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âerheit und Recht!"

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Di« 31 c t« Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Logen. Der AbonnementöpreiS betragt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr aus. wârtS durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirk­samem Erfolge. Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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Rede deS Abg. Fürsten Wallerstein in der bairischen zweiten Kammer.

(6. Mai.)

© Die Einleitung, welche Fürst Wallerstein der in No. 1 10 bereits mitaetyeilten Interpellation vor- ausschlckte, ist als ein Manifest der bairischen Linken zu betrachten und schildert mit kräftigen Zügen die jammervolle dermalige Lage Deutschlands, sowie die Trostlosigkeit der Politik v. d. Pfordtens.

Die Rede des ehemaligen Ministers verdient daher gewiß eine nähere Beachtung und weitere Verbreitung, nnd so bringen wir dieselbe auch unseren Lesern hier­mit vollständig zur Kenntniß.

Diese Rede lautet aber:

Meine -Herren! Das Ministerium hat unS den 1. Mai als den Zeitpunkt bezeichnet, an welchem die deutsche Frage erneuert zur Sprache zu kommen habe. Wir auf dieser Seite des Hauses haben bis zu ge­nanntem Tage geschwiegen und erst an demselben wurde von mir eine Interpellation eingereicht. Wohl Nie­mand erwartet, daß unsere Seite heute über die Rechts­frage mit dem Ministerio in Erörterung trete. Hie- für sind die beiderseitigen Standpunkte allzu klar be­zeichnet. Wir glauben an das Dogma der koustitui- renden Nation, wir glauben, daß dieses Dogma nicht nur in dem unverjahrbaren Rechte, sondern auch in ausdrücklichen Zuerkennungen seine Sanktion finde. Für uns ist von vornherein virtuell kraftlos und un- giltig, was irgendwie ohne Zustimmung der frcige- wählten Vertreter des deutschen Volkes irgend zu Stande kommen mag; aber selbst da, wo vielleicht Gewalt für Recht steht, ist von Wichtigkeit zu wissen, was die Gewalt einer Ration vorbehält. Daher meine Inter­pellation.

Meine Herren! Die Interpellation bezieht sich auf zwei Punkte.

Erstens auf die Lage Deutschlands überhaupt und zweitens auf das Verhalten der bairischen Regierung gegenüber dieser Lage.'

Was die Lage Deutschlands überhaupt betrifft, so erlassen Sie mir deren Schilderung; mir ist sie der Zustand der tiefsten Erniedrigung. Nachdem die Regierungen nicht aufgehört hatten, das nationale Parlament darüber zu tadeln, daß dasselbe zehn volle Monate hindurch Deutschlands Zukunft berieth, und nachdem sie auf diesen Tadel gestützt die konstituirende Macht gewaltsam an sich gerissen,« sind sie bereits zwölf volle Monate in Berathung über das, was sie bieten wollen. Binnen 10 Monaten hat denn doch das Parlament eine Verfassung gemacht, nach 12 Mo- naten wissen die Regierungen nicht nur nicht, was sie zu geben, sondern auch nicht, in welcher Form sie über das zu Gebende zu berathen gesonnen sind. Meine Herren! Der Partikularismus in seiner furchtbarsten Gestalt mit seinen beklagenöwerthesten Auswüchsen, die

kleinlichsten Rivalitäten und Leidenschaften machen sich geltend. Ja bereits gibt das Ausland mit dein Hohn über unsre Lage auch zugleich der entschieden Neigung Naum, eittzutreteu und nach altem Herkommen den Gespaltenen bas Gesetz vorzuschreiben. So weit, meine Herren, ist es in dem Augenblick mit Deutsch­land gekommen: wer könnte dieser Lage ohne Entrü­stung gedenken! _

Was das Verhaltm der bairischen Regierung die­ser Lage gegenüber betrifft, so komme ich nicht zurück darauf, daß diese Regierung im Mai 1849 den ihr gebotenen großen Moment in der Art handhabte, wie sie that. Darüber hat man sich gegenseitig zur Ge­nüge ausgesprochen; was heute gesagt werden wollte, wäre von der einen wie von der andern Seite nur Wiederholung. Auch darüber wird von dieser Seite des Hauses kein Tadel gegen die Negierung erhoben werden, daß sie der preußischen Aufstellung sich nicht anschloß. Nicht blos in unsern Augen, in den Augen der von uns vertretenen Ueberzeugung durch ganz Deutschland, war daS Erfurter Unternehmen von dem ersten Tage an ein todtgeborues ein Schlag ins Wasser. Ja es möchte benähe sch.inen, das Schick­sal habe den Erfurter Tag nur n:3 Dasein gerufen, um der Gothaer Partei, jener ^arta, welche in bester Absicht viel uno schwer an Deutschland verschuldet par, eine furchtbare Abrechnung zuzuwenden; denn, innres Herren, wie dort mit dem Repräsentatv - System ver- ' fahren wurde, nicht nur rücksichtlich der Wahl der Volksvertreter, sondern auch bezüglich des Verhaltens gegenüber der Volksvertretung, wie jener Tag damit begann, der Versammlung zuzumuthen, daß sie selbst aus der dargebotenen Verfassung alles dasjenige streiche, was noch einen Schatten voltsthümlicher Freiheit und i Selbstständigkeit au sich trug, in welch qualvoller Un­gewißheit über Können und Wollen man die Kammern vom Tage ihres Zusammentritts bis zu dem ihrer Ent­lassung hielt, das haben wir staunens gesehen, und der Verlauf jener ganzen Erscheinungen muß alte Meinun­gen in Deutschland gleich tief verwundet haben. Auch repräsentirt eine Regierung, welche nicht den Schein­konstitutionalismus, sondern sogar den Korporalftock in konstitutioneller Hülle zu ihrem thatsächlichen Programm erhebt, eine Negierung, in deren Augen sogar als zu­lässig gilt, daß ein kriegsrechtlich zur Festung Verur- theilter durch daS Staatsoberhaupt in Begnadigungs­form mit der Zuchthausjacke bekleidet werde auch sage ich, repräsentirt eine solche Negierung die Gefühle Deutschlands nicht, ihr können, so gut auch ihre Ge­sinnungen sein mögen, unmöglich unsere Sympathieen zu Theil werden. Unser Vorwurf gegen die bairische Regierung, ich sage es offen, geht dahin, daß sie, der preußischen Aufstellung sich widersetzend, Wien gegen­über jene Selbstständigkeit nicht wahrte, zu deren Wah­rung sie berechtigt und verpflichtet war.

Meine Herren! In dem großen weltgeschichtlichen Momente, da die innere Zerrissenheit der beiden deut­

schen Großstaaten und die Begeisterung des eigenen Volkes Baiern eine seinen Umpsaug, seine Bevölkerung und seine Lage weit überragende Bedeutsamkeit bcige- legt hatte, in dem Momente, da die bairische Negie­rung dieses benützte, um gleichzeitig dem Werke des Parlaments und dem Dreikönigsbündnisse sich entge- genzusteUcn, in diesem Momente war für die bairische Regierung mindest der Fall gegeben, dem Kabinet von Wien zu sagen: Ja, wir halten zurück; aber versprecht uns fürDeutschland dies und das." Forderte sie solche Gewährschaften, sie mußten ihr gegeben werden, und lägen solche Gewahrschaften in Mitte, so befan­den wir uns denn doch nicht in der schauderhaften Lage, in welche wir gekommen sind.

Statt eines solchen entschiedenen Auftretens unter­handelte die bairische Regierung in Wien. Ihre Un­terhandlungen begannen mit der ehrenvollen Erklärung, falls Oesterreich sich in dem Augenblicke dem deutschen Beginnen nicht anzchließen könne, werde sic sich nicht aufhalten lassen, das Parlament zu beschicken, voraus­gesetzt, daß die nöthigen Modifikationen im Dreikönigs- bündniffe eitttreten. Nach fruchtlosen Unterhandlungen in Wien sandte sie ihren Ministerpräsidenten zu gleich­mäßigen Unterhandlungen an die Spree, und als auch dort ihre Vorschläge keinen Anklang fanden, da, meine Herren! warf sich die bairische Regierung meines Be- dünkenS unbedingt in die Arme Oestreichs. Sie frug gemäß früherer Mittheilung deS Herrn Ministerprasi- vcüten zu Wien nach den Grundsätzen, worauf Oest­reich die künftige deutsche Reichsverfassung gebaut wis­sen wolle. Belehrt, man sei gegenwärtig dort zu sehr mit seinen innern Angelegenheiten beschäftigt, um die Frage erschöpfend zu beantworten, und im Wesentlichen auf die Kremsirer Erklärung hingewiesen, hemmte Baiern die deutschen Angelegenheiten trog die- scs trüben Einblickes in die östreichische Politik. Nichts desto minder hielt damals die harr i scheMegi erung noch an der Ueberzeugung fest, Deutschland habe ein Recht an eine künftige Centralvcrfaffung mit Staaten- und Volkshause. Als Wien fortfuhr, keine solche zu wol­len, fügte sie sich dem dortigen Willen. Später, sehen wir die Münchener Aufstellung zu Tage treten/ und ich frage Sie, m. H., was war diese Aufstellune anders als das Kremsirer Programm? Was war sie weiter als ein erneuter Bundestag mit koncentrirten Organen und mit einem Scheinvolkshause ohne Staa­tenhaus und ohne alle sonstige Bedingungen thatsäch­licher Nationalfreiheit. Und diese Konvention, meine Herren! es ist ja bekannt, kam zu Stande im thele- graphischen Benehmen mit Wien. Kein Paragraph erhielt Kraft, ehe ihm von dort die ausdrückliche Ge­nehmigung geworden war.

Heute endlich, meine Herren! ist nach meiner Ueberzeugung auch diese Aufstellung antiguirt, und unter Beifall der bairischen Regierung sogar hinter das Kremsirer Programm zurückgegriffen. Laut der so eben vernommenen Erklärung des Herrn Ministerprä-

Die schwersten Tage Szegedins»

AuS dem Tagebuch» eines Courier».

(Fortsetzung und Schluß.)

Der Posten in Neu-Szegedin sollte nur durch Ka­nonen- und Gewehrfeuer die Stadt beunruhigen und be­schäftigen, während die Hauptmasse unterhalb Szegedin, etwa 6000 Mann stark, in der Nacht auf Brettern über das Eis gehen wollte. Der unerwartete Angriff setzte nun diesen Vorposten in panischen Schrecken. Ohne die ungarischen Massen zu erwarten, ließen sie die Kanonen im Stich, warfen die schweren Gewehre weg und rannten athemlos gegen das Hauptlager. Diesem theilten sie ihre Angst mit, zumal sie theils um ihre feige Flucht zu beschönigen, theils von ihrer ängstlichen Phantasie selbst getäuscht die Nachricht verbreiteten, daß eine reguläre ungarische Armee im Anzug sei. Die Serben gleichen darin den orientalischen Völkern, daß sie hinter Mauern und Wällen sich mit der größten Hartnäckigkeit ver­theidigen, in offener Feldschlacht halten sie selten standhaft aus. Ueberdies bestand das Lager, mit Ausnahme einiger Kompagnien von den österreichischen Soldaten des Militärkordons aus Raubgesindel und serbischen Bauern, die aus dem Banat ausgewandert waren. Diesen war es nur um die Plünderung und Verheerung des reichen Szegedins zu thun gewesen, was sie sich viel leichter

vorgestellt hatten. Aber eine Schlacht anzunehmen, war durchaus nicht nach ihrem Geschmack, sie dachten viel­mehr ihre bereits zusammengeraubte Beute in Sicherheit zu dringen, die sie auf zwanzig Tausend Wagen mit sich geführt. Die Nachricht von dem Anrückcn einer Armee und das immer näher tönende Geschrei war für sie das Signal zur allgemeinen Flucht. Mit der ängst, liehen Hast von Hausdieben, die nach vollzogenem Raube plötzlich Menschenstimmen vernehmen, warfen sie sich auf ihre Wagen und jagten davon, was nur die Pferde laufen konnten.

Nur gegen hundert Serben, die in den Häusern von Neu-Szegedin das Gewehrfeuer gegen die Stadt unter­halten hatten, waren zurückgeblieben. Auf den Haus­böden und an den Fenstern postirt, konnten sie die Menge nicht herankommcn sehen, und verstanden wahrscheinlich die verderbliche Bedeutung des Lärmes nicht, der sich in ihrem Rücken erhoben, wo sie nur die Schaaren ihrer Freunde vermuthen mußten. Als sie endlich die unga­rischen Laute unterscheiden konnten, war cs zu spät zur Flucht. Die Szegediner hatten den Ort umgangen, und während ein Theil der Massen hinter den flüchtigen Serben herlief, stürzte ein anderer Theil zu Hunderten in die Häuser. Von der schrecklichen Ueberraschung ge­lähmt, leisteten die vereinzelt in den Häusern betroffenen Serben nur schwachen Widerstand. Bald waren sie alle todt niedergeworfen, von zahllosen Axthieben, Sensen- stichen und andern wuchtigen Instrumenten tödtlich ge.

troffen. Nur drei Ungarn bezahlten mit.ihrem Leben die kühne That, 91 Serben würben nach wenigen Mi­nuten blutenv i» den letzten Zuckungen in dem vom Thau­wetter aufgeweichten Schlamm herumgeschleift.

Nun bemächtigte sich der von Kampfwuth erhitzten Masse die furchtbarsie Raserei der Rachsucht. Der Sze- gcdincr hatte Schrecken und Angst zu rächen, die Aus­gewanderten namenloses Elend und scheußliche Mißhand- lnugen zu vergelten und in ihren Händen befanden sich 91 Serben, alle Mitschuldige an tausend Freveln, deren nur Tiger und Hyänen fähig sind. WaS Wunder, daß auch die Rächer zu Tigern und Hyänen wurden. Die Kleider wurden den Leichen bis auf das letzte Stück vom Leibe gerissen und die nackten Leiber im Schlamm ge­wälzt; Zähne fletschend vor Wuth, tauchte man die Hände in ihr Blut, mit Messern wurde ihnen Stücke Fleisch aus dem Leibe geschnitten, dessen Fettigkeit die Rächer nur noch mehr erzürnte die Schweine haben sich an unserm Gute gemästet, schrien die Ausgewander­ten. Die Weiber der Ausgewanderten, wütheten am entsetzlichsten. Der Anblick der nackten riesigen Körper erweckte in ihnen lebhaft die Erinnerung an die Miß­handlungen, die sie selbst erfahren, oder die vor ihren Augen unheilbares Elend über ihre Tochter gebracht. Wie Furien stürzten sie sich auf die athletischen Körper, als könnten sie die ganze verbrecherische Nation ausrotten und die szegediner Mütter klatschten Beifall; sie, die vor gleichem Schicksal zitterten, konnten allein diese