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neu Staaten, welche durch den engern Bundesstaat in Preußen einverleibt werden sollen, und die durch die Militärconventkonen dieses Glückes noch nicht theilhaf­tig geworden sind, früher oder später auch die preußi­sche Wehrverfassung beschcert werden wird, wonach das männliche Geschlecht vom Jünglings- bis zum Greisen­alter wehrpflichtig ist, so haben die groß-preußischen Unterthanen Aussicht, daß man ihnen auf diesen Vcr- fassnngsparagrapheu hin eines der natürlichsten Liechte des Menschen entziehen und sie in den Jahren, wo das Auswandern allein von Nutzen, zu wahren, an der Scholle haftenden Staats-Leibeigenen machen kann. Hinsichtlich der Preßvergehen läßt der betreffende revidirte Verfassungsparagraph der Preßgesetzgebung die Befugniß, die Fälle zu bezeichnen, wo dieselben dem Urtheil von Schwurgerichten entzogen werden sollen. Man braucht aber kein Seher zu sein, um voraus zu wissen, daß eine solche Gesetzgebung in einem sol­chen Bundesstaate diese Ausnahmen, besonders wo es sich von politischen Tendenzprozessen handelt, bald zur Regel erheben wird. Die Civilchc ist ausgemärzt. Die Bestimmung, daß der häusliche Unterricht keiner Beschränkung unterworfen ist, gleichfalls, sowie endlich die, daß das Unterrichts- und Erziehungswesen, abge­sehen vom Religionsunterricht, grundsätzlich der Beauf- sichtigung der Geistlichkeit als solcher enthoben ist. Um öffentliche Beamte wegen ihrer amtlichen Verhand­lungen gerichtlich zu verfolgen, ist nur die vorgängige Genehmigung der vorgesetzten Dienstbehörde als nicht nothwendig bezeichnet, während der Dreikö« nigsentwurf im Allgemeinen von der Genehmigung der Behörden spricht, also auch hier der burcaukratischen Willkür anderweitiger Spielraum und der Anwendung des Sprichworts:Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht ans" freier Weg gelassen. Das Recht der Volksversammlungen unter freiem Himmel ist eben­falls der spätern Gesetzgebung ans Meyer geliefert worden, ein gleiches ist mit dem Vereinsrecht der Fall, durch die Streichung der Bestimmung, daß dasselbe durch keine vorbeugende Maßregel beschränkt werden dürfe. Herrliche Aussicht auf Präventiv- und Polizei- gesetze, wo Constabler und Gensdarmen die Hüter des Vereinsrechts sein werden. Die Familicnsidcikommisse werden nicht aufgehoben, die große Bresche in die Feu­dalzeit damit wieder zugemauert. Beschränkung der Oeffentlichkeit des Gerichtsverfahrens (und zwar nicht ausdrücklich bedingt durch das Interesse der Sittlich­keit) wird der Gesetzgebung freigelassen. Das Recht der Gemeinden wird in einem ihrer hauptsächlichstenRechte, der Wahl ihrer Vorsteher, dadurch beschränkt, daß man der Gesetzgebung es zuweist,die Betheiligung des Staats bei der Anstellung derselben", festzusteUen. Also Hinfort kein Bürgermeister und Dorfschulze mehr, wel­cher der Regierung nicht genehm ist. Reicht diese Fruchtlese auf dem Aehrenfeld ein ganz eigenthüm­liches Ehrenfeld der Gothaer hin, um das Volk erkennen zu lassen, was ihm beim Verbleiben im preu­ßischen Bündniß beschieden ist? Und das ist allen An­zeichen nach nur der Anfang vom Ende; denn dem Manteuffel-Radowitzsschen Gouvernement ist damit noch lange nicht genug geschehen. So wie aber jetzt jene Volksvertreter in alles gewilligt haben, was einer von ihnen verlangte, so werden sie, wenn man neue For­derungen stellt, auch den letzten Schein der Gerecht­same des Volkes opfern und ihr Siegel darauf drücken, daß dasselbe eine willenlose Heerde unter der preußi­schen Bureaukratie werde.

DeutsehlsvH.

U Aus dem Heidenloch, im April. Wie be­kannt, so wurde in letzter Zeit den Lehrern durch ihre betreffenden Schulinspektoren der Schulgesetzentwurf zur Beurtheilung übergeben. Einige Lehrer jubelten des­wegen und dachten sich die Reorganisation des Schul­wesens schon vor der Thüre. Jubelt aber doch nicht

sprach ich mit einem alten Amerikaner der ebenfalls im Begriff stand, den Featherriver zu verlassen und dieser versicherte mich, es gebe nur zwei Classen von Leuten in dieser Gegend und das seien erstens solche die Pro­visionen genug und ein gutes dichtes Haus besaßen die Regenzeit durch ansznhalten mW solche die es nicht be­säßen und fortmüßten, denn Lebensmittel seien für den Augenblick fast gar nicht mehr zu bekommen, und würde ihm selbst jemand einen Vorrath auf Credit oder zum Verkauf anbietcn, mit der Bedingung, sie in Natura zu einer gewissen Zeit zurückzuzahlen, so würde er das als ehrlicher Mann nicht annehme», da er gar nicht wissen könne, ob er im Stande wäre sein Wort zu halten.

Soviel stand auch nach dieses Mannes Aussage fest: hätte man wirklich Provisionen genug den Winter aus­zuhallen , wäre man im Stande der Gefahr zu trotzen, daß kein weiterer Vorrath an Lebensmitteln in die Berge geschafft werden könnte, so durften doch nur wenige er- wancn, d-n Winter hindurch eben mehr als ihr Leben in den Minen zu erhalten. Auf irgend einen wesent- lichen Erwerb ließ sich nicht rechnen. Die wenigen aber die mehr fanden als sie brauchten, ja vielleicht hie und da, trotz dem Regen, in wenigen Tagen oder doch Wochen ein Vermögen möglicherweise erwarben, betrachteten sich selber nicht anders als Leute, die in die Lotterie gesetzt und das große Loos gewonnen hätten. Es waren einzelne aus tausend Nieten.

^Und sollte ich daraus hin ein wahres Hundeleben in

zu" frühe! Denn wie leicht kann es geschehen, daß die Lehrer ihre Stimmen zersplittern. Geschieht dieses, dann sind wir schon mit unserer Schulreorganisation fertig; denn dann wird man sagen, der Entwurf ent­spricht den Wünschen der Lehrer nicht und taugt also nichts.

Um nun den Herrn von Seiten der Lehrer keine Ursache zu geben, diesen Entwurf bei Seite zu legen, so haben sämmtliche Lehrer deS Amtes Rennerod in einem Berichte an die Schulinspektion ihre vollkommene Zustimmung zu dem besagten Entwurf, resp, soweit er das Volksschulwesen betrifft, ausgesprochen.

Vom Westerwalde, 22. April. ES ist schon so manchmal in den beiden nassauischen Blättern über daS lange Ausbleiben der stenographischen Protokolle aus unserer Kammer geklagt und um schnellere Besor­gung derselben gebeten worden. Allein alles Bitten, alles Klagen hat nichts geholfen und der alte Schnc- ckengang ist auch für dieses Jahr wieder beibehalten worden. Heute, also am 22. April, sind noch nicht die Protokolle von den ersten Sitzungen angckommen. Das geht aber doch über alle Geduld. Während die­ser Zeit erhalten wir Nachrichten auS dem Tausende von Meilen entfernten Kongresse in Washington und noch keine offiziellen auS unserer Kammer in Wiesba­den. Diese Langsamkeit ist unverantwortlich, unbegreif­lich. Welches Interesse, welchen Nutzen mag daS Volk wohl an solchen Berichten haben, wenn es sie erst er­hält, nachdem seine Vertreter beinahe ein Vierteljahr nach Hause geschickt sind! DaS Geld, welches daS Land für die in solcher Zeit erscheinenden Protokolle aus­gibt, ist ganz nutzlos verausgabt.

Daß cs aber möglich ist, die Protokolle schneller zu versenden, bewiesen ihrer Zeit die stenographischen Berichte der Nationalversammlung in Frankfurt, welche schon nach einigen Tagen auf den entferntesten Posten ankaMen *). Aber eS muß alsdann gearbeitet werden. Also vorwärts mit den Berichten, sonst können sie in Wiesbaden bleiben und verbraucht werden, dann sind doch wenigstens die Bürgermeister nicht mit dem jahrelangen Aufheben gequält.

Mainz, 23. April. Gestern Abend wurde Dr. jur. Schmitz, von langem Krankenleiden fast gänzlich her­gestellt, aus seiner Wohnung wieder auf den Eisen- thurm zurückgebracht. In diesem Gefängnisse befinden sich jetzt außer ihm noch folgende unserer Mitbürger, alS politische Verbrecher angeklagt: Wer g er, Bier­brauer, M ü! l e r, Wirth, S ch in i t t, Ockonom, Schön, Schuhmacher alle aus Worms; ferner: Ritzlü­ge r, Oèkonom aus Wörrstadt, Dr. jur. Wittmann; Dr. jur. Mayer und Brodrecht, Gerichtsboten­aspirant von hier. Bierbrauer Werger ist unter den Genannten am Längsten im Gefängniß, denn die schnelle rheinhessische Justiz hält jetzt schon im elften Monat ihre Hand über ihn. (M. Z.)

Gießen, 22. April. Völker hat sein Mandat zurückgegeben und ist von Erfurt wieder eingetroffen. Dieser Schritt hat nicht wenig Aufsehen erregt.

Hanau, 22. April. (Prozeß Auerswald- LichnowSky.) Vor Beginn der PlaidoyerS läßt der unvergleichliche Vertheidiger Pflüger seinen Klienten Ludwig zuerst ein Geständniß ablegen, wonach Letz­terer zwar einen Schuß auf Lichnowsky gethan, aber nicht den (2teu) tödlichen in den Rücken, sondernden (1ten) in die Hand und am Kopf vorbei. Dieser solle denn auch nicht absichtlich, sondern während des

*) Dem Vernehmen nach liegt die Verzögerung deS Abdrucks le­diglich an der Emsendung der Manuscripte zum Druck. Den Druckereien Wiesbadens kann ein Borwurf in dieser Hinsicht nicht entfernt gemacht werden. Vor etwa 56 Wochen wur- den 3 Seiten Manuscript der ersten Sitzung in die Ritter'sche Druckerei überbracht; diese wurden sofort gesetzt und zur Cor- rektur abgeschickt. Außer diesen 3 Seiten ist bis heute nichts weiter eingesendet worden, so daß also noch nicht einmal das Manuscript der ersten Litzung vollständig zum Druck befördert worden ist. Anm. des Setzers.

den Bergen führen und meine Zeit im vollen Sinn des Wortes codtschlagen t Neues sah ich auch in dieser Zeit nicht mehr viel in den Bergen; das Ganze mußte schon durch das Gleichmäßige der ganzen Arbeits- und Lebens­weise monoton werden. Nein, in Sacramento, in San Francisco sah und hörte ich in dieser Zeit, wo alles . aus den Bergen in die Städte strömte, mehr und in- ; teressanleres vom kalifornischen Leben, als wenn ich jetzt i alle Flüsse von oben bis unten bereist hätte; zum Früh­jahr kam wieder die Zeit die Minen aufznsuchen und bis dahin also, stand es fest, wollte ich sic verlassen.

(Fortsetzung folgt.)

Italienische Künstler sind erfindungsreich, wenn es gilt den Männern ihrer Begeisterung trotz französischer Bajonette eine auffallende Huldigung zu bringen. Der Papst wollte vor seiner Rückkehr nach Rom die Königin von Neapel mit einem Rosenkranz beschenken, den er aus kostbaren Edelsteinen ^tinb Korallen zusammensetzen und in die letzter» von den berühmtesten Künstlern dieses Faches die Köpfe der vorzüglichsten Heiligen schneiden ließ. Der Papst selbst weihte dreimal den Rosenkranz; und doch konnte derselbe zuletzt nicht gebraucht werden, denn bei genauer Besichtignng entdeckte man auf den Steinen, welche die Gesichter der heiligen Pcter und Paul aufweisen sollten, die sprechend ähnlichen Porträts Mazzini's und Garibaldi's. (9{. O. Z.)

Ringcns^nm bett Karabiner zufällig losgegangen sein

zum größten Bedauern Ludwigs selbst!

Diese Erzählung stimmt so wenig mit den festge- stelltcu Thatsachen überein und kömmt so sehr zu Ün- zeit, daß sie der Erfindungsgabe Ludwigs ebensowenig Ehre macht, alS der Taktik Pflügers. Letzterer hätte bedenken sollen, daß eine solche unwahrscheinliche Er­zählung nur den Ruf der Lügenhaftigkeit seines Defcn- denden vermehren mußte, ohne irgend eine der günsti­gen Wirkungen derartiger Vorbringen mit sich zu füh- reu. Herr Pflüger hat in Allein, was er ohne den Rath von Erfahreneren bis jetzt gethan hat, daS di­rekte Gegentheil von den Interessen seines Klienten verfolgt, und dennoch auch hier wieder jede .Beleh­rung verschmäht, Seine langweiligen Redensarten über sich selbst können diesen Eindruck nicht verwischen, und Jedermann war froh, als die Klagc begrün­dn ng durch Staatsanwalt Schüler, an deren Stelle trat.

Dieselbe beschäftigte sich, nach den üblichen Kom­plimenten an die Geschwornen und einem Rückblick aus die verschiedenen Erlebnisse während der Verhand- lnng (Benehmen der Angeschuldigten, falsche Zeugen, Polemik gegen oen Beamten) mit folgenden drei Fra­gen: a) liegt Tödtung vor? b) Sind die Angeklagten Dhcilnehmer daran? c) mit welchem Willen waren sie es? Die erste Frage wird kurz durch,eine Hin- Wellung auf daS Visum repertum der Sachverstän­den und der Zeugen, welche über das Objektive aus- ge,agt haben, beantwortet. Tödtliche Wunden hatte Lichnowsky nur eine, welche ihm durch den Rücken ging, Auelswald zwei, im Kopf und Leib, deren erste die schnelltödtenvste und letzte war. Bezüglich des zweiten Punkts wird Mit jedem einzelnen Angeklag­ten eine gkjonderte Untersuchung zuerst wegen der Töd­tung Auerswalds, sodann wegen der LichnowSkyS vor- geiiommcn, welche nochinalS alle wichtigeren Zeugen­aussagen vorführt^und damit zugleich belegt, wie sehr Vieles an denselben unsicher geworden ist. Nicht nur, daß in Ermangelung tadelloserer Beweismittel die Angeklagten Dietrich und Körber, als solche gegen Ludwig und Georg figuriren müssen, auch der wegen Meineids verhaftete Weber wird in eini­ge n Fällen herangezogen. Bei solchen Umständen ist G dann auch nicht zweifelhaft, daß Schwab meist der rettende Engel für die Anklage sein soll, und da­bei mit den schmeichelhaftesten Prädikaten belegt wird. Interessant war vor. Allem die vom Staatsanwalt versuchte Auseinandersetzung der Motive der Anaeklaa- ten, welche er bei Pflug in Gewinnsucht (der vulgä­ren Auffassung des Kommunismus) bei Geora in un­zähmbarem Ehrgeize sucht.

Die dritte Frage endlich entscheidet die Anklage für eine prämebitirte Tödtung (Mord), indem sie zur Begründung anführt die vorherigen TodeSdrohun- gen, den langen Zeitraum von da bis zur Ausführuna d,e Beharrlichkett dabei (;. B. Sorgfalt und Planma- ßigkiit der Haussuchungi, kaltblütige Verhöhnung bet' Getodtcten während der Erektion und Befriedigung über d.e That nach derselben. - Zum Schluß wie- derholt die Staatsbehörde ihre bereits früher durch den Druck deS Anklageakts bekannt gewordenen Anträge fast ohne Abänderung. J

Einer übere inkunftsmäßigen Reihenfolge gemäß, sprechen nun d.e Anwälte Blamiere (für Schmidt) Coster und Pslüger (für Dietrich), Braubach (sur Gambel), über den Bockenheimer TuinuIt, sodann

er und P fl ü g e r (für Dietrich) und G r i m in Qin; Korber), über die geringe Betheiligung dieser Personen an den.Ereignissen auf der Bomheimer Haide - Sämmtliche Angeklagten waren in diesen ) unkten sehr milde von der Staatsanwaltschaft behan­delt worden, so daß auch die Vertheidigung sehr kurz und ohne wcltcrgehendes Interesse ausfiel. Nur müs­sen wir hierbei nochmals Pflügers wegtn seiner wort­reichen Eitelkeit und Grimms wegen feiner reaktionä­ren Tiraden, die jedenfalls in seiner der maligen Stellung nicht am Platze waren, tadelnd erwähnen.

Die Nachmittagssitzung bringt wichtigere Reate und deßhalb wohl ausführlichere Reden. Zunächst erhält Hr. Pflüger wieder daö Wort, um in einer Einleitung darzuthun, daß er sehr unglücklich über die jetzt übernommene Vertheidigungspflicht sei. Man habe ihm die verschiedenartigsten Vorwürfe gemacht, namentlich auch ven, er sei als demokratischer Partei­mann zu diesem Schritte veranlaßt worden. Hier ge­gen erklärt er nun, daß er sich von einer jeden poli­tischen Partei zurückgezogen habe, also auch nicht mehr der demokratischen angehöre. Nach dreiviertel Stun­den kommt der Vertheidiger auch auf die Untersuchung, wählt sich für dieselbe mit großer Bedächtigkeit seinen Standpunkt, auS welchem wir nichts herausfühlten, als daß Hr. P. ein neugewonnener Anhänger der Bes­serungstheorie ist, und wiederholt dann in objektiver Beziehung seine früheren Hypothesen über die Waffe, womit A. die Banchwunde erhalten. Was den sub­jektiven Theil des Falles betrifft, so hebt P. nun her­vor, daß dieser solange nicht vollständig eruirt sei, als nicht auch Sicherheit darüber vorlicge, was die beiden Parlamentsmitglieder vor das Thor geführt habe. Er giebt in der Beziehung verschiedene Noti­zen über L's Treiben an diesem Tage, woraus erhellte, daß die beiden einen Auftrag an preußische Truppen harten. Bei der Untersuchung über den verbreche­rischen Willen bittet der Vertheidiger, doch zu bebeni fen wie sehr erregt die damalige Zeit gewesen. Folg