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Der Aunftzopf

Drei Briefe zur Beherzigung für den H a n d w e r k e r st a u d.

y Aus der Provi«;. Dem Hand wer» ker« und Arbelterstand muß aufgeholfen werden," war der einstimmige Ruf der Partheien gleich nach der Märzerhebung. Ueber das Wie? aber waren die Ansichten sehr getheilt. Die Stimme des Radikalreformers verstummte, weil man bei dem Na­men derRothen" conservative Krämpfe bekam, und somit begannen die konservativen ihre Quacksalbereien. Zurück" ist die Parole dieser Race, also mußte der Handwerkerstand auch zurückgeführt werden. Natür­lich war die mittelalterliche Zunfteinrichtung das Heil des Gewerbestandes und alsbald drehte man in allen Kammern stattliche Zunftzöpfe. Eine würdige und anmuthige Arbeit für diepraktischen Männer" der StaatS-Kammern. So lächerlich uns das Treiben er­schien, so haben wir doch geschwiegen, weil wir wuß­ten, daß Michel erst wiederrennen muß. Der Zunft­lärm erinnerte uns eben an die Geschichte von dem grünen Esel.

Da der erste Freudenrausch der Märzerrungen­schasten indeß einem praktischen Katzenjammer Platz gemacht; so glauben wir endlich einmal ein Wort re- den zu können, ohne mit dem Schreckensruf:Rother Wühler!" überschrieen zu werden.

Wir fragen nach den Resultaten derpraktischen Errungenschaft!"

Gehen die Geschäfte besser, werden meisterhafte Arbeiten zu entsprechenden Preisen geliefert, oder be­steht Pfuscherei und Arbeitslosigkeit fort?

So viel wir beobachten können, eilt der Handwer­kerstand mit beschleunigter Geschwindigkeit in die große Ebene des Proletariats herab. Was ist gewonnen? Den jungen Leuten ist das Meisterwerden erschwert, weil mitunter die Mittel fehlen, das Meisterstück ma­chen zu können.

Sollten sich deßhalb die vorhandenen Meister threS Privilegiums freuen und bessere Kundschaft und ehren- werthe Preise hosten, so sind sie eben noch nicht ent­täuscht.

l Was nützt es z. B. dem Schlosser der alleinige Meister eines Städtchens zu sein, wenn jeder Krämer- seine Erzeugnisse feil bietet. Kann er mit dem Krä­mer und seinen Fabrikarbeiten concurriren ? Selbst wenn er die ausgezeichnetsten Pfuschereien macht, kann er den Kampf nicht aufnehmen. Was soll ihm die Geschicklichkeit nützen, er hat ja nur zu flicken.

Geht es bei anderen Professionisten anders? Zum Voraus müssen wir uns gegen den Gedanken verwah­ren, als wollten wir nicht die bessere Ausbildung der Handwerker: allein mit dieser haben wir es

vorerst nicht zu thun, sondern mit den Ursachen des Ruins des Handwerkerstandes. Der gewöhnlichste Irr­thum ist der, daß alle Geschäfte übersetzt, daß ein Hand­werker dem anderen im Wege stehe.

Gibt es jetzt mehr Schuster als vor 30 Jahren, so gibt es auch mehr Füße, welche Schuhe und Stie­fel zerreißen, gibt es mehr Schlosser, so gibt es auch mehr Thüren, an welche Schlösser gebraucht werden. So werden sich die Geschäfte ausgleichen. Es könnte nur von einer Uebervölkerung überhaupt die Rede sein, so daß das Land nicht mehr seine Bewohner zu er­nähren vermöchte. So lange indeß einzelne Menschen Hunderttausende von Gulden oder Thalern jährlich oder monatlich verbrauchen, so lange wir Ueberfluß an Nahrungsmitteln haben, kann von einer Uebervölkerung nicht die Rede sein, sondern blos von schlechter Haus­haltung im Staate. Abgesehen von der allgemei- nen Erkrankung des Staatskörpers, die ihre Er- fchlastung auch auf den Handwerkerstand überträgt, hat dieser eine bösartige Geschwulst, die ihm alle Nah­rungskraft entzieht, die Coucurretiz des große«» Capitals.

Der Handwerkerstand zehrt sich nicht un­tereinander auf, sondern er gleicht eineßn Fliegenschwarm, über welchem eine Spinne ihr Netz aus breitet, in welchem die Fliegen gefangen und von der großen Spinne aus­gesaugt werden. Diese Spinne ist die zügellose Eoncurrenz: die engherzigen Kapitalisten und die mo­nopolistischen Fabrikherrn sind die Feinde des Hand­werkerstandes, gegen welche der ganze Arbeiterstand zu seiner Rettung Front machen.muß.

D e « t s eh t e « >.

Dillenburg, 21. April. Morgen beginnen unsere SchwUrgerichtssiMngen. Ich theile Ihnen nach­stehend das offizielle Verzeichniß der bei den Assisen des Hofgerichtsbezirks Dillenburg für das 2te Quartal zur Verhandlung kommenden;Untersuchungssächen mit, wobei ich die Vertheidiger, soweit mir solche auf münd­liche Anfrage bekannt geworden, anführe:

1) den 22. April, Johann Wilhelm Mayer 2r von Selters, wegen Diebstahls; Vertheidiger: Proku­rator Schenck.

2) den 23. April, Johannes Leicher von Sto­ckum, Justizamts Marienberg, wegen Verbreitung fal­scher holländischer Fünfgulvenstücke; Vertheidiger: Ad­vokat Winter.

3) den 24. und 25. April, Jakob Luck aus Ge­münden , Justizaints Rennerod, wegen Mordversuchs; Vertheidiger: Prokurator Braun.

4) den 26. April, Johann Georg Pletsch aus Beilstein, Juftizamtö Herborn, wegen Schriftfälschung;' Vertheidiger: Prok. Braun.

5) den 27. April, Mathias Eisenbart auS

Oberbrechen, Justizamt Limburg, wegen Tödluna, Vc.- theidiger: Prok. Schenck.

6) den 29. und 30. April, Johannes Wolf ans Hillscheid, H. Amts Montabaur, wegen Todtuna, Vertheidiger: Prok. Keller.

7) den L Mai, Wilhelin Weber aus Kirberg, Justizamts Limburg, wegen Diebstahls; Vertheidiger: Advokat Winter.

8) den 2. und 3. Mai, Chausseewärter Philipp Wegmann aus Hölsenhausen, H. Amts Marienberg, wegen Dienstvergehens; Vertheidiger: Prok. Braun.

9) den 3. Mai, Johannes Streuber von Nieder­sayn, Justizamts Wallmerod, wegen Schriftfälschung; Vertheidiger: Prok. Schenck.

10) den 4. Mai, Ludwig Köppel, Peter Feh­ling und Christian Fehling aus Beilstein, H. Amts Herborn, wegen Gewalthätigkeit; Vertheidiger: Prok. Brau n.

11) den 6. und 7. Mai, Philipp Köpper und Wilhelm Luckenbach aus Stein, Justizamts Marien­berg, wegen Verbreitung falscher holländischer Füuf« guldcnstücke; Vertheidiger: Prok. Braun.

12) den 8. Mai, Jakob Daniel Haus von Hom­berg, Justizamts Rennerod, wegen Verbreitung fal­scher holländischer Fünfgulvenstücke; Vertheiviger: Ad­vokat Winter.

13) den 10. und 11. Mai, Peter Heinz und Fried­rich Bod endend er von Fellerdilln, H. Amts Dil­lenburg, wegen Verbreitung falscher königl. preußischer Darlehenskasseuscheine; Vertheiviger: Prok. Braun.

14) den 11. Mai, Friedrich Mehler von Runkel, wegen Schriftfälschung; Vertheiviger: Prok. Keller.

15) den 13. Mai, Jacob Bornwasser von Bie­brich, H. Amts Diez, wegen Tödtung; Vertheiviger Prok. Braun.

16) den 14. Mai, Johann Georg Gottfried Griem« lich von Dauborn, H. Amts Limburg, wegen Dieb­stahls; Vertheidiger noch nicht bestellt?

17) den 15. Mai, Johannes Kranz von Atzelgift, Justizamts Hachenburg, wegen Schriftfälschung; Ver­theidiger noch nicht bestellt.

Aus dem badischen Mainthale, 15. April. Schrecklich! Die Standrechtsgrifette berichtet folgende schauerliche Begebenheit:In Wertheim hat vor­gestern ein Vorfall stattgefunden, welcher deutlich zeigt, welch' frecher Geist noch in der Demokratie herrscht. Bei dieser Stadt nämlich steht an dem Mainufer ein sog. Territorialstock, d. h. ein mit dem großherzoglichen Wappen versehenes Zeichen der Lanbesgreuze gegen Baiern. Auf diesen Territorialstock nun wurde über dem Wappen eine blutrothe Mütze am Morgen des 13. l. M. angenagelt gefunden. Glücklicher Weise ist es gelungen, den physischen Urheber ausfindig zu ma­chen und zur Haft zu bringen. Es ist ein 12jähriger Bursche, welcher übrigens der allgemeinen Ueberzeu­gung nach lediglich das Werkzeug Anderer gewesen ist.

Ein Streifzug in die kalifornischen Minen wahrend der Regenzeit.

Won Friedich Gerstâcker.)

(Fortsetzung.)

Die im Ganzen gewöhnlich gebrauchten Instrumente sind: Sitzhacke und Spaten, Becken, dann und wann ein Brecheisen, und eine Art eiserner Löffel, womit die goldhaltigste Erde von der untern harten Felsschicht ab­gekratzt werden muß.

Das Graben muß sich der Leser nämlich nicht so leicht denken: Golv ist schwer, und liegt deßhalb nicht oben, auf dem weit leichtern Sand. Wer daher wirklich Gold finden will, darf nicht in der obern Erde waschen, sonder«, muß diese vorher so tief abschaufeln, bis er auf die untere Fels- oder Thonschicht, je nachdem der Boden ist, kommt. Hier lagert das Gold, und die auf solcher Unterlage ruhende Erde muß etwa eine Handbreit hoch angenommen und ausgewaschen werden. Das übrige höher Liegende ist unbrauchbar. Die Tiefe der Erde nun, bis man eben auf solchen Grund kommt, ist sehr verschieden; manchmal geschieht das schon in ein oder zwei Fuß, manchmal muß man aber auch fünf, ja sechs Fuß darnach graben und sehr oft ist es da schon ge­schehen, daß Leute eine ziemlich bedeutende Quantität Erde auSwarfen, ohne festen Bode«, zu finden, ermüdeten und lieber auf einem ander«, Platz von vorn anfingen, ehe sie so tief weiter gruben, lwährend andere die nach

ihnen Famen die schon begonnene Oeffnung benutzten und nur vielleicht noch wenige Zoll auszuwerfen brauchten, um den goldhaltigsten Boden zu finden.

An Diesem Tag waren wir voll Der besten Hoffnungen; wir hatten Den Gewinn des Golves selber mitangesehen, Massen von Schwierigkeiten hierher zu kommen, über­wunden und die Aussicht schien jetzt vorhanden, daß wir mit nur einigermaßen Glück ein ganz günstiges^ Resultat für uns erzweckeu könnten.

Der nächste Tag sollte manche unsere Erwartungen etwas tiefer spannen, manche unserer vielleicht hie und Da et­was kühnen Hoffnungen Dämpfen.

Unsere Provisionen waren nämlich ihrem Ende schon näher gewesen, als wir es selbst geglaubt hatten; der junge Mann, der das Kochamt gewöhnlich versah, zeigte uns plötzlich an, daß neue Provisionen, baldigst ange. schafft werde«, müßten, wenn wir nicht eines schöne«, Morgens ohne Frühstück sein wollten, und die Preise die wir hier für neuen Vorrath zahlen mußten, recht­fertigten allerdings eine geringe Besorgniß. DaS Wetter hatte sich Dabei in der Nacht höchst ungünstig gestaltet; Der Wind hob sich, die Wolke«, zogen scharf und in langen dunkelschattirten Streifen über die Bergrücken hin, und um 9 Uhr fiel ein im Anfang dünner, Dann immer dreister werdender Rege«, nieder. Wenn das der Anfang der wirklichen Regenzeit war?

Bei unserm Eintritt in dies Thal hatten wir, ge­rade in dem schon vorerwähnten Store, unsern letzte«,

gemeinschaftlichen Thaler für etwas frisches Fleisch aus­gegeben; das für das Maulthicr cingetauschte Webf war ebenfalls bald verzehrt denn sechs hungrige Mâgeu find in der frische«, Berglust wirklich im Stande außer­ordentliches zu leisten und wir mußten jeyt wirklich vor allen Dingen Daran denken, etwas zu vervienen, um diesem Mangel abzuhelfen.

In den Bergen ließ sich aber, trotzdem daß man uns vorher erzählt hatte, es könne dort leicht ein Mann bei andern Golvrväschern für acht bis zehn Dollar den Tag Arbeit und Kost finden, nichts verdienen, als wenn wir selber so gut es sich machen wollte, für unsere eigene Rechnung daran gingen. Wir versäumten deßhalb auch keine Zeil und begannen an dem Platz, wo die Leute von denen wir die Maschine eingetauscht, vor uns gegraben, unsere Operationen. Zu gleicher Zeit war es aber auch nöthig, daß an einem Schutzdach gegen den Regen gearbeitet wurde, denn blieb das Wetter so, so stand uns ohne Oabach eine höchst traurige Existenz be­vor, ja Krankheiten mußten einem solchem Leben folgen. Ich war aber Der einzige von uns sechs der mit einer Axt umzugchen wußte, und auf mich fiel natürlich auch die mir übrigens jedenfalls angenehmere Arbeit. Ich traf nun Morgens nach dein was ich bis jept von den Amerikanern hatte wasche«, sehen, Sorge, daß an Den richtigen Stellen die Erde weggenommen und bei Dem zu Waschenden mit Der gehörigen Sorgfalt umgegangen würde und kehrte dann zu unserm Lager zurück, in dessen