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Wiesbaden. Dienstag, 7. Mai

Freiheit nnh jleeht!"

1850.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Ler AoonnemenispreiS beträgt »lcrielia-rig hier in WieSvaoen i g. li fr, aus- wârtS durw die Post bezogen mit verhältnißmâßigem Anftchlage. Inserate werden bereitwillig anfgenom nen nno find bei der großen Berbkettung der.freien Zena nq" stets von wir'- samem Erfolge. Die Inserationögebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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Zur Dvmä nenfrage.

Von V. v. Eck.

(Fortsetzung)

Ein weit sicherer Weg zur Ermittelung des Rein­ertrages, als der bisher befolgte, ist aber der, wenn man aus ctner langenReiye vouIahren de» Durchschnitt zieht; indem die Verhältnisse, welche in einem großen Zeiträume auf die Vermehrung oder Verminderung der Einnahmen auS einem im Wesent­lichen sich nicht verändernden Vermögen eingewirkt ha­ben, sich in der Zukunft in demselben Zeitraum mehr oder weniger wiederholen, so daß mit großer Wahr­scheinlichkeit angenommen werden kann, daß ebenso, wie sich in der Vergangenheit ungünstige Verhältnisse durch günstige ausgeglichen haben, dies in Zukunft der Fall sein werde. Beruft man sich darauf, daß die Domainen in den allerdings schlechten Jahren von 1848 und 1849 nur einen jährlichen Reinertrag von etwa 700,000 fi. geliefert haben; so ist Dem entgegen zuhalten, daß deren Reinertrag in den Jahren 1821 bis 1826 auch nicht höher gewesen ist, und daß, trotz­dem, deren durchschnittlicher Reinertrag auS den Jahren 18171847 in 900,000 fl. und aus den Jahren 18381847 in 1,117,000 fl. bestanden hat.

Bei einer Durchschnittsberechnung können vorüber­gehende Umstände, welche auf den Ertrag von Einfluß sind, nicht in Betracht kommen. Sehen wir daher, i welche nachhaltig wirkenden Veränderungen mit dem Domanialvnmögcn in den beiden letzten Jahren vor- i gegangen sind, oder noch bevor stehen. Von dem Hrn. Correspondeuteu vom Westerwalde wird in Art. II. geltend gemacht, daß außer dem Ausfall von dem Er­trage des Zehntens und der Grundzinsen ein weiterer Verlust dadurch bevorstehe, daß der Ertrag der Do- maine nicht, wie dies früher geschehen, durch unwür­dige Mittel in die Höhe getrieben werden würde, und daß die katholische Kirche, sowie mehrere Gemeinden verschiedene, bisher von der Domaine bestrittene Rechte an dein Domauialvermögen in Anspruch nähmen.

Was nun die Plusmacherei mancher Reeepturbeam- tcn betrifft, so mögen Mißbräuche vorgekommen sein. Von dem Gegner hätte aber im Einzelnen nachgewie­sen werden müssen, ob und um wieviel hierdurch daS Einkommen der Domaine erhöht worden sei, ob und um wieviel die Domaine ihre Früchte, Holz re. theurer verkauft oder ihre Grundstücke höher verpachtet habe, als dies auch von Privatleuten geschehen ist. Bezüg­lich des Zehntens läßt sich sogar die für bas Gegen­theil sprechende Thatsache anführen, daß die Domaine denselben von dem Metermorgen um 24 fl. billiger, als die Pfarreien und die Privaten abgelöSt hat. (1848 1. 704).

Nicht zu verkennen ist, baß der Staat die Domai­nen nicht nach denselben Grundsätzen, wie ein Privat­mann, sondern nach höherer volkswirthschaftlichen Rück­sichten verwalten soll. Hierdurch wird sich zwar ihr Geldertrag vermindern, dagegen werden aber hierdurch

Ein Streifzug in die kalifornischen Minen während der Regenzeit.

(Bon Friedich Gerstâcker.)

(Fortsetzung und Schluß.)

Was den Goldreichthum Californiens betrifft, so ist der allerdings ungeheuer und kann unmöglich in den nächsten Jahren erschöpft werden; aber die Zeit der raschen Ge­winne ist, mit einzelnen Ausnahmen natürlich, vorüber, die Arbeit regelt sich immer mehr, und wird nach und nach einen ganz andern Charakter als sie jetzt hat, an­nehmen. Es werden bald nicht mehr Abenteurer sein, die in die Berge ziehen und den edlen Metallen nach­graben, sondern ein gewisser Theil der Bevölkerung wird sich diesenGeschäftszweig" wählen und Lohn und Aus­beute nach Dollars und Centen berechnen können. Tau­sende und Tausende strömen aber jetzt hierher und dem fleißigen Arbeiter und Handwerker bietet sich ein weites Feld für seine Thätigkeit. Zimmerleute besonders sind hier ungemein gesucht und bekommen enormen Taglohn. Gärtner aber vor allen werden die sein, die sich, wenn sie selber einen Garten anlegen und Gemüse in die Stadt schaffen, in ihren Beeten ein Eldorado gründen können. Mich hat ein Mann in Sacramento City versichert, daß er sich getraue, aus einem einzigen Radieschenbeet seine 1000 Dollars zu ziehen und die Vermuthung wird zur Wahrscheinlichkeit, wenn man die engeheuern Preise sieht

dem Staate Vortheile in anderer Weise erwachsen und Ausgaben in anderen Budjetö erspart werden, welche eben so hoch anznschlagen sein mochten, als seine Ver­luste an den Domanialrinkünften, so daß er bei einer solchen Verwaltung in der That nichts verlieren wurde.

Was die Ansprüche von Kirchen und Gemeinden betrifft, welche setzt, nachdem sie innerhalb der Verjäh­rungsfrist nicht bei den Gerichten geltend gemacht, und dadurch rechtlich verloren gegangen sind, erhoben werden; so sind solche, wenn gleich sie aus Bill ig- ke itS rücksichten anerkannt wurden, in letzterer Be­ziehung bis jetzt noch so wenig untersucht, daß aller Maßstab fehlt, um danach zu beurtheilen, ob, und um wieviel sich dadurch der Domainenertrag vermindern werde. (.Schluß folgt)

Assifenverhandlungen zu Wiesbaden.

Zehnter Prozeß.

Anklage gegen Carl Balzer von EmS, we­gen M o r d v e r s u ch ö.

(Fortsetzung und Schluß.) *)

$ Wiesbaden, 4. Mai. AmtSfekretär Brunner von Braubach gibt nähere Auskunft über das Versteck, aus welchem der Schuß fiel. Er hat am Tage nach dem Attentate gemeinschaftlich mit dem ÄmtSaccesfisten Victor den Befund an Ort und Stelle ausgenommen. Daß man aus dem Verstecke heraus hatte treten kön­nen, ohne den künstlich.» Lyell desselben zu verletzen, hält er wohl für möglich, jedoch glaube er nickt, daß man Jemand in der von Bayer bezeichneten Stel­lung von Außen habe sehen oder erkennen können. Accessist Vietor glaubt jedoch an eine solche Mög­lichkeit. Zeuge Philipp Maurer von Kemmenau er­zählt, daß er einmal von Balzer aufgefordert wor­den sei, den Phil. Bayer gehörig durchzuprügeln; er wolle ihm 30 Thaler bezahlen, sein Schwiegervater würde ihn auch noch dafür belohnen. Er habe zu dieser Prügelei keine rechte Lust gehabt und deshalb den Georg Hehn er von Kemmenau gefragt, wie er es machen solle, um den Balzer auf eine sichere Weise los zu werden, worauf ihm dieser gerathen habe, zu sagen, daß er ihn geprügelt habe. Diesen Rath habe er befolgt und darauf von Balzer 7Achtzehnkreuzer» stücke erhalten, mit dem Beinerken, ob Bayer noch laufen könne; er müsse ihm Arm und Beine entzwei schlagen, daß eS die Leute erführen. Er will mit Bayer über .feine bevorstehende Vernehmung nicht, dagegen mit Posthalter Dreßler von Ems darüber gesprochen haben. Daß er gesagt habe, es sei nicht wahr, daß ihm Balzer Geld für das Durchprügeln versprochen habe, kann er sich nicht mehr entsinnen.

) Im letzten Berichte muß in Spalte 3, Zeile 39 von oben zwischen die Wortediesen" undbegegnet" das Wort nicht" eingeschaltet werden; eben daselbst Zeile 40 von I oben muß es stattDreisbach"Braubach" heißen. Ferner muß statt ZeugeBeuchel", ZeugeC. Bindtng', gelesen werden.

die für frische Gemüse bezahlt werden. So kostet z. B. ein weißer Kahlkopf 3 Dollars, und ist kaum für den Preis zu bekommen. Milch und Butter hat ebenfalls ungeheure Preis und Eier wurden in Sacramento City mit ein Dollar das Stück bezahlt! Jetzt ist bei diesen freilich der Preis durch eine Masse von China einge­führter Eier etwas gesunken, doch werden frische immer ausgezeichnet bezahlt werden. Butter kostet, und nicht etwa frische, 1% Dollars das Pfund und Milch habe ich wirklich nur^ ausnahmsweise und zufällig zn sehen bekommen.

Ein weniger günstiges Prognostikon möchte ich dem Ackerbauer stellen. Die Sommer sind zu heiß und trocken hier, die Herbste zu naß und an der Bay z. B., wo nicht einmal Fruchtbäume deßhalb gezogen werden können, würde der heftige Wind das Getreide jedenfalls umlegen und ververben. Die weiten Ebenen mit der fruchtbarsten Ackererde stehen nach den ersten Regen gleich unter Wasser und selbst an den Flüssen möchte bas Getreide im Som­mer nur selten der übergroßen Dürre trotzen. Doch die Erfahrung wird das ja lehren und vielleicht liefern die Versuche unternehmender Amerikaner günstigere Resultate als es jetzt mir scheinen möchte.

Im Sommer werben nun allerdings wieder Tausend' und Tausende von den Vereinigten Staaten sowohl wie von andern Theilen der Erde hierherströmen und man sollte fast denken, daß dadurch die Arbeilspreise herunterge­drückt werden müßten; für den Sommer glaube ich

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Zeuge Hehner bestätigt die Aussagen des Maurer, so weit sie ihn betreffen. Drei weitere Zeugen erweh- nen nichts von großer Bedeutung. Die beiden Töck- ter des Försters Weimar, nochmals vom Staatsan­wälte über die Anwesenheit des Carl Aschermann cruf dem Forsthause am 28. Juni befragt, erklären, daß derselbe sich damals, als der verwundete Bayer gekommen, sehr rasch entfernt habe. Ein anderer Zeuge, der mit einer fremden Herrschaft auf dem Forsthause war, erzählt, daß diese sich damals auch gleich ent­fernte. Carl Ochs von Braubach und der Kutscher des F. Gödecke geben an, daß Aschermann und Kalkofen schon fort gewesen seien, als Bayer kam. Beiden ist keine Frau mit Kindern begegnet. Zeuge Heinrich Israel von Ems hat Balzer nach 9 Uhr nach Haus kommen sehen. Er sei dunkel gekleidet ge­wesen und habe eine Doppelflinte gehabt. Schlei­mer sei am Morgen mit einer Flinte hinausgegangen und ohne eine solche wieder nach Haus gekommen. Schleimer widerspricht dieser Aussage. Zeugin He­lene Stahl von Ems, früher bei Bayer in Dien­sten , sagt, dieser sei eine niederträchtige Person, sie und eine Magd seien von demselben arg mißhandelt worden, selbst seine Frau habe Mißhandlungen erlei­den müssen. Sie habe im Auftrage deS Bayer von dem Holze nehmen müssen, das Balzer gehört habe. Auch sei er im höchsten Grade unsittlich, sie selbst habe ihn mehrcremals bei der Haushälterin angetroffen. Bürgermeister Dreßler hält den Banquerott des Bayer für einen betrügerischen und spendet demselben überhaupt kein sonderliches Lob. Er sei deshalb von Ems ausgewiesen, weil er nach seiner Angabe ohne Vermögen ist, und in jeder Hinsicht als ein gefähr­liches Subjekt erscheint. Herrmann genieße eines schlechten Leumundes, Ascher mann dagegen sei ein braver, rechtlicher und glaubwürdiger Mann. Obige Angaben werden noch ausführlicher von den Zeugen Dennrg und Rosenbach, beide Gemeinveratye zu Ems, gemacht. Diese erklären auch, daß der Schwa­ger des Bayer, Ramens Ahrle, früher kein Vermö­gen gehabt habe und nun auf einmal nach dem Con- curse des Bayer ein vermögender Mann geworden sei. Bayer, Herrmann, Maurer und Hehn er sei kein Glauben zu schenken. Zeugin Maria Elms von Nievern will Köpper begegnet sein, der ihr ge­sagt habe, sie möge der Madame Bayer sagen, sie solle ihn, wenn nöthig, zum Zeugen auffordern, er sei an jenem Tage Balzer begegnet, der ihn gefragt habe, wo Bayer wäre. Peter Wagner von flrz- bach, Bruder der bei Balzer dienenden Anna Wag­ner wollte dem Angeklagten längere Zeit vor dem Attentate eine Büchsstinte verkaufen, die er aber wie­der mit nach Hause nahm, da sie zu schwer gewesen. Büchsenmacher Weygandt von hier wird als Cr- perte über die Beschaffenheit der vorliegenden Doppel­flinte und Büchse und über das benutzte Schicßmaterial befragt und erhält eine plattgeschoffene Kugel zum I Wiegen mit nach Hause, um dadurch zu constatiren, ob eine von gleichem Gewichte in eine der Schußwaf-

aber nicht, daß es Gefahr hat, es strömt dann alles nach den Minen und die bedeutenden Arbeiten, die über­all unternommen werden müssen, werden den Arbeits­lohn nicht sinken lassen. Aber desto schlimmer unv trau­riger für die Unbemittelten wird es dafür auch in der nächsten Regenzeit werden, nnd besonders mögen sich solche hüten vom April bis August von Deutschland nach Californien zu Schiff zu gehen, die nicht Geld genug haben bis zum März wenigsteus von dem Mitgebrachten zu leben. Und es bedarf hier, wo die Woche Kost und Logis im billigsten Boardinghouse 16 Dollars kostet, viel Geld. Die Regenzeit beginnt hier nicht regelmäßig spätestens Anfang Decembers, gewöhnlich jedoch, wie auch in diesem Jahr, mit Anfang Novembers und dauert, wie mir von alten Californiern versichert wurde, oft bis Mitte und Ende März, oft nur bis Ende Februars. Der höchste Stand der Flüsse, wenn die Schircewasser aus den Gebirgen kommen, ist im Mai.

Denen von meinen Landsleuten die beabsichtigen, die Minen zu besuchen, will ich nur noch folgende Vorsichts­maßregeln einschärfen.

Sie mögen, wenn sie von hier nach einer der nörd­lichen oder südlichen Städte, je naebbem sie die Minen wählen, aufbrechen, dort ein oder mehrere Maulthiere kaufen ihre Provisionen und ihr Gepäcke fortzuschaffen, oder auch, falls sie schon von vornherein sich für einen gewissen Punkt bestimmt haben, mit irgendeinem dorthin abgehenden Provisionsgeschirr aecordiren, sich selber aber