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$cn, also muß dieser schon deshalb verdorben werden, damit die Stelle frei wird. Ist doch jener Getreue der Ansicht, der Bischof, nicht der Staat, habe die Lehrerstellen zu besetzen.

Aber wird die große Mehrzahl der Bürger Kam- bergS sich von einer Minorität terrorifircu lassen? Wir glauben nicht. Man ist zum Aeüßersten entschlos­sen, will alle Verbindungen im bürgerlichen Leben mit den Piusmitgliedern abbrechen und ihrerseits auch die Kinder von den Piuslehreru nehmen, obwohl nicht alle schuldig sind. So säet der schwarze Feind Zwietracht zwischen die Bürger, leicht aber könnten aus der Saat der Drachenzähne Geharnischte aufwachscn, die kein Talisman wieder vernichtete.

Hannover, 6. Mai. Die Hannoversche Zeitung sagt in keinem Leitartikel (von Minister Stüve) über den Berliner Fürstenkongreß: Wie wir die Gerichte wieder aus den Aktenstuben an das Licht haben ziehen müssen, so müssen auch die Staatsverhandlungen an das Licht. Gewinnen die Regierungen dadurch nicht, so ist cs ihre Schuld. Wie groß der Erfolg sein könne, das hat selbst bei sehr ungenügenden Persön­lichkeiten der vereinigte Landtag im Jahr 1847 be­wiesen. Aber eine Bedingung b erbt. Die Sache muß mit voller Ueberzeugung von ihrer Nothwendigkeit, mit voller Hingebung und Wahrheit betrieben worden. Fehlen diese, spielt man ein anderes Spiel vor den Augen, ein anderes unter der Decke, dann wehe den Spielenden. Ging schon England an der doppelten Ne­gierung, die Burke um 1770 rügte, fast zu Grunde, so ist diese Unwahrheit das Verderben der konstitutio- rretten Staaten Süddcutschlauds gewesen. Der roheste Despotismus, wenn er offen auftritt, ist weniger schlimm. Darum mag man es uns nicht verargen, wenn wir sorgsam beachten, wie man in Preußen die Sache versteht und nimmt. Man hat dort jetzt für die Ordnung der deutschen Angelegenheiten die Form des Fürstenkongrcsscs aüsgedacht,. hat diesen von Gotha nach Berlin verlegt und gibt Hoffnung, ihn demnächst in Gotha zu wiederholen. Die deutsche Reform ist auch auf Berliner Manier gleich mit einer Theorie bei der Hand:Es kann feinem Zweifel unterliegen, daß bei der jetzt beabsichtigten Einigung weniger, als in sonstigen Fragen, verantwortliche Ministerien ge­radezu für die Fürsten eintreten können; denn es han­delt sich hierbei nicht um eine Maßregel innerer Or- ganisations- oder Verwaltungspolitik, sondern um eine gegenseitige Limitation gewisser Regierungsrechte unter den verschiedenen Staatsoberhäuptern u. s. w." Kaun man persiver, um nicht den deutschen Ausdruck zn brauchen, reden? Zu der Zeit des alten Bundes­tags durften die Stände nicht in dergleichen Myste­rien blicken, wie sie die Verhältnisse von Staat zu Staat bergen sollten. Wir sind schon einen Schritt weiter; jetzt sind diese Dinge auch schon den verant­wortlichen Räthen zu hoch. Diese mögen sich mit in­nerer Organisation? - und Verwaltungspolitik amüsi- ren; das'Negierungsrecht, vermöge dessen, die Ver­fassung, innerhalb deren sie dieses thun, das liegt über ihrem beschränkten Gesichtskreis. Das ist gewiß, geht man in Berlin von solchen Grundsätzen aus, so ist nicht bloß die Reichsverfassung, sondern es sind auch die Verfassungen aller Staaten, die sich mit Berlin befassen, und'die preußische Verfassung selbst eine Un­möglichkeit und eine Unwahrheit. Jener Grundsatz widerspricht ihnen allen auf gleiche Weise, und es be­darf wahrlich nicht einer parodirenden Gothaer Ver­sammlung zu Darmstadt oder sonst wo, von der die Zeitungen auch schon reden, um die Verderblichkeit und Nichtigkeit solcher Schritte ins Licht zu stellen.

Hannover. Die Kammern in Hannover haben sich zu dem Anträge vereinigt, daß den Soldaten das Tragen der Seitengewehre wenigstens beim Besuch öf­fentlicher Schenken und Tanzgelage verboten werde.

Kassel, 8. Mai. Heute stand Kanonier Karpe von hier vor dem Kriegsgericht, angeklagk der Maje- stätsbeleidigung. Die Verbrecherischen Aeußerungen des Angeklagten sollten folgende gewesen sein:Die Fürsten stammen von Rittern ab",die Fürsten sind nicht von Gott eingesetzt" undunsern Kurfürst wol­len wir nicht."

FDer Auditeur des Gerichts war darüber sittlich entrüstet und fand in jenem Proteste gegen die Mo­narchie einePöbelhaftigkeic und Schamlosigkeit", kam aber zum Glück auf andere Manier zu absolutio ab instantia des Angeklagten.

Kassel, 9. Mai. Gestern Abend traf plötzlich der Rechtsboden, Herr v. Vinke, hier ein. Die neu­hessische Partei einige 20liebenswürdige" Jüng­linge hatten natürlich nicht eiligeres zu thun, als ihrem Rechtsboden eine Nachtmusik (von meinem Er­furt muß ich scheiden re.) zu bringen. Leider waren einige Schock andere Leute weniger begeistert für den Erfurter Aufwiegler, und gaben deshalb (da Hr. Vinke offenbar kein Privileg auf bloße Huldigungen hat, item ein geordneter Tadel auch Niemanden ver­wehrt ist) zur selbigen Stunde ihr Mißfallen am Rechtsboden durch eine wohlorganisirte Katzenmusik zu erkennen. (Horn )

Stuttgart, 10. Mai. Die Postfrage sollte in der heutigen Sitzung der Landesversammlung zur Bera­thung kommen, wurde aber verschoben, weil gestern eine dringende Note des Ministeriums des Innern ein- gelanfen war, wonach dasselbe der Verfassungscommi- ssion heute Abend in einer Sitzung vertrauliche Mit- thrilung über den Stand der Sache machen wird.

Erfurt, 10. Mai. Aus dem Ministerium des Innern in Berlin ist hier die Nachricht eingetroffen, daß am 24., spätestens am 26. d. Mts. das Parla­ment wieder eröffnet werden soll. Bürcaubeamte, wel­che schon im Begriff waren, abzureisen, haben daher die Weisung erhalten, hier zu verbleiben. (So schreibt das Fr. I. Diese Nachricht ist aber nur mit großer Vorsicht aufzunchmen: da es mindestens höchst un­wahrscheinlich ist, daß der Tag des Wicderzu- sammentritts des Parlaments festgesetzt werde, ehe noch die Verhandlungen des Berliner Fürstenkongresses und diejenigen des von Oestreich nach Frankfurt berufenen Plenums zum Abschluß gediehen sind. Die Red.)

' Berlin, 8. Mai. Die Fürsten von Schwarzburg- Rudolstadt und Schwarzburd-Sondershausen, so wie die vier regierenden Fürsten von Reuß sollen beabsich­tigen, in eben der Weise, wie die Fürsten von Sieg­maringen und Hechingen, ihre Hoheitsrechte an Preußen abzutreten. (Const. Z.)

Berlin, 9. Mai. Als Faktum von Bedeutung meldet ein Berliner Correspondent der Zeitung für Norddeutschland die Reise des Hrn. v. Below, Gene- raladjutanten des Königs, nach Kopenhagen. Derselbe habe die bestimmte Weisung, den Frieden mit Däne­mark im Namen Preußens, als des Bevollmächtigten der Centralgewalt, definitiv abzuschließen. Die eigent­liche Streitfrage der Herzogthümer und der Erbfolge soll dabei als offene Frage behandelt werden.

Die zweite Ausgabe der Köln. Ztg. vom 11/ Mai theilt eine telegr. Depesche aus Berlinvom 11. Mai, Abends, mit, wonach in der Versammlung der Unions- fürsten vom 9. Mai der König von Preußenin geistvoller Rede" an die Fürstendie besten Hoffnun­gen" (!!) für das Gedeihen des Bundestags ausge­sprochen und daßnach dem Raugverhältniß" Na­mens der Fürsten der Großherzog von Baden geant­wortet undDank für Vergangenheit und Vertrauen für Zukunft" ausgesprochen hat. Hinzugefügt wird, daß am 10. Mai dieentscheidenden Vorlagen wegen Konstituirung der Union" gemacht werden sollten.

Berlin, 10. Mai, Die zur ^Begutachtung der wegen R e v i sio n des Zollvereins-Tarifs von der Staatsregieaung zu machenden Vorschläge hierher berufenen Mitglieder des Handels- und Gewerbstandes sind heute unter dem Vorsitze des Ministers für Han­del, Gewerbe und öffentliche Arbeiten zum erstenmale zusammengetreten.

Berlin, 11. Mai. (Köln. Ztg.) Von zuverlässiger Seite habe ich erfahren, daß Preußen sich für die pure Annahme der revidirten Unions-Ver­fassung erklärt hat. Sämmtliche in der Confe- renz vertretenen Staaten traten bei, Baden und Lippe- Schaumburg mit Vorbehalt, Hassenpflug wollte sich nicht erklären.

Berlin, 9. Mai. DieSpener'sche Ztg." schreibt: Obgleich es in mehreren Zeitungen in Abrede gestellt wird, daß das in der Rheinprovinz stehende achte Ar­meekorps mobil gemacht werde, indem die Offiziere da­von noch keine Kenntniß hätten,. wird uns doch von anderer Seite versichert, daß nicht nur das achte, son­dern auch das in Schlesien stehende sechste Armeekorps auf den Kriegsfuß gesetzt wird.

München, 8. Mai. Zur Abschließung eines neuen Konkordats mit dem Papste oder, wie gesagt wird, zur Revision des bestehenden Konkordats geht ein au­ßerordentlicher Gesantèr nach Rom, und man bezeich­net als hiezu anserwählt den crzultramontanen Arco- Valley, der gerade durch sein Talent nicht ercellirt, aber destomehr dem Verlangen der Curie sich unbedingt und blindlings fügt.

München, 9. Mai. Der Landtag, welcher unter dem 7. März bis zum 10. Mai verlängert wurde, ist nunmehr bloß um einen Monat verlängert worden.

Dresden, 8. Mai. Der Forststudent Hugo Bräunlich, welcher in zwei Instanzen zum Tode verurtheilt war, ist auf Ansuchen der Eltern zu zehn Jahren Landesgefängniß begnadigt und vorgestern nach Hubertusburg abgeführt worden.

Posen, 8. Mai. Die Ankunft des Kaisers von Rußland in Warschau ist auf den 20. Mai anberaumt; der dort stattfindende europäische Fürstenkongreß wird den 24. Mai seinen Anfang nehmen. Man erwartet außer/ dem Kaiser von Oesterreich den Prinzen von Preußen, die Könige von Würtemberg, Dänemark und Holland und einige italienische Fürsten. (N. D.Z.)

Wien, 6. Mai. Der Kaiser' hat dem Windisch- grätz, HayNM und Jellachich, jedem eine Dotation von 400,000 Gulden in neuen 4% pCt. Obligatio­nen , als Lohn für ihre Heldenthaten ausgesetzt.

Wien, 8. Mai. Heute ist eine Verordnung er­schienen, wodurch Ungarn, Siebenbürgen, die Woj- wodschaft Serbien und das Banat der Einkommen­steuer unterworfen werden. Gleichzeitig ist eine Verordnung, die Vertretung der Armee vor Gericht betreffend, bekannt gemacht worden.

Wien, 8. Mai. Wie mir aus in der Regel Zehr gut unterrichteter Quelle versichert wird, gehen die Anträge, welche Graf Thun zu Frankfurt im Plenum im Namen Oesterreichs für die Bildung der künftigen Centralgewalt Deutschlands zu stellen vom kaiserlichen Cabinette Auftrag erhalten hat, dahin, daß eine Com- , Mission von 9 Mitgliedern eingesetzt werde, zu welcher

Oesterreich und Preußen je zwei, Bayern ein Mitglied ernennen soll, die übrigen 4 Stimmen aber kollektive den übrigen deutschen Staaten zufallen sollen.

Frankfurt, 12. Mai. Die hiesigen Staatenbevoll-' -nächtigten werden, wie es heißt, vorläufig keine Si­tzung halten.

Darmstadt, 8. Mai. Am Abend des 5. d., ge- riethen Militärs und CiMsten vor demrothen Lö­wen", der schon einmal der Schauplatz der blutigsten Soldatenhänvel war, auf offener Straße heftig , an ein­ander , und in Folge dieses Streites, Dessen Veranlas­sung man noch zur Zeit nicht kennt, fielen wieder schwere Verwundungen vor, als Hiebe in den.Kopf; ins Gcycht, Verluste von Fingern u. dgl. m.,

Köln, 11. Mai. Die Landwehr-Kavallerie von hier ist auf nächsten Montag einbcorvert. (W. Z.)

Apenrade, Ä. Mai. Die Gerüchte, daß auf aus­drückliches Verlangen Rußlands die d ä n i sch c A rme e' nächstens in das Herzogthum Schleswig einrücken werde, gewinnen an Confisten;. (Hamb. E.)

DasKieler Correspondenzblatt" berichtet vom Main: Wir meinen nicht zu irren, wenn wir die Nachricht mittheilen 4 daß danischerfikts eingerâumt worden ist, Rendsburg sei eine zu Holstein gehörige Festung. Sachverständige sollen ihc Gutachten darüber' ausgesprochen haben.

Dänemark.

Kopenhagen, 7. Mai. Gestern Nachmittag nahm der Vylksthing mit 73 gegen 1 Stimme das Marine- budget im Belaufe von 1,514,704 Rbthlr. an.

Schweiz.

Bern, 9. Mai. National- und Ständerath haben heute ihre Sitzungen geschlossen.

T ü r k e i.

Smyrna, 17. April. Seit 16 Tagen hernieder Schrecken in unserer Stadt: heftige unaufhörliche Erd- flöße versetzen allesin Angst und Zittern; wer da kann, flieht, aus Furcht, jeden Augenblick lebendigen Leibes begraben zu werden, und trotz der Strenge der Jahreszeit lagern mehrere tausend Menschen unter freiem Himmel in den Gackken, oder suchen'eine Zu­fluchtsstätte an Bord der aus Der Rbede liegenden Schiffel' Obsthon wir bis jetzt mehr Angst als' Scha­den gelitten, schreibe ich Ihnen doch unter dcychEin­druck , den diese furchtbaren NaturerscheènungKl . selbst auf Die unerschrockensten Gemüther hervorbringen. Man muß Zeuge solcher Schrcckensstenen sein, um sich einen Begriff machen zu können von.diesen Stößen/ denen ein drückend schwüler Wind vorangeht, welchen die Erde auszustoßen scheint, der dann mit schrecklichem, donnerähnlichem Gekrach losbricht, Thüren und Fenster zerschmettert, Hausgeräthe in Stücke reißt, die festesten' Mauern spaltet und die Gewölbe erschüttert. Man muß Zeuge davon sein, wie diese Stöße nun schon, seit J6 Tagen ununterbrochen fortdauern , von Stunde , zu Stunde, besonders während der Nacht sich wieder­holen, um begreifen zu können, wie berechtigt die Angst der Bevölkerung ist. Bis jetzt haben nur eine grie­chische Kirche, das armenische Kollegium, das, öster­reichische Konsulat und einige Moscheen schwere Be­schädigungen erlitten; in der übrigen Stadt beschränken sich die Verwüstungen auf einige dem Einsturz drohende gespaltene Mauern und Dächer. In allen Kirchen werden Gebete abgehalten, um von der Vorsehung das Aufhören dieser Heimsuchung zu erflehen, welche die ohnehin traurige Lage dieser Stadt noch trauriger macht. Diese Erderschütterungen verspürt man gleich­zeitig durch den ganzen Archipelagus hindurch bis an die äußersten Gränzen Caramaniens. Im Neu-Hafen ist ein Theil Fer Citadelle -eingestürzt; in Nrmphis, einer kleinen Stadt vier Stunden von Smyrna, hat sich der Berg gespalten, Massen von Felsen sind herab­gerollt und haben hundertjährige Bäume und einen Theil der Stadt in ihren Fall hineingerisseu; der Fluß ist aus seinem Bett getreten und das Wasser plötzlich brackisch geworden. Alle Berge, welche den Meerbusen umgeben, sind voller Risse.

GriechettlanH.

Ueber die endliche Ausgleichung des englisch- griechischen Streits bringt dieA. Allg. ^ta. in einem Schreiben aus Triest 6. Mai folgendes Räwre:

Aus Mittheilungen, die derVaubaiG. am 24 für die HH. Groß und Thouvenel und von Seite des Hrn. Tricupis für die griechische Regierung gebracht ging hervor daß Griechenland aus der Vermittelunâ wenig oder nichts zu hoffen hatte. Hr. Wyse drang auf Eifiillung der von ihm aiiferlegten Bedingungenck Die griechifche Regierung zögerte. Hr. Wyse kündigte den Wiederbeginn von Gewaltmaßregelu für den 25. an, n>w wirklich begann wieder die Blokade. Das Ministerium rief die Kammern zusammen, und man beschloß, da Griechenland nirdeiids Hülfe faiw nach­zugeben. Hr. Wyse forderte 30,000 Drachmen für Hru. Finlay sammt Interessen bis 4 April; 500 Pf. St-für POfico_ sammt Jutereflen zu 12 pCt., «w 1i,538 Dr. ; 6756 Dr. für die vier geplünderten jo o OFdHeuge in Salamis sammt Interessen, aM 0,583. 5- it.; sodann 2946. 97 Dr. für die in Pa^ tras und Pyrgos beschädigten Ionier, und 120,000 Dr. für Paeifieo zur Vergütung finNk^BkrlMe, die Forderung au Lieapel nicht esiigerechfict. Für die be'- liidigte englische Flagge iii Patrafl wird offizielle Ent­schuldigung geleistet.