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lOMf Wiesbaden. Freitag, 3 Mai 1830*

DifFreie Zeitung« erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Boaen - Ler Avonnementsvreia hrtrÄ^ k

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Zur D o u» ä i» e n f r a g e.

Von V. v. Eck.

(Fortsetzung)

Sehen wir nun, wie die im Eingang aufgezählten Ausgaben sich in Zukunft stellen werden.

Zu 1. 1. Die Civilliste im engeren Sinne (Hof­haltung und Schatulle) hat in den Jahren 1816 bis 1847 jährlich 447,000 (Domänenbericht Aul. 19) und in den Jahren 1820 bis 1847 jährlich 453,000 fl. (Civil! istebericht ®. 16) betragen. Rechnet man noch den Mehrbetrag, welchen die Kosten des Hofjagdwesens über den Ertrag der gesammteu Domanialjagven jähr­lich erforderj haben, mit 20,000 fl., oder vielmehr, da unter den 40,000 fl., welche das Hofjagdwesen jährlich gekostet hat, nur ein sehr unbedeutender Be­trag von eigentlichen Produktionskosten enthalten ist, die 40,000 fl. voll hinzu, so überstieg die bisherige Civilliste im engeren Sinne den Betrag von 470,000 fl. bis 490,000 fl. Aus den folgenden Er­örterungen wird es sich ergeben, ob es im Interesse des Landes gelegen habe, dieselbe ein für alle Mal von 490,000 fl. auf 300,000 fl. zu vereinbaren.

Wenn im Artikel III gesagt wird, daß der Her­zog außer der Civilliste auch noch die Zin­sen von dem Luremburger Ent schad igungs- kapirale mit 750,000 fl. beziehe; so ist dies nicht richtig, denn die Zinsen dieses Kapitals, welches nach der Ansicht der Domänenkommission (Dvmäncnbericht S. 10) von dem Domanialvermogcn ausziifcheideu ist, weil dasselbe für daS reinpersönliche Stecht des Herzoglichen Hauses auf die Succession in den an Belgien abgetretenen Theil des Großhcrzogthums Lu­xemburg gegeben worden ist, werden jedes Jahr wie­der als Capital angelegt.

Zt^ I. 2. Welche Beträge die Mitglieder des Her­zoglichen Hauses künftig aus den Domänen zu bezie­hen haben sollen, hängt von der darüber zu treffenden Vereinbarung ab. (Zusammenstellung des Nass. Staats­rechtes 8- 84.)

Sollten hierbei keine dem Lande günstigere Be­stimmungen erlangt werden, als in dem ohne ständi, sche Zustimmung erlassenen Hauögesetze von 1822 ent­halten sind; so würde doch erst in 15 Jahren der Fall eintrcten können, daß eine neue Apanage zu bezahlen wäre. Müßte ferner nach den Bestimmungen des Hausgesetzes bei Verheirathung einer Prinzessin eine Ausstattung von 40,000 fl. gegeben werden; so fiele deren Apanage mit jährlich 5000 fl. weg; durch de­ren Ersparung würde die Ausstattung sammt Zinsen in etwa 13 Jahren wieder zurückerstattet werden. Ob lind wann ein neues Wittum eintreten, und wann das vorhandene Wittum Wegfällen werde, ist nicht voraus­zusehen. Ich glaube nun, ohne den Vorwurf allzu sanguinischer Hoffnungen befürcht» zu müssen, anneh« men zu dürfen, daß der vorjährige Betrag für Wit­

Ein Streifzug in die californischen Minen während der Negenzeit.

(Bon Friedich Gerstäcker.)

(Fortsetzung.)

Bis zum Montag de» 10. Dezember hatten wir un­sere Schulden gänzlich getilgt, den Kranken aber, der sich jetzt merklich besser fühlte, in das Zelt mehrerer Be­kannten gebracht, die mit auf der Reform übergekommen waren. Der Wirth erklärte nämlich, unter keiner Be­dingung einen Kranken in seinem Kost- und Speisehause behalten zu wollen, da es ihm die übrigen Gäste ver­scheuche, und alle andern Wirthe ebenfalls Deutsche die ich frug, erwiederten dasselbe. In dem Zelt dieser jungen Leute war Richard. der Matrose, allerdings gut aufgehoben, dennoch entbehrte er fast aller Bequemlich­keiten, die einem Kranken in seinem Zustand eigentlich gehörten; wir allein waren aber wahrlich nicht im Stande mehr für ihn zu thun, und ich hoffte nur noch auf San Francisco, ihn dort vielleicht in einem Hospital da in dem Freihospital Sacramento's keine Stelle mehr offen stand unterzubringen.

Unser kleiner Apotheker hatte indeß einen ganz eigenen Nahrungszweig begonnen; ich wußte wie sehr die Ameri­kaner Süßigkeiten und besonders dencandy, lieben, und er mit der Bereitung desselben wohlvertraut, ging rasch darauf ein. Schon nach wenigen Tagen hatte er,

tum und Apanagen mit 55,000 fl., obgleich die­selben, ungeachtet des Eintritts einer Prinzessin in das zu einer Apanage berechtigende Alter, sich durch den Tod eines Prinzen um 5000 fl. vermindert haben, auf eine lange Reihe von Jahren unverändert bleiben werde.

Zn I. 3. Von den 91,725fl. Leibrenten und Hof Pensionen hat die Kammer etwa 35,000 fl. gestrichen, und es sind hiervon 17,000 fl. gegen die Domäne eingeklagt. Damit meine Berechnung selbst für den ungünstigsten Fall richtig sei, nehme ich an, daß sämmtliche Leibrenten und Hofpensionen voll aus der Domänenkasse bezahlt werden müssen. Dieselben werden bis zum Jahr 1887, zumal da unter den Pen­sionären sich viele hochbejahrte Männer befinden, gänz­lich heimgestorben sein. Neue Hofpensionen, welche von dem Lande zu tragen wären, können nicht mehr, wie in Art. III angenommen zu werden scheint, vorkommen, indem nach Art. 2. pos. 2. des von der Regierung der Kammer vorgelegten Gesetzes über die Civilliste (Civillistebericht S. 9) alle Ho (Pensionen, welche in Zukunft bewilligt werden, aus der Civilliste im engeren Sinne bestritten werden sollen.

Zn bemerken ist noch, daß dem Oberstaltmeister von Boos-Waldeck, welcher seinen Prozeß aller­dings in erster Instanz gewonnen hat, der Fortbezug seiner Pension von 4000 fl. nur auf die R e v e n ü e n der Domaiue zugesprochen worden ist, daß derselbe mit­hin, wenn, wie der Hr. Corresponvent befürchtet, deren Ausgaben die Einnahmen übersteigen sollten, sich einen verhaltnißmäßigen Abzug gefallen lassen muß.

Zu 1. 4. Ob Die 20,000 fl. für das Theater in Wiesbaden fort zu entrichten sind, wird davon abhangen, ob und welches Interesse die Stadt und das Land an Erhaltung dieses Instituts nimmt.

Auch hier gehe ich von der der Domainenkasse un­günstigsten Vorausfetzung ans, daß dasselbe durch Un­terstützung des Staates erhalten werde.

Zull. Die Quiescentengehal te und Pen­sionen der Domanialdiener nehme ich auch für die Zukunft in dem Betrage von 22,000 fl. an, wie er für das Jahr 1849 bestand, obgleich sich unter den Quiescenten mehrere Personen befinden, die eher Hof- als Domanialdiener waren, und obgleich zu erwarten steht, daß mit der Verminderung des Personals der Domanialdiener auch der Betrag von Quiescentengc- Halten und Pensionen für dieselben sich mindern werde.

Zu 111. Die 10,806 fl. Pensionen übernoin- mener Diener fallen mit deren Tod für immer weg, und bei dem durchgängigen hohen Alter der Pen« sionaire in einer nicht fernen Zukunft, wie denn im letzten Jahre hiervon über 2000 fl. heimgestorben sind.

Zu IV. Auch diese GnavengehaIte und Un­terstützungen mit 6573 fl. 36 fr. fallen mit dem Tode der Berechtigten weg. Dagegen wird

Zu V. Der Zuschuß an die Civil-, Wittwen«

der bis dahin nicht gewußt, wo er die nächste Mahlzeit hernchmen solle, einige Dollars verdient, sich einen kleinen Znckcrvvrrath zu kaufen. In acht Tagen machte er, da ihm jede Concurrcnz fehlte, schon wirklich ausgezeichnete Geschäfte, und verdiente mit seinem Handel wenigstens 200 Procent. Hühne, Der selber geschickt in der Be­reitung mehrererderartigen Sachen war, etablirtesich endlich, als wir aufhörten Holz zu hauen, mit ihm, und ich bin überzeugt, daß sie sich, mit nur einigem Fleiß, recht schönes Geld verdienen können.

Dienstag Morgen, am 11. Dezember, fuhr ich mit dem zwischen Sacramento-City nnd San Francisco lau­fenden Dampfschiff nach dieser Stadt. Die Passage ist 25 Dollars und ich verkaufte meine letzten Wasserstiefel (Die jetzt hier, beiläufig gesagt, neu bis zu Drei Unzen kosten) sie bestreiten zu können. Nach Dunkelwerden langten wir vor den Schiffen an, mußten aber, stürmischen WetterS wegen, Die Anker niederlassen. In dieser Nacht soll es furchtbar gestürmt haben, ja sogar Erdstöße ver­spürt sein; in der Stadt fielen wenigstens mehrere Häuser ein und vor der Einfahrt Der Bay oder Dem soge­nanntengoldenen Thor" verunglückten mehrere Schiffe, ich selbst aber habe nichts davon gemerkt; ich schlief, von den aufgeregten Wassern gewiegt, sanft in meine Decken gehüllt, und erwachte erst wieder, als cs schon heller Tag und das Wetter wieder ruhiger geworden. ES regnete aber wieder.

Um 9 Uhr legten wir bei der Stadt an und mußten

und Waisen-Casse mit 2610 fl. nicht umgangen werden können.

Zu VI. Was endlich die Domanialschulden betrifft; so ist es irrig, wenn in den Art. III. und VII. angenommen wird, daß dieselben sich von 1816 bis 1848 von 5 auf 7 Million rn vermehrt hätten. Aus dem Domanialberichte (S. 51) ist zu er­sehen , daß im Jahr 1816 an Domanialschulden der Betrag von 5,800,000 fl., daß später noch ein Betrag von etwa 900,000 fl. liquid gestellt, und daß in den Jahren 1816 bis 1818 der Betrag von 400,000 fl. unter die Schulden ausgenommen worden ist, von wel­chen sich nicht mehr ermitteln läßt, wieviel davon aus der Zeit vor dem Jahr 1816 und wieviel aus den Jahren 1816 und 1817 herrührt, sowie endlich, daß die Domanialschulden im Jahr 1848 sich dagegen um 200,000 fl. gegen deren Betrag im Jahr 1818 vermehrt hatten, vorausgesetzt, (Seite 52) daß die Dotalgelder der Frau Herzogin Elisabethe (Anl. 38) mit 470,000 fl. als Domanialschuld anzu­sehen wären.

Die im Jahr 1848 kontrahirte Domanialschuld be­trägt nicht, wie in Art. III. wohl durch einen Druck­fehler angegeben ist, 1,7(10,000 fl., sondern nur 1,200,000 fl.

Von den jährlichen Ausgaben mit 350,949 fl. 54 fr., werden nur 207,515 fl. 34 fr. zur Verzinsung, die übrigen 143,434 fl. 20 fr. aber zur Tilgung der consolidirten älteren Domaniatschulven (.1849 III 256) verwendet; so daß im Jahr 1887 (Domanialbericht S. 51) die älteren Anleihen gänzlich getilgt sind, und nur das neuere Aulehen von 1,200,000 fl. und die nicht consolidirte Domanialschuld im Betrage von 783,347 fl. 13 fr. zu tilgen und bis dahin mit 60,000 fl. und 9,827 fl. 18 fr. zu verzinsen ist.

Die nach den bisherigen Erörterungen aus der Do- maine zu bestreitenden Ausgaben können sich, sobald nur einmal die Civilliste, Die Apanage, das Wittum und Heirathsgut auf einen festen Betrag vereinbart sind, nicht e r h ö h e n, w e n n die Vertreter des Landes jeder Zumuthuug hierzu Wider­stand leisten.

jlFortsctzu rg folgt.)

Kosten des Krregwesens.

John Bright, eines Der ausgezeichnetsten Mit­glieder des englichen Parlaments, schildert wie folgt die Früchte, welche das englische Volk aus den Krie­gen gezogen hat, die auf seine Kosten gegen Frankreich in neuerer Zeit geführt worden sind:In diesem Au­genblicke noch sind unsere Armenhäuser, wenigstens die Hälfte Derselben, Die Denkmäler Der Kriege, welche wir in den letzten fünfzig Jahren Mit den Franzosen gehabt. Hätten wir die hierzu verwendeten vielen Millionen noch jetzt, und verbrauchten sie zum verstäu-

i uns durch Boote, die ebenfalls einen Dollar Fährlohn verlangten, ans Ufer seyen lassen. Aber lieber Gott, wie hatte sich in Der kurzen Zeit San Francisco verän­dert! In den Wegen durch Die ich ging, hatte ich noch vor wenigen Wochen zerstreute Zelte und niedere Hütten verlassen, jetzt standen geregelte volle Straßen, mit großen Holz- und Backsteingebäuden da und ausgepuytc Läden nahmen Die Plätze wildaufgespeicherter Waaren ein. Aber mit den Straßen selbst war auch eine desto traurigere Veränderung vorgegangen; wirklich bodenloser Schmny füllte Den ganzen Raum zwischen den Häuserreihen an und ohne zu waten, konnte man wahrlich nicht von einer Wohnung zur andern gehen. Noth ist übrigens Die Mutter der Erfindung, und das zeigte sich auch hier; Trottoirs von Steinen anznlegen würde zu enorme Summen gekostet haben, ja, jetzt bei den grundlosen Straßen, nicht einmal möglich gewesen sein. Die Amerikaner wußten ein Surrogat dafür, sie machten Trottoirs von Holz und zwar nicht von Blöcken oder Planken, Die auch wieder Den Schmuy gehalten hätten, sondern von Latten, Die man wie ein Gitter in Der gehörigen Breite an den Häusern hinlegte. Fußgänger konnten jcyt Dort wo dies geschehen war, trocken und sicher passiven. Leider ist aber hiermit nur erst in sehr wenigen Straßen be­gonnen, die übrigen entbehren immer noch eine so noth­wendige Verbesserung.

San Fraucisco ist gerade so von aus den Minen I geflüchteten Goldwäschern überschwemmt wie Sacramento,