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„Freiheit und Neehr!"
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J^ 113^ Wiesbaden. Freitag, 17 Mai 1S3O.
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Dit „Freie Zeitung« eriVemt, ulit »âu,.ne S«S t«ou,a^, Wjit.p UI einem Bogen. — Her AvonnementSpceis vetrâgl v lerieljäyrig hier in Wiesbaden I fl. 45 tr^ au«, wârts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Rufern« werden bereitwillig ausgenommen und sino bei eer großen Berdccilunz ver „Freien Zeitung« stets von wirk» samem Erfolge. — Die JnserationSgcbühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.
FF. Die wahre Bedeutung her neuesten Vorgänge in Berlin.
Der Füvstenkongieß in Berlin hatte denn auch seine Aufgabe vollbracht. Sämmtliche dort vertretene Sie- Pfennigen — so melden die neuesten telegraphischen Depeschen, haben sich über die Einsetzung eines provisorischen UnionSorgans geeinigt; selbst die beiden Hessen und Nassau haben sich damit einverstanden erklärt; die verbündeten Staaten werden demnach den Frankfurter Congreß beschicken, einige durch Preußen, andere durch eigene Gesandte, die jedoch ihre Instruktionen von der Unionsregierung empfangen sollen. Man wird in Frankfurt mit einem neuen Proteste, nach dem Schema des von Preußen für sich bereits unterm 3. April erlassenen, im Namen der gejammten Union auftreten und sich auf's Neue dagegen verwahren, daß eine definitive Gestaltnng des weiteren Bundes zugegeben werde, in welcher nicht die Anerkennung der Union, als Gliedes derselben, enthalten sei. Diese Vereinbarung, die jedoch, wie deutlich erhellt, wieder nur das Gepräge eines vorläufigen Abkommens trägt und somit nach den gemachten Erfahrungen keinem ferneren Uebereinkommeu zwischen der neu geschaffenen provisorischen Unionsregierung und Oesterreich praju- di'zirt, tritt überdies unter allerhöchster Protektion Sr. Majestät des Kaisers aller Reußen und Ihrer Majestät der Königin von Großbritannien auf und darf deshalb auf einige Beachtung und Rücksichtnahme ist Frankfurt und sonst wo Anspruch machen. Nur ist zu vermuthen, daß diese zarte Berücksichtigung weit mehr den durch die Union erlangten Ansprüchen, wenn man will, der Berechtigung Preußens, den Schirmvogt oder den Souperain über die andern Unionsstaaten zu spielen, zu Theil werden wird, als der Schattenselbstständigkeit, die den kleineren Staaten durch die ohnehin noch nicht zur definitiven Geltung gediehene Verfassung der Erfurter Parlamentirer beschieden ist. Diejenigen der kleinen Staaten, welche eö nicht verstanden haben sich den Zurücktritt vo.. dem künftigen großpreußischen Einheitsstaate offen zu halten, werden mit ihrer Selbstständigkeit zu zahlen haben, die als Pfand des zu er- wirkenden Einverständnisses zwischen Oesterreich und Preußen und der sttevisivn der Bundesverfassung in beider Sinne von ersterem letzterem prcisgegeben werden wird. So viel ist gewiß, daß, wenn die mit Preußen verbündeten Staaten mit demselben auf dem Bevollmächtigten-Congresse in Frankfurt erscheinen, fie nur als dessen Basallenschaft dort auftreten können, und daß alle die Proteste und Verwahrungen, wenn berücksichtigt, nicht ihnen, sondern einzig und allein Preußen zu gute kommen werden.
Schon jetzt läßt es sich mit ziemlicher Gewißheit erkennen, daß das künstliche und komplizirte Einschach- telungssyftcm des Herrn V. Radowitz, der nächstens nach so vielen Häutungen und Umwandlungen wieder in seiner ursprünglchen Gestalt als Unions- oder groß
preußischer Bundestagsgesandter in Frankfurt a. M. zum Vorschein kommen wird, sich außerordentlich ver- einsachen und auf jenen Dualismus zurückgeführt werden wird, zu dem seit langer Zeit in dem Geheimnisse der Eabinette und Camarillen Alles zugeschnitten worden ist. Der großpreußische Bundesstaat, wie er schließlich aus dem zu Erfurt gelegten und am Fürstenkongreß zn Berlin ausgebrüteten El hervorgehen mag, wird schwerlich etwas anderes sein als ein Staatenbund pro forma, welchen der darin allein prado- minirende Einfluß Preußens mehr oder weniger schnell zu einer einen und untheilbaren Monarchie umgestalten wird, nm so schneller, als die großen Dienste, welche das preußische Ministerium der Reaktion und dem Absolutismus geleistet und ferner zu leisten verspricht, ihm als Dank dafür die Unterstützung von Seite Oesterreichs und Rußlands eintragen werden.
Die Assoziation der Hebräer.
Dou der US. Die geschichtliche Ueberlieferung zeigt uns dieses Volk (der Hebräer) nur sehr kurze Zeit als selbstständiges, sich selbst beherrschendes und regierendes Volk. In Aegypten nach der Zeit Josephs war eS ein vollkommenes Sklavenvolk und für nichts Großes tüchtig. Moses, ein Mann, in der ägyptischen Schule ausgebildet, verstand es, vermittelst seiner Bildung jenes entnervte Volk zu beherrschen und ganz nach seiner Idee zu leiten und zu führen. Moses war (obgleich unvollkommen und ohne eS wissen zu wollen) Sozialist seiner Zeit und stempelte seine Grundsätze in den zehn (Vebotcn seinem Volke, um dasselbe zur Nation auSzubitdcn, als Gesetz.
Was MoseS gewollt, ward — jedoch nur so lange, als die Ideen eines Moses und nicht die einer nie zu sättigenden, ehrgeizigen und egoIsschen Priesterfaste in dem Gesetze athmeten. Diese Zeit war hir^, denn nur zu bald hatte sich jene Kaste des Gesetzes nach Willkür bemächtigt, und des Volkes Untergang war vollendet. Da erschien Christus, der strahlende Diamant in der Krone der sozialen Demokratie, Nicht gegen das Gesetz, die Ideen eines Moses kämpfte er, sondern gegen die Auslegungen jener abscheulichen Kaste. Nicht das Volk, sondern jene Kaste haßte ihn; und nicht das Volk, sondern jene Kaste schlug ihn, den erhabenen Menschen, ans Kreuz. Christus Ideen, durch sein Lehnn und Wirken ins Volk übergetragen, zündeten im Herzen des Volkes und seine Lehre voller Wahrheit, Freiheit und Brudersinn, ward die Richtschnur von Millionen; die neue Religionsgesellschaft hatte das traurige Schicksal, wie die der Hebräer, und durch eine neue Priesterkaste beherrscht, schleuderte sie, als sie die Kraft erlangt hatte, nicht auf das Priester« thum der Hebräer, sondern auf das Volk selbst ihr Racheschwert nieder; das Volk der Hebräer würde auS der Gesellschaft verbannt, man drangsalirte sie, wo es nur möglich war und ihre Wohnstätte kostete oft schwere
Opfer. Da erzeugte die in der Gesetzgebung niedcr- gelegle Idee eines Moses, nicht mehr in der Gewalt einer Priesterkaste, eine neue Idee, die der innigsten Assoziation. Weit und breit ist der zerstreute, geächtete und drangsalirte Stamm der Hebräer, verbrüdert, und nicht Einer, wenn auch noch so arm, steht in Roth und Arbeit dem Proletarier unseres Vaterlandes gleich. Die Assoziation, die Verbrüderung des Iudenthums, hat die Gesellschaft zn benutzen und auszubeuten und so sich einen Geldsack zu verschaffen gewußt. Der verbrüderte Geldsack der Hebräer hat sich Einfluß an den Höfen Europas verschafft und oft schon an vielen Höfen Europas die Geschicke der Völker geleitet. Möge das deutsche Volk in seiner Noth die Zeit begreifen und an dem zerstreuten, aber verbrüderten Volke der Hebräer sehen und begreifen, was es thun müsse, um sich eine bessere Zukunft an- zubahneu. ______________
Asstsenverhandlungen zu Wiesbaden.
Fünfzehnter Prozeß.
Anklage gegen Johannette Felsen that von Odenbach, wegen K i n d es a u s s e tz u n g.
$ Wiesbaden, iS Mar. Präsident: Hr. Hofge- richtSrath Forst; Staatsanwalt: Hr. StaatSprokura- tor-Substitut Flach; Vertheidiger: Hr. Prokurator v. Arnoldi.
Johannette Feisenthal, 23 Jahre alt, Dienstmagd, gebürtig und wohnhaft zu Odenbach bei Meisenheim im Königreiche Baiern, ist angcklagt, daß sie ihr am 17. August 1849 geborenes Kind, weiblichen Geschlechts, in der Absicht, sich von der Sorge für dasselbe zu befreien, am Abende des 26. Februar 1850 in der Thorfahrt des Zimmermeisters Ritzel zu Wiesbaden auf dort befindliche Bretter gelegt und es hierauf hülfloS verlassen hat, der Art jedoch, daß eine Gefahr für das Leben des KindeS von der Angeklagten nicht hat befürchtet werden können, undZdas Kind durch diese Handlung an seiner Gesundheit keinen Schaden erlitten hat.
Die Angeklagte ist der That in allen Stücken geständig. Sie erzählt, daß sie bei Herrn Weinhändler Vogel in Mainz einen Schenkdienst gehabt habe, den sie am 26. Februar habe verlassen müssen, weil Fran Vogel über Unreinlichkeit geklagt habe. Sie sei hierauf mit der Pflegemutter ihres Kindes, der Elisabethe Hetterich von Mainz, da sie dort keinen anderen Schenkdienst habe finden können, nach Biebrich gegangen, wo fie sich jedoch auch vergebens nach einem solchen umgethan habe. Hierauf sei fie mit ihrem Kinde, das die Elisabethe Hetterich wieder zu nehmen versprochen habe, sobald sie einen Dienst haben würde, nach Wiesbaden gegangen, Elisabethe Hetterich aber sei nach Main; zurückgekehrt. In Wiesbaden sei sie bei einigen Verdingfrauen und auch bei Hrn. Med.- Rath Dr. Haas gewesen, um entweder eine Stelle
Die schwersten Tage Szegedins.
AuS dem Tagebuch« eines Couriers.
(Fortsetzung.)
In furchtbarer Verwirrung stürzten die Tausende von Männern ans allen Häusern gegen daS Ufer hin, woher der Schall gedrungen. Jetzt erkannte an an auch den Zweck der eingehängten Jalousien, denn zwischen den Lücken derselben blitzten die langen serbischen Flinten, welche die Kugeln über die Theiß hinübertrugen. Die Menge am Ufer, durch nichts geschützt, stob auseinander. Die Muthigeren zogen sich hinter die ersten Häuser zurück, die andern sammelten sich erst auf dem großen Marktplatz. Nirgends ließ sich ein oberstes Kommando, ein zweckmäßiges Eingreifen und Anordnen verspüren.
Ich eilte zu dem Regierungskommissär Hunkar und traf ihn vor seiner Wohnung, als er eben in den Wagen gestiegen war, um das Weite zu suchen. „Bleiben Sie rief ich erzürnt über diese Feigheit, und erfüllen Sie Ihre Pflicht!"
„Ich weiß hier nichts zu thun, erwiederte er todten« bleich, ich verstehe nichts von Krieg, ich fahre ins Lager zu Vecsey, um Truppen zu requiriren." — Es hätte von meiner Seite nur eines Wortes zu den durch die Straße^ laufenden Bewaffneten bedurft, nnd der feige
Mann wäre vom Wagen gerissen lund in Stücke ge- hauen worden. Aber ich hielt das für unnütz und wollte überdies nicht den demoralifirendeii Gedanken an innern Verrath in die Bevölkerung werfen. Ich eilte wieder ans Ufer, um durch Geistesgegenwart und Thätigkeit die Massen einigermaßen zu leiten, wo es nöthig würde.
Der Kommandant Hadvik war eben auch kein mili- täiisches Genie, aber er zeigte auch Muth und Eifer. Er hatte, um doch etwas zu thun, unsre vier Kanonen in weiten Zwischenräumen an dem Ufer aufstellen lassen. Dieses war nebenbei gesagt kein geringer Fehler, sie konnten so gestellt den Feind nicht aufhalceu, wenn er übers Eis herangestürmt wäre, und hätten leicht in seine Hände fallen können. Besser hätte er sämmtliche vier Kanonen auf der kleinen Citadelle aufstellen können, wo sie wohlgeschützt den ganzen Fluß beherrschten und ein fortwährendes Feuer unterhalten konnten.
Die gegenseitige Kanonade und das Gewehrfeuer dauerten drei Stunden lang, ohne daß von beiden Seiten Jemand verwundet wurde, da die Kämpfenden durch Häuser gedeckt waren. Die Serben hatten ihre zwölf Kanonen theils in einem Wäldchen, gegenüber der untern Stadt, aufgestellt, theils hinter großen Massen Bau- und Brennholz, der obern Stadt gegenüber, wohlgeborgen. Im Centrum unterhielten sie bloß aus den Häusern ein ununterbrochenes Gewehrfeuer.
Da die Kanonade weiter keinen Schaden that, einige Löcher ausgenommen, welche die Kugeln in die Dächer
und aus Backsteinen gebauten Mauern schlugen, so kehrte allmählig Besonnenheit unter die Bevölkerung zurück und die Einflußreichern fanden Gehör und Gehorsam. ES war gegen drei Uhr Nachmittags, als ich unter einen aus mehreren Tausenden von Männern und Weibern bestehenden Haufen trat, der hinter den Mauern der Citadelle vor den feindlichen Kugeln geschützt stand. Ein großer Theil der Anwesenden kannte mich persönlich, da ich bereits früher in Volksversammlungen mit Beifall gesprochen. „Szegediner, rief ich, sollen wir hier ruhig abwarten, wie lange es diesen Hunden von Serben be= lieben wird, unsre Häuser zu durchlöchern und alle Be^ wohner in Angst und Schrecken zu halten? Bedenk^ die Nacht ist nahe, wollt ihr noch einmal eine so schreck« liche Nacht durchwachen? wie lange können das meusch. liche Kräfte aushalten, während der serbische Hund da drüben sich hinstrecken und ruhig schlafen kann, um uns den andern Morgen aufs Neue zu quälen. Und dann, wie können wir wissen, ob er nicht im Dunkel der Nacht herüberbrechen kann. Vielleicht wartet er nur auf die Nacht, um mit Brand-Raketen unsere hölzerne Häuser in Brand zu stecken. Vielleicht schleicht sich mancher Serbe herüber, um den rothen Hahn auf unsere Dächer zu schleudern. Vielleicht gibt es mitten unter uns Lcr» räther, die ihm diesen Liebesdienst erweisen. Szegediner denkt euch daS Unglück, wenn in dieser mit Menschen vollgepfropften Stadt die Flammen wüthen und der serbische Räuber in der Verwirrung herüber bricht," —