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^ Rettende Thaten in Nassau.

Vor einigen Wochen langte in Diez ein freichrist­licher Prediger aus der Pfalz an; die tolle Stand­rechtslogik hatte ihn von dort, mit den bekannten ob­ligaten Gründen, vertrieben, und ihn gezwungen, sich ein neues Asyl zu suchen. Aber die Verfolgung, die in der Pfalz begonnen, wurde in Nassau fortgesetzt, noch ehe eS Herrn Riegger möglich war, in derselben Weise, wie früher, thätig zu sein. Dem Herrn Kreis­amtmann von Langen in Limburg sollte die trau­rige Ehre vorbehalten sein, die ersterettende That" in Nassau zu voUfiihren. Schon am Charfreitage hatte der Bürgermeister von Diez die Weisung, im Falle Herr Riegger den Gottesdienst der freien Ge­meinde versehen sollte, den Saal durch Gens'darmen schließen zu lassen, Herrn Pfarrer Graf aus Wies- b«den hingegen keine weiteren Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Da Herr Riegger damals nicht predigte, so unterblieb die gewaltsame Schließung des zum Gottesdienste bestimmten Lokals. Wenige Tage nachher atm' erschien früh Morgens ein Gensdarm bei Herrn Riegger mit dem Auftrag, daß derselbe noch an dem Tag in Limburg beim Kreisamt erscheinen solle, und er forderte ihm zugleich seine LegitimationS- papiere ab. Diese bestanden blos in einemHeimathS- fthein, worin auch der frühere Ausweisungsbefehl aus der Pfalz stand, übrigens kein Signalement niederge- f daneben war. Dieser Heimathschein wurde ihm vom Kreisamtmann wieder eingehändigt, diesmal aber mit dem Befehle, das Kreisamt innerhalb 24 Stunden Ul verlassen, und in die Heimath abzureisen, und zu größerer Sicherheit mit einem Signalement versehen. Die Verweisung in die Heimath war bei keiner frühe­ren Ausweisung vorgekommen: Herr von Langen sollte seine Vorgänger hier in an Diensteifer für seine Vor­gesetzten und an Rücksichtseifer gegen die Demokraten übertreffen. Und was war als Grund der Auswei­sung angegeben? Der Mangel eines PasscS. Freilich konnte der Herr Krcisamtmaim nicht unterlassen, Hrn. Riegger auch noch aus vielen andern Dingen einer Vorwurf zu machen, wie z. B. daraus, daß er zu Nauheim im Freien gepredigt habe. Herr v. Langen theilt vielleicht die Ansichten des Herrn Pfarrers Schel­lenberg in Nauheim; die wir nicht umhin können, den Lesern derFreien Ztg." mitzutheilen. Dieser Herr hat nämlich ungefähr um dieselbe Zeit seinem Eifer für die heilige Christusreligion auf folgende Weise Luft gemacht, nachdem Herr Riegger vorher in jenem Orte den versammelten Bauern einen Vortrag über den Un­terschied von OffenbarungS- und Vernunftglauben ge­halten :An den Herrn Bürgermeister H o f in a n n da« hier. Wie ich in Erfahrung gebracht habe, so hat ein Vagabund am ersten Osterfeiertage des Nachmittags dahier auf dem Nathhause schlechte, irreligiöse, ruchlose Geschwätze geführt. Dieser V a g a b u n d

Die schwersten Tage Szegedins

Au« dem Tagebuch» eines Couriers.

(Fortsetzung.)

Es war ein furchtbarer Moment, die größte Ver­wirrung drohte einzubrechen und die Soldaten wären vielleicht auseinander gegangen, wenn nicht ein Mann Besonnenheit und Energie genug besessen hätte, um die entfallenen Zügel rasch zu ergreifen. Dieser Mann war Oberst V ec sey. Er erklärte sich in einer Proklamation ermächtigt das Kommando zu übernehmen, schilderte der Armee die Gefahr, der sie sich den wüthenden Serben gegenüber auSsetzte, wenn sie nicht fest zusammenhielle, und appellirte an die Vaterlandsliebe, dieses stets wache Gefühl im Herzen der Magyaren. Zugleich nahm er ein großes Avancement vor, indem er die Stellen der ausgetretenen Offiziere besetzte und knüpfte so hunderte durch ihr persönliches Interesse an die ungarische Fahne. So rettete er die Armee und auf seinen Bericht an die ungarische Regierung erhielt er eine feierliche Danksagung und die Bestätigung im Kommando, zu dem er sich selbst erhoben.

Indeß blieb dieses Ereigniß doch nicht ohne verderb­liche Folgen. Die ungarische Regierung traute nicht allzusehr einer Armee, in welcher die Bande der Dis­ciplin gelockert schienen, und gab Vecsey den Befehl, seine Stellung dem Feinde gegenüber zu verlassen und mit sämmtlichen Truppen über Szegedin nach Szentes

soll sich dermalen noch dahier bei Branntweinbrenner . Johannes Hofmann aufhalten. Als Mitglied des Kir- chenvorstandes- und als Bürgermeister werden Sie da­für sorgen, daß dieses schlechte Subjekt baldmög­lichst von hier abreise. Wo nicht, so werde ich für dessen Wegschaffung Sorge tragen. Nauheim, den 14. April 1850. F W. Schellenberg, Pfarrer." Unter der AufschriftDienstsachen" wurde dies Schrei­ben an den Herrn Bürgermeister besorgt. Aber dieser dachte etwas anders über jenenVagabunden", und hatte die Gefälligkeit, es eit denVagabunden" selber zu übersenden, um ihm einen Beitrag zu der christ­lichen Liebe eines Nassauischen protestantischen Geist­lichen zu liefern. Kehren wir nach diesem lieblichen Intermezzo wieder zu Hrn. v. Langen zurück. Da Hr. v. Langen so gütig war, nöthigenfalls eine gewalt­same Ausweisung in Aussicht zu stellen, so blieb dem Aus­gewiesenen nichts übrig, als zunächst zu gehorchen. Er begab sich nun sofort nach Wiesbaden, um beim Mi­nisterium eine Rücknahme der Maßregel zu erwirken. Zugleich schrieb er an die Behörde in seiner Heimath, um einen Paß von derselben zu erhalten. Das Mi­nisterium aber sah sich zu nichts weiter veranlaßt, als die Verweisung in die Heimath zn streichen, im Ue- brigen aber es bei der von Seiten des Kreisamts in Limburg verfügten Ausweisung bewenden zu lassen. Unterdeß erhielt Herr Riegger einen von der preu­ßischen Oberbehörde in Sigmaringen bestätigten Paß, und da er zugleich eine Einladung von der freien Ge­meinde in Diez und Freiendiez bekam, so begab er sich wieder dorthin zurück, nachdem er vorher nochmals beim Ministerium gegen dessen erfolgte Bestätigung der ersten Ausweisung Recurs ergriffen. Die freien Ge­meinden zu Diez, Freiendiez und Mensfelden hatten nämlich währenddem, abgesehen von einigen Nebenbe­dingungen, den Beschluß gefaßt, Herrn Riegger zu ihrem Prediger zu wählen, und der Letztere trug auch kein Bedenken, die auf ihn gefallene Wahl anzuneh­men, zumal er vorläufig keine Hoffnung hegen durfte, wieder in den Besitz seiner früheren Predigerstelle zu gelangen. Weiter sollten beim Gemeinderath in Freien­diez Schritte gethan werden, um einen zeitweiligen Aufenthalt daselbst zu erwirken. Der Herr Kreisamt- m-ann schien bei Vorzeigung deS Paffes keine weiteren Absichten zu verspüren, und so gestalteten sich die Hoff­nungen für Herrn Riegger sowohl, wie für die freie Gemeinde, günstig. Aber nur wenige Tage sollte diese Erwartung dauern. Einer jener verhängnißvoll gekleideten Vollstrecker desGesetzes" brachte eines Tages wieder für Herrn Riegger die Weisung,'dem Kreisamtmann einen Besuch abzustatten. Die Antwort auf jenen zweiten Recurs war nämlich von Seiten des Ministeriums erfolgt, und enthielt neben einer abermalige» Bestätigung der ersten Ausweisung den direkten Befehl für Herrn Riegger das Nassauische Gebiet innerhalb 24 Stunden zu verlassen. Der Hr. Kreisamtmann hatte dabei den Auftrag, Hrn. Rieg-

zu maschiren, um sich mit der Hauptarmee unter Gorgey zu vereinigen. Dieser Befehl hatte die entsetzlichsten Folgen und die namenlosen Leiden, welche dadurch über hunderttausend Familien des Banats und der Baska *) gebracht wurden, werden diese That ewig anklagen. Zur Ehre Kossuth's muß jedoch erwähnt werden, daß er an diesem Befehl nicht Theil gehabt zu haben schien, we. nigstens ist es Thatsache, daß er einige Tage nach dessen Erlaß einen Kourier an Vecsey schickte, mit dem Auftrag, den verläßlichsten Theil seiner Truppen, die 12,000 Mann stark waren, zur Deckung der Römerschanzen zurückzu­lassen, aber der Kourier traf Vecsey zwei Tagemärsche von seiner Stellung in vollem Rückzüge.

Um seinen Rückzug dem Feind nicht zu verrathen, hatte es überdieß Vecsey unterlassen die Bewohner der Baska davon zu benachrichtigen und nun geschah das Gräßlichste, was vielleicht je ein Land erfahren. Kaum hatten die Serben die sichere Nachricht erhalten, daß die Armee weit hinweggezogen und die ganze Baska und das Banat ohne Vertheidiger gelassen worden, als sich an dreißig bis vierzig Tausend Serben und Raitzen er­hoben, um einen Raubzug in die preisgegebenen Ebenen zu unternehmen. Mord, Brand und Plünderung bezeich­neten den Weg dieser Horden, deren Thaten selbst die fabelhaften Grausamkeiten amerikanischer Huronen über-

*) Fruchtbare, stark bevölkerte Ebene» südlich von Szegedin zu beiden Seiten der Theiß.

1 1 8J »1 . . I!." j H =W ger zu bemerken, daß er ihm ohne Angabe eines Grundes das AuSweisungsdekret mitzutheilen habe. Zugleich mußte sich dieser durch seine Namensunter­schrift verpflichten, nach Ablauf der Frist sie war ihm um zwei Tage verlängert worden! sofort ab­zureisen , und auch auf keinen Fall der wenige Tage später in Kirberg stattfinvcnden Versaminlung von Freunden der freien Gemeinden beizuwohnen. En nochmaliger Rekurs, von einer Protestation der freien Gemeinde gegen die unmotivirte Ausweisung ihres ge­wählten Predigers begleitet, hatte ebensowenig Erfolg, wie die früheren; und so mußte der arme gehetzte Mann, dem ein Alter von 56 Jahren die Haare schon grau gefärbt hatte, und der nach den bisherigen Verfolgungen endlich eine Zufluchtsstätte gefunden zu haben glaubte, ohne einen Hoffnungsschimmer, ent­blößt von allen Mitteln der Eristenz, von Neuem den Wanderstaab ergreifen. Wohin? das ist Hartherzigen natürlich einerlei, welchen es genügt, wenn sie selber nur behaglich ihr Dasein fristen können.

Die Bürokratie ist hartherzig: und ob sie das in den Grundrechten verheißene freie Niederlassungsreche antastet, ob sie das Recht der Gewissens- und Glau­bensfreiheit zu einer hohlen Phrase macht, indem sie denjenigen, welche sich eine Religionsgemeinde zu ih­rem Prediger gewählt hat, Die Ausübung des Predi­geramtes unmöglich macht, es kümmert sie nicht. Aber den Groll, den sie dadurch in den Herzen nährt, und wo er noch nicht vorhanden ist, heraufbeschwört, die wachsende Erbitterung möge sie auch verantworten^ wenn dereinst nicht ein himmlischer Richter, son­dern ein irdischer, den ihr gewiß kennt, und der euch vor noch nicht allzulanger Zeit morgen genug gemacht hat, zu Gericht sitzt über eure Thaten. Wir wollen sehen, wie weit ihr mit euernrettende» Thaten" ge­langt !

Offenes Sendschreiben der freien Gemeinden zu Diez, Freiendiez und MenSfrlden an den Hrn. Pfarrer F. W. Schellenberg zu Nauheim.

Als am ersten Ostertage ein freichristlicher Prediger den Protestanten in Nauheim einen Vortrag hielt, um ihnen den Widerspruch zwischen Vernunft und Offen­barung, zwischen der Religion der Freiheit und der Religion des staatskirchlichen Zwanges zu enthüllen, da haben Sie sich mit fanatischem Glaubenseifer gegen denselben gewendet, und an den Bürgermeister- das Verlangen gestellt, ihn sofort aus Ihrem Kirchspiele zu entfernen; ja Sie haben im Weigerungsfälle ge­droht, selber die Dienste deS Häschers zu verrichten,

Sie haben einen alten Mann, der für seine heilige Ueberzeugung lebt und wirkt, einenVagabunden" ge­nannt, und Sie haben diesesschlechte Subjekt" nicht in Ihrer Nähe dulden wollen. Haben Sie denn viel­leicht vergessen, Herr Pfarrer, daß einst eS sind

boten. Am wüthensten benahmen sich die Serben, welche früher die Gegenden bewohnt und beim Aufstand der Südserben gegen die ungarische Regierung jenseits der Römerschanzen ausgewancert waren. Mit gefälltem Ba­jonett drangen sie überall in die unvertheidigten Häuser und stachen Alles nieder, bis ihre Mordlust ermüdet war. Was nicht wegzuschlcppen war, wurde den Flammen übergeben und so Scheuern und Gelraidcschvbern von achtzig bis hunderttausend Scheffel in Asche verwandelt. Säuglinge wurden aus den Armen der Mütter gerissen und vor ihren Augen in Stücke gehauen. In Bccskerek wurden viele Körpertheile von Kindern in allen Straßen an die Mauern genagelt. Kein Frauenzimmer der Ge­gend entging den gräulichsten Mißhandlungen. Die kani- balische Grausamkeit dieser Horden befriedigte am liebste» ihre Gier an den Weibern auf den blutenden Leichen ihrer Männer und Kinder. Am wüthendsten verfuhren die Barbaren gegen die Deutschen und I den, die flei­ßigsten und reichsten Bewohner der Baska. In Vecse wurden vier Rabbiner und vierzehn Deutsche auf die gräßlichste Weise hingemordert. Die Serben bauten ihnen Hände und Füße, stachen ihnen die Augen aus, tunkten sie in flüssiges Pech und ließen sie so lebendig verbrennen. Die schreckliche Kunde von diesen Blut­thaten erzeugte in ganz Banat und Baska eine förmliche Völkerwanderung und es war noch ein Glück, daß die Raubgier der Serben sie verhinderte, rasch vorzudringen da sie stets ihre Beute auf Tausenden von Wagen nach