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Freiheit und Recht!"

Wiesbaden. Sonntag, 28. April

1830.

Diegt ctc Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Logen. - Der AbonnementSpreiS betragt v ierteltâhrig hier in Wiesbaden t ü. 45 fr aus- inârtS kurch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig aufgenoinmen uns Rno bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirk- ß,mcni t»esolge. Oie ZnserativnSgedühren betragen für die vierspaltige Pelltzeile 3 Kreuzer.

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Die Reinigung der Parthei.

^ Wiesbaden, 27. April.

Die Reaktion, welche unablässig, wenn auch wider Wissen und Willen, für die Demokratie und unsere Zukunft arbeitet, laßt unS auch die Männer erken­nen, welche in Zeiten der Gefahr und der scheinbaren Hoffnungslosigkeit unserer Sache treu bleiben, und die S ch w a'ch c u, welche ohne eine tiefe und heilige Ueber­zeugung von immerwährenden Zweifeln gefoltert, sich ,m Vager des AudifferentiSmus zu bergen und zu ret­ten suchen und die Buben, welche ohne Grund­sätze und klare Lebensregeln jede Parthei und jede ZeiÜagr, jede Gemeinschaft und jedes Individuum nur für ihren rein persönlichen Vortheil auszubeuten trachten.

Es gehörte wenig Muth dazu, zur Zeit, als alle Beamte und Cleriker mit feierlichem Gebühren ihre demokratische Gesinnung betheuerten, sich zur demo­kratischen Parthei zu zählen; es ist nur sehr gering anzuschlagen, wenn Jemand im erstes Anlauf rasch große Thaten vollbringen möchte, aber mit schnell ver- flsegonder Hetze bei dem ersten besten Hindernisse ruhig die Hände in den Schooß legt.

Heute gilt cs Ausdauer zu zeigen; heute gilt es Proben der Geduld abzulegen.

Freilich nicht Proben jener lammfrommen, orien- talisa-cn Geduld, die eben Alles behaglich dem lieben Gott auheimstellt, und in jedes Ungemach mit stupider Resignation sich zu finden weiß: aber jene Geduld bei der radikalen Ueberzeugung, jene Geduld, die gebietet, lieber ruhig das Haupt auf deu Block zu legen, als irgendwie und irgendwo schwankend zu werden.

Den braven Proletarier, der gerne arbeiten möchte, wenn er nur könnte, unterscheiden wir wol von dem Lumpenproletarier, der sich dem au den Hals wirst, welcher am Meisten zahlt. Verächtlicher ist aber nichts als das literarische Lumpenproletariat, welches seine Feder immer für die Meinung in Bewegung setzt, die am meisten einträgt. Solcher fite, arischen Lumpenpro- Ittaner hat es leider gerade in Deutschland von je nicht wenige gegeben. Sollen wir an alle die erin­nern, welche vor dem Jahre 1848 in den vordersten Reihen der Opposition fochten und nunmehr im Solde der dicksten Reaktion stehen ?

Nach dem März 1848 haben sich auch wieder viele zu den Schaaren unserer Partei gedrängt, welche anfänglich am meisten Lärm machten, die am wüthend- sten tobten, und die schier in Gefahr waren, von ihrem lichten KampfcSfcner rein aufgezehrt zu werden:-- und später ein so klägliches Hcidenthum, wie jener traurige Held in Berlin, durchführten.

Man hat da bisher oft zu viel geschwiegen und -vertuscht und die Partei zu blamireu geglaubt, wenn man Die als feig und nichtsnutzig erkannten Parteige- «offen ohne Rückhalt aller Welt in ihrem rechten Lichte zeige. Nichts thörichter als solch ein Verfahren I

Die Grundsätze unserer Partei hören nicht auf, die der Wahrheit des Rechtes und der Freiheit zu sein, wenn einige Wichte für diese herrlichen Grundsätze Be­geisterung geheuchelt haben und der Vernünftige wird nicht die Partei entgelten lassen, was ausgemachte Tau­genichtse sich zu Schulden scannten ließen.

Und wird die vertuschte Lumperei nicht doch eines Tages bekannt werden? Wird der Feigling, der Verräther, so lange man ihm nicht rücksichtslos die Maske abreißt, so lange man ihn nicht öffentlich be­zeichnet, der Parthei nicht fortwährend unendlich viel schaden können V

Wir können es demnach auch nur billigen, wenn in neuester Zeit die demokratischen Blätter rück­haltlos das Betragen des Redakteurs Bernstein, vor den Assisen zu Berlin, der Oeffentlichkeit überge­ben. Manche Menschen haben einmal von der Natur schwache Wewen: aber wie Herr Bernstein kann sich doch nur das reinste Gegentheil vom Muthigen be­tragen. Ueber sein Verhalten vor dem Berliner Schwur­gerichte lesen wir in einem öffentlichen Blatte folgendes:

Berlin, 17. April. Bernstein, der Redak­teur der Urwahlerzeitung, der Organsfür Jedermann aus dem Volke," ist heute Abend 6 Uhr nach 6stün- diger Verhandlung von den Geschwornen feeigespro- chen worden. Bernstein, ein Jammerbild von Schwäche und Muthlosigkeit, ist während der Verhandlung zweimal ohnmächtig geworden, so daß die Sitzung jedesmal auf eine halbe Stunde vertagt werden mußte. In schüchterner und beklommener Sprache erging er sich bei seiner Vertheidigung fast nur in dem Kreise: er sei ein gemäßigter Mann. Um zu beweisen, daß er bei Ausnahme, beziehungsweise Abfassung der in- trinumrteu Artikel keine unlauteren Absichten gehabt habe, erzählte er den Geschwornen seine friedliche Le- benögeschichte unb hob dabei besonders hervor, daß er sich während des bewegten wahres 1848 still in sei­nem Asyl (nämlich in seiner Kinderstube) gehalten habe und daß sein Warne damals nirgend genannt worden sei. (Sehr wahr!) Damit die Geschwornen ihn ja nicht für einen entschiedenen Demokraten hal­ten möchten, setzte er ihnen auseinander, wie die^de- mokratische Partei in viele Fraktionen zerfalle, unter denen er dergemäßigsten" augehöre. Zum Beleg dafür hob er hervor, daß er in verschiedenen Artikeln für daS deutsche Erbkaiscrthum geschrieben und daß er ferner, im Februar 1849 zum Wahlmann für die zweite Kammer gewählt, mit Eifer, versucht habe, derextremen Linken" gegenüber eine gemäßigte Frak­tion zu bilden. Hierfür hatte er Zeugen vorgeschla­gen und außerdem über seine stets gemäßigten Gesinnun­gen auf das Zeugniß Varnh. v. Ense's sich berufen. Das Gericht hatte Diese Beweisaufnahme aber für unerheb­lich erachtet, weil cs, wie der Präsident sehr richtig, bemerkte, hier nicht auf die allgemeine politische Ge­sinnung des Herrn Bernstein, sondern auf den Inhalt der Artikel ankomme. Obgleich wiederholt aufgefor­

dert , sich kurz zu fayen und zur Sache zu kommen, konnte er gar kein Ende finden, den Geschwornen seine Mäßigung" zu demonstrireu; er begann zu diesem Zwecke Artikel aus seiner Zeitung vorzulesen, worin er erst durch eine zweite Ohnmacht unterbrochen wurde. Der Staatsanwalt selbst kühlte sich nach diesen jäm­merlichen und widerwärtigen Hergängen aufgefordert, und zwar in Erwiderung auf eine Bemerkung deS Advokat-Anwalts Dorn, welcher dengemäßigten" Redacteur der für radical geltenden Ürwahlerzci- tnug vertheidigte, zu sagen: sie hätten alle Ursache, hier nicht blos ihr Gefühl, sondern auch ihren Ver­stand zu fragen. Daß Bernstein von dem einen Ar­tikel behauptete: er wisse gar nicht, wie derselbe in die Zeitung hineingekommen ; daß urplötzlich ein Schrift­setzer erschien gmt der Angabe, er habe den Leitartikel ohne Vorwissen des Redacteurs ausgenommen und im Na­men der NedactionFmit einer Einleitung versehen, daß das Gericht aber diesen Zeugen als höchst verdächtig wieder nach Hause schickte, und daß endlich der Staats­anwalt in Folge alleS dessen Hrn. Bernstein fragte: waS er sichZdenn wohl denke, welches die Pflichten deS Redacteurs eines öffentlichen Blattes seien? darüber will ich hier meine Meinung nicht aussprechen. Bei Abgabe deS Geschwornen-VerdictS war Bernstein gar nicht mehr zugegen, wahrscheinlich, weil ihn eine dritte Ohnmacht angewandelt hatte.

Bernstein konnte, nach meiner festen Ueberzeugung, gar nicht verurthelt werden, auch wenn er die ehren­volle Wolle einen Maunes derjenigen eines wehmüthi­gen Schächers vorgezogen hätte. Um das Charakter­bild zu vollenden, will ich noch bemerken, daß Bern­stein bereits gestern in den Revartions-Bureau's der National-Zeitung" und derAbend-Post" Visite ge­macht und gebeten hat, ihn wegen seines Auftretens im heutigen Prozesse nicht zu scharf mitzuuehmeu. Er wußte also gestern schon, wie er sich heute benehmen würde. Dieß setzt dem Ganzen die Krone auf."

Assifenverhandlungen z» Wiesbaden.

Fünfter Prozeß.

Anklage gegen Heinrich Stippler von Hof- Heim, wegen Fälschung.

$ Wiesbaden, 27. April. Da der Angeklagte, welcher vorschriftsmäßig geladen ist, sich bis um 9 Uhr noch nicht in die Sitzung (um 8 Uhr sollte sie beginnen) eingefunden hat, so tritt daS Contumacial- Verfahren ein. Auf Antrag des Staatsanwalts wird derselbe in eine Correctionshausstrafe von 3 Monaten, in die UnlersuchungSkosten, zum Verluste seines Ver­mögens und seiner staatsbürgerlichen Rechte verurtheilt. Er schuldete einem Lehrer einen ansehnlichen Rest auf Hausmiethe, den er jedoch nicht bezahlte. Das Zwangs­verfahren hielt er nach der Anklage dadurch von sich ab,

Gin Streifzug in die kalifornischen Minen wahrend der Regenzeit.

Bee Frirdich ® erflâd et.)

(Fortsetzung.)

' Müde und jhungrig langte ich schon nach Dunkel- weiten ohne Beute bei den Unsrigen wieder an und es blieb uns jetzt gar keine Wahl weiter als am nächsten Morgen, alles unnötige was uns ermüden konnte zu­rücklassend aus den Minen nach dem südlichen Städten wieder aufzubrechen.

Eine Ueberraschung stand mir jedoch, als ichs von brr Jagd zurückkchrte, bevor: an dem Baum wo ich meine Decke abwarf, lehnte meine BüchSflinte und ich hörte jetzt, daß an demselben Morgen ein junger Amerikaner sie gebracht habe. Er hatte sie einem In­dianer abgenommen, der damit zu den Ansiedlungen ge­kommen war, sie zu verkaufen aber weßhalb? Er konnte sie nicht abschicßcn, da er die etwas festgervstete Sitberheit nicht zu beseitigen wußte. Das rettete mein Gewehr das ich sonst in meinem Leben nicht wieder ge­sehen hätte und aus Dankbarkeit soll nun auch die Sicher­heit, die ich an demselben Tag schon einmal im Begriff war abzuschrauben, sitzen bleiben.

Meine Gefährten zeigten sich ungemein entmutigt und allerdings läßt sich auch ein weit angenehmerer Zu­stand denken, als der war, in dem wir uns befanden.

Mit abgerissenen Kleidern ich selbst trug nichts weiter als eine leinene Sommerhose, ein baumwollenes Hemd und meinen ledernen Jagdkittel ohne Geld, ohne Pro­visionen eine Reise von etwa 150 engl. Meilen durch bergiges und sumpfiges Land vor uns der Teufel mag da ganz gleichgültig dabei sein. Nichtsdestoweniger verließ mich mein guter Muth keinen Augenblickwer weiß wozu's gut ist*, dachte ich mir, uud rüstig wan­derten wir, mit allem möglichen Wasch-, Koch- und- geräth beladen, am 18. Nov., einem freundlichen Sonn- tag-Morgen aus. Noch an demselben Abend trafen wir einen Händler, der uns unsere Schaufeln, Spitz­hacken, Aexte, Becken rc., wie alles, was wir noch entbehren konnten, zu einem allerdings ziemlich geringen Preis, aber doch gegen baares Geld abkaufte, und wir kamen dadurch nicht allein wieder zu Casse, sondern wurden auch bedeutend an Last erleichtert.

Die Nacht sollten wir aber noch einmal aus Her­zensgrund die Freuden deS Bcrglcbens genießen. Um 10 Uhr etwa fing es an zu regnen, und goß die Nacht hindurch: wir wurden bis auf die Haut naß. Am nächsten Morgen mußten wir im vollen Regen aufstehen und unser einfaches Frühstück kochen, im vollen Regen un­sere nassen, schweren, schmutzigen Decken zusammenrvllcn und aufladen und sechs Weilen waren wir etwa mar« schirt, ehe es nur etwas nachließ.

Die Nacht lagerten wir, diesmal jedoch trocken, in der Nähe von Longs Store und die nächste, nach ziem­

lich gutem Weg, am Featherriver hinab bei einem Deutschen, Karl Röther, der schon mehrere Jahre in Califorilieu lebt und sich ein ziemliches Vermögen er« worden hat, dennoch aber in einer ebenso erbärmlichen Lehmhütte wohnte, wie der ärmste Spanier. Er war übrigens noch Junggeselle und das mag ihn entschul­digen.

In dieser Nacht erfreuten wir unS wieder einmal eines Luxus den wir -in langer Zeit nicht gekannt: der Leser mag sich aber nicht etwa täuschen, es war weder Confekt noch Champagner, noch ein weiches Lager, oder eine warme, behagliche Kleidung wir hörten nur, während wir auf dem Boden in unsere Decken gehüllt auögestreckt lagen, den Regen in Strömen auf daS Dach schlagen und befanden uns selber, etwas Durchtrvpfcn abgerechnet, vollkommen trocken. O eS war dies ein seliges Gefühl, aber und hier hätte mein Sprichwort ungemein gut in der verkehrten Anwendung hergepaßt wir sollten am andern Tage schwer, sehr schwer dafür büßen.

Ziemlich früh am Morgen brachen wir auf es war unS gesagt worden, daß wir ein jeyt durch d, u Regen wahrscheinlich angeschwelltes Wasser kreuzen müßt 11 und daS je eher je lieber thun sollten, ehe eS zu reißci d und hoch würde. Nach etwa einer Stunde Marsch c>. reichten wir daS bezeichnete, suchten aber vergebens einen gefällten Baumstamm, auf dem man unS verficht rc hatte, daß wir würden trockenen FußeS hinübergehen