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viel, und viel zu viel, in der letzten Zeit erlebt; wer sie liebt, fühlt sich gedemüthigt, niedergedrückt in dem Gedanken, wie tief so Viele, die einst uns so hoch standen, sich im Sturme der Zeit gedemüthigt und er­niedrigt haben. Als Kinkel nach dieser Rede zum Gefängnisse zurückgebracht wurde, begleitete ihn das Lebehochrufen des Volkes. Tausende hatten sich in den Straßen zusammengedrängt, durch die sein Wagen in Mitte einer Schwadron Kürassire geführt wurde. Jedes Haupt entblößte sich, aus jeder Brust preßte sich tiefgefühlter Gruß für den edel» Gefangenen. Tags vorher noch hatten die Offiziere und Polizciagenten ähnliche Aeußerungen mit Gewalt zu unterdrücken ge­sucht, Heute wagte Niemand dieselben zu verhindern. Das Gefühl, das Alle im Assisensaale ergriffen hatte, batte sich auch auswärts und selbst bis in die Reihen der Soldaten fortgepflanzt. Es gibt Triumphzügc al­ler Art, die Zukunft wird Kinkel nm den beneiden, den er gestern als Gefangner zwischen seinen gehar­nischten Wächtern feierte. Wir aber freuen uns, daß neben so manchen demüthigendem Beispielen unserer Zeit, auch dies erhebende steht, denn es stärkt die Na­tion für die Gegenwart und bürgt ihr für eine bessere, schönere Zukunft. (Nat. Ztg.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 9. Mai. Zur Beurtheilung des Aufsatzes in No. 103 der Freien Zeitung (Nassau, LBM und desjenigen in No. 105!?! Wiesbaden) sind uns nachfolgende Zeilen zugcgangcn:

'Die Lieferung der Baumaterialien gehört nicht-zum Betriebe der Bauhandwerke, daher und zur Gleichstes lung der unbemittelten Handwerksmeister, denen die Lieferung der Materialien lästiger ist, mit den Wohl­habenden die Bestimmung in der Bauverwaltungsord­nung, daß diese getrennt von den Handwerkslöhnen veranschlagt werden sollen.

Demgemäß, und weil für die Kettenbrücke vorzüg­liche Dualität des Materials erforderlich ist, wurde das für dieselbe nöthige Bauholz in früheren Jahren aus Gräflich Giech'schcn und Gemeindewaldungen be­zogen. Damit ist der Zweck in der Hauptsache erreicht worden und nur hohe Forderungen bestimmten in den letz­ten Jahren zu dem Versnob der öffentlichen Versteigerung, der jedoch in keiner Beziehung der Sache entsprochen hat. Nach diesen Erfahrungen wird sich die Vex- .waltung nicht in der Lage befinden, Anträge auf Ver­gebung von Lieferungen, dann von der Hand zu weisen, wenn die Verhandlungen ergeben, daß wie es in der vorliegenden Sache der Fall ist, von Seiten der tech­nischen Behörde geeignete Schritte vorausgegangen sind. Herr Baurath Görz ist nicht aus einem Hofbau- meistcr in einen Stadtbaumeister verwandelt worden, sondern war schon seit dem Anfänge und vor dem März des Jahres 1848 Referent und wirkliches tech­nisches Mitglied der Landesregierung. (Siehe Verord­nungsblatt von 1848 Seite 3). In Folge des Ge­setzes vom 17. October 1849 über die Organisation der Centralbehörde (wodurch die Landesregierung auf­gehoben wurde), und namentlich der §§ 13 und 14 dieses Gesetzes wurde Herr Görz vom Anfang dieses Jahres an (S. Verordnungsblatt von 1849 S. 606) zum Stadtbaumeister dahier und zugleich zum Mitgliede des Baukollegiums der Ministerialabtheilung des In­nern ernannt.

In Ems sieht es noch sehr öde ans; es sind zwar schon einige Kurgäste angelangt, doch dürfte die eigent­liche Saison vor Ende dieses Monats nicht beginnen.

O Diez, 9. Mai. Die Liguorianer ziehen frei in Nassau umher, und die freichristlichen Prediger werden ausgewiesen. Gegen den religiösen Radikalismus schreitet die Regierung ein; gegen die Anverwandten des Jesuitismus nicht. Aber dennoch zweifeln wir, daß die Negierung auf diese Weise ihre Zwecke, er­reiche. Das freie Auftreten der Liguorianer öffnete

dem Volke die Augen über die Absichten sehr, vieler anscheinend frommen Herren, es riß die Heiligenmaske weg von dem Antlitz der religiösen Heuchler, mögen sie in langen oder kurzen Röcken umhergehen, es machte das Erscheinen eines Blattes möglich, das, wenn auch noch weit vom äußersten religiösen Fortschritt entfernt, doch den ersten Boden lockert und für besseren Säu­men empfänglich macht; und die Verfolgungen ge­gen die Prediger freier Gemeinden stacheln die Herzen, die bisher noch immer an die Freiheit geglaubt, und und wenden unwillkürlich die Augen dem Lichte des jungen Tages zu. Aber wäre darum nun das Ge­gentheil gerechtfertigt 2 Keineswegs. Gönnt den freien Gemeinden ungestörte Entwicklung, entzieht dem Jesui­tismus und der protestantischen Rechtgläubigkeit eure Unterstützung, gebt vollends die Kirche vom Staate frei, und aus dein kleinen Senfkorn wird bald ein großer schattiger Baum werden. Gleichwie der ver­dorrten Pflanze weder Regen, noch Sonnenschein hilft: so ergeht es auch Euch Männern der Reaktion. Alle eure Mittel bezwecken entweder gar nichts, oder sie beschleunigen noch gar den Prozeß zu unsern Gunsten, ein völliges Hinübertrctcn zu uns aber wäre ein Aufgeben eurer selbst. Diese Erscheinung ist nicht neu, sie ist so alt wie die Geschichte: was seine Seele ver­loren, was sich überlebt, dafür gibt es keinen Arzt, keine Arznei. Ihr spottet unsrer, weil ihr die Macht habt; aber die Idee spottet eurer, weil ihr die Jugend, d. h. die Zukunft gehört. Und diese Zu­kunft kann bald zur Gegenwart werden: wer in den letzten zwei Jahren gelebt hat, der hat für Jahrzehnte gelebt.

Eine Bemerkung jedoch können wir hier nicht un­terdrücken. Während in Preußen das Regiment vor­zugsweise auf die alten ökonomischen Zustände, die Ausbeutung der Arbeiter durch die großen Industriel­len, der kleinen Bauern durch die großen Grundeigen­thümer, der kleinen Bourgeoisie durch das große Ka- pitäl gestützt wird, daneben aber durch eine gewaltige Militärmacht; während dem suchen die kleineren Staaten vorzugsweise in der Unterdrückung der Frei­heit auf religiösen Gebiet, und in einer gut geregelten Beamtenreg'kruiig ihre Garantie: eine selbstständige Militärmacht wäre hier unmöglich, der Gegensatz zwi­schen Kapital und Arbeit ist hier wegen der Unent­wickeltheit der großen Industrie, der Ausgeschlossen­heit vom auswärtigen Handel, wegen der schon früher eingctretcuen Theilbarkeit von Grund und Boden, die aber bei weitem noch nicht durchgängig das Grundei- genthum nunmehr in der Hand der großen Kapitali­sten konzrntrirt hat, nicht in der Schärfe vorhanden, wie z. B.' in der Rheinprovinz in Westphalen und Schlesien. Daher denn jene unermüdlichen Hetzjagden in Hessen, die wohl bald alles gefährliche Wild werden ansgerot- tet haben, daher denn auch der Anfang zu Maßregeln auf dem religiösen Gebiet in Nassau. Wahr ist es: die religiöse Bewegung dient zugleich wieder als Trieb­feder der Bewegung auf ökonomischem Gebiet, indem sie das Paradies, d. h. die Gleichheit und Brüderlich­keit, nicht mehr in's Jenseits, sondern in's Diesseits verlegt, und also den Klassengegensatz, in der Gesell­schaft zu vernichten strebt; aber die ökonomische Re­form als vollendete Thatsache. dient der religiösen Frei­heit in einem ganz anderen Maßstabe. Mit ihrem Eintritt verschwindet die letzte Abendröthe des alten Glaubens; nnd das bereits vorhandene Bewußtsein des sozialen Gegensatzes ist mächtig genug, die Krise Herbeizuführen, wenn ihm auch die Eine Nahrung, die es von dem Geist der freien Gemeinden empfängt, entzogen werden sollte. Darum wiederholen wir auch: euer Treiben macht uns weniger Unruhe, als ihr viel­leicht glauben möchtet. Ihr nehmt uns unsre Predi­ger, aber unsern Glauben nimmer; sind euch aber die euren genommen, dann ist euer Lämpchen für immer verglüht.

0 Diez. (Versammlung in Kirberg.) Vexwichcnen Sonntag fand eine Versammlung in Kir­berg von Mitgliedern und Freunden der freien Gemein­den aus der Umgegend Statt. Die Theilnahme war bedeutend; es waren fast nur Laudleute. Es wurde hauptsächlich beschlossen, den Tag der, schon früher angeregten, Versammlung von Vertretern aller dem religiösen Fortschritt huldigenden Gemeinden auf den zweiten Sonntag nach Pfingsten zu bestimmen. Dieser Kongreß wird hier in Diez stattfinden, und man wird hauptsächlich über die Frage diskutireu, wie sich die der kirchlichen Reform ergebenen Gemeinden dem Kirchenregiment gegenüber zu verhalten haben,, ob ein Austritt aus der Landeskirche rathlich sei, oder ein fortwährendes Opponiren in derselben. Dabei wird cs sich natürlich außerdem um eine gemeinschaftliche Manifestation ihrer religiösen Gesinnung handeln. Vielleicht hat die Versammlung das Vergnügen, auf die stattgehabte Debatte der von dem Kirchenregiment um Pfingsten zu berufenden sg. Generalsynode zurück­blicken zu können; vielleicht aberund dies vielleicht hat vielleicht mehr Wahrscheinlichkeit! sehen die Gläubigen ihre Hoffnung abermals weiter hinausge- rückt, und es wird durchaus dunkel bleiben, wann die Synode der Schwarzen aus der Dunkelheit an's Ta­geslicht treten wird.

Wir machen auf jenen Tag unserer. Synode vorläufig aufmerksam. .... -

Darmstadt, 6. Mai. Vergangene Nacht zwischen 10 und 1 i Uhr wurden hier wieder mehrere aus ei* nein Gasthaus hcimkehrende Bürger überfallen und zum Theil gefährlich verwundet. Von fünf Verletzten ha­ben zwei schwere Kopfwunden erhalten, einem Drit­ten wurde ein Finger, einem Andern die Nase abge­hauen und ein Anderer in den Rücken verwundet. Nach Frankfurter Blättern ist der Thäter Korporal Baum vom 1. Infanterieregiment, welcher schon frü­her wegen ähnlicher Excesse 3 Monate Festungsstrafe erhalten haben soll. Die Militärwache, welche herbei- gerufen wurde, verhaftete denselben, wie auch die Verwundeten. (M. Ztg.)

Trier, 6. Mai. Der gestrige Sonntag-Nachmit­tag war wieder Zeuge eines Militärexzesses. Wir ver­mögen unsere Feder kaum mehr dazu, von diesen nutz­losesten und schändlichsten aller Rohheiten immer wie­der xefcxircn zu müssen. Das Faktum ist einfach. Es ist, wie Heine sagt,

Es ist eine alte Geschichte, Und doch bleibt sie ewig neu, Und wem sie just pasfixet,

Dein springt der Schädel entzwei.

Ein Bürger aus Gallien führte sein Pferd auS der Tränke. Auf dem Heimwege umringte ihn ein Haufe Ulanen, größtenthcils Unteroffiziere, wie inan uns er­zählt, und. greifen dem Pferde nach der Nase und der Gurgel. Der Eigenthümer hatte nicht sobald verlangt, man solle sein Pferd des Weges ziehen lassen, als auch schon die Säbel blinkten und als Resultat zwei Pal- liener, mit die redlichsten aus dem Dorfe, heute in schwerer Lebensgefahr mit durchgeschlagenen Schädeln daliegen. Die Helden zogen es vor, herbeigeeilter Hülfe mit Stangen rc. sich durch die Flucht zu ent­ziehen. (Tr.Z.)

Breslau, 3. Mai. Der Prozeß des Grafen Rei­chenbach wird am 11. d, M., Sonnabend früh 8 Uhr, vor dem hiesigen Schwurgerichte, welches zugleich für die Maiangeklagten berufen ist, zur Verhandlung kommen. (Bresl.Z.)

Stettin, 6. Mai. Aus einer Bemerkung der Re­daktion derOstsee-Ztg." entnehmen wir, daß Profes­sor G. Kinkel bereits gestern wieder durch Stettin nach Naugardt gebracht worden ist.

Berlin, 6. Mai. Wie bereits am Rhein das 8. Armeecorps mobil gemacht, so wird jetzt auch in Schle­sien eine Mobilmachung des 6. Armeecorps erfolgen.

Noch einmal wird dieAnarchie" Erheben sich in Baden;

Doch wird gar bald gebändigt sie Durch preußische Soldaten. Drauf führet man das Standrecht ein, Der Spitzel wird im Gnadenschein Der Excellenz sich sonnen.

Dann aber werden in Berlin Gefahren sich erheben, Sanct Gerlach wird als Cherubin Den Königsthron umschweben, Den absoluten Staat beschwör'» Des Königs Herz gen uns empör'» Und gegen Reich und^Kaiser.

Held Simson wird dann gen Berlin Mit den bekannten Waffen Zum Kampfe in die Kammer zieh'» Und uns den Sieg verschaffen, Es wird die Constitution, Die octrvyirt der Königsthron, Gar willig angenommen.

Drob schallt der Jubel himmelan In der entzückten Kammer, Dann kommt des Königs Botschaft an, Und wecket neuen Jammer:

Der König strich, was er verlieh'», Und schickt den Rest der Kammer hin, Ihn dankbar anzunehmen.

Manteuffel doch.entdeckt den Leim, Die Risse zu verklebe»: Der König spricht er schickt euch heim, Wollt ihr ihm widerstreben! Bedenkt auch, daß gut preußisch fei, Gerechtigkeit und Polizei, Und wohlverwahrt der Kerker."

Und solcher Gründe schwer Gewicht Muß Jeden überzeugen, Die Kammer übet ihre Pflicht, Gehoriani sich zu beugen.

Des Königs Gnade aber ehrt Auch das Vertrauen und beschwört, Das Blatt mit der Verfassung.

Jetzt seh' den Glanz des Reiches ich

Bei Erfurt sich erheben, Des Reiches Fürsten haben sich Dem Bündnisse ergeben.

Der Reichstag ist schon anerkannt, Und wieder wählt im ganzen Land Vertreter man nach Erfurt.

Im Hintergrund erheben sich

Entsetzliche Gestalten-!

Helft! Hebet von dem Dreifuß mich I 'Z Ich kann mich nicht mehr halten! Ein furchtbares Gespenst dort droht!

Weh'-, Pickelhauben, Kerker, Tod!--) Welch schrecklich Schwerterklirrcn!"

Bleib sitzen, großer Reichsprvphct, Betrachte dir Gestalten, Und was im Buch des Schicksals steht Vom Grenzstein der Gewalten!" Rief jetzt der kühnen Griffe Held; Doch Wassermann, der Seher, fällt Betäubt von feinem Dreifuß.

Das schwarze Cabinet.

DieGlocke" von Walesrode enthält Folgendes:

So oft die vormärzlicheschlechte Presse« von einem schwarzen Postcabiuete in Preußen sprach, kreuzten sich die Bureaupharisäer und blickten andächtig empor zu Ihm, der allein die Unschuld der preußischen Regierung kennt und fahndeten nebenbei nicht schlecht auf die frechen Ver- läumder Der vielgepriesenen preußischen Ehrenhaftigkeit.