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Leerheit und Reeht!^^

Jg 106.

Wiesbaderr. Sonntag »5. Mai

XifFr r>k Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. - Der AvonnementspreiS beträgt v ierteij â ?rig hier in Wirs^en i q, 4) fr, aus» wärt rur.d die Post bejögen mit verhältnißniäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen nno flao bei der großen Verbreitung derFreien Zeit ung" K/tS von wirf« amf Elfolge. Die InsrrationSgebühreN betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

Zur Domänenfrage.

Von V. v. Eck.

(Fortsetzung)

Was den ersten der oben erwähnten Wege zur Ermittelung des Ertrages der Domainen betrifft, so ist auf demselben lDbmainenbericht S. 31) deren Rein­ertrag zu 999 867 fl 32 fr. oder in runder Summe zu einer Million ermittelt. Sehen wir nun, bei welchen EiWahmernbrikkn die Zukunft einen Ausfall bringen wird.

i) Forste. In Aul. 3. des Domamenberichtes ist das jährlich zu fällende Holz zu 37,897 Klafter anqenoinmen; nach neueren Ermittelungen der Forstbe- Hörden (1849 11. 10.) können künftig 40,151 Klafter geschlagen werden. In dem Domamenberichte ist der Durchschnittspreis des Klafters Holz zu 12 fl. ange­nommen. Ob derselbe in Zukunft sinken, oder ob er steigen werde, überlaste ich der sachverständigen Beur­theilung des Lesers. Der Bruttoerlös aus dem Jahr 1848 hat 470,739 fl. betragen. (1849 II. 10.) Die Regierung schlägt den in dem Domainenberichte zu 330,000 fl. veranschlagten Reinertrag der Domanial- forste um 50,000 fl. höher, mithin zu 380,000 fl. an. (1849 III 256.)

2) u. 3) Güter in Zeit- und Erb bestand. Der Erbpacht ist eine gleichbleibcude Einnahme Der Zeitpacht hat sich bei den im Jahr 1848 vorgenom- mencn Verpachtungen um 150 Malter Walzen , 414 Malter Korn, 30 Malter Gerste, 145 Malter Hafer und 2969 fl. Geld gegen den vom Jahr 1847 erhöht (484911 10). In dem Domauialberlchte ist der Preis für ein Wiesbadener Malter Waizeu zu 8 fl., Korn 5 fl. 30 fr., Gerste und epelj 4 fl. 25 fr. und Ha­fer 3 fl. 20 fr. angenommen. Wie bald die jetzigen Fruchtpreise diese Preise wieder erreichen und über­schreiten werden, und ob, und welcher Abzug an dem im Domanialberichte zu 260,000 fl. veranschlagten Reinertrag der Erb- und Zeitbestandsgüter zu machen sei, überlasse ich wieder der sachverständigen Beurthei­lung des Lesers. ,

4) Güter in eigener Administration. De­ren Reinertrag ist im Jahr 1848 (1849 11. 11) um 5400 fl. gegen den in dem Domainenberichte ange­nommenen Reinertrag von 18,000 fl. zurück geblieben.

5) Weinberge. Deren zu 25,000 fl. ange­nommener Reinertrag möchte, wenn, wie von dem Ab­geordneten Gergens (1849 II. 45) vorgeschlagen ist, die Verwaltung einfacher und sparsamer eingerichtet wird, in Zukunft steigen.

6) Grundrenten. Der Verlust au Einkünften ans Zehnten und Grundzinsen in Folge der Ablösungs- qesetze ist von der Doinaine-Direttion zu 69,306 fl. 59 kr. berechnet (1849 II. 12).

7) 'Badeanstalten. Der Reinertrag, welcher nach den Ansätzen in dem Budget für 1849, welches auf die Ergebnisse des Jahres 1848 gegründet war, sich für dieselben ergibt, fommt dem in dem Domainen- berichte angenommenen Anschlag von 36,500 fl. gleich (1849 11. 12. und 47.)

8) Bergwerke, Hütten - und Hammer­werke. Die Veranschlagung von deren Reinertrag von 22,000 fl. in dem Domainenberichte gründet sich hauptsächlich auf die, bezüglich der Hütten- und Ham­merwerke bestehenden Pachtverträge. Schon in dem Budget von 1849 war ein Reinertrag von 30,000 fl., also 8000 fl. mehr in Aussicht genommen, da darauf gerechnet wurde, daß nicht blos die, in den mit den Hüttenherrn abgeschlossenen Pachtverträgen bestimmte Quantität von Eisenstein an die Domanial- Hütten­werke, sondern daß auch, was in Zukunft nicht aus­bleiben wird, eine bedeutende Quantität an andere Hüt­tenwerke abgesetzt werden würde. (1849II. 12. u. 51.)

9) Fischerei. Deren in dem Domainenberichte zu 1300 fl. berechnete Reinertrag möchte keine Verän­derung erleiden, ,

10) Mühlen und Bannrechte. Deren Rein­ertrag von 9000 fl. wird bei Aufhebung der Bann­rechte wohl größtentheils wegfallen.

11) Gebäude. Dieselben haben bisher keinen Reinertrag ergeben; ein solcher wird aber bei einiger Bemühung zu erzielen sein.

12) Mainzoll. Dessen Reinertrag war in dem Budget für 1849 mit Rücksicht auf dessen Ergebniß von '1848 zu 31,600 fl. (1849 II. 28), also um 6400 fl. niedriger, als im Domainenberichte veran­schlagt.

13) Mineralwasser. Der Reinertrag war im Jahr 1848 nur 57,000 fl. (1849 II. 17), also 43,000 fl. weniger als im Domainenberichte angenommen wird.

Ob und bis wann derselbe wieder auf den frühern Durchschnittsbetrag von 100,000 fl. oder gar auf den Ertrag des Jahres 1846 mit 130,000 fl. steigen werde, darüber werden Solche, welch? größere Handelsbe­ziehungen kennen, ein zuverlässiges Gutachten abgeben können.

14) Aktivkapitalien. Deren Zinsen werden, wie in dem Domanialberichte, zu 24,000 fl. ange­nommen.

Vergleicht mau nach dem bisher Besprochenen die Einnahmequellen, welche voraussichtlich eine höhere Einnahme, mit denjenigen, welche eine verminderte Einnahme erwarten lassen; so wird man die Annahme, daß der reine Ertrag der Domain? 800 bis 900,000 fl. betragen werde, keine allzu gewagte nennen können, (Fortsetzung folgt.)

Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

Zehnter Prozeß.

Anklage gegen Carl Balzer von EmS, we­gen Mordversuchs.

(Fortsetzung.) *)

ch Wiesbaden, den 3. Mai. Zeuge Justizrath Frendenberg von Braubach, erzählt, daß er von Carl Balzer nicht lange vor dem Attentate auf Bayer um Beistand in seiner Rechtssache gegen die­sen ersucht worden sei. Soviel er aus der ganzen Sache ersetzen, so hätte die bedeutende Forderung Carl Balz er's, hauptsächlich weil aus Unkenntniß im ge­richtlichen Verfahren verfehlte Wege eingeschlagen wor­den, nicht geltend gemacht werden können. Da Bal­zer damals mit der größten Bereitwilligkeit einen Vergleic^Hnit Bayer knigehrn wollte, so könne er nicht glauben, daß Ersterer auch nur fähig wäre, sich auf eine solche Art, wie es geschehen, an Bayer zu vergreifen. Die Aerzte begutachten, daß der Arm noch schwach sei, aber in der Besserung sich befinde; schwere Lasten könnte Bayer damit nicht heben, überhaupt den Arm noch nicht zur Arbeit gebrauchen. Die drei Mittelfinger seien wohl beweglich, aber nicht einzeln. Philipp Bayer erklärt, er habe in genaue Erfahrung gebracht, daß der Schwiegervater des Angeklagten sich bemühe, die Zeugen zu bearbeiten. Vertheidiger Lang tritt dieser Aussage entschieden entgegen und ist der Ueberzeugung, daß noch Zeugen kommen würden, bei denen sich die Bearbeitung von anderer Seite klar Herausstellen würde. Zeuge Pfarrer Faust von Ems schildert Philipp Bayer als einen rachsüchtigen, un­sittlichen, boshaften Menschen, dem er überhaupt nichts Gutes nachsagen könne. Er hebt besonders hervor, daß er im Streite, den er überall suche, gleich mit Todtschießen, Halsabschneiden, zum Krüppel schlagen drohe, und daß er nur kurze Zeit friedlich mit Andern leben könne. Mit W. Jaik von Ems habe er na­mentlich einmal einen heftigen Streit gehabt, der zu Verwundungen führte. Auch gegen Frauen habe er sich auf das Schändlichste vergangen. Für wahrheits­liebend kann ihn Zeuge nicht halten. Bezüglich des noch zu vernehmenden Zeugen Herrmann sagt Zeuge, daß dieser einmal au einem Monumente au der Kirche ein vergoldetes Kreuz gemeinschaftlich mit H. I s r a e l von Ems habe stehlen wollen, und daß er überhaupt schon in mehrfache Untersuchungen gemeiner Vergehen halber, verwickelt gewesen sei, auch diesen hält er für sehr unglaubwürdig. Zeuge Bauaccessift Preußer von hier bestätigt es ebenfalls, daß Bayer ein äußerst leidenschaftlicher und chikaneuser Mensch sei, der keine Wege verabscheue, seine Chikanen geltend zu machen. Damit Sauereien in seinem Hause, die Zeuge gelei­tet, nicht zur rechten Zeit fertig würden, habe er Nachts wieder zerstört, was am Tage gearbeitet wor­den sei, um sich dadurch eine bedungene große Entschädi­gung zu verschaffen. Balzer kennt er als einen ordent­lichen und braven Mann. Aintsverwalter v. Hol­bach, früher zu Nassau, stellt den Geschwornen den Charakter des Philipp Bayer lebhaft vor Au­gen. Haben die obigen Zeugen in dieser Hinsicht den

*) Im gestrigen Berichte sind zwei wesentliche Druckfehler zu derichtigrn: Spalte 2 des Berichts Zeile 24 von oben muß es statt:Heimkehren"Herumdrehen" und Zeile 37 von oben statt:Beine"Beide" heißen.

Schleier schon sehr gelüftet, in den sich Paper ce^ hüllt, so reißt dieser Zeuge ihn gänzlich nieder. Er zweifelt sogar au der Rechtlichkeit mit der dieser zu seinem bedeutenden Vermögen gekommen. Als Kourier- habe er eine englischen Herrschaft nach Italien beglei­tet und sich hierauf in Ems mit seinem Vermögen niedergelassen. Zeuge hat die Erfahrung gemacht, daß Bayer auf die schändlichste Weise sich in Verdacht-- gungen ergeht, das Amtspersonal habe er öfters solchen un­terworfen und dafür Strafe verbüßen müssen. Er habe sich einst gerühmt, für 15 Gulden dürfe und könne er das ganze Amtspersonal schimpfen. Zeuge schilde t nun die Rechtsverhältnisse zwischen B a l; e r u. B a y e r unbare Prozesse/ und kann nicht genug hervorheben, welcher schmählichen Umtriebe letzterer sich schuldig ge­macht habe. Die Aussagen des Amisvwwalters von Holbach finden wiederum in jeder Hinsicht ihre Bestä­tigung in den Aussagen deS AmtSaccesfisten Giese v. Nassau. Namentlich erwähnt dieser das be eutendo Vermögen, das vor der Eröffnung des Concnrses noch im Besitze des Ph Bayer gewesen und nach der Er­öffnung bewerben verschwunden sei, und glaubt in die richtige Ausschwörung des Man festationseid.s ge­rechte Zweifel setzen zu müssen. ProcuratorKlös von Nassau spricht sich für Balzer sehr günstig, für Bayer aber im höchsten Grade ungünstig aus. Zeuge Aschermann hat mit Bayer's Chikanen und Intriguen vielfach zu kämpfen gehabt. Er hat das Mainzer Haus" nach diesem übernommen und Möbel von ihm gekauft. 1000 fl. hatte er schon abschläglich bezahlt und noch nicht die Möbel erhalten, so daß er ebenfalls in Prozesse verwickelt wurde. Er erzählt, wie Bayer Arbeiten in seinem Garten zerstört habe und daß er vergiftetes Brod seinen Hühnern vorge­worfen, so daß er eine Menge verloren habe. Bei dieser Gelegenheit sei er in Streit mit ihm gerathen. Bayer habe ihm eine sechsläufige Pistole entgegen- gehalten und gedroht, ihn zu erschießen und sei deß­halb zu viermonatlicher Kvrreknonshauchärafc verur- theilt worden. Zeuge erzählt nun weiter, daß er an jenem Tage, wo der Schuß auf Bayer fiel, mit die­sem in Braubach vor Amt gewesen sei und sich mit Franz Kalkofen von dort gegen Abend schnell ent­fernt habe, um vor Bayer einen Vorsprung zu be­kommen, der ein im höchsten Grade lebensgefährlicher Mensch sei. Um ^7 Uhr sei er im Forsthause ein, gekehrt und bald darauf sei Bayer verwundet gelaufen gekommen , worauf er sich entfernt habe. Er hat den Angeklagten zwei Tage nach dem Attentate gesprochen und ihn nicht verlegen gefunden, im Gegentheile er sei ruhig gewesen, trotzdem, daß Bayer ihn deS Mordversuchs besichtigte. Ergibt Balzer das ehren­vollste Leumunds-Zeugniß. Zeuge Benchel von Eins hat das Balzer'sche Haus mit seinem Bruder einmal bewacht, um das gewaltsame Eindringen dös Bayer zu verhüten. Dieser habe bet dieser Gelegenheit seinen Bruder zu erschießen gedroht. Zeuge ist früher einmal aus freien Stücken Carl Balzer, der in Nassau mit Bayer einen Termin hatte, dahin entgegen gegangen, da er fürchtete, Bayer werde sich an ihm unterwegs vergreifen. Auch er kann dem Leumundszeugnisse des Bayer nichts Lobenswerthes hinzufügen. Zeuge Karl Kling von Ems weiß einen Vorfall vom Jahre 1847, wo Bayer dem Balzer gedroht habe, ihn zu erstechen. Zeuge weiß auch, daß Bayer seinem Schwager Ahrle zu Ems vor dem Concurse Alles cedirt habe.

Zeuge Oberschultheis Stauch fügt neue Facta dem bösen Leumundszeugnisse des Bayer zu. Ueber seine Vermögensumstände munkele man überdies gar viel, daß er zu demselben nicht rechtmäßig gekommen. Bal­zer sei jähzornig, sei auch öfters schon mit seiner Fa­milie zerfallen gewesen; an diesen Zwistigkeiten hatten jedoch beide Theile gleiche Schuld. Sonst sei Balzer in jeder Hinsicht ein braver und rechtschaffener Mann. Zeuge Joseph Diehl bestätigt den Vorfall zwischen Aschermann und Bayer. Zeugin Anna Esch vom Heinrichshof erzählt, daß am Tage des Attentats Bal­zer bei ihr Milch getrunken habe. Zwei Tage später habe er des Attentats bei ihr erwähnt und gesagt, man wolle ihn in die Schießerei verwickeln, so ein Mensch sei zu Allem fähig. Sie möchte sich doch ge­nau der Stunde erinnern, wenn er da gewesen und welche Kleidung er angehabt, damit ihm dies nöthigen- falls zum Beweis bienen könne. Den Zeugen Lorenz Esch hat Balzer gefragt, ob er den Peter Schlei­mer (seinen Jagdaufseher) nicht gesehen; auch nach der Uhr habe er gefragt, es sei zwischen 7 und 8 ge-