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âeikeit rmd Recht!"

Wtesbaden. Sonntag, 12. Wat

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1850

Frankreich, der Nächer!

ums und sozialer Demokratie, zwischen Verdummung und Erlösung.

Das Wölkchen, das noch unansehnlich und klein an den Enden des Horizonts schwebt, kann rasch wach­sen und zu einem furchtbaren Gewitter werden, das die faule Atmosphäre der Treulosigkeit, der Selbstsucht und der Heuchelei, in der die gefesselte Europa athmen muß, radikal reinigen wird. Dieses Unwetter wird aber nicht mehr eine in einzelnen Ländern abgeschlos­sene Bewegung; nicht mehr ein gemüthliches Ncvolu- tiönchen nach dem 1848r Vorbild sein: dieses Unwet­ter wird sich von vornherein als ein gewaltiger Welt­krieg ankündigen.

Und darob erschrick nicht, du fromme deutsche Seele; denn nicht wie die Liebe schreitet die Freiheit einher in dem lieblichen Säuseln des Windes; in dem Sturme bricht sie heran über die morschen Trümmer einer ver­klungenen Welt, die nicht leben und nicht sterben kann.

Auch mögest du dich wol hüten für jene Zeiten, deutsches Volk! vor eitler Selbstüberschätzung und mö­gest nicht also reden:Ich bedarf keinerausländi­schen"'Hilfe; der Franzose soll mir die Freiheit nicht bringen, ich will sie mir selber allein erringen."

Denn präge es dir tief ein: der Kampf, der uns bevorsteht, wird darum geführt werden, ob Europa kosackisch werden soll oder nicht; und ferner, daß die Reaktionäre, die Rothschilde, Könige, Jesu­iten, Bürokraten, Aristokraten von ganz Europa einen festen Bund zur Unterdrückung aller europäi­schen Freiheit geschlossen haben, und daß die Völker nie und nimmer frei werden, wenn sie nicht auch einen festen Bund gegen die Tyrannei schließen; und daß das von Deutschland zurückgestoßene Frankreich nicht allein andre Völker nicht befreien, sondern auch selbst unfrei werden wird.

Wenn die Völker ihre Interessen nicht als solida­rische, als gemeinsame betrachten, werden sie nie den lichten Tag der Freiheit schauen.

Eintracht macht stark!

» Wiesbaden, 11. Mai. Wir sie zittern, bie Herren, vor der Möglichkeit eines feöylichen Aufwa­chens der guten Stadt Paris! Wie sie vor dem Ge­dankeei ..starren, das kühne Volk an der Seine werde in den dellen Tagen des WonneinonM einen ftürmi- swcn und tobenden Waffcntan; beginnen! Wie ihre Hand erbebt , wenn sie die neuesten Blätter ergreifen, da sie in jeder Wummer auf die Nachricht zu stoßen rürchten:Die Franzosen haben ihre niederträchtige Regierung gestürzt und auf den Thürmen von Notre- Dame weht die rothe Fahne!"

Ja gewiß! Ihr habt Furcht, ihr VoWverräther, die ihr, von Nacht umnebelt, die ganze Revolution des jüngst verflossenen Jahres, von Grund aus, aus der Geschichte vertilgen möchtet; ihr habet Furcht, ihr herz­losen Egoisten, die ihr die ganze Menschheit zum Sche- uiel eurer Lüste machen möchtet!

3/r habt ein böses Gewissen und ihr wißt auch, daß die Vergeltung wacht; daß alle Thränen der verlassenen Wittwen und Waisen ; alle Seufzer der Gefangenen, Gemißhandelten; alle Klagen der Betro­genen," der Verrathenen, und auch die letzten Athem­züge der Erschlagenen gezählt sind; ihr wißt das Wort: ëxöriarc aliquis ex ossibus uhor: (aus dem Ge­bein der Erschlagenen wird der Rächer hervorgehen).

" Frankreichs Volk ist derRächer" bis lang gewe­sen, ssür all die Wunden, die dem armen Volke in ganz Europa Tyrannei und Jesuitismus schlugen; Frank­reichs Volk wird auch fernerhin sein im Namen der geschändeten Freiheit Europa's übernommenes Helden­amt zu behaupten wissen.

Er wird kommen der Tag, wo Frankreich, das lheldenmüthige Frankreich, spricht. Fiühcr oder später wird er erscheinen: denn freilich läßt sich jener Helle Stern , der der armen Welt Erlösung verkünden soll, nicht so genau voraussagen, wie die Astronomen die Ankunft der Sterne am Himmelszelt verkünden; wie der Wind, von dem Niemand weiß, von wannen er' kommt und wohin er fährt, erscheint die Sonne der Revolution, urplötzlich, allgewaltig.

Sie wollen unserem edlen Brudervolk Ketten schmie­den! O eitles Beginnen, das die Handlanger des Des­potismus verderben wird! Wenn Nikolaus, der Herr in Osteuropa, Frankreich unüberwindlich, unwiderstehlich machen will: so möge er anordnen, daß die Preußen und Oesterreicher an den Rhein marschiren ; wenn Ni­kolaus der Revolution, welche er von allen Mächten Europa's allein fürchtet, den Sieg verleihen will: so möge er all die herrlichen Soldaten, die in dem Solde der Reaktion stehen, die Marken Frankreichs überschrei­ten lassen. Alles drängt mehr und mehr zu der gro­ßen letzten Entscheidung hin; zu dem Kampfe zwischen Osten und Westen, zwischen Barbarei und Civilisation, zwischen Knechtschaft und Freiheit, zwischen Absolutis- i

Lohnt es sich der Mühe noch, ein Wort über daS Spottparlament in Erfurt und sein Werk zu verlie­rens Greift man damit nicht dem Kladderadatsch und Eulenspiegel ins Handwerk, in deren ausschließliches Bereich fortan die Helden auf jener Bühne und deren Großthaten zu gehören scheinen, die bis zum kläglichen Ausgang des Stücks nicht aufhörten, in die Welt hinauszuposaunen, daß sie dort ein groß Stück Ge­schichte aufführten und am Webftuhle der Zeit sitzend, das Einheitsgewand eines großen Deutschlands wirk­ten? Ja, es ist schwer, diesen beispiellosen Vorgängen gegenüber, Satyren nicht zu schreiben; denn die tro­ckenste Darstellung schon wirb zu einem Gemälde des

F.F. Der Berliner Bundesstaat.

blutigsten Hoynes, der tiefsten Schande. Und doch seh­nen Dieselben Leute, welche mit unauslöschlichem Schimpf bedeckt und von dem lauten Gelachter ganz DcuCch- lands verfolgt, aus Erfurt in ihre Hcunaly zurück­kehren, sich nach nichts brünstiger, als wieder dahin einberufen zu werden, um der Welt noch einmal .as widerwärtige Schauspiel zu geben, w e sie zu All in bereit sind, was man von ihnen fordert, wicsiekeuun Augenblick Bedenken tragen, ihre so eben gefaßten Be­schlüge auf das Geheiß von oben wieder um,ustoßcu und an ihre Stelle zu setzen, was nur irgend ihren gestrengen Gebietern zu Berlin zu befehlen gefallen mag.

Betheuern sie nicht jetzt schon ihre unbegrenzte Hingebung an ihren hohrnzouernschen Herrn, wenn derselbe Du' Gnade haben sollte, sie wieder um sich oder seine Herzensfreunde zu sammeln, um seine hohen Be­fehle entgegkirzünchmen? Hat nicht der große Gagern zu Hofen bereits finen dumpfhallenden Trinkspruch auf die preußische Verfassung ausgebracht, in welche ein. verleibt zu werden unter Radowitz u ib Manteuff lS Gnade dem Meisterwerk von Erfurt beschieden ist. Oh, es ist klar, sie tragen kein heißeres Verlangen, alS nächstens auch nach Berlin gerufen zu werden, um dort ihre Huldigung Dem Kaiser ihrer Wahl darzu­bringen und t^ unbedingte Treue und blinde Erge­benheit dadurch W besiegeln, daß sie den preußischen Einheitsstaat nach christlich-germanischer Vorschrift vol­lenden und die Vasallenschaft der kleinen deutschen Staaten, die nicht bei Zeiten der hohenzollernsche-? Umarmung zu entrinnen wissen, sanktioniren helfen.

Stolze Hoffnungen schwellen bereits ihre Brust. Der nach Berlin einberufene Fürstencongreß ist der Ankergrund, auf dem sie fußen. Sie haben ja, so wähnen sie, mit ihrer Vorrevision der Unionsverfassung der Verständigung der kleinen Fürsten mit Preußen die Bahn gebrochen. Wie können die kleinen Dynasten noch zaudern, sich anjuschsießen an das mächtigeHauS Hohenzollern, sich zu Basallen desselben zu machen, nachdem^ das Erfurter Parlament durch seine letzten Beschlüsse Preußen die Mittel geliefert, die kleinen Fürsten für den Verlust ihrer Selbständigkeit durch Befreiung von der unbequemen Bevormundung ihrer Landesvertretungen zu entschädigen? Werden sie sich nicht beeilen, sich mit der ihnen zugedachten Pairschaft in Großpreußen befriedigt zu erklären, wenn dieses ihnen den Genuß ihrer Ckvillisten und den Besitz ihrer Domänen, unbelästigt durch die Controle und Verkür­zungen ihrer Landtage zusichert? Welch glückliches Loos, fortan der ewigen Angriffe der Opposition in den Kammern auf die Kostspieligkeit der Hofhaltungen, auf das Budget der Ausgaben für die Slaatsdiener-' schaft enthoben zu sein und wie die Radschas und Maharadschas in Ostindien unter dem Schutze der eng­lischen Compagnie unter der Schirmvogle: Preußens die reichen Dotationen und Einkünfte in Ruhe und Frieden verzehren und dabei noch den Landeskindern,

Den Frauen.

Sehet die Wesen, die still und geschäftig Stets in dem Kinde das Göttliche pflegen, Und durch den weiblichen Zauber so kräftig Große Entschlüsse im Manne erregen ; Welche dem Dienste der Freiheit sich weihen, Und von unwürdigem Pfaffengegängel Liebend die werdende Menschheit befreien: Das sind die Grazien, das sind die Engel.

Aber die Frauen, die nur das Gemeine Sorgsam im Herzen des Kindes erziehen, Daß ihm, verstrickt in das jämmerlich Kleine Alle die kühnen Gedanken entfliehen; Welche, gebannt in die sinnlichen Sckranken, Stets nur, gleich höllischen Schlingengewächsen Tückisch die männliche Seele umranken: , Das sind die Furien, das sind die Hexen.

Fr. M.

Die schwersten Tage Szegedins.

AuS dem Tagwuche eine« Couriers. (National-Zeitung.).

Pcsth ist der Glanz und der Gtvlz Ungarns; jeder Ungar fühlt sich gehoben bei dem Anblick der prächtigen Häuser, welche der in die Hauptstadt strömende Reich- thum des Landes gebaut, der herrlichen Nationalinstitute für welche der Magnat freudige Opfer gebracht. Der Landbewohner, der Pesth gesehen, rühmt sich zu Hause seiner Reise, weiß lange davon zu erzählen und findet stets in seinem Dorfe und in seiner Provinzstadt auf­merksame und bewundernde Zuhörer. Aber Szege- bin ist das Herz Ungarns, der Kern des magyarischen Volkes. Die Geschichte Ungarns, eine blutige, kriegerische, trägt auf ihre» ruhmreichsten Blättern den Namen Szege­dins mit erhabener Schrift. Auch in dem letzten Kriege hat Szegedin die größten Opfer gebracht, die gewaltigsten Anstrengnngen gemacht. Und eS bedurfte beim Szcge- diuer keiner schnaubenden Reden, keiner gewaltsamen Auf- reizungen, um ihn zu vermögen, den letzten Groschen auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen, das Leben für die geliebte Heimath einzusetzen. Der Ruf:das Vater­land ist in Gefahr!" aus einem Munde, der Szegedins Vertrauen besitzt, genügte, um hier Gold und Kämpfer aus dem Boden zu stampfen: Kossuth, der jeden Winkel seines Vaterlandes so gut kannte, wie die Sonne, die täglich barüber hingeht, verstand es auch trefflich, wie

man zu Szegcdin sprechen müsse. Als er nach dem Ein- fall der Croate» im September 1848 zum Erstenmal seinen Zug durchs Land machte, um den Landsturm zu weckens sprach er in Szcgedin:Anderwärts mußte iw nach gewaltigen Worten suchen, um das Volk zu be­geistern vor dir Szegcdin beuge iw ebrfurwtvvoll mein Haupt, hier kann ich nur Kräftigung im Glauben und Eifer suchen." Und das Volk erhob stolz das Haupt, ließ Kossutl) und das Vaterland hoch leben und binnen drei Tagen zogen Tausende von Jünglingen in den Kampf.

Aber so hingebend sich Szcgedin fürs Vaterland zeigte so war es doch kein blindes Werkzeug; der feine Ver­stand, der Die Bcvölkeruilg auszeichnet, will überzeugt, das Vertrauen durch praktische Vorschläge gewonnen sein. Es war darum unbegreiflich, daß die Regierung zur Zeit, da Windisthgräy in Ungarn ein mar führte, einen Mann als Regierungs-Kommissär hinschickte, der nirgends weniger an seinem Platze war. Dieser Kommissär war der als Schauspieler des Pesther Wationaltyeaterd in Heldensachcu ausgezeichnete Egressy Gabor. Dieser Schauspieler hatte seit der Märzrevolution bei den Pesthcr Volksversammlungen mit Erfolg gesprochen und diescn Erfolgen verdankte er seine Sendung n>ch Szcgedi» Kossuth kannte ihn nicht persönlich und moste sich bei der Masse dringender Geschäfte auf fremde Empfehlung verlassen. Die Leute, welche diesen Mann empfa^en, , erwogen jedoch nicht den Unterschied, zwischen den teich«