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das Zeugenverhör. Es sind im Ganzen 37 Zeugen vernommen worden. Nach den Zeugenaussagen ist der Hergang der Sache im Wesentlichen kurz folgender:

Carl Joseph Erlenbach von Caub ist ein streit- und zanksüchtiger und deshalb ein von Allen sehr ge­fürchteter Mann. Bereits 24 mal ist er der Straf­justiz verfallen, theils wegen Beleidigung, theils we­gen blutigerSchlägereien und anderer Vergehen. Dein Trunke ist er sehr ergeben. Am 15. November 1849 Abends kam er in die Wirthschaft des Daniel Fuchs von Caub, wo eine große Anzahl junger Leute mun­ter und fröhlich beisammen war. Unter ihnen auch Jacob Müller, Johann Baptist Backes, Georg Vogel und Balthasar Rück. Am selbigen Tage chatte er an Müller eure Schuld von 7 Thaler bezahlt, Web aber 1 Thaler (es sollten 8 sein) deshalb jchul- diq weil er diesen, als nicht schuldig, bestritt. Die­ses Geld war ihm sehr oft gefordert worden. Auch mit Backes stand er mehr oder weniger in jener Zeit in keinem guten Verhältnisse. Wie nun seine Gewohnheit war, so suchte er, kaum in der Wirth­schaft eingetreten, gleich mit Jemand anzubinden. So auch an jenem Abende. Zuerst wande er sich zu Ba­ckes und redete diesen in spöttischem Tone an:Nun, Hr. Backes was wollen Sie mit mir?" Backes, ein'einfacher, schlichter Bursche, sah gleich, daß Er­lenbach nichts Gutes im Schilde führte, und tagte: Mit Ihnen will ich gar nichts, Herr Erlenbach. Dieser wandte sich nun zu Müller mit den Worten: Nun Du hast Dir ja heute dein Geld geholt, eS ist mir lieb, dann bekomme ich doch nicht mehr den La­den bald eingeklopft und die Schwelle abgelaufen." Dieses und der streitige eine Thaler, auf welchen auch die Rede kam, setzte böses Blut. Es entspann sich ein Streit, der mit großer Mühe dadurch ge­schlichtet wurde, daß Erlenbach von dem Wirthe in die andere Stiche gebracht wurde. Dieser beruhigte sich dort indessen nicht, sie geriehen abermals an ein« der und so wälzte sich der ganze Knäuel zur ^hüre hinaus auf den Hausgang. Es währte nicht lange, so kam Erlenbach mit blutender Hand wieder her­ein mit dem Rufe:ein schlechter Kerl, der mich ge­stochen hat!" In demselben Momente aber kamen die Leute gelaufen und schrieen:der Jacob Müller liegt draußen und ist erstochen!" Dieser konnte noch vor seinem Ende sagen:der Erlenbach har es ge­than!" Er hatte außer dem Stiche in den Unterleib, bet die Ursache des Todes war, noch viele andere Wunden. Erlenbach, der mit seiner blutenden Hand beschäftigt war, wurde visitirt und es fand.sich bei ihm ein noch von Blut triefendes scharfes und spitzes Messer. Er wurde sofort arrctirt und die Un­tersuchung kingkleitet, in welcher er Anfangs läugncte, später aber zugestand, gestochen zu haben, er~ wiche aber nicht wohin. In neuerer Zeit hatte er sich an verschiedenen Orten geäußert, er habe sich, jetzt wieder­ein Messer angeschapt, der erste, der ihm zu nahe kommen würde, den würde er ersteren , am Schmei­ßen habe er keinen Spaß mehr. Bei obigem Streite nun, sollen die Mitangeklagten Theil genommen ha­ben, was theilweise zugestanben, theilweise in Abrede gestellt wird. Balthasar Rück, der namentlich die Theilnahme läugnet und seine Aussage als Zeuge be­schworen hat, sitzt wegen Meineids auf der Anklage­bank, weil sich erwiesen habe, daß er doch bei dem Streite betheiligt war. Die Zengenaussagen haben übrigens für die drei Mitangeklagten, die überdies einen guten Leumund genießen, nichts besonderes Gra- virendes ergeben. (Schluß folgt.)

Deutschland.

es Vom Taunus. Eine kleine Reife durch das Emsthal führte mich gestern nach Niederselters, wo eben der ausgebrochene Wahnsinn des Lehrers dieGe- müther in nicht geringe Aufregung gegen dasPfassen-

treiben versetzt hatte. Noch ganz mit den Gedanken an den unglücklichen Lehrer beschäftigt, kam ich nach Camberg und ging, um auszuruhen, in ein Wirths­haus, denn der Kopf war mir schwer von dem Ge­hörten in NiederselterS, mir schwindelte bei der Be­trachtung jener kalten Egoisten, die dieses Treiben hcr- aufbeschworen, die hinter den Coulissen sitzen und ihre Marionetten spielen lassen.

Staunen ergriff meinen Geist, als ich in das dicht- besetzte Wirthszimmer trat und die sehr aufgeregte Unterhaltung hörte; denn ich glaubte zu träumen, als ich deutlich die Rede hörte:Wieder ein heilig Bubenstück des Cardinals Richelieu." Ich griff an die Stirne, ob ich wach sei, ob ich Fieberhitze habe; denn was sollte der längstverschiedene französische Kardinal Richelieu hier an der Ems angefangen haben?

Immer höher stieg die Aufregung der Gemüther, immer mehr lärmte man gegen denrothen Kardinal"! Ich horchte stille auf, konnte aber nichts verstehen; denn was sollte ich aus den abgerissenen Worten: der listige Cardinal, der dumme Marquis, der tückische Laquai das Unglück der Stadt!" entnehmen?

Man sprach von Maßregeln, die man dem Terro­rismus entgegensetzen müsse; vom blinden Pharisäer, von Unterstützungen rc." Ich ging in ein anderes Wirthshaus, hörte denselben Lärm, sah dieselbe Ent­rüstung, hörte noch den Vorschlag, sich von Leuten loszusagen, deren ganzes Treiben Tücke, Bosheit und Heuchelei verrathe, die Niemand ehrlich ansehen könn­ten, weil ihr Herz stets mit einem falschen Gedanken augefüllt sei, an, umd wußte so wenig, als ich mich ebenfalls entfernte, wie vorher.

Erst im nächsten Orte erfuhr ich, daß man in Camberg eine Piusschule gegründet, daß man Ju- trigueNj aller Art gespielt, den größten Terrorismus geübt, um einem Lehrer die Kinder zu entziehen, daß man sich sogar eines Gemeindelokals als Lehrzimmer bemächtigt.

Es wurden mir sodann Stückchen erzählt, die wirk­lich eines Cardinals Richelieu würdig waren.

Ich fragte nach diesem modernen Richelieu; allein der Wirth sagte:Bst seien Sie still! man spricht nicht gern vom Herrn Cardinal, seine Kreaturen hor­chen an allen Wänden!"

Und weiter konnte ich nichts erfahren.

Haben sich die Jahrhunderte untereinander gemischt, den bunten Tanz des Weltgerichts aufznführen ?

Der Wahnsinn des Lehrers Schmitt war meinem Wirthe gar nicht auffallend, er bemerkte blos, daß in Camberg auch eine Frau sei wahnsinnig gemacht wor­den. Also der Wahnsinn fällt nicht mehr auf.

Nassau. L. B. M. Nro. 110 der Freien Zeitung enthält eine Berichtigung unsers ersten Artikels, die Alles aufklärt, nur die Punkte nicht, welche Gegen­stand unsers Angriffs waren.

Wir haben nicht von Lieferung der Baumaterialien, sondern von B e b o h l u n g der Kettenbrücke ge­sprochen , welche gegen die Bauverwaltungsordnung aus der Hand an einen Holzhändler übergeben worden ist; zur Bebohlung gehört aber außer der Lieferung des Materials auch das Schneiden, Zurichten und Auf­legen der Bohlen, welche Arbeiten der Herr Entgegner doch wohl nicht als zum Ressort des Holzhandels ge­hörig betrachten wird. Gegen getrennte Versteige­rung der Materiallieferung und der Handwerksarbeit würden wir gar nicht gekämpft haben, obgleich sie dem bisherigen Gebrauch nicht entspricht. Man gibt sich außerdem den Anschein, als ob die Vergebung im In­teresse der ärmeren Handwerker geschehen sei: wie man aber diese begünstigt, wenn man den ganzen Hand­werkerstand von einer ihm zustehenden Arbeit, auS- schließt, das begreife, wer es kann !

Was die hohen Forderungen anlangt, die zu um­gehen man sich genöthigt sah, so diene hier zur Nach­richt, daß dem Herrn G. Allritz der Fuß zu 19 kr. übertragen worden ist, während dem tüchtige Hand­

werksmeister auf der von Hrn. KreiSamtmann Kissel gesetzlich vorgenommene Versteigerung den Fuß zu 151/2, 15/4 U"d 15 kr. zu übernehmen sich erboten haben, daß der Staat also eine Summe von mehreren hundert Gulden cinbüßt. Wenn aber die frühern Ver­steigerungen, wie man sagt, in keiner Weise dem Zweck entsprochen haben, so erwächst hieraus ein neuer Vor­wurf für die Baubehörde, welche die Controlle einer dem Zweck nicht entsprechenden Arbeit" vorgenommcn, und dieselbe gut geheißen hat.

Daß die ganze Angelegenheit, und besonders die geheime Vergebung zu hohem Preiß Veranlassung zu allerlei Vermuthungen und Reden gegeben, bedarf wohl keiner weitern Ausführung; weßhalb wir den Behörden rathen möchten, nie von bestehenden Gesetzen und der Oeffentlichkeit abzugehen, da nur hierdurch allein ihr Ansehen gehoben und gekräftigt werden kann, währenddem es durch entgegengesetztes Verfahren unter 9lull herabsteigt.

Mainz, 13. Mai. (Mz. Ztg.) Unser verehrter Mohr ist', kaum aus dem Kerker entlassen, zum Bür­germeisterei-Adjunkt in Oberingelheim gewählt worden. Daß dies gewissen Blättern wieder Stoff zu gemeinen verleumderischen Insinuationen geben würde, ließ sich erwarten und ist in Erfüllung gegangen. Glücklicher­weise weiß sie Jedermann nach ihrem Werthe zu wür­digen.

Worms, 11. Mai. (Mz. Ztg.) Die Aussichten auf Ereirung einer Verwaltungsbehörde in Worms scheinen sich etwas getrübt zu haben. Wie man hört, soll Regierungsrath Schmitt dazu bestimmt gewesen sein.

Frankfurt, 13. Mai. Ein neuer Bevollmächtigter für Schaumburg-Lippe ist im Archivrath S trauß bei der Versammlung des Staatencongreffes heute emge- trctcu. Der für Sachsen in der ersten Sitzung in­terimistisch fungirende Herr Grünler ist durch Herrn von Nostitz ersetzt worden. Seltsam erscheint es, daß das sonst gut unterrichtete und hier am Platze er­scheinendeJournal de Francfort" berichtet, bei der ersten Sitzung derBundesplenarversaminlung" sei schon Nassau, Darmstadt und Frankfurt vertreten ge­wesen; wir sind in den Stand gesetzt, Sie zu ver­sichern, daß die Notiz unwahr ist, daß namentlich Frankfurt beschloßen hat,neutral" zu bleiben. Ein Artikel in diesen und andern Blättern läßt auch Schles­wig-Holstein bei dem Songreffe vertreten sein. Dies ist ebenfalls unrichtig; Schleswig-Holstein wurde selbst beim alten Bunde nie vertreten; Herr von Bülow ist und kann somit nur für Holstein und Lauenburg eingetreten sein, was aber momentan gar nicht einmal rechtlich vertreten werden kann, da Deutschland mit Dänemark im Kriege ist und das Ultimatum be­steht. (§. I.)

Aus Baden, 11. Mai. Wieder sind einige hof- gerichtliche Erkenntnisse gegen politische Flüchtlinge be­kannt geworden. Wir führen folgende an, welche Per­sonen von einer gewissen hervorragenden Bedeutung in dem revolutionären Drama unseres Landes betreffen : Obergerichts-Advokat Junghanns von Mosbach wurde zu 9 Jahren, Schriftvcrfaffer Gervas Tor- rent von Waldshut zu 8 Jahren, Johann Conrad Dürr von Karlsruhe zu 6 Jahren und Bürgerinei- ster Joseph Dietrich von Hilzingen zu. 12 Jahren Zuchthausstrafe verurtheilt.

In der verflossenen Nacht ist der ehemalige Artil- lcrielieutenant Adolf Schwartz, der zu 5 jähriger Fcstnngsstrafe verurtheilt war und diese Strafe bereits vor einem halben Jahre angetreten hatte, aus Kißlau entkommen. Wohin sich derselbe gewendet, ist zur Zeit noch unbekannt.

Berlin, 10. Mai. So oft es Fürsten-Congresse gegeben hat, sind Rangstreitigkeiten zwischen den Be- theiligten eine regelmäßige Mitgift derselben gewesen, ja es sind die Fälle nicht vereinzelt, wo es über die­sen kleinlichen Eitelkeitsbestrebungen zu den eigentlichen

als der Major nahe bei Szegedin in einem Dorf bei einem reichen Serben cinkehrte und sich der mit der größten Behaglichkeit den Freuden eines gut besetzleu Tisches hingab. Der Verdacht steigerte sich dadurch zur Wuth, ein Theil der Nationalgarde stürzte mit gefälltem j Bajonett in das Saus des Serben und stieß den Major hinter der Weinflasche nieder. Dieses furchtbare Bei- i spiel fand bald Nachahmung und binnen vier Tagen wur- i den drei Offiziere der im Felde liegenden Nationalgarde : von ihren Untergebenen erschossen. Diese Offiziere waren I nicht Szcgediner Bürger, sondern von der ungarischen Regierung hergesandt, um die mobile Nationalgarde zu kommaudiren, welche sich auf vier Monate zum Dienst im Felde verpflichtet hatte, und während der Dienstzeit von der Regierung ansehnlich besoldet wurde.

Vecsey, der damals mit seinen ans dem Banat und der Baska zurückgezogenen Truppen diesseits der Theiß mehre Stunden von Szegedin stand, geriet!) bei der

-chricht von diesen Ermordungen in- heftigen Zorn. Die inständigsten Bitten der Szcgediner konnten ihn nicht vermögen, einige Tausend Mann von seiner Armee über die Theis; gegen das Anrücken ber Serben zu schicken, obgleich er acht Tage lang seine Armee unbe­weglich im Lager hielt. Nun aber kam er wüthend an der Spitze eines Husarenregimeuts in die Stadt, ließ sechs Nationalgardisten, die bei den Ermordungen der Offiziere am meisten thätig waren, verhaften und auf der Promenade im Angesicht der Bevölkerung erschießen.

Vecsey war wie Görgey ein strenger Soldat. Mit der dem ausschließliches Soldaten eigenthümlichen Ver­achtung allen bürgerlichen Wesens war ihm Bürgerwehr ein verächtlicher Gegenstand und die Waffe in den Hän­den irregnlärer Massen em gröuAvoller Anblick. Diener einer revolutionären Regierung trat er auf das Haupr des Bürgers, dessen Opfer allein die Regierung erhielt und une schöpfliche Mittel zum Widerstand gegen den äußern Feind verschaffte. Vecscy's Tyrannei ging sogar so weit, daß er den Vater eines der sechs standrechtlich erschossenen Nationalgarden in Kelten legen ließ, weil er sich in seinem- Schmerz mit großer Erbitterung gegen dieses gewaltsame Verfahren aussprach. Die Bewohner Szegcdins waren aufs Tiefste über die Eigenthümlichkeit des Generals entrüstet. Sie glaubten in ihrem Rechte zu sein, da die ungarischen Regierung doch die einzelnen Corps ermächtigt hatte, den Verrath der Offiziere aus der Stelle zu bestrafen. Und es war nur zu sehr Grund zum Verdachp-, denn wenige Tage zuvor hatten die in Baja und Zambor kommandireuden Offiziere diese reichen Städte in die Hände des Feindes gespielt, oder wenigstens ohne Vertheidigung dem Feinde über- laffeiT.

Was aber noch empörender war, Vecsey zog nach vollbrachter Hinriclllung mit seinen Husaren wieder ans Szegedin und überließ die Stadt dem grausamen Schick­sal , mit dem die heranziehenden Serben sie bedrohten. Wäre in diesem Augenblick allgemeiner Erbitterung ein

geordnetes österreichisches Armeekorps herangezogeu, Sze, gedin hätte vielleicht ohne die geringste Vertheidigung den Feind bereitwillig empfangen; aber mit den zügellosen Serben zu unterhandeln, erlaubte weder der National­haß, noch die Furcht vor ihrer Barbarei und Raubsucht. Doch die armen Szegediner hatten nicht lange Zeit sich ihrem Unmuth hinzugebcu. Den anderen Tag nach Vecsey's Abzug kam eine reiche Bäuerin aus einem nicht mehr als eine halbe Meile entfernten Dorfe jenseits der Theiß in die Stadt geeilt, mit der Nachricht, daß die Serben, von Petrovics geführt, in ihrem Dorfe an« gekommen wären. Der Name Petrovics erfüllte die ganze Stadt mit Entsetzen. Petrovics, gehonter Szege- diuer, aber serbischen Stammes und Religion, war einer der reichsten Bürger Szeged ins gewesen. Er hatte sich als Advokat ein bedenteudes^Dermögen und großen Ruf erworben. Ex galt für einen feinen Kopf, aber feilen unb verschm Hyaraktcr. Nach der Märzrevolutivu war er trotz a. ^e Bemühungen nicht in den neugebil- betcii Magistrat gewählt worden. Deßhalb faßte er einen tiefen Groll gegen seine Gcburtsstadt, und ein serbisches Gemüth ist unversöhnlich.

(Fortsetzung folgt.)