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Freiheit und Recht!"

JYo «DU. ZKiesbaSen. Samstag, 27. April 1850.

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FF. Briefe über Erfurt

DasStaatenhaus" hat fein Tagewerk-, die sog. Sottet'ist011 der Dreikönigsverfassung, mit einer feiner würdigen Beschlußfassung vollendet.Die gesetzlichen Beßiminnngcn über die Wahlen der landständischen Vertretungen der einzelnen Staaten, mir Ausschluß der für die Wahlen zu den ersten Kammern geltenden oder anznordnenden Bestimmungen, sind nach den Gnuik- normen einzurichten, auf welchen das Gesetz über die Wahlen zumVolköhause"" beruht." Damit wird den Landesverfassungen der einzelnen Staaten, bisher die hauptsächlichste Stütze ihrer Selbstständigkeit, die preußische Uniform angezogen und die völlige Media- tisirung dieser Constitutionen angebahnt, der ihre völ- lige Confiskation auf dem Fuße folgen wird. Schon der Ausdrucklandstandische Vertretungen" zeigt deut­lich, was man mit den Landtagen der kleinen Staa­ten, die schließlich^beim Berliner Bündniß verbleiben müssen, vorhat. Sie werden auf den Wirkungskreis preußischer Provinzialtage reduzirt werden. Der Ver­tretung nach Klaffen, die jetzt durch daS preußische Wahlgesetz, im Wesentlichen dasselbe mit dem der Drei­königsverfassung , festgesetzt ist, wird bald durch Bot­schaft und Revision die Vertretung nach Ständen, nach Kasten, folgen; der herrliche Zustand des Mittelalters mit seinen Ritter- und Prälatenbänken wird wieder­kehren, welche die Postulate der Regierung überall, wo die mit saurem Schweiß verdienten Pfennige aus dem Säckel des arbeitenden Volks geholt werden sollen, ohne Umstände bewilligen, und nur dort sich wehren und sträuben, wo sie selbst zum Beileid gezogen werden.

Von der unverzüglichen Vertagung des Marionetten­theaters in Erfurt, die erst im Plane der preußischen Regierung gelegen zu haben scheint, hat man in Ber­lin den neuesten Nachrichten zufolge abgesehen. Man hat sich entschlossen, demselben noch einige Tage zu gönnen, und damit Zeit zu gewinnen für die letzten Pläne, die man mit jenen im Schilde führt. N a- dowitz ist von Berlin zurückgekehrt, und hat mit gc- heimnißvollen Mienen seinen Puppen zu verstehen ge­geben, er bringe sehr günstige Beschlüsse von der preu­ßischen Regierung, während es doch allbekannt ist, daß in dem Ministerrath in Berlin die Frage ernstlicher Erörterung unterworfen worden ist, ob man nicht sich dieses Schattenparlaments durch Auflösung ganz ent­ledigen solle, um dann mit Oesterreich sich darüber zu verständigen, wie man Deutschland für die beiderseiti­gen Interessen zu rechte richten solle. Mit neuer Vertrauensseeligkeit sind dann auch die diplomatischen Festungsarbeiter aufs neue an ihr Werk gezogen und es wird Niemand Wunder nehmen, wenn sie zum Dank für die eröffneten neuen Hoffnungen sich noch willfäh­riger zeigen als früher.

Der preußischen Regierung scheint vor Allem daran gelegen, daß der obenangeführte vomStaatenhaus" beliebte Paragraph, wonach die Wahlgesetze der Ein­

zelstaaten demReichswahlgesetz" nachgebildet werden sollen, auch von demVolkshaus" adoptirt werde, weil man damit den wichtigsten Schritt zum großprenßischen Einheitsstaate gethan glaubt, und die kleinen deutschen Staaten, die man, wieder in Folge der gefaßten Be­schlüsse,^ mit Counivenz der Großmächte, festzuhalten entschlossen ist, ihrer völligen Einverleibung in Preu­ßen nichts mehr cntgegenznsetzen haben. Nun ist zwar in den vereinigten Äusschüffe» der beiden Häuser, die am 22. April zusauunengetreten sind, um diesen Ge­genstand zu erörtern, beschlossen worden, die Fassung zu verwerfen, welche das Staatenhaus dem fraglichen Paragraphen gegeben hatte und dafür im Allgemeinen der Reichsgesetzbung die Befugniß zuzusprechen, die leitenden Grundsätze für die Bildung der Volksvertre­tung in den einzelnen Staaten festzustellen; aber ab­gesehen davon, daß man damit, wenn auch nicht so­gleich, doch früher oder später das, was man will, verrichten kann, fragt es sich sehr, ob nach dem neuen Zuckerbrod, das Radowitz als Köder aus Berlin mitgebracht, und mit Hülfe der russischen Peitsche, die er muthmaßlich bei der Discussion imVolkshause" den widerspenstigen Künstlern, welche nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen, vorhalten wird es fragt sich, wie gesagt, sehr, ob man nicht doch noch direkt in einer oder der anderen Fassung daS preußische Dreiklassen­wahlgesetz den verbündenden Einzelstaaten aufoktroyiren wird. DerEdle" wenigstens soll entschloßen sein, in diesem Sinne zu wirken und zu stimmen, was man ihm, dem einstigen Ausposauner derNationalsouve­ränität", nicht groß verübeln kann, da er nach den gemachten Erfahrungen sonst vielleicht auch noch die Aussicht verlöre, bei sich zu Hause in den Landtag ge­wählt zu werden, oder wenn auch gewählt, wie ge­schehen , in einer lächerlichen Minorität eine noch lä­cherliche Rolle spielen müßte.

Die Willfährigkeit der vereinigten Ausschüsse beider Häuser, in Allem ihrem unerbittlichen preußischen Ge­neral zu Willen zu sein, erhellt unter anderm schon daraus, daß man sich ohne Weiteres entschlossen hat, dem Vorgänge imStaatenhaus" gemäß, den vom Volkshaus" in der ersten Vorrevision aufrcchterhälte- nen Paragraphen, wonach jedes Grundstück einem Ge- meindeverbande angehörcn soll, zu streichen, und damit Eremtionen Thor und Thüre zu öffnen, wodurch die Rittergüter :c. sich den Gemeindelasten rc. entziehen können. So arbeitet dieses Parlament in allen Din­gen der Wiederherstellung des alten Feudalstaates vor, auf welche alle Bestrebungen der ritterlich-germanisch­romantischen Reaktion in Berlin gerichtet sind.

Pi o n o n o.

Bei Gelegenheit des stattgefundenen Einzugs des Papstes in Rom stellt das Pariser JournalLa Presse" folgende Betrachtungen über die römische Frage an:

Heimlich in der Nacht des 24. November 1848

aus Rom gegangen, kehrt jetzt Pius IX. nicht mehr wie ehemals, getragen durch die Liebe des Volkes, sondern umgeben von fremden Bajonetten und geleitet von seinen alten Feinden, den beständigen Feinden der Unabhängigkeit Italiens, dahin zurück. Sein Name, der einen Augenblick das ganze freisinnige Europa in eine Art von Freiheitstaumel versetzte, weil er damals Civilisation, Fortschritt und Freiheit bedeutete, dieser Name ruft heute dem Geiste der römischen Be­völkerungen keine andere Erinnerung zurück, als die der Demüthigungen des gemeinsamen Vaterlandes, ei­ner unversöhnlichen Reaktion und der Wiederherstel­lung der gehässigsten M ßbräuche. Von nun an unter die Hand des Königs von Neapel und des Wie­ner Kabinetts gestellt, wird Pius IX. jeden Tag Rech­nung halten müssen mit den absolutistischen Mächten, die chn grausam büßen lassen werden für das in ih­ren Augen unverzeihliche Unrecht: sich eine Zeit lang als einen Mann der Freiheit gezeigt und in Italien den freien Institutionen und den Ideen der Unabhän­gigkeit das Wort geredet zu haben. Welche schöne Rolle konnte er spielen und weich' herrlichen Beruf hat er prclsgegeben! Beim Tode Gregor's XVI. befand* sich die Kirche in einer höchst kritischen Lage. Eine Regierung blutigen Druckes mit einer veralteten, lächerlichen, widersinnigen Verwaltung hatte eine vor- zugsweise auf den Glauben und die öffentliche Mei­nung gegründete Macht tief erschüttert. Noch ein Pontifikat wie das Gregor'6 und ein Riß war un­vermeidlich. Die unterdrückten Bevölkerungen würden zuerst in der Revolution und später vielleicht in einer Religions-Spaltung ihre Rettung versucht haben. In Mitten dieser Gährung dieser Versunkenheit und Kor­ruption der päpstlichen Gewalt und jeglicher Autori­tät wurde Pius IX. zum Kirchenoberhaupt aus­gerufen.

Man glaubte einen Augenblick, daß er der Mann sei, um von seiner hohen Stellung aus Italien seine Freiheit, seinen Ruhm und seine Unabhängigkeit wic- derzugeben. Italien erwachte aus seinem langen Schlum­mer: vom Fuße der Alpen bis zur Meerenge von Messina sang man das Lob des neuen Erlösers und ganz Europa rief aus dem Munde seiner Dichter, Künstler und Schriftsteller: Muth Heiliger Vater! Aber er war nicht der Mann, beffen Italien harrte, der Mann der Ideen nnd Entwürfe, die man in ihm ohne sein Wissen und Wollen personisizirtc. So hat denn auch Oesterreich , gegen welches vor allem diese geistig überreizte Bewegung gerichtet war, nie­mals darauf verzichtet, eben so wie Gregor XVI. so auch den neuen Papst wieder unter seine Herrschaft zu bringen. Es kannte die Erziehung von Pius IX., seine Unerfahrenheit in weltlichen Dingen, seine Schwä­che und Schüchternheit, seine peinliche Gewissenhaftig­keit, die ihn nie ohne seinen Beichtvater zu befragen, handeln ließ. Alles, worauf es ankam, war daher, daß dieser Beichtvater der geeignete war, und darauf

Ein Streifzug in die ealifornifchen Minen während der Regenzeit.

Bon Friedich ®erßätftr.)

(Fortsetzung.)

Tod und Teufel, wenn das meine Büchse war das Blut schoß mir mit Blitzesschnelle zum Herzen. Es hatten in letzterer Zeit auch wieder Reibereien zwischen Indianern und Weißen stattgefunden, und die drei Ge- stakten da unten sahen eben nicht aus, als ob sie zu den friedfertigsten gehörten. Sollte ich aber die diebifchen Schufte der Leser wird merken, daß das Romantische der Scene urplötzlich einen ganz andern Charakter an­genommen hatte vielleicht mit meiner guten Büchs- stinte in den Fäusten ruhig an mir vorüberziehen lassen? Nimmermehr war das mein Gewehr, so lag es jetzt in meiner Gewalt, es wieder zu bekommen, und die Gelegenheit sollte wahrlich nicht unbenutzt bleiben. Wie übrigens den Burschen ankommen? Waren sie sich wirklich Böses bewußt, und sahen sie einen Weißen auf sich zukommen, so ergriffen sie entweder die Flucht, und in dem Fall hätte ich die gewandten Wilden im Leben nicht eingeholt, oder sie setzten sich gleich von Anfang an zur Wehr, und dann befand ich mich Einzelner gegen die Drei und einer von ihnen die beste Büchse des Reviers in der Hand ebenfalls im Nachtheil. Die Indianer gingen indessen, augenscheinlich keine Gefahr ahnend und nicht einmal im Jagen begriffen, sondern

nur wahrscheinlich einem gewissen Ziele zu an dem kleinen Bergwasser hinauf. Hielt ich mich auf der an- deren ^Scite des Bergrückens und gewann ihnen, da wo der Bach oben entsprang und der Gipfel einen tiefen Einschnitt zeigte, den Vorsprung ab, so mußten sie dicht an mir vorbei. Der Augenblick mochte dann entscheiden war es wirklich meine Büchse, die sie trugen was geschehen und' wie unser Zusammentreffen enden solle. Bewaffnet war ich allerdings nur leicht, mit einer einfachen Büchse und einem breiten Bowiemesser, dafür hatte ich aber mein gutes Recht und die Ueberraschung auf meiner Aeite das übrige mußte sich finden.

Rasch hinter den hohen Steinen des Bergrückens niedertauchend, daß mich die unten Wandernden nicht vielleicht zufällig zu früh gewahrten, glitt ich, jetzt von dem höher» Kamm gedeckt, dem Einschnitt des Gebirgs zu; kaum hatte ich aber meinen Platz hinter den dort lose umhergestreuten Steinen eingenommen, so hörte ich auch schon die lauten Stimmen der Nahenden; schon konnte ich den leichten Schritt ihrer nackten Füße im steinigen Sand vernehmen das Herz schlug mir wie ein Hammer in der Brust, und ich faßte wie mechanisch nach dem Messer, ob es lose in der Scheide saß, und nach dem Hahn der Büchse, ob er frei und die Sicher­heit am Schloß zurückgeschoben sey. Es war alles in Ordnung, und wie ich mich, das Gewehr im Anschlag, in die Höhe richtete, stand ich den jetzt dicht vor mir Befindlichen gerade gegenüber.

,Ugh 1* schrie der Nackte, aber mit einem ganz eigenthümlich schrillen Kehllaut, wie ich ihn früher noch nie von Indianern gehört, u ab in der nächsten Sccu we glitt sein dunkler Körper zwischen die gr men Büsche hinein; ich bemerkte es aber kaum, denn mein Blick haf­tete fest auf der Doppelflinte, die der Vorangehende in der Hand trug; im ersten Augenblicke glaubte ich wahr­lich, cs sei mein Gewehr, nur zu bald überzeugte mch aber der braune Lauf vom Gegentheil : eS war eine Schrotflinte, und mein Verdacht grundlos gewesen. J:yt erst sah ich die Indianer selber genauer an, und bemerkte nun das Entsetzen, mit dem sie vor mir standen und die halb auf sie gerichtete Flinte betrachteten; sie schienen wahrlich nicht zu wissen, ob sie fliehen oder bleiben soll­ten, und daS Beispiel ihres flüchtigen Kameraden hätte jedenfalls zuleyt noch auf sie gewirkt, wäre ich nicht, die Büchse nieberscyend, zur Seite getreten, sie pasfiren zu lassen.

Konnte aber nicht auch dies Gewehr auch von jemand anderm gestohlen seyn? Denn an Indianer ver­kauft selten ein Weißer eine Schießwaffe; jedenfalls wollt' ich wissen, woher sie es halten, und redete sie deßhalb in englischer Sprache an; sie verstanden eS nicht; ich versuchte es jetzt in Spanisch, aber auch das woll­ten sie entweder nicht verstehen, oder waren wirklich selbst der Sprache nicht kundig. Sie schüttelten wenig­stens weit ängstlicher als cs nöthig gewesen wäre, mit dem Kopf, und einige Gamnenlaute, die sie rasch und