„âeiherk und Recht!"
JYo lO5f Wiesbaden. Samstag, 4. Mai L8ZO.
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amem Crfolge. — Die JnseraNviiögebuhren betragen für die vicripaltige Petitzeile 3 Kreuzer. J ° "-^" -" .j eitu ng" stets von w.-.y
Zur Domäne »frage.
Von V. v. Eck.
(Fortsetzung)
Um ein richtiges Bild darüber zu erhalten, wie die Verhältnisse sich in Zukunft gestalten werden, darf man nicht einzelne Jahre, sondern man muß eine längere Reihe von Jahren zu Grunde legen. Ich dehne dieselbe bis zum Jahr 1887 ans, da in diesem Jahre die ältere Domainalschuld getilgt und sämmtliche Hof- pensionen heimgestorben sein werden.
In diesem Jahre wurden nun aus der Domänenkasfe noch zu bezahlen nicht mehr zu sein bezahlen sein
1 1)Civilllste im engeren fl. Sinne .... 300,000 2)Apanagen u.Wittum 55,000 3) Leibrenten und Hofpensionen ... — 4)Theater inWicsbaden 20,000 II. Quiescenten-Gehalte und Pensionen von Domanialdienern 22,248
III. Pensionen übernommener Diener . . —
IV. Gnadengehalte und Unterstützungen . — V. Zuschuß zu der Civil- Wittwen- u. Waisenkasse .... 2,610
VI. Verzinsung der Do- mauschnld . . . 69,827
Zusammen . 409,685
20
2” fr.
94,725 22
10,806 28
6,573 36
281,122 36
303/2 2 8 2
Sollten die Domänen, wie der Herr Correfpondent vom Westerwalde in Art. II. annimmt, keimn höheren Ertrag als 700,000 st. abwerfen, obgleich derselbe in den ungünstigen Jahren non 1848 und 1849 höher gewesen ist; — so würden allerdings in den allernächsten Jahren die Ausgaben der Domäne deren Einnahmen um 162,000 fl. übersteigen; dagegen würde im Jahr 1887 ein Einnahme-Ueberschuß von 230,000 fl. zu erwarten sein.
Das anfängliche Defizit von 162,000 fl., welches sich jedoch durch Wegsterben der Pensionäre schon in wenigen Jahren auf 143,000 fl. vermindert, würde eine scheinbare Vermehrung der Domanialfchuld, in der That aber nur ein zeitweises Aussetzen von deren Tilgung zur Folge haben, indem, wie oben bemerkt ist, von den jährlichen Ausgaben von 862,000 der Betrag von 143,000 fl. zur Schuldentilgung bestimmt ist. — Diese nicht getilgten Schulden würden aber später durch
Ein Streifzug in die kalifornischen Minen während der Negenzeit.
(Von Friedich G er st â iter.),
(Fortsetzung.)
Mein Streifzug in die Minen ist jetzt beendet und ich befinde mich gegenwärtig bei früheren Reisegefährten vom Talisman, den beiden HH. v. Witzleben und Walther, die gemeinschaftlich hier auf der alten Mission von San Francisco eine baierische Brauerei errichtet haben und vorzügliche Geschäfte machen. Die HH. von Witzleben haben mich hier auf das gastfreundlichste ausgenommen, und die kurze Zeit, die ich mich hier aufgehalten, ist mir wirklich wie im Fluge vergangen. Hierdurch aber auch wirklich allein ist mir Gelegenheit geworden, Ihnen diese Mittheilungen zukommen zu lassen — wo hätte ich sonst Zeit und Ruhe finden sollen einen so ausführlichen Reisebericht zu schreiben.
Was ich jetzt bis zum Frühjahr, wo ich jedenfalls wieder in die Minen gehe, treiben werde, weiß ich wahrlich noch nicht; jedenfalls muß ich irgendeine Beschäftiguug suchen, Geld zu verdienen, und werde dazu wahrscheinlich die hier sehr einträgliche Jagd wählen. Doch mag das die nächste Woche selber entscheiden.
Hoffentlich bin ich im Stande Ihnen, nebst einigen andern Notizen über die höchst interessante Mission selbst darüber mit dem nächsten europäischen Dampfboot näheres mitzutheilen; für jetzt will ich mich begnügen in einigen kurzen Notizen das noch zusammenzufassen was über Kalifornien für Deutschland von Interesse, für Deutsche von Nutzen sein kann. Der Leser mag übrigens bedenken,
jährlichen Ucbcrschuß von 230,000 fl. ausgeglichen. Werden die an das Herzogliche Haus zu leistenden Beträge auf 355,000 fl. festgesetzt; so ist hiernach, selbst dann, wenn die Domänen in Zukunft nur 700,000 fl. rein ertragen sollten, in demselben Zeitraume, in welchem (1816—1848) keine Tilgung der auf denselben haftenden Schulden stattgefnnven hat, eine sehr bedeutende Verminderung derselben mit Gewißheit voraus- zusehcu. Eine Abänderung des jetzigen Tilgungsplanes in der Weise, wie dies bei dem Plaue von 1818 geschehen ist, ist nicht zu besorgen; da solche jetzt nur unter Z u st i ur m u n g der Volksvertretung, und nicht mehr, wie früher, durch geheime Ministerial- rescripte angeordnct werden kann.
II.
Um den Ertrag eines Geschäftes zu ermitteln, lassen sich zwei Wege einschsagen. Entweder stellt man fest, wieviel protuzirt, welche Kosten hierzu nothwendig sind, nnv um welchen Preis seine Produkte zu verwerthen sind, oder man zieht einen Durchschnitt seines Ertrages aus einer langen Reihe von Jahren. — Beides ist in dem Domänenberichte vom 22. Deeem- ber 1848 geschehen. Wollte der Herr Verfasser einen wirklichen Beweis liefern; so hätte er im Einzelnen nachweisen müssen, in welchen Einnahmen der Domäne in Zukunft ein Ausfall bevorstehe. Dies hat er jedoch nur bei den Einnahmen aus dem Zehnten, nicht aber bei denen aus den übrigen Bestandtheilen des Domanialvcrmvgens gethan. Obgleich hiernach cs nicht möglich ist, seine Behauptungen, welche durch keine Thatsachen belegt sind, zu widn legen, und ich, ebensogut wie er es für seine 700,000 fl. beansprucht, verlangen könnte, daß meiner Behauptung, daß die Domänen in Zukunft voraussichtlich wenigstens 800- bis 900,000 fl. ertragen würden, Glauben geschenkt werde, so will ich doch dieselbe näher zu begründen suchen.
((Fortsetzung folgt.)
FF. Briefe über Erfurt.
So hat denn das Schicksal die Versammlung in' Erfurt erreicht, welches ihr von Anfang an vorbeschie- den war. Ohne Sang und Klang, ohne daß die große Susanna dabei geläutet worden wäre, hat man dieses Parlament entlassen, nachdem man seinen Mitgliedern höhnisch den Dank dafür ausgesprochen, daß sie so artig und wohlgezogen gewesen sind und gethan haben, was man ihnen allerhöchsten Orts anbefohlen hat. Daß die Parlamentirer, bevor sie von einander schieden, sich noch zu ihren Großthaten Glück wünschten und noch einmal ihr Werk als die Rettung Deutschlands
daß cs nur meine, wenn auch auf Thatsachen gestützte Ansicht ist — andere mögen das Land vielleicht anders sehen, anders schildern, gut gemeint geb' ichs aber und als solches wünscht' ich es Eingenommen,
Einzelne Notizen über Californien.
Vor allen Dingen muß ich den Ecutfeben Leser darauf aufmerksam machen und ihn bitten , gegen übertriebene Zeitungsannoncen, die nicht selten aus Gott weiß was für Absichten mferirt werden, mißtrauisch zu sein. Das schlimmste was dem Einwanderer in ein fremdes Land, begegnen kann, ist, mit zu großen Erwartungen dort anznkvmmen und diese dann getäuscht zu sehen. Eine solche Annonce ist mir jetzt vom 9. Juli aus der Weserzcilung zu Handen gekommen und lautet:
„In den Minen werden 3 bis 4 Unzen als das Resultat einer gewöhnlichen Tagesarbeit betrachtet. Wer weniger findet, sucht einen andern Platz. Ocfters wird in einigen Stunden mehr gefunden, was die Besitzer großer Glodklumpcn beweisen."
Das Resultat einer gewöhnlichen Tagesarbeit ist sehr verschieden und wer weniger als drei Unzen findet, und einen andern Platz sucht, kann das allerdings thun, möchte aber kaum einen bessern finden. So viel kann ich versichern, daß alle, die ich gesprochen habe, eine Unze den Tag für fehr gute Ausbeute halten; mehr wird allerdings hier und da gewonnen, das aber ist Glückssache und außerordentliche Vermögen, die gemacht sind, gleichen den großen Loosen in der ßothrie — es kann sie allerdings jeder bekommen, es ist aber eine verwünscht precäre Sache damit und der Einsatz geht nicht selten darüber verloren.
ausposaunten, wen kann dies bei dem Charakter dieser Biedermänner Wunder ncymciil Wahrlich, sie haben sich zu guter letzt noch vergnügt tue Hände gerieben und sind mit dem Ruf „auf Wiedersehen!" von einander geschieden. Schon sehen sie sich im Geiste in vier bis sechs Wochen wieder zusamnienberufcn, um das Pcnelvpegewand der großpreußischen Verfassung von neuem nach einem ihnen bis dahin vorgclcgcen andern Muster unverdrossen anzufangen.
Des Beschlusses vom 13. April, der sogenannten Enblocannahme der Dreikönigsvetfassung, worauf die Gothapartei sich so viel zu Gute wußte, wurde in der Botschaft des Verwaltungsrathes , womit derselbe in der Sitzung vom 29. April die parlamentarischen Festungsarbeiter ihres Frohndienstes gnädigst entließ, mit keiner Sylbe Erwähnung gethan. Wozu ait$£ Hatte die preußische Regierung durch ihre Minister und Bevollmächtigten, und noch viel deutlicher durch die Negierungspresse in Berlin nicht bereits ihren Entschluß ausgesprochen, sich an jene Beschlüsse auch nicht im Minderen zu kehren, sondern damit nach Gutdünken zu verfahren, somit keinerlei ihr dadurch auferkegte Verbindlichkeit anzuerkennen?! — Da erhebt sich aber die Frage, zu welchem Zweck, auf Seite Preußens, die ganze Erfurter Geschichte? Doch wohl sicherlich nicht blos deshalb, um die Bastardliberalen des Gothaklubs für ihre vormärzliche Opposition und die Beförderung der zahmen Revolution zu züchtigen, wie sehr auch der Kitzel, Rache dafür zu nehmen, auf Seite der Reak- tionspartei, vorgeherescht und die Mittel, welche man anwandte, an die Hand gegeben haben mag. Auch ist schwerlich die Absicht, Zeit zu andern weitaussehendcn Plänen zu gewinnen, der alleinige Grund dafür, daß man das Schattenparlament in Erfurt zusammengerufen und fünf Wochen hat schwatzen lassen. Preußen war es allem Vermuthen nach noch besonders darum zu thun, für seine Vergrößerungsentwürfe eine Art legaler Vollmacht von den Vertretern derjenigen kleinen Staaten ausgefertigt zu erhalten, welche von den Großmächten schließlich der Dynastie Hohenzollern anheim gegeben werden sollen, um die Arrondirung Preußens zu bewerkstelligen und dasselbe als ebenbürtig neben Oesterreich bei weiterer „Ordnung" der deutschen Verhältnisse hinzustellen. Preußen — das läßt sich schon jetzt mit Sicherheit voraussehen, und es wird von den ministeriellen Organen in Berlin bereits offen eingestanden — wird aus den Beschlüssen des Erfurter Parlaments, obwohl es sie in den ihm unliebsamen Punkten als völlig unverbindlich für sich betrachtet, ein vollgültiges Recht ableiten, um die bezeichneten kleinen Staaten in sich einzuverleiben. — Die Verhandlungen
So viel ist übrigens gewiß: jeder der seine Gesundheit lieb hat, soll nie daran denken, die Minen in ter Regenzeit zu besuchen; tic Strapazen , denen er ausge- setzt ist, wie der rasche Wilterungsivechsei möchten zu nachtheilig auf seinen Körper wirken. Im heißen Sommer soll allerdings die noch ungesundere Zen sein, dennoch strömt dann alles in die Minen, während jetzt alles den Aufenthalt in denselben meidet und sich nach den Städten zieht. Das Klima ist auch nicht etwa, wie so manche unsere deutschen Landsleute möchten glauben, im Herbst gesund und dem Ausländer zuträglich und das Gegentheil ist leider zu deutlich an Passagieren der Bremer- Schiffe gezeigt worden. Vom „Talisman" sind in den wenigen Monaten schon fünf junge Leute, von denen nur Einer von Hans aus kränklich war, von der „Gesina" Einer und von der „Reform" cbenfas Einer gestorben — also sieben Menschen, von denen sechs jedenfalls in Deutschland in dieser Zeit nicht gestorben wären. *) Die Hospitäler sind dabei gefüllt und wenn auch schlechte Nahrung und harte Arbeit in den Minen gewin gar viel dazu beitragen Krankheiten zu erzeugen, so ist dock» auch das jetzt fast ganz unter Wasser stehende flache Lai d zum großen Theil Schuld an der Sterblichkeit.
•) Vom Talisman Hr. Draihmann ans Bremen;
„ Becker aus dem Stedinger Lande;
„ Reischauer aus Bückeburg;
„ Römer aus Hamburg;
„ Prange aus Fehren (zwar fest ver, sichert, aber doch noch nicht bestätigt).
Von der Gesina Hr. Wedekind aus Bayern.
Von der Reform „ Richard Shelm aus d. Hannöverischen (Fortsetzung folgt.)