotte ein Schiff befindet , das den NamenHeinrich Gagern" trägt. Es scheint bestimmt, den Namen und die Thaten des kühnsten Greifers in die fernsten Regionen zu tragen, hat aber bis zu diesem Augenblick noch keine Gelegen­heit gefunden, seiner erhabenen Mission zu genügen, sondern ruht noch friedfertig in der Nähe seiner Wiege in Bremerhafen. Die Matrosen wissen von ihm nichts -Gutes, es ist bei seinem Bau der Sonntag nicht hei­lig gehalten, sagen sic, und an einem Freitag hat man c5_ gegen alle Sitte und allen Brauch vom Sta­pel laufen lassen. Das Ding wird nicht gut ablau- sen. Und darum haben sie sich einen Vers auf das Schiff gemacht, den sie singen und brummen, so oft sie den Namen Gagern hören. Der BerS lautet:

Wer sein Leben will bewahren Darf nicht mit dem Gagern fahren.

Die Kreuzzeitung gesteht, daß sie eben so aber­gläubig ist, als die braven Theerjacken von Bremer­hafen, und auch den Vers selber kennt sie recht gut, denn sie hat Zeit ihres Lebens Variationen genug dar­auf gemacht."

Berlin, 13. Mai. Nach derN. Pr. Z." soll bei den bevorstehenden Frankfurter Verhandlungen der Plan im Werke sein, an Oesterreich und Preußen die Führung der auswärtigen deutschen Politik förmlich zu übertragen, und für die Leitung der inneren Angelegen­heiten eine Staatenrepräsentation zu organisiren, in welcher jeder Staat nach seiner wirklichen, ma­teriellen und politischen Bedeutung vertreten würde.

Berlin, 13. Mai. Gestern kam beim Schwur­gericht der Prozeß gegen den ehemaligen Referendarius Rasch wegen Aufruhrs zur Verhandlung, der am Vormittage des 14. Juni 1848 bei Gelegenheit der Aushebung der Gitterthore im königliche Schlosse vor demselben stattgefunven hat. Nach 9 stündiger Ver­handlung sprachen die Geschwornen das Schuldig we­gen Theilnahme am Aufruhr über den Angeklagten aus. Der Gerichtshof verurtheilte ihn zu dem Verlust der Nationalkokarde und 15 Monaten Festungsarrest. Der Angeklagte ward sofort in Haft genommen.

Gegen den Oberlehrer Witt, Redakteur derN. Dorfzeitung" zu Hohenstein im Regierungsbezirk Kö­nigsberg ist wie die Const. Corr. meldetwe­gen beharrlicher feindseliger Parteinahme gegen die Staatöregierung" die Diöziplinaruntersnchung einge­leilet worden.

Kiel, 11. Mai. Es haben sich eine große Anzahl tüchtiger Offiziere aus den verschiedensten Bundesstaa­ten zum Eintritte in unsere Armee gemeldet. Dem Vernehmen nach werden auch noch mehrere der zurück­gerufenen preußischen Offiziere ihren Abschied in Preu­ßen nehmen, um hier einzutreten. (H. C.)

Gotha, 13. Mai. Der Nachkongreß in Gotha soll, wie dies unter den Landtagsabgeordneten verlau­tete, weniger die Regelung der Uniousangelegcnheiten, als vielmehr eine Mediatisirung des Herzogthums ' Gotha (vielleicht auch der übrigen kleineren deutschen Staaten) zum nächsten und hauptsächlichsten Zweck haben. (H. C.)

Mannheim, 11. Mai. Von Sekten des großh. FiskalanwalteS wurde eine Klage gegen den flüchtigen Dr. Friedrich Hecker auf Ersatz des dem großh. Fis­kus durch den Aprulaufstand des Jahres 1848 veran­laßten Schadens angestellt. Der Schaden ist zu 479,000 fl. berechnet. Die Ersatzpflicht des Beklag­ten ist in einer ausführlichen Darstellung auf die welt- kundlge Haupturheberschaft Heckers an jenem Aufstande begründet. (S- M.)

Göppingen. In diesen Tagen ereignete sich in Göppingen ein Fall, der viele Theilnahme erregte. Ein hiesiger Bürger, der allgemein geachtet war, der ein stilles, eingezogenes Leben führte, mit Jedermann im Frieden lebte, und an zeitlichen Gütern keinen Mangel litt, setzte seinem Leben auf eine gewaltsame Weise ein Ziel. Wie man vernimmt, so soll Gemüths- krankheit, die in der Verzweiflung an seiner Seele Heil ihren Sitz hatte, ihn zu diesem für ihn und seine Familie so beklagenswerthen Schritt verleitet haben, woran seine pietistische Richtung nicht geringen Antheil gehabt haben soll. Solche Früchte des gesteigerten Pietismus sind nicht selten, wie paradox die Sache auch aussehen mag, da sich der Pietist gewöhnlich für einen besonders Begnadigten, für einen Anserwählten des Herrn hält. (Beob.)

Berlin, 14. Mai. Gestern hoffte man, schon heute die Einsetzung der Bundes-Regierung zu ver­nehmen; aber heute ist wieder Alles still darüber! Gestern sollte Kurhessen Miene machen, der Nothwen­digkeit, in der Union zu bleiben, sich fügen zu wollen; heute soll es wieder abfallsmuthiger sein, als je vor­her, und Darmstadt und Nassau zu Genossen seiner Zweideutigkeit haben. (K. Z.)

Berlin, 15. Mai. Authentischen Nachrichten zu­folge ist der Kaiser von Rußland in Warschau ein- getroffen. Wie es heißt, wird der Prinz von Preußen in einigen Tagen sich dorthin begeben. (Const. Z.)

Darmstadt, 16. Mai. Heute Vormittag gegen 12 Uhr wurde die Verhandlung über den Hochver- rathsprozeß gegen Jakob Carra, Joh. Schmidt, Lazarus Gatzert, Martin Zintel und Simon Schader sämmtlich von Hofheim bei Lorsch, mit der Freisprechung der 3 Letzteren beendigt; die beiden »Er­sten befinden sich auf flüchtigem Fuß und hatten sich nicht gestellt, weshalb nunmehr gegen dieselben das Contumacialverfahren eingeleitet werden wird.

'Kiel, 11. Mai. Dem Vernehmen nach ist die Statthalterschaft dem deutsch-österreichi­schen Postvertrage bei getreten. Derselbe wird wahrscheinlich schon mit dem 1. Juli für das diessei­tige Postgebiet in Ausführung kommen und dadurch eine sehr bedeutende Ermäßigung des ausländischen Porto's, sowie auch eine beschleunigte Spedition der Correspondenze» erzielt werden.

Wien, 11. Mai. Es ist Thatsache, daß Schwar­zenberg überhaupt und ganz besonders in der deutschen Frage ganz und gar nach den Rathschlägen und Wei­sungen Metternlch'Z handelt. Metternich ist der ei­

gentliche Minister des Aeußern, und er bezieht auch ohne Zweifel noch immer das Gehalt als solcher. Ob man die Restauration so weit führen wird, daß Met­ternich wieder in die Geheime Haus-, Hof- u. StaatS- Kanzlei einzieht, das wird von dem Erfolg abhangen, welchen die altconservative Partei in Ungarn erzielt. Siegt sie über die Bach'sche Politik und erringt für Ungarn eine aristokratisch-bevorrechtete Sonderstellung, dann fällt die Reichsverfassung, und es txiumphirt die Mitternich'sche Ansicht, vaß Oesterreich nur unter einer absoluten Regierung beisammen erhalten werden könne. (K. Ztg.)

Republik Frankreich

Paris, 11. Mai. Neben der Wahlreform-Frage tritt alles Uebrige in den Hintergrund; alles was denkt, spricht und schreibt, bewegt sich um diesen Punkt, an den sich in der That die nächsten, die Zukunft Enro- pa's bedingenden Ereignisse knüpfen. Die erfahrungs- reichen Diplomaten reiben sich wohlgefällig die Hände, als ob das seit lang her vorbereitete Werk nunmehr in Scene gesetzt werben sollte, und die mit solchem Einklänge debütirten Rollen scheinen ihre Hoffnungen überflügeln zu wollen. Wenn man ihnen schüchtern die Möglichkeit des Mißlingens bei. noch so ge­schickt gemachter Berechnung entgegenstellt, so begegnen sie dem Einwurfe mit geographischen Betrachtungen über die Richtung des Weichselstromes, über die Aus­dehnung des russischen Reichs. Dringt man in die fabelhaften Pariser Salons der edlen Damen, so ver­nimmt man in flötenden Tönen die Träume über die herbeigewünschten abenteuerlichen Zeiten Luvwigs XV.; schmachtend erwarten sie die bärtigen Ritter aus der Warschauer Zwingburg und die ausdrucksvollen Augen sprechen:die Stunde nahet." Und das Volk? es bleibt ernst und still, in seinen Zügen liegt der gefaßte Entschluß untrüglich ausgeprägt. (N-Z.)

Paris, 14. Mai. (Mz. Ztg.) Alles unterzeich­net Petitionen an die National-Versammlung, um den Wahlreform-Entwurf abzuweisen. Die Beschlagnahme der Voir du peuple wegen einer der veröffentlichten Petitionen hat nichts genützt; heute bringen alle demo­kratischen Journale eine andere von einigen 30 Offi­zieren der Nationalgarde, Mitgliedern der Constituante u. s w. unterzeichnete, die überall ausliegt. Die in der mit Beschlag belegten Nummer der Voir du peuple enthaltene trägt nach der heutigen Angabe schon 3000 Unterschriften. Unter den Unterzeichnern der oben er­wähnten befinden sich die bekannten Namen Goud- chaur, Baftive, A. Marrast, Rcynould u. s. w. Die Voir du peuple ruft heute in einem gluthsprühenden Artikel zur massenhaften Unterzeichnung auf: Aus Werk Bürger! Ans Werk! In drei Tagen müssen die 130,000 Pariser Wähler, welche am 10. Mai und am 28. April für die Republik und für die Verfassung gestimmt haben, die Petition unterzeichnen, welche die Aufrechterhaltung des allgemeinen Stimmrechts ver­langt. Die Provinz muß damit überschwemmt werden, sie muß mit der Schnelle der Eisenbahnen auf allen Straßen Frankreichs cirkuliren, bis in die entlegensten Hütten muß sie dringen, damit sie in 8 Tagen 25 Millionen Menschen aufstelle, und mit derselben Schnel­ligkeit, mit derselben Energie zurückkomme, um sich in Tausenden von Exemplaren vor dieser betäubten Ma­jorität aufzuhäufen, vernichtet unter dem erdrückenden einstimmigen Zeugniß der öffentlichen Meinung. Peti- tionirt! petitionier! Dieser Schrei ertöne in furchtbaren Echos von einem Ende Frankreichs zum andern, er breche aus an jeder Straße, unter jedem Dach der Hauptstadt und werde zur rastlosen energischen Thätig­keit. Zu jeder Stuuve, überall, in den Bureaux der republikanischen Pressen, in den Magazinen, in den Werkstätten, am häuslichen Heerd, müssen sie unter­zeichnet werden. Jeder Mann von Herz und Hin­gebung weihe alle seine Kräfte, allen Eifer, alle Ener­gie seiner Ueberzeugung. Die Zeit drängt, ein ver­lorner Tag, eine verlorne Stunde, ein verlorner Augen­blick sind ein Verbrechen. Auf, Alles was Feuer in der Brust und Kraft in der Seele hat! Auf, Alles was die Konstitution will, was republikanisch gesinnt, Alles was Volk ist! Auf, Paris und die Departe­ments! Auf, daS ganze Frankreich! Jeder Mann sei ein Pflasterstein, jede Signatur eine Büchse , jede Petition eine Barrikade , und dann laßt uns sehen, wer diese Revolution besiegen wird! Die Petitionen circuliren auch mit ungeheurer Schnelligkeit. In allen Arrondissements, in allen Communen werden welche vorbereitet; so kommt von Valeucienues die folgende:

Herr Repräsentant! Die unterzeichnete Bürger, überzeugt, daß der Gesctzentwnrf, welcher am 8. Mai der Nationalversammlung vorgelegt wurde, die Kou- stitution offen verletzt, sowohl im Geist als im Buch­staben und das Prinzip bed allgemeinen Stimmrechts vernichtet, bitten wir Euch dringend, die Proposition der Gewalt zurückzuweisen und die Verantwortlichkeit auf sie zuruckzuwerfen."

Paris, 15. Mai. Abends 8 Uhr. Ein dem Mi­nisterium ungünstiges Votum des Ausschusses für das Wahlgesetz, die Vorlage der Departements-Wahllisten betreffend, kann die Wahlreform verzögern.

Fortwährend unterzeichnet man Petitionen gegen den Wahlgesetz-Entwurf; die Maires und Offiziere der Nationalgarde, welche solche unterzeichneten, find abgesetzt worden.

" DieNepublique",Estaffette" und derVoir du Peuple" sind nicht erschienen. DieAssemblee natio-