„Freiheit und Recht!"
1G2. . I Wiesbaden. Mittwoch L Mai L8G^K,
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Zur Domänenfrage.
Von V. v. Eck.
Vorbemerkung.
Nachfolgende Arbeit haben wir ausnehmen zu müssen geglaubt, um immer mehr ein umfassendes Urtheil über die nassauischen Domänenvcrhältniye im Volke anzubahnen. Wir theilen übrigens die Hoffnungen rind Befürchtungen deS Herrn v. Eck ebensowenig, wie unser Correspondent vom Westerwalde, welcher den Erörterungen des Herrn V. Eck ohne Zweifel gründliche Antwort geben wird.
Für heute wollen wir hier nur kurz bemerken, daß Herr v. Eck im Eingang ganz allgemein von „vielfachen Unrichtigkeiten" spricht, während wir doch selbst nur — soweit thatsächliche Verhältnisse in Frage stehen — die nachfolgenden Differenzen zwischen seinen Angaben und denen des Correspondenten vom Westerwalde entdecken konnten; daß Hr. von Eck erklärt, er wolle sich nicht auf Persönlichkeiten einlassen, und dem Correspondenten vom Westerwald nicht in dem Ton antworten, welchen er gegen ihn angeschlagen habe: während wir doch nicht wissen, daß unser Correspondent vom Westerwalde den Ton der ruhigen Erörterung irgendwie anfgegeben hätte; daß man nach dem ganz allgemeinen Eingang meinen muß, Herr v. Eck habe vor, gegen die sämmtlichen Artikel vom Westerwald anfzutreten, und diese von „einer andern Seite" dazustcUen, während er doch später selbst erklärt, er wolle die Vergangenheit nicht berühren, welche wir gerade dem Volke recht klar machen wollten, während in Wahrheit seine ganze Arbeit nur im Wesentlichen eine Entgegnung auf Artikel UI. in Nro. 82 ist. Die von uns anfgefundenen Differenzen zwischen thatsächlichen Angaben unseres Correspondenten vom Westerwald und denen des Herrn von Eck sind aber folgende:
I. Herr von Eck sagt, daß von 1816 und 1847 incl. nicht 56, sondern nur 49 Millionen verbraucht worden. Dasselbe sagt unser Correspondent im Beginn des Artikels Ul. auch und wenn er weiter unten gleichwohl von 56 Millionen spricht, so ist er zu dieser Summe durch Hinzurechnung der 7 Mill. Schulden gekommen von denen er in Artikel VII. sagt, „er betrachte diese 7 Millionen als durch die gesetzwidrige Verwaltungsweise neu gemacht."
II. Was Herr v. Eck über die Luxemburgischen Gelder sagt, widerlegt nicht die Behauptung unseres Correspondenten: denn, werden auch die Zinsen als Capital jetzt wieder angelegt, so kommen doch diese Gelder immer dem Hcrzgl. Hause früher oder später zu Gute.
HL Herr v. Eck meint, es sei irrig wenn von unserem Correspondenten gesagt werde, die Domänen hatten sich von 1816—48 von 5 auf 7 Millionen vermehrt; hierbei hat er ganz übersehen, daß unser
Correspondent in Art. VII., Spalte 2, gleicheren bemerkt:
„Wenn sich auch später herausgestellt hat, daß mau bei Bildung der Schnldentilgungskasse die Schuld um ungefähr eine Million zu niedrig angeschlagen hatte." —
IV. Nichtig ist, daß im Artikel III. die im Jahre 1848 kontrahirte Domanialschnld in Folge eines Druckfehlers mit 1,700,000, statt mit 1,200,000 Gulden angegeben ist.
Nunmehr lassen wir die Arbeit des Herrn v- E.ck folgen. Die Redaktion.
Herr Redakteur! In die Nro. 80 bis 87 Ihrer Zeitung haben Sie eine Reihe von Artikeln ausgenommen , in welchen einer Ihrer Correspondenten vom Westerwalde das Verhältniß der Domainen nnd der Civilliste beleuchtet. So erfreulich es ist, daß unsere Presse, nachdem die Landtagsverhandlungen der letzten Jahre Vieles über die Domaine zu Tage gefördert haben, was dem Nassauischen Volke früher geheim gehalten worden ist, endlich einmal beginnt, dieses Material zu verarbeiten; — so wünschenswerth ist cs, daß hierbei keine Unrichtigkeiten unter dem Volke verbreitet, und daß, wenn solches geschieht, solche berichtigt werden. Da Ihrem Herrn Correspondent Ersteres vielfach begegnet ist; so werden Sie mir bei der Wichtigkeit des Gegenstandes für das Nassauische Volk ein Plätzchen in Ihrer Zeitung gönnen , um die Sache von einer anderen Seite darzustellen.
Befürchten^Sie hierbei nicht, daß ich Ihrem Hrn. Correspondenten in einem Tone antworte, wie er ihn gegen mich angestimmt hat.
Ich werde mich nicht auf Persönlichkeiten einlassen, sondern mich lediglich auf T. assachen und die daraus znziehcnden Schlußfolgerungen beschränken. Ich werde dabei meine Betrachtungen weniger auf die Vergangenheit, als auf die Zukunft richten; da es mehr daran gelegen sein muß, Letztere besser zu gestalten, als die Fehler der Vergangenheit zu erörtern. Diese, die Vergangenheit, worüber Ihr Correspondent übrigens keine weitern neuen Thatsachen beigebracht hat, als in dem Domainenberichte vom 22. December 1848 enthalten sind, ist mir nur nur in sofern von Wichtigkeit, als sie Lehren für die Zukunft gibt. Hierbei werde ich, ebenso wie Ihr Correspondent in Art. III. das Verhältniß der Ausgaben der Domaine zu ihren Einnahmen festzustellen und die Fragen zu beantworten suchen:
■ 1) Werden die dermalen auf den Domainen lastenden Ausgaben sich mindern, und um wieviel?
2) Werden deren Einnah in e n der Art sein, daß die Ausgaben bestritten, oder gar der Art, daß ein Ueberschuß der Einnahme zu erwarten ist?
Ich werde hierbei mehrere mit den Landtagsverhandlungen in offenbarem Widersprüche stehenden thatsächlichen Angaben Ihres Herrn Correspondenten ge
legentlich berichtigen; die mehrfachen irrigen Schb ß'ss- ferungen desselben aus den ermittelten Thatsachen aoer hier, da cs den Umfang dieses Aufsatzes allzusehr auS- dehncn würde, unberührt lassen.
I.
In dem Budget für das Jahr 1849 hat die Regierung an solchen Ausgaben, welche nach den bis zum Jahr 1848 bestandenen Einrichtungen auS ter Domänen lasse zu bestreiten waren, «»gefordert:
I. Civilliste im weiteren Sinne ff. fr.
1) Civilliste im engeren fl. fr. Sinne .... 300,000 —
2) Wittum u. Apanagen 55,000 —
3) Leibrenten und Hofpensionen . . . 94,725 22
4) Theater in Wiesbaden 20,000 —
469,725 52
II. Quiescentengchalte und Pensionen von Angestellten bei der Domäne, den Recepturen u. s. w. ff. fr. 1) Quiescentengchalte . 4,465 —
2) Pensionen von Centraldienern ..... 5,894 34
3) Pensionen von Lokaldienern .... 11,888 28
" 22,248 2
III. Pensionen übernommener Diener: 1) Oranische Wittwenkaffe- fl. fr. Pensionen . . . . 211 19 2) Pensionen von Saarbrü- ckischen Dienern . . 1975 — 3) Pensionen aus Entschä- digungsverträgen . . 8620 9
10,806 28
IV. Gnadengehalte undUnterstützungcn unter Ausschluß der 1000 fl. für den Gustav-Adolf-Verein und die Armenkasse in Weilburg....... 6,373 36
V. Zuschuß zu der Civil-Wittwen- und Waisenkasse........2,610 __
VI. Verzinsung und Tilgung derDo- manialschuld ....... 4 . 350,949 54
862,913 22 l (Fortsetzung folgt.)
Deutschl««-.
* Wiesbaden, 30. April. In einer der neuesten Nummern der „Deutschen Zeitung" erzählt ein Correspondent aus Lippe-Detmold, ein Lippe'sches Volksblatt habe vor Kurzem den Brief des Pfarrers S nell an die „Freie Gemeinde zu Diez" abdrucken lassen und nennt diesen Brief einen aus Bibelstelle« schmählich „zusamlnengedrehten Jndasstrick." Indem wir unsere Freude darüber aussprechen, daß der Geisterduft jenes Briefes bereits in die stillen Gefilde des Tcuto-
Vin Streifzug in die californischen Minen während der Regenzeit.
Von Friedich Gerst âcker.)
(Fortsetzung.)
Unter der Zeit war auch ein zweiter von unsern Leuten in Sutters Hofe selbst ohnmächtig geworden, erholte sich aber bald wieder und wir brachen endlich, etwa 2 Uhr Nachimttags, auf, als wir glücklicherweise, denn mit dem Kranken konnten wir kaum Schritt für Schritt weiter, von einem Karren überholt wurden der einem Deutschen gehörte und leer bis zu dem kleinen Städtchen Vernon hinunterfuhr. Dort setzten wir den armen Teufel von Matrosen auf, und rückten unserm Ziel so rascher als das sonst möglich gewesen wäre entgegen.
In Vernon war ein dritter wegesmüde oder ebenfalls unwohl geworden und diesen und den Kranken packten wir jetzt in ein gerade dort für Sacramento City liegendes kleines Boot, wofür wir beinahe wieder unsere letzten zehn Dollars — es blieben uns noch etwa drei übrig — ausgaben, und während das Boot noch an demselben Nachmittag in der Stadt anlangte, erreichten wir dieselbe noch einmal, aber jetzt bei trockenem Wetter an Sacramento lagernd, am nächsten Tag, (Montag, den 26. November).
Welch ein verschiedenes Bild bot aber Sacramento
gegen die Zeit dar, wo wir zum letztenmal dort gewesen! Damals herrschte das^ regste lebendigste Treiben; auS einer Menge von dort liegenden Schvonern wurde ans- geladen , Wägen und Karren überholten und begegneten sich — die Leute selbst auf der Straße liefen und drängten aneinander vorbei, wechselten in übergroßer Geschäftigkeit rasch einige Worte miteinander, nnd eilten dann so schnell sie konnten ihren verschiedenen Zielen zu. Wo sich ein müßiger Mensch sehen ließ, wurde er von zehn Personen gefragt,' ob er Arbeit verlange und welches Geschäft er treibe. Jeder mit dem man^sprach.^hatte eine eigene Speculation im Kopf, und suchte Hülfe an Geld- oder Menschenkräften sie ins Werk zu setzen.
Und jetzt? Welch ein trauriger Unterschied — am Landungsplatz lag allerdings noch dieselbe Anzahl von Fahrzeugen vielleicht wie damals, aber niemand schien an Bord zu sein, oder wenn sich je ein lebendiges Wesen darauf regte, so war es der Koch, der lässig in der Combouse seine monotone Arbeit verrichtete, oder der Capitain des SchoonerS der schläfrig den Kopf aus der Luke steckte, nach dem Wetter sah und dann in seine Cajüte wieder untertauchte. Kein Wagen, kein Karren ließ sich am Landungsplatz sehen und die Menschen, die dort auf- rind abschlenderten, schienen wirklich kaum zu wissen, wie sie den lieben langen Tag todtschlagen sollten. Nur wenn, was ungemein selten und die Woche kaum zweimal geschah, ein neuer Schooner mit Provisionen ankam, dann eilten wohl immer, wie in alter Zeit, zehn
oder zwanzig Menschen rasch an Bord — sie warteten kaum bis die Planken auögcschobeu waren, aber — sie kehrten bald darauf, weit langsamer als sie gegangen, zurück: es gab keine Arbeit an Bord für sie, denn der Capital! hatte schon unterwegs seinen wenigen Passagieren versprechen müssen, ihnen diese Arbeit in Sacramento City zukommen zu lassen. Ucberall waren Auc- tiviien und Waaren wurden zu wirklichen Spottpreisen verkauft. Besonders sah ich einmal einem Verkauf von Waffen mit zu, wo recht gute Terzervle das Paar zu 1% Dollar losgeschlagen wurden. Büchsen, und zwar recht gut aussehcnde amerikanische Rifles, waren nichts seltenes zu drei und vier Dollars das Stück. Die Aussichten für uns, die wir unter den jetzigen Umständen jedenfalls Arbeit suchen mußten, schienen ungemein schlecht.
Unsern Kranken fanden wir indessen — nicht gerade in besserm Zustand, denn das Zahnfleisch war ihm jetzt auch geschwollen und Anzeichen von Scorbut waren säum zu verkennen — in einem deutschen Kost- oder Boardings- Hans. Der Wirth schien ihn aber dort nicht gern be- hehalten zu wollen und wir mußten ihn, auch noch zu dem guten Geld, das er dafür bekam, ordentlich bitten den armen Teufel nicht hinauszustoßen. Der Preis für Kost und Wohnung für jeden Tag — und da schlief man noch in seinen eigenen Decken auf der Erde — war 3% Dollars — die Mahlzeit 1 Dollar im einzelnen , und einfach genug dazu.
5»V