Die „greif Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen - Der AvannementspreiS beträgt v icrleljähriq hier in Wiesbaden I fl 45 f.- anS- wârtS durD die Post bezogen mit verhättnißmäßigem Ausschläge. — Inserate weroen bereitwillig ausgenommen unv find bei der großen Lerbreitung der „Freien Leitung" stets v-n wirk- simeni Erfolge. — Die JnserationSgebiipren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer. \
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Der Zunftzopf
Drei Briefe zur Beherzigung für den Hand w e r f e r ft a ii d.
III.
V AuS der Provinz. Die soziale Demokratie will Allen die Möglichkeit der Cristen; gewähren, sie will das Eigenthum nicht aufpeben, sondern im Gegentheil sichern. Zum Eigenthum gehört aber außer den Werkzeugen, dem Grund und Gelde anch die belebende Arbeitskraft. Bisher ward das Eigenthum, d. h. die Kraft Vieler, zusammengeworfen und Einem oder Wenigen überliefert.
In den Gedanken und Schriften der Sozialisten wird die wahre Demokratie entwickelt: aber sie wird nicht aus den Köpfen und Büchern, aus den blaffen Theorien sogleich ins Leben hüpfen. Im Leben gestaltet sich Alles langsam, durch kleine Anfänge.
Wir dürfen nicht erwarten, daß der Staat sich über Nacht als Gesellschaft Gleichberechtigter gestaltet: wir wollen deshalb auch hier nicht den sozialen Staat beschreiben, sondern nur zeigen, wie er anzubahnen.
Wer mit Bewaffneten kämpfen will, muß Waffen haben. Das Capital der Nothschilde kann nur durchs Capital und Intelligenz bekämpft werden. Deßhalb muffen die Handwerker und Arbeiter vor Allem ein Capital bilden.
Die Jesuiten haben auS Kreuzersammlungen von ! der einfältigen Armuth Millionen zusammengebracht und sind jetzt allmächtig durch ihr Capital. Wenn aber die Armuth für ihre Unterdrücker Millionen zusammenbringen kaun, warum sollte sie es nicht zu ihrer eigenen Rettung!
Die Mitglieder einzelner Gewerke müssen daher zusammentreten zu einer innigen Bereinigung, müssen gleichsam eine Fabrik bilden. Sie müssen aus Beiträgen ein Capital bilden, dafür die Materialien anschaffen, sich selbst Arbeit geben, vom Ertrag der Arbeit zunächst diese bezahlen und dann den Gewinn als Zins für das Capital und die Arbeit vertheilen. Dieses wäre zunächst die Sache der einzelnen Gewerke. Dann aber müßen auch die einzelnen Gewerke sich verbinden, sich gegenseitig Garantie leisten, gleichsam Handelsverträge abschließen, sodaß jede Verbindung ihre Bedürfnisse nur von einer Verbindung kauft, z. B. die Schreinergesellschaft kauft nur Kleider von einer Schneiderverbindung, nur Schuhe von Schusterverbiu- dungkit, welche ihr Leder von Gerberverbindungen kaufen; auch Nahrungsmittel dürfen nur von Dolchen gekauft werden, welche ihre Bedürfnisse von einer Berbindung kaufen. Wie aber sind solche Verbindungen ins Leben zu führen?
Bei Einführung neuer Einrichtungen ist es von unendlichem Vortheile, Erfahrungen benutzen zu können: man geht dann einen gebahnten Weg, und sieht die Abwege, ohne sie zu betreten.
Das französische Volk aber hat diese Bahn betreten, hat derartige Verbindungen zu Stande gebracht. Man sehe sich daher um bei diesem Volke, man verschaffe sich genaue Berichte über Entstehung und Einrichtung dieser Verbindungen.
Dieser Aufgabe wird sich die freie Presse unterziehen, wird das Material liefern; die Handwerker aber müssen zusammentreten, Berathung halten, die Presse um solche Berichte ersuchen , diese prüfen und das Gutbefundene sofort ins Leben führen.
Hilf dir selbst, so hilft dir auch Gott!
Das, Handwerker, bedenket! Kein Petitioniren und Lamentiren, kein Zunftzwang und Meisterzwang, kann Euch helfen, so wenig als den Ertrinkenden ein Seufzer und Stoßgebet.
Handwerker! Arbeiter! ihr habt die Kraft, der Weg ist euch gezeigt, wenn ihr nicht die Kraft gebraucht, den Weg nicht betretet, so seid ihr schuld an eurem Untergang!
Ihr könnt ohne den Fabrikherrn bestehen, jener nicht ohne euch; denn das Geld kann nicht arbeiten! Mit eurer Kraft könnt ihr ein Capital schaffen. Warum wollet ihr für Andere schwitzen und hungern, da ihr die Früchte eures Schweißes selbst gemeßen konnt?
Assisenverhandltmgen zu Wiesbaden.
Anklage gegen Georg Schreiber und Adam G r u b e r von R i e v e r j o ö b a ch, w e g e n M ünz - verbreche u s.
(Schluß.)
$ Wiesbaden, 24. April. Zeuge Stemmler von Breckenheun tritt beim Beginne der heutigen Sitzung nochmals vor und erklärt, daß er nicht mit Gewißheit sagen könne, ob das falsche Halbguldenstück, das er am Kirchweihtage eingenommen, das von Gruber eingenommene sei, er habe zwar ein Halbguldenstück von diesem bekommen, wisse aber doch nicht recht, welches, da er auch gute eingenommen habe. — Zeuge Münzmeister Zoll m ann, darüber befragt, ob man an dem guten Gelde wahrnehmen könne, ob dasselbe zu einer Form benutzt worden sei, verneint diese Frage. Er erklärt dann weiter, daß nachgemachtes Geld in der Regel gleich eine bläuliche Farbe annehme und daß das hier vorliegende falsche Geld noch nicht viel cursirt habe. Das Resultat der chemischen Untersuchung, die Professor Fresenius mit einigen Stücken dieses Geldes vorgenommen hat, ist im Wesentlichen das, daß Zinn Hauptbestandtheil, Antimonium nnd Kupfer aber Nebeubestaudthciie der ihm übergebenen falschen Münzen seien.
Der Staatsanwalt geht nun zur näheren Begründung der Anklage über, er gibt zuerst eine Charakteristik der Angekagten, beleuchtet dann, ehe er ins Einzelne übergeht, den ganzen Hergang der Sache und
motivirt sehr gründlich und erschöpfend die einzelnen Anklagepnukte, wobei er namentlich die Jnvicieii, daß die Angeklagten selbst Falschmünzer seien, sehr hcrvo-- hebt. — Der Vertheidiger des Gruber, Herr Prokurator v. Eck, folgt dem Gange der Begründung der Anklage Schritt für Dchritt, und es gelingt ihm, manche Schwäche derselben gründlich zu widerlegen, manches Unhaltbare umzustoßen; namentlich speicht er sehr überzeugend gegen die Anklage des Faljchmün- He n s. Tief geht der Vertheidiger des Angeklagten Schreiber, Herr Prokurator Wilhelmi lr., auf die Dache ein; er stellt sich mehr auf den rein juristischen Standpunkt und sucht durch eine sehr gewandte Bearbeitung des sich ihm hier darbietenden Stoffes der Anklage entgegenzutreten. Seine Ausführung scheint offenbar einen guten Eindruck auf die Geschwornen zu machen.
Nach einer längeren Replik des Staatsanwalts, den nicht minder ausführlichen Dupliken der beiden Anwälte und dem sehr klaren Resüme des Präsidenten ziehen sich die Geschwornen zurück. Nach 2stündiger Berathung beantworten sie die dritte Frage: „ob die Angeklagten schuldig seien, falsches Geld, wissentlich, daß es falsch sei, an sich gebracht und solches gemein, schaftlich und gewerbsmäßig wieder verausgabt zu haben", mit „Ja", jedoch hinsichtlich der Verausgabung nur bei einzelnen Fällen, da die anderen nicht erwiesen seien. Die Angeklagten werden hierauf zu zwei Jahren Correctionshausstrafe, in die Untersuchungskosten, 228 fl. betragend, und zur Entschädigung der Betrogenen verurtheilt.
Dritter Prozeß.
Anklage gegen Johann Kurtz von Weilmünster, wegen Nothzucht.
^ Wiesbaden, 25. April. Da nach einer Gesetzesstelle solche Prozesse bei geschloffenen Thüren verhandelt werden müssen, was wir im Interesse der Sittlichkeit nur billigen können, so theilen wie Hier nur das Resultat der heutigen Verhandlung mit. Der Angeklagte, der sich mit einem 12jährigen Kinde eingelassen hatte, wurde zu 8 Jahren Zuchthausstrafe, in die Untersuchungskosten und zum Ersätze der den Eltern des Kindes erwachsenen Heilungskosten verurtheilt.
D e u t s â t a s d.
5 Aus dem Amte Usingen. Am 20. d. M. hatten die Bewohner Arnoloshains das Vergnügen, Herrn Brunn von Steten als Geistlichen zu Hörer. Derselbe war nämlich gekommen, um einem verstorbenen Glaubensgenossen die Grabrede zu halten. Es hatte sich eine zahlreiche Zuhörerschaft, bestehend auS Katholiken, Evangelischen, Alllutheranern, Wiedertäufern und
Ein Streifzng in die kalifornischen Minen während der Regenzeit.
Bon Friedich Gerstâcker.)
(Fortsetzung.)
Nur eins behagte mir noch nicht recht: jetzt in all dem unendlichen Schmutz- und Sumpfboden, durch ausgetretene Bäche und angeschwvllene Ströme hin, wieder zurückzugehen — hätte sich da nicht viel besser ein Canoe ausschlagen lassen? Der Featherriver trug uns dann in den Sacramento, und diesen hinab erreichten wir bald die Stadt gleiches Namens, wo fast täglich Gelegenheit mit Dampfboot oder Schooner nach San Francisco zu finden war. Um ein Canoe aber auszuhanen, mußten Lebensmittel angeschafft werden, und diese konnte ich jetzt allein noch durch die Jagd erwarten. Meine Büchse hatte ich freilich noch nicht wieder, und die Aussicht, sie unter den jetzigen Umständen wiederzubekommen , wurde ebenfalls immer schwächer; nichtsdestoweniger gab ich die Hoffnung nicht auf, die sich besonders darauf gründete, daß ich alle unsere amerikanischen Nachbarn von dem Diebstahl in Kenntniß gesetzt. Wie aber die Büchse wiederbekommen, wenn sie wirklich gefunden wurde und ich in San Francisco war? Doch der Sorgen hatte ich jetzt gerade genug, das sollte sie nicht noch vermehren — ich borgte mir für den heutigen Jagdtag daher eine Büchse von einem unserer Mitgenossen, „Leidensgefährten"
* nannten sie sich, und wanderte am ersten schönen Tag Wieder, den wir seit langer Zeit gesehen, in die Berge.
Ich will den Leser nicht mit einem höchst uninteressanten und nutzlosen Pirschgang langweilen — ich sah nur einen einzigen Hirsch nnd kam nicht ein einzigesmal zum Schuß. Die Scenerie der Gebirge war dagegen reizend — allerdings lag bis 11 Uhr Morgens ein dichter Nebel auf den Gipfeln, der mich total wie ein tüchtiger Regenschauer durchnäßte, gegen 12 Uhr drang aber die Sonne durch, die weißen Schwaden sanken in die Thäler nieder, und die majestätischen Kiefern und Lebensbäume mit ihren pyramidischen gründunkeln Wipfeln tauchten auf ans den zu ihren Füßen niedersinkenden Dunstschleiern. Hoch vom Gipfel aus überschaute ich jetzt das abdachende Land gen Osten — erst die scharfabgerissenen bewaldeten Hügelketten des Featherriver, dann die hie und da von dunkeln Baumstreifen — den Gränzwächtern zwischen ihnen hinrieselnder Wasser — durchschnittene Ebene, in der tausend und tausend Lachen und Seen das sumpfige, jetzt förmlich unpassirbare Land verriethen. Dorthindurch konnten wir nun und nimmer wieder, und der einzige mögliche, für Fußgänger passiv« bare Weg blieb dicht am Ufer des Featherriver nieder; das nächst dem Fluß liegende Land ist stets am höchsten und trockensten.
Auch über die Ebene wälzte sich nun der Nebel in langsam schweren Massen hinüber — weiter und weiter umfaßte der Blick den Horizont — jetzt wurde der breite
dunkle, von Nord nach Süden nicdcrlaufende Waldstreifen deS Sacramento sichtbar, jetzt die dahinter aufragende« i scharfzackigen Höhen und nun gar mit dem azurnen sonnenübergossenen Hintergrund deS Firmaments die schneebedeckten Knstenberge des stillen Meeres.
Zurück war das Bud ganz anderer Art — zwischen hohen, übereinander aufgefchichteten Bergwänden hin zog sich der schmale silberne Streifen des Featherriver hindurch. Der Charakter der Waldung war dabei ganz eigenthümlich — sehr wenig, fast gar kein Unterholz, nur in einzelnen Gruppen hie und da dichte Büsche, sonst die einzelnstehenden mächtigen Kiefern (von denen übrigens die stärkste, die ich bis jetzt gesehen, höckItenö sechs Fuß im Durchmesser und zweihundert Fuß Höhe hatte), die niederen Eichen und dazwischen, fast wie die Bäume aus den Nürnberger Spielwaarenschachteln, die regelmäßig geschnittenen Rothholz- oder Lebensbäume. Und aus dem tiefsten Thal, da wo das Auge dem Lauf des Stroms nach den schäumenden blitzenden Streifen folgen konnte, wie sich noch dem heftigen Regen die aufgeregten Wasser über und durch ihr felsiges cingezwäng- tcs Bett hinrollten, stieg hie und da der dünne blaue Rauch weit zerstreuter vereinzelter Blockhütten oder Lagerfeuer der Goldwäscher auf. Der weiße Mann hatte seine Bahn in diese Wildniß gefunden, die noch vor Monden fast nur der Indianer und das Wild des Waldes bewohnten, und jetzt? Wo waren diese hin? Hatte nur das Nahen der Bleichgesichter sie hincingeschencht in die