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Der Zunftzopf.
Drei Briefe zur Beherzigung für den Handwerkerstand.
II.
]/ AuS der Provinz. Gewährt nun daS Zunft- gesetz Schutz gegen die zügellose Concurrenz, diesen ge- waltigen Feind - Wir wüßten nicht, wie? Im Gegentheile macht das Gesetz für das Kapital vortheilhafte Ausnahmen. Der einfache Handwerker muß Gramen machen, der Fabrikherr braucht es nicht. Das neue Zunftgesetz wird daher den ganzen Handwerkerstand nur schneller in die Leibeigenschaft der Kapitalisten bringen.
Unsere socialen Zustände sind die Folge des Despotismus, der feindlichen Gewalt, welche die Entwicklung des Bölkes niederhielt. Wie bei jeder Lebenshemmung Mißgestaltungen entstehen, so mußten sich diese auch im gesellschaftlichen Leben entwickeln. Die Niederhaltung und Aussaugung des Volkes hemmten den Verkehr, häuften die Kapitalien in den Händen der Nothschilde, machten diese durch ihr Geld allmächtig, und nun begünstigte die Staatsgewalt noch die Macht des Kapitals, um das Volk zu unterdrücken.
Es bildeten sich zugleich die sonderbarsten Meinungen vom Nationalwohlstand, so daß bei der allgemeinen Verarmung in den Augen der Staatsmänner der Wohlstand wuchs, weil sich größere Kapitalien bei den Nothschilden häuften. Allein England sorgte für Absatz seiner Fabrikwaaren, machte die Erde zu seinem Markt, während Deutschland sich umgekehrt anderen Nationen zinsbar machte.
In England setzt der Kapitalist wie in Deutschland sich seine Procente fest und sucht dann durch schlechte Bezahlung des Arbeiters seine Produkte wohlfeil zu liefern, sich dadurch den Absatz zu sichern. Aber er liefert die Waare in fremde Länder und macht sich diese zinsbar, vergrößert dadurch wirklich den Natio- nalreichthum, während der Arbeiter, wie bei uns, im Elend schmachtet. In Deutschland kann der Monopolist nur das eigene Land aussaugen, in welchem Geschäfte ihn fast alle Völker unterstützen. Wir Deutsche sind allen Potentaten der Welt zins- und steuerpflichtig. Dadurch wird die Verarmung allgemein und trifft namentlich auch den Handwerkerstand.
Das ist der zweite Feind des Handwerkerstandes, — die deutsche Politik. Und diese erzeugt den dritten, die Anzahl überflüssiger Beamten. Wir denken hier nicht an die Richter, wohl aber an viele überflüssige Verwaltungsbeankte, an den souveränen Hoflurus, an Spione und Commissionäre, die die Gedanken ausspähen oder welche neunzehn Jahre zusammensitzen, ohne einen Satz zu Stande gebracht zu haben, wie die Mainzer Rheinschifffahrts- Commission. Zwei Hauptfcinde stehen also außer demzahllosen
Beamtenheer der Entwicklung des Handwerkerstandes von Außen entgegen, Dynastenpolitik und Concurrenz des großen Kapitals. Gegen beide Feinde hat der mittelalterliche Znnftzopf keine Macht. Aber es läßt sich aus dem Zopf etwas machen, wenn man ihn zur Association umschmilzt. Zum Produziren der gewerblichen Erzeugnisse gehört Arbeitskraft, Einsicht in die Arbeit und Kapital, um die Mittel der Erzeugung zu beschaffen.
Arbeitskraft und „Geschick" haben die Handwerker; aber es fehlt an künstlerischer Einsicht und dem Kapital.
Die Einsicht muß durch höhere Bildung errungen werden; zu diesem Zwecke müssen Real- und Bürgerschulen ins Leben treten. Dann muß die Association die Mittel, das Kapital, beschaffen.
Der Arbeiter ist für den oabrikherrn eine Maschine, deren Werth er nach der Summe der möglichen Arbeitskraft berechnet. Je mehr Arbeitskraft er für ein bestimmtes Geld erwerben kann, desto größeren Gewinn wirft die Maschine, mag sie eine todte oder eine lebende sein, ab. Mehr hat noch kein Tyrann den Menschen entwürdigt, als der große Fabrikbetrieb der großen Bourgoisie. Wo die Leibeigenschaft besteht, hat der adelige Gutsherr ein Interesse, die Zahl seiner Sklaven zu vergrößern, er sorgt also dafür, daß seine Sklaven Nahrung haben, — er behandelt und betrachtet seine Sklaven als Hausthiere, die man des Nutzens wegen pfleget. Dem Fabrikherrn aber ist der Mensch nicht einmal Thier, sondern eine todte Maschine, die er noch dazu immer neu haben kann, die er daher auch wegwirft, wenn sie keinen Gewinn mehr absetzt.
Durch die sociale Entwicklung ward die Fabrik der höchste Grad der Entwürdigung des Menschen, während doch die Erfindung der dJtafd)inen und der Fabrikeinrichtung ein Triumph des menschlichen Geistes ist.
Wie wir nirgends Heil in einem Rückwärts finden, so wollen wir auch die Maschinen nicht zerstört wissen, sondern das Verhältniß nur umkehren: wie bisher das Kapital den Menschen beherrschte und seine Kraft ausbeutete, so soll der Mensch d. h. die Arbeit, die Kraft der Maschinen zum Heile Aller ausbeuten.
Die Freiheit wird bedingt durch die möglichste Unabhängigkeit Aller, der Despotismus durch die Unterjochung Aller. Als die gesetzliche Leibeigenschaft aufgehört, fand sich ein Mittel, welches dennoch Alle zu Sklaven machte. Dieses Mittel war das Geld. Der Despotismus mußte daher Geld haben. Dieses zu beschaffen, war die höchste Aufgabe der Politik. Die Entwicklung dieser Politik erzeugte die Kunst, nicht nur das lebende Geschlecht sondern auch die Nachwelt schon zu besteuern, tue Zukunft auszubeuten. Dieses geschieht durch die Staatsanlehen. Durch diese aber erwuchs die Macht des Kapitals, die Macht der Nothschilde, der Börsenhelden.
FF. Briefe über Erfurt
Die Erfurter Festnngsgenossenschaft ist endlich mit dem ihr gewordenen Auftrag fertig; sie hat das Nach- richteramt an der ohnehin lebensunfähigen Dreikönigsverfassung vom 26. Mai v. I. geübt durch ihre Bor- revision; sie mag nun mit dem Nächsten vertagt werden, was wahrscheinlich, oder noch ein Paar Wochen fortvegetiren — ihre Aufgabe ist einstweilen zu Ende, wenn man sie denn wirklich wiederzusammcn- rufen und ihr neue Vorlagen machen sollte, so würde es allen Anzeichen nach nur zu dem Zwecke sein, daß sie mit ihrem Werke der Vorrevision gerade so verfahren müßte, als sie jetzt mit der ursprünglichen Drei- königsvcrfassung zu verfahren gezwungen war, d. h , daß sie mit einer neuen Revision beginnen und dieselbe im Sinne der ultrareaktionären schwarzweißen Partei vollenden müßte.
Und doch darf sich die gagern'sche Majorität dieses Parlaments gestehen, daß sie in dieser Hinsicht nichts Gewöhnliches, daß sie etwas Erkleckliches geleistet, und darum wohl auf etlichen Dank ihres preußischen Gebieters Anspruch machen dürfte, wäre man auf dieser Seite nicht längst entschlossen, den zu bildendes großpreußischen Einheitsstaat in der romantischen Form deS Mittelalters zu construiren und deshalb aus der Staatsverfassung selbst den Schatten deS Scheinconstitutionalismus zu entfernen. Diesen Zweck vor Augen müssen denn natürlich selbst die Großthaten, welche die sog. „deutsche" oder „konstitutionelle" Partei, die Gagernleule, dein preußischen Mächtegerne- absolutismus geleistet, in Nichts zusammenzuschrumpfen. Jedenfalls aber ist es von Nutzen, den Völkerstämimn der kleinen Staaten, die selbst vor dem März gewisse Rechte und Freiheiten besessen, und die man in daS Großpreußenthum aufgehen lassen will, zu zeigen, wie sie in Bezug darauf, selbst nach der jetzt revidirten Dreikönigsverfassung fahren werden, und welche Rechte die Gothaer hingeopfert haben, dieselben Leute, welche doch nur von winzigen Minoritäten in das Festungsparlament geschickt worden sind. — Danach kann ein Beschluß, welchen das Parlament faßt, nur Gültigkeit erlangen, wenn er nicht nur übereinstimmend von beiden Häusern, dem sogen. Volkshause und dem sogen. Staatenhause, gefaßt worden ist, sondern auch die Zustimmung des Reichsvorstandes und die des Fürstenkollegiums erhalten hat. Also wenn irgend einmal ein wirklich volksfreundlicher Beschluß aus dem unvolks« thümllchen „Volkshause" hervorginge, so find vor denselben noch drei starke Heininketten gespannt, die in drei Institutionen bestehen, deren jede eine den I te- resien des Volks im Wesentlichen zmviderlaufende Richtung verfolgt. Wenn in tausend Fällen ein dem Bolle günstiger Beschluß zu Stande kommt, wurde man von Glück sagen können.
Die Auswanderungsfreiheit kann durch die Wehrpflicht beschränkt werden. Da nun jedenfalls den klei-
Ei» Streifzug in die kalifornischen Minen wahrend der Regenzeit.
Von Friedich Gerstâcker.)
(Fortsetzung.)
Am Freitag'Morgen (und in der ganzen Zeit regnete es unaufhörlich' fort) bekam ich die Fro wirklich. Noch hatten wir aber —denn ich nahm jetzt den jungen Matrosen zu mir, damit wir rascher fertig würden — kaum zwanzig oder dreißig Bretter gespalten, als ein Amerikaner zu uns kam, uns erklärte, die Fro sei sein Eigenthum und nicht das der Leute, die sie uns geborgt haben, und sie dann, trotz unserer Versicherung sie ihm nach einer einzigen Stunde selber an seinen Wohnort bringen zu wollen, mit fvrtnahm. Es ließ sich dagegen nicht gut etwas thun ; der Mann konnte mit seinem Eigenthum machen, was er wollte, wir befanden uns aber dadurch, bei dem alles durchweichenden Regen, in der mißlichsten Lage von der Welt. Am Tage jetzt unausgesetzt in der Nässe, alle unsere Kleider und Decken vom Wasser durchdrungen, und nicht einmal Nachts einen trockenen Play zu haben, wo man die erschöpften Glieder ausstrecken und erwärmen konnte — es war zu schlimm.
Wir mußten das uns Beschiedene ertragen, doch selbst mein Trostspruch, der mich bis dahin über manches mit leichtem Herzen weggebracht, fing an in etwas an Kraft zu verlieren. „Wer weiß wozu es gut ist/ sagte ich mir wohl noch oft genug leise und laut vor
ich wußte es aber auf seinen Fall und konnte wahrlich nicht einmal eine derartige Möglichkeit darin entdecken. Die Lebensmittel gingen ebenfalls mit starken Schritten auf die Neige — die Brodrativnen waren schon schwächer eingetheilt und die einzelnen kleinen Brode mit dort wachsenden rothen, ziemlich wohlschmeckenden Beeren vermischt und gegessen worden. Machten die Wäscher heute nicht eine sehr gute Ausbeute, so sah es wunderlich mit uns aus.
Da ich nun doch an dem Holz, bis ich die Fro be- kam, nichts zu arbeiten vermochte, beschloß ich selber einmal, gerade dort am Flusse, wo wir Nachts unter einem, den Regen übrigens nicht im mindesten abhaltenden Blätterdach schliefen, einzuhauen — möglicherweise, daß ich hier zufällig auf eine gute Stelle kam und uns so aus aller Verlegenheit reißen konnte. Doch auch das zeigte sich vergebens; umsonst arbeitete ich zwei Stunden lang in einem wahren Playregen ; allerdings stießen wir, mein Gefährte und ich, auf die etwa 2% Fuß unter der Erde liegende verwirrte Steinschicht, das Gold zeigte sich aber hier so spärlich, so vereinzelt und in so kleinen Blättchen, daß eö die Mühe der Arbeit gar nicht lohnte. Der Regen zwang uns vhnedieß bald anfzuhören; der Fluß stieg und trat von unten herauf in das Loch das wir gegraben, während es die in einem fort niederströmende Fluth von oben zu gleicher Zeit anfüllte.
Naß und hungrig mochten auch wir vielleicht eher er« I müden als das sonst der Fall gewesen wäre und wir kauerten
eben in unsere ebenfalls nassen, aber doch den Sturm abhaltenden wollenen Decken gehüllt, am Feuer, als auch die übrigen von ihrem Wafchplatz zurnckkehrten und als einziges Resultat ihrer Tagesarbeit auf vier Mann etwa zwei Dollars werth Gold brachten.
So konnte und durfte unser Leben nicht mehr fortgehen — wer hätte das auch auf die Länge der Zeit ausgehalten! Hier konnten wir ohne Provisionen nicht länger bleiben. Der zum Store Geschickte kehrte mit einer kleinen Quantität Mehl zurück und versicherte uns der Kaufmann schiene kaum noch Lust zu haben, das wenige Mehl das ihm übrig geblieben, zu 1 % Dollars das Pfund abzulassen — andere Provisionen konnten nicht mehr, der jeyt grundlosen Wege halber, herbeigeschafft werden. Was sollte» wir thun ?
Die Lösung war leicht gefunden, denn schon seit drei Tagen hatten uns mehrere Amerikaner gezeigt was unter solchen Umständen zu thun wäre: diese packten nämlich ihre paar Sachen auf den Rücken, nahmen Spitzhacke und Schaufel in die Hand und verließen ihrer Aussage nach, so schnell sie konnten, eine Gegend, wo in acht Tagen Hungcrsnvth herrsche« müsse, wenn sie alle d.» blieben. Zu zweien und dreien waren sie, während ich nicht weit von dem schmalen, am Fluß hnianfsührenven Fußpfad arbeitete, an mir vorbeigezogen, und ich sah jetzt recht gut ein, daß an einen längeren Aufenthalt für uns in dieser Gegend und unter solchen Umständen nicht mehr zu denken sei. Noch an demselben Abend