Aus der Provinz Preußen, 27. April. Zum 15. Mai soll die Landwehr in ganz Peußen unter den Waffen stehen, behufs vierwöchentli- chen Manövers. Merkwürdiger Weise läßt bekanntlich auch Nicolaus seine Armee an der preußischen Gränze zu Manövers zusammenziehen. Die Vorbereitungen in Preußen sind diesmal um so auffallender, als man Manövers bisher nur in einer Provinz abhielt, wohin die Corps der angrenzenden Provinzen gezogen wurden. Früher wurden die Pferde zu solchen Feld- übungen nur gemiethet, jetzt werden sie von der Ne- monte gekauft. Die Zusammenberufung geschieht^ gegenwärtig zu einer Zeit, wo die Leute bei der Feldarbeit äußerst nöthig sind, und verursacht die Mobilmachung von 200,000 Mann ganz außerordentliche Kosten. (Fr. I.)
Breslau, 29. April. Graf Oskar von Reichenbach ist abermals verhaftet worden.
Delitzsch, 27. April. Folgender Vorfall, den wir mit allen Details verbürgen können hat hier die allgemeine Entrüstung hervorgerufen.
Ein hiesiger geachteter Bürger und Hausbesitzer, der Kürschnermeister PodchI, der ein schwunghaftes Gewerbe betreibt, Wehrmann 2. Aufgebots, benutzte den Sonntag, den 10. März d. I. zu einer Geschäftsreise. Durch mehrere ihm unterwegs begegnende Landbewohner aufmerksam gemacht, fällt ihm ein, daß denselben Nachmittag Kontroll-Versammlung der Landwehr in Delitzsch stattsindet, die er sich um deshalb i nicht genau gemerkt hatte, weil der Bestellzettel nicht an ihn, sondern an seine Leute abgegeben, von diesen aber verloren sein mochte. Sogleich schreibt er eine briefliche Enschuldigung im nächsten Wirthshause an der Straße und sendet diesselbe durch erpressen Boten nach Delitzsch, wo sie der Feldwebel vor Beginn der Versammlung empfängt. Nichtsdestoweniger erscheint an demselben Nachmittage der Kompagnieführer, Lieutenant v. Zedtwitz, persönlich in der Wohnung des Podehl, wo er, ohne nur einmal zu grüßen, dessen hochschwangere Frau mit harten Worten wegen der Abwesenheit ihres Mannes anläßt, von „Wischen" u. dgl. spricht, und sich drohend entfernt, so daß die geängstete Frau in ihrem reizbaren Zustande heftig erschrocken, sich niederzulegen und mehrere Tage das Bett zu hüten genöthigt ist. Podehl selbst wird vorgeladen und vernommen, wobei ihm der Herr Lieute- tenant seine demokratische Gesinnung vorhalt, was derselbe, ein ebenso ruhiger als charakterfester Mann, als nicht zur Sache gehörig, sich ernst verbittet.
Da bestellt man ihn gestern wiederum in die Wohnung des Lieutenants, wo ihm der Bescheid des Bri- gade-Commando's eröffnet wird, nach welchem er drei Tage Mittelarrest verbüßen soll. Und ohne ihm zu gestatten, sich mit andern Kleidern zu versehen, oder seiner vor 14 Tagen entbundenen Frau die mindeste Nachricht zu geben, oder eine Anordnung in seinem Geschäft zu treffen, welches gerade jetzt, der Leipziger- Messe halber, seine Thätigkeit doppelt in Anspruch nimmt, wird er geraden Weges von des Lieutenants Wohnung unter Bedeckung in das im Nathhause befindliche Arresttokal transportier. — Da ter Weg dahin an den Geschäftszimmern des Stadtsmagistrals vorbei; führte, trat er in Begleitung der Ordonnanz einen Augenblick ein, theils um seiner Frau Kunde zu senden, tbcilö um die Verwendung der städtischen Behörde wegen Aussetzung der Strafverbüßung bis zur Gesundung feiner Frau zu erbitten. Aber was selbst der Ordonnanz unbedenklich erschienen war, konnte der Herr Lieutenant unmöglich gestatten. Wenige Minuten darauf, als ter Beamte im Niederschrciben des Gesuchs begriffen war, erschien derselbe, indem er Podehl mit den Gefreiten Hart anfuhr und den ersten mit allem Einbringen und Beschwerden auf die Zeit nach überstandener Strafe verwies. Zugleich nahm er ihn ohne Weiteres mit sich fort und krönte sein Werk tatureb, daß er ihn gelbst in das Gefängniß brachte, diefes eigenhändig verschloß und ein besonderes von ihm mi(gebrachtes Schloß vor die Thüre legte.
Wenn man schon die Verurtheilung dieses Mannes schwer begreift, so erscheint seine plötzliche Abführung völlig unerklärlich, da man ihn als Grundbesitzer wegen der drei Tage Gefängniß doch wahrlich nicht der Flucht verdächtig halten konnte. — Dem gemeinsten Verbrecher wird eine Notiz an die Seinen, eine Anordnug in seinen Geschäften zur Verhütung von Schaden gewährt — und hier eine soeben entbundene Wöchnerin, deren eigene wie ihres Kindes Gesundheit durch den Schrecken so erheblich gefährdet werden konnte! — Bedenkt man ferner denn gar nicht, wie am Ende ter Bürger das Geld mit aufbringen soll, wovon das Militär- bezahlt wird, wenn man ihn in der dringendsten Zeit, um solchen Anlasses willen, seinem Geschäft entzieht?
(Nat. Z)
Berlin, 30. April. Nachrichten aus Warschau melden, daß man der Ankunft des Kaisers Nicolaus daselbst zum 7. Mai entgegensetze und alle Vorbereitungen zu dessen Empfange treffe. (Fr.J.)
aus dem Bunde von 1815 eigenmächtig wieder herge- ftellt und in Ausübung gebracht werden sollen. (K.Z.)
Hamburg, 30. April. Der Syndicus Prehn ist bereis von Kiel auf dem Landwege nach Lübeck gegangen, um von dort nach Kopenhagen zürückzukehren. : Die Aufnahme der schleswig-Holsteinischen Deputation ■ beim Könige von Dänemark, soll eine freundliche ge- • wesen sein, doch wie der Anknüpfungspunkt für direkte i Verhandlungen gefunden werden soll, weiß man noch nicht. (K. Z.)
Hannover, 28. April. Heute fand die erste Sitzung des Schwurgerichts in unserem Lande Statt. | Nächst Preußen ist Hannover das erste Land im Nor- i den Deutschlands, in dem das Institut ins Leben tritt. -
Oldenburg, 29. April. Der durch das Gesetz j vom 16. December v. I. berufene allgemeine Land- ■ tag ist heute, vorbehaltlich einer Wiederemrufung innerhalb der gesetzlichen Zeit (6 Monate,) vertagt.
(Weser-Ztg.)
Stuttgart, 1. Mai. Die heutige Abendsitzung der verfassuugberatheuoeu Landesversammlung war ohne Zweifel diejenige, die als die entscheidend wir- ' feilte zu betrachten ist, indem in derselben der Minister des Innern die Vorlagen der Regierung über die Revision des Kapitels IX. der Verfassung vorlegte, und zwar, da in der 12. Sitzung geäußert wurde, daß die teil Verfaßungöcommiffären gemachten Vorlagen schlechter seyen, als die Vertretung und das Wahlgesetz von 1819, nach einem neuen Entwurf, der aber, wie gar nicht zu bezweifeln ist, und wie aus der mehrmaligen Unterbrechung des Vortrags des Ministers durch Ausrufe der Mißbilligung und der Verwunderung hervorgeht, ebensowenig die Gutheißung der Versammlung erlangen wird, als die den Eommis- sâren gemachten Vorlagen. Das allgemeine und directe Wahlrecht wäre, nach der Ansicht des Herrn Ministers, wenn es von der Regierung zugestanden würde, ein Verrath am Lande. Auch sey die Regierurg durch ; die neuesten Erfahrungen in ihren Ansichten über die | Nothwendigkeit der Beibehaltung des Zweikammersy- i stems nur noch bestärkt worden. Der neue Entwurf | hält sich so wL als möglich an die Verfassung von ; 1819, will zwar angeblich die Stanbesvvrrechte ent- ; fernen, thut aber nicht einmal dies ganz, indem er , allerdings die Vorrechte des standesherrlichcn und ritterschaftlichen Adels beseitigt, aber die der Geistlichkeit bcibehält und an die Stelle der des Adels die des Besitzes, des Reichsthums setzt. Hiernach würde also die 1. Kammer bestehen: 1) aus den volljährigen Prinzen des k. Hauses; 2) aus 43 gewählte» Abgeordneten , wovon je 3 Oberamtsbezirke 2 Abgeordnete und die Stadt Stuttgart für sich einen wählt und zwar zur Hälfte aus den und durch die Höchstbesteuerten und zur Hälfte durch Amtsversammlungen ohne andere Beschränkung der passiven Wahlfähigkeit- als ein Alter von 40 Jahren und die Unbescholtenheit. Bei der zweiten Kammer, für deren Mitglieder nur ein Alter von 30 Jahren, wie bisher, erforderlich ist, sielen von der seitherichen Zusammensetzung nur die 13 ritterschaftlichen Abgeordneten weg, die evangelischen Prälaten, der katholische Bischof, der Domvekan und der älteste katholische Dekan, so wie der Kanzler der Universität und die Abgeordneten der sog. sieben guten Städte blieben. Auch das Wahlrecht bliebe nach der Vorschrift von 1819, wäre also nur eine indirecte Wahl. Auch wurde bei den Hvchstbcsteucrteu eines Bezirks nicht blos die Grund-, Häuser- und Gewerbesteuer, sondern auch die Capital- und Einkommensteuer mit in Berechnung genommen. Sonst wäre auch nichts geändert, als daß öffentliche Diener keines Urlaubs mehr bedürfen, und daß beiden Kammern die Initiative zu Geseßessorschlägen zustande. — Der Eindruck, den die Verlesung dieser Vorlagen machte, war auf das Publikum, wie auf die Abgeordneten sichtbar- gleich ungünstig. (F. I.)
Wien, 27. April. Was man im absoluten Oesterreich unter Metternich nicht zu thun wagte, ist im konstitutionellen Oesterreich öffentlich und offiziell geschehen: die Zurückberufung der. Jesuiten. Im amtlichen Blatte von Verona, von Radetzky eigenhändig unterzeichnet, ist das Jnstallirungs-Dccret zu lesen, womit den heiligen Vätern zugleich die nöthigen Localitäten eingeräumt werden. Für die anderen Provinzen steht die gleiche Ermächtigung in nächster Zeit bevor. In Böhmen soll ein großes Seminar nebst Erziehungsanstalt nach Muster der Freiburger errichtet werden. Cardinal Schwarzenberg intes- sirt sich lebhaft dafür und spendet mit vollen Händen die nöthigen Gelder. Stabile Missionen mit dem vor- zugsweisen Beruf des Jugend-Unterrichts werden sein in Prag, Olmütz, Budweis, Linz, Wiener Neustadt, Gratz, Salzburg, Cilli, Innsbruck, Bregenz, Trient, Görz, Agram, Zara, Arad, Pesth, Lemberg und Krakau. Man sieht, das Netz ist vollkommen ausgespannt. Wien hat man ausgelassen, wahrscheinlich, um die Zöglinge vor Berührung mit seiner geistigen Verwilderung zu bewahren. An allerhöchster Stelle dagegen ist der Einfluß gesichert: der künftige Beichtvater des Hofes wird devGesellschaft Jesu angehören. Dies Alles sind aber nur die ersten Wirkungen der Verblendung und Schwäche der Staatsgewalt, ganz andere werden noch folgen. Monarchie und Hierarchie mögen gegen die Demokratie wohl eine Zeit lang zusammen kämpfen, bald aber werden sie sich gegen einander wenden; denn von dem Boden, welche die
Berlin, 1. Mai. Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß am 8. Mai hier in Berlin ein Con- greß der Unions-Fürsten eröffnet werden soll. Es wird ein Protest erlassen werden dagegen, daß einem inzwischen von Seiten Oesterreichs nach Frankfurt ausgeschriebenen Gongreffe die Bedeutung einer „B u n d e s-V e r sa m m l u u g" beigelegt und von Oesterreich in solcher Weise die alten Präsidial-Rechte
Kirche verlangt, hat zum großen Theil der Staat Besitz genommen. Der Kirche ist die volle Autonomie' in geistlichen Disciplinarsachen zngestanden worden, sie kann darauf eine scharfe Waffe der Intoleranz machen. !). Smetana ist bereits mit der Ercomnmication bedroht, wenn er es nicht wiederrufen will. j.) '
Wien, 28. April. Privatnachrichten erzählen, tag. dem Ikonen Beispiel der Stadt Szegedin folgend, auch die meisten der übrigen Gemeinden des Esongra- der Comitats wie Szentes, Csongrad und noch andere die gänzliche Gleichstellung der Juden mit den Christen öffentlich publwiren ließen.
Wien, 29. April. (F. I.) Hiusicbtiich der K ernfrage, welche in stets zunAmendem Grade die . . ueK- samkeit aller Klassen ter Bevölkerung beschäftigt, erfährt man, daß bereits allseitig in den Vorstädten katholische Eltern ihre Kinder in protestantische Schulen sch efen. Bei Berathung jener Frage im Ministerconseil ist es gewiß, daß die Wichtigkeit, welche ihr die öffentliche Meinung beilegt, außer Acht gelassen wurde. Der Kriegs- miniffer, auf seiner Inspektionsreise in Italien verweilend und Minister Baron Bulmer waren abwesend; Baron Bruck enthielt sich alS Protestant der Abstimmung und von den Ministern Bach und v. Schmerling wird wiederholt versichert, daß sie sich gegen die Lösung ter Frage im beschlossenen Sinne ausgesprochen hätte».
Wir vernehmen aus sehr guter Quelle, daß der Belagerungszustand wirklich im Laufe des Somriers, spätestens innerhalb 3 Monaten aufgehoben werden soll. Die nähere Bestimmung des dießfäüigen Termins wird mit der Ausmitteluug der erforderlichen Ubikationen für eine bis auf 40,000 Mann zu verstärkende Garnison in Verbindung gebracht, indem die gegenwärtigen Dislokationen für eine so bedeutende Heeresmacht nicht ansreichen.
s Z Wien, 30. April. (Telegraphische Depesche.) Berichten von Samos zufolge ward der Aufstand von den dahin geschickten türkischen Truppen, nach einem 48güntigen Kampfe, niedergeschlagen. (All. Z.)
Mähren. Von allen Seiten hört man hier Klagen über die zunehmende Unsicherheit in Mähren, über die wachsenden Räubereisen und Diebstähle und über die Kühnheit, mit welcher sie begangen werden. Fast alle Bezirkshauptmannschaften wünschen Biilitär- besatzungen, die ihnen nicht immer gewährt werden. können. Da geschieht es nicht selten, daß die Gemein- debewohner selbst sich ^ufammentfmn und Streifjagden auf verdächtiges Gesindel »rachen. So brachte» erst unlängst die Müglißer Bürger auf eigene Faust 13 Vagabunden zur Haft, von denen auch 9 für die kri- minalgerichtliche Untersuchung geeignet befunden wurde».
P o L e n.
Einem Privatschreiben aus Warschau.entuehrncn wir, daß der Kaiser von Rußland in Begleitung .ine6 zahlreichen Hofstaates altvort erwartet wird. Er wird nach den ?lrmee- Corps der Generale Osten-Sacken, Süvers, Rüdiger und Paniutine eine Jnspicirungsreise machen. (Reichs;.)
Schweiz.
Bern, 25. April. In aller Eile melde ich Zhnen, daß so eben nach dreitäuger Hcißer, mitunter erbitterter Debatte im Nationalrathe über daS ' künftige Münz- System der schweizerischen Eidgenossenschaft abgesiimmt würde. Stimmende fanden sich 100, von denen 64 für daS französische System, 36 dagegen sich erklärten. Nach dieser Abstimmung bildet nun ein Franken von 5 Gram- ; men Silber, 9/10 fein, die Münz - Einheit, die sich in I hundert Rappen theilt. ES ist dieser Beschluß im Ein» klang mit demjenigen, welchen ter Ständerath am Schlosse ter vorigen Session schon gefaßt hat. Damit also ist der Knoten unserer 25fâitigcu Münzverwirrung zerschnitten, ein Schnitt, an dem freilich der Osten der Schweiz lange bluten wird. (K. Z.)
Spanien.
Madrid, 24. April. Im königl. Palaste ist Alles wieder in das alte ruhige Geleise znrückgekehrt. — Der „Clamor Publikoll ist aberurals mit Beschlag belegt worden, und zwar wegen eines die Ehre der Minister verletzenden Artikels über den Vorschlag ür die Regelung der Staatsschuld. " Es hat dieses Journal jetzt nicht weniger als sieben Preßprozessc auf dem Hals. Der „Clamor Publiko" zeigt nun heute an, er werde sich fortan eines jeden Gommentar^ über die politischen Vorgänge enthalten, bis die Umstände sich geändert haben würden. .
ZLal i e u.
Rom, 19. April. Im heiligen Kollegium besteht eine Spaltung. Die eine Partei ist liberal. Zu ihr zählen sich Amat, Bosondi, Pins IX. alter Freund, Marini, Bernctti und —Lambruschini. W:e der Letztere dazu kommt, mag freilich räthselhast er- fdeinen. Lambruschini ist kein Liberaler aus innerem Wohlwollen für das Volk, sondern er ist praktischer Verständsmann, der eS ganz gut begreift, daß das Volk nicht mehr im Fortschreiten aufzuhalte» sei und es lieber in der Bewegung durch Ksvzessiancn geleitet wissen will, als aufgehalte» durch einen despotischen Damm, wodurch nichts anderes als ein allgemeines Ausreißen aus den Geleisen der Mäßigkeit erzielt wird. Er und Bernctti sind es hauptsächlich, die darauf bestehen, daß das Statut aufrecht erhalten werde. Weit abweichend von diesen Erministern, die durch Erfahrung