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âeiheit und Recht!"

101 Wiesbaden. Dienstag, 30. April 1556,

DieFreit Zeit ang" ericyeint, mit Ausnahme des Mvatazö, täglich in einem Äogeu. Der AvonuementSpreiS betragt vrerieljäsrig hier in AieSdasc» I ff, 43 tc am. wärtSbür» sie 'von txpaen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereit,viilig nafgenom.neu uns sind bei der großen B.-rbrrttang derFreien Zeitung" rüu von n..! firnem Erfolge. Dir Znseralwnsgebührcn betragen für Die vierspamge Petitzeite 3 Kreuzec.

Die Verbrüderuttg der drei demokratischen Vereine^Wiesdadetts.

* Wiesbaden, 29. April.

In Wiesbaden bestehen dermalen drei demokratische Ve-nne: der Verein zur Wahrung der Volksrechce, der demokratische Turnverein und der im Beginn der vorigen Woche begründete Arbeiterbildungsverein.

Es lag allseitig der Wunsch vor, daß diese drei Vereine in nähere Beziehungen zu einander treten sollten. Anfangs schlug man eine totale Ver­schmelzung der drei Vereine vor. Die aus den drei Vereinen nieder-gesetzte Commission gab jedoch diese Verschmelzung bereits in ihrer ersten Sitzung auf und beschloß bei der Bestimmung des Verhältnisses der drei Vereine zu einander einmal das Prinzip der Selbst­ständigkeit eines jeden Vereins, und zweitens das der Gegenseitigkeit und Brüderlichkeit durchzuführen.

Die Commission hat im Laufe der vorigen Woche ihre Arbeit vollendet und am 27. l. M. faßte der Verein zur Wahrung der Volksrechte den Beschluß: die Commissionsarbeit sei durch die Zettuugspresse der Oeffentlichkeit zu übergeben.

Der Verein faßte diesen Beschluß unter der Er­wägung, daß einmal durch die e wache Veröffentlichung dieser Proposition, die aus Böswilligkeit oder Leicht­fertigkeit im Lande verbreiteten Gerüchte über eine Spaltung der demokratischen Parthel Wiesbadens am ehesten niedergeschlagen werden könnten; daß ferner nach dem Vorgänge Wiesbadens in andern Städten des Landes ähnliche Verbrüderungen angebahnt werden möchten, zu welchem Zweck die Vorschläge zur Ver­brüderung der Oeffentlichkeit übergeben werden muß­ten; und daß endlich die Debatten in-den 3 Ver­einen über die Vorschläge der ^üiirzehnercoUiMission durch die Veröffentlichung dieser Vorschläge in einer Zeitung sehr erleichtert werden würden.

Wir lassen jetzt die Propositionen der Commlssion selbst folgen: m . ..

Die Statuten der demokratischen Verbr-u- deru»g, wie sie von der aus d cn d r e i Vereinen zusammengesetzten C o m m i ssl o n entworfen worden sind.

8. 1. Der Verein zur Wahrung der Volksrechte, der demokratische Turnverein und der Arbeiterbilbungs- vereiil bilden eine Vereinigung unter dem Namen: Demokratische Verbrüderung Wiesbadens".

§. 2. Die politischen Grundsätze, welche den drei Vereinen gemeinsam sind, finden ihren Ausdruck in den Worten:Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit".

§. 3. Die Mitglieder jedes einzelne» Vereins sind Ehrenmitglieder der beiden andern. Die Ehrenmit­glieder dürfen an den Verhandlungen, aber nicht an der Abstimmung Theil nehmen.

$. 4. Die Generalversammlung eines jeden Ver­eins wählt drei Mitglieder, welche unter dem Namen:

Demokratisches Centralcomitu Wiesbadens" zusammeu- treten und die den drei Vereinen gemeinschaftlichen In­teressen zu wahren haben.

Alle sechs Monate wird das Centralcomite neu gewählt.

§. 5. Dasselbe hat jeden Monat wenigstens Eine Sitzung zu halten.

§. 6k Ueber die den drei Vereinen gemeinsamen Gegenstände wird in einer von dem Comite anzube­raumenden General -Versamm'mg aller Vereine be­schlossen.

8. 7. Das Centralcomitä hat darüber zu entschei­den, ob eine Angelegenheit für eine allen drei Vereinen gemeinsame zu erachten sei oder nicht. Es steht jedem Mitglicve eines jeden der drei Vereine frei, allein oder in Gemeinschaft mit mehreren andern Genossen der Verbrüderung den Antrag zu stellen, daß das Eentral- comité eine Angelegenheit für eine gemeinsame erklären möge, und dieses hat in jedem Fall einen Beschluß über diesen Antrag zu fassen.

Sollte ein Sechstel der Mitglieder der Verbrüde­rung eine Angelegenheit für eine gemeinsame halten, und daS Centralcomilö hierin anderer Meinung sein, so steht es diesem Sechstes frei, . gegen den ver­neinenden Beschluß des Centralcomite'ö bei der Ver­brüderung eine Berufung cinzulegett.

In diesem Falle beruft das Ecntralcomitö die Ge- neralversammlung der drei Vereine.

§. 8. In der Generalversammlung aller Vereine führt der Präsident des (Seiuvakoinuc's den Vorsitz.

§. 9. Bei der Abstimmung in den Generalver­sammlungen über gemeinsame Angelegenheiten darf je­des Mitglied der drei Vereine feine Stimme abgeben, welches das 18. Jahr zuruckgelegt hat.

8. 10. Unkosten, die durch Ausführung der Be­schlusse über gemeinsame Mug^'V1^1'11'11 entstehen, wer­den auf die einzelnen Vereine nach Verhältniß ihrer Mitgliederzahl repartier.

8. 11. In jedem Monat findet eine gesellige Zu- sammcnkunft der 3 Vereine statt.

An den drei ersten Tagen der laufenden Woche werden der Reihe nach bie drei demokratischen Ver­eine die Diskussion über die Commissionsvorschläge aufnehmen und wir jprechen deßhalb noch schließlich den Wunsch aus, die Mitglieder der einzelnen Vereine möchten sich bei den Sitzungen im Laufe dieser Woche recht zahlreich einfinden.

Assiseuverhandlungen zu Wiesbaden.

Sechster Prozeß.

Anklage gegen Bernhard Mengel von Han­sen Hof bei Marburg (Kurhessen) wegen ausgezeichneten Diebstahls.

$ Wiesbaden, 27. April. Der Angeklagte, 30

ja^re alt, Tuchweber von Gewerbe, hat von 'e nem töten Jahre an schon wegen vielerlei Diebstähle, Land- streichcrei re. die Correclionshäuser, Zwang, arbeit.' - anstalten und Zuchthäuser durchwandert une wie es scheint, in denselben ein zufriedenes und glückliche Leben geführt, sonst würde er sich nicht, nach ,o kur­zer Zeit seiner Entlassung aus einem derselben, schon wieder eines Verbrechens schuldig gemacht haben, das Zuchthaus im Gefolge hat. Er ist ein sehr schöner Mann von sehr angenehmem Aeußern, anständiger Haltung und feiner Kleidung, seine Sprach«. ist rein und klar, er scheint in Nedewcudunge>r sehr geübt zu sein. Im vorliegenden Falle ist er beschuldigt, aus dem Arbeitszimmer des Herrn Mebicinalassistenten Dr. Schüler zu Höchst, nachdem er ein Vorhängeschloß erbrochen und die Thüre mit einem Nachschlüssel ge­öffnet hatte, eine Pfeife, einen Pfeifenkopf, eine dop­pelte Lupe, eine doppelte chirurgische Verbandtasche und ein Etui mit 3 Heftnabeln entwendet zu haben. Er will jedoch von diesem Einbruch gar uichts wissen, er sei wohl in Höchst gewesen und habe da für seinen Bruder, der eine Ziegelei anlegen wolle, Steinkohlen bestellt und zu dem Behufe auch eingerichtete Brennöfen in dortiger Gegend eingefehen, habe sich aber außerdein gar nicht dorten aufgehalten, sondern sei um 3 Vg Uhr mit der Eisenbahn nach Frankfurt zurückgefahren, wo er in der Gegend des neuen Fried­hofs die dem Dr. Schüler entkommenen Gegenstände in einer Hecke gesunder habe (Um 3 Uhr war Dr. Schüler noch im Besitze derselben und um 3 % Uhr will sie der Angeklagte, der von Höchst kam, in Frank­furt gefunden haben.) Da derselbe wegen anderer Vergehen steckbrieflich verfolgt wurde, er überhaupt auch der Polizeliuannschaft zu Frankfurt sehr wohl als alter Kunde bekannt war, so wurde er dort sehr bald^ kurz nachdem er pou -Höchst abgereist war und bei dem Wirth R a b e n a u sich schon wieder eines Dieb­stahls schuldig gemacht hatte, von Polizeiofficiantcn ver­haftet und vlsitirt'uiib bei der Vlfitalio» fanden sich außer den Schüler'schen Gegenstände, die dem Hrn. Rabenau gestohlene Brille und dessen Hausschlüssel, und nicht weniger als fünf Hauptschtüssel, ein kleiner Schlüssel, ein Drücker, ein Meißel und verschiedene andere Dmge. Dieses Alles will er mit den S ch ü- l e r'schen Sachen gefunden haben, die Rabe n av'schen Gegenstände indesten müßten ihm von den Polizeioffi- cianten untergeschoben worden sein. Dr. Schüler gibt über den Diebstahl außer dem schon Bekannten an, daß er nicht allein diese Gegenstände vermißt habe, sondern daß auch der Versuch gemacht worden sei, seine Commode zu erbrechen, der Meißel passe genau in die Eindrücke an der Commode, sogar das ausge­sprungene Stückchen an demselben, sei an ihnen sichtbar.

Aehnliches behauptet Rabenau, der auch später gesehen, daß der Angeklagte an seinem Schreibprlre mit dem Meißel gearbeitet habe. Die Zeuginnen

Ein Streifzug in die ealifornifchen Minen wahrend der Regenzeit.

Lon Fricdich Grrstâck«r.)

(Fortsetzung.)

Die Amerikaner halfen tüchtig mit (unsere andern Gefährten , der eine junge Kaufmann, Hühne, ausge. nommen, standen fröstelnd dabei und sahen zu), waren aber auch die ersten, die beim Anblick des allerdings schwachen Floßeö, die Ueberfahrt aufgaben, und erklärten lieber den Rückweg antreten zu wollen. Ich dagegen war fest entschlossen zuerst das äußerste zu wagen und es freute mich, alle Reisegefährten ohne Ausnahme, ob­gleich einer von ihnen nicht einmal schwimmen konnte, darin beistimmen zu hören. Wir banden, was wir an Gepäck hatten auf dem Floß fest, ich schlang dann eine dünne Fischschnur das einzige zu diesem Zweck ver­wendbare um den vordersten Stamm und watete in die stürmische Fluth. Weit durfte ich aber nicht gehen; kaum fühlte ich das Wasser unter meinen Armen, wobei ich in die wirkliche Strömung kam, so riß mir diese auch mit wilder Gewalt die Füße unter dem Körper fort und ich mußte schwimmen. Das Floß indeß, noch immer von den andern gehalten, konnte nicht ebenso rasch gegen die Strömung angehalten werden, das dünne Seil war ebenfalls nicht im Stande es zu führen und riß, und mich selber nahm die Fluth unwieberstehlich ans andere

Ufer hinüber. Beinahe wäre ich noch, da sich mir das dünne Seil um Fuß und Haube gewickelt, verunglückt, doch gelang mir, das Ufer zu erreichen und an diesem etwa dreihundert Schritt hinauflaufend, dem reißenden Strom den Ucbergang abzuzwingen, sprang ich wieder hinein und schwamm zurück-

Das Floß sank indeß, und mit Müh und Noth retteten wir unsere Sachen wieder, obgleich alles total durchnäßt und größtcnthcilö verdorben, auf'S trockene Land und mußten nun, wollten wir nicht vom Wasser völlig eingeschlossen werden, so rasch als möglich den Rückweg suchen. Die Slew war nämlich, wie wir aus einem vorher bemerkten Zeichen sehen konnten, in der letzten halben Stunde schon wieder über sechs Zoll ge­stiegen, und die schäumende Fluth verrieth, wie sie noch immer nicht ihre höchste Höhe erreicht habe. So schnell wir konnten, packten wir deßhalb unsere nassen Sachen auf (die Amerikaner hatten sich, dasselbe fürchtend, schon vorher aus dem Staub lieber Gott, das Sprichwort patzt hier nicht gemacht) und eilten zu dem umge- fallenen Baum. Mir flogen die Glieder wie im Fieber- frost und ich glitt auch, mit den schweren Sachen, die ich trug, halb von dem Baum herunter, raffte mich aber wieder empor und erreichte den gegenüberliegenden schmalen Streifen Land. Die Ucbrigen folgten nach. Die erste Slew war jetzt noch zu passiven, in der kurzen Zeit aber so geschwollen, daß sie uns fast mit fortriß; doch wir fingen an, gleichgültig gegen derartige Uebel.

stände zu werben, bissen die Zähne aufeinander und kamen glücklich wieder aus's feste Land.

Den Abend mußten wir noch einmal zu Charles Röther zurück, wo wir mit elf andern Fremden um ein kaum glimmendes Feuer kauerten, und umsonst versuchten unsere Kleiber zu trocknen.

Am nächsten Morgen in teil nassen Sachen weiter, und jetzt zwar, da der Ucbergang über die Slew unmöglich war, über den Featherriver herüber, wo ein spcculircuder Vankee eben mir einem Provisionsbvvc Heraufgekommen war und 2 Dollar» per Mann lieber« fahrt verlangte. Das Fährgeld daS er in säum 10 Minuten verdienen konnte war enorm, wir sahen uns aber gezwungen es ihm zu zahlen und für unS sechs mußten wir ihm zwölf Dollars geben, um an die an­dere Seite des Flusses, an der hinab der Weg weit besser sein sollte, zu kommen.

Hier zeigten sich aber schon die Folgen unserer An­strengungen und Strapazen; der junge Matrose w»r weit kränker geworden, bekam geschwollene Füße und klagte über Schwäche im Körper und Fieber; wir an­dern waren alle ebenfalls mehr oder weniger angegrife i. Trotzdem mußte ich teil armen Teufel, als er gegen Mittag gar nicht recht mehr fortkonnte, seines Gepäcks entledigen und ihn führen. So rückten wir doch wenigstens langsam vorwärts-

Freitag den 23. Nov., erreichten wir Suckers Farn, den ersten wirklichen »»gebauten und laudwirthschaft-